Auras 1848 und Pastor Feyerabend

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Prof. Dr. Walter Schmidt veröffentlicht hier seinen Beitrag zur Geschichte von Auras.

 

Walter Schmidt

Eine schlesische Kleinstadt im Umfeld von 1848.

Auras an der Oder im Revolutionsjahr 1848/49, Pastor Oswald Feyerabend und das große Oderhochwasser von 1854

Stadt und Burglehn Auras

Der 1203 erstmals in Quellen erwähnte Ort Auras (Uraz) an der Oder1, der seit 1218 über eine auf den Erzengel Michael geweihte Kirche verfügte und seit 1312 nachweislich Stadtrecht besaß, bestand in der Mitte des 19. Jahrhundert aus zwei administrativ selbständigen Teilen. Dies war zum einen die eigentliche Stadt Auras, eher ein Landstädtchen, das seit den preußischen Reformen von 1808 aber immerhin über eine Stadtverordnetenversammlung verfügte und einen von dieser gewählten und von der Regierung bestätigten und eingesetzten Bürgermeister besaß. Bis ins 19. Jahrhundert galt Auras als Mediatstadt,2 hatte keine eigene Gerichtsbarkeit, sondern unterstand der jeweiligen adligen Herrschaft derer vom Burglehn und zählte mithin zum platten Land. Es war die kleinste Stadt des 1815 neu konstituierten Kreises Wohlau (Wołów) im Regierungsbezirk Breslau (Wrocław). Sie hatte es nach der preußischen Städtereform von 1808 schwer, dass Stadtrecht zu behalten. 1851 hatte das Innenministerium Auras - ebenso wie auch Winzig (Wińsko) und Wohlau - als Stadt erst wieder bestätigt.3 In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts bestand für Auras die akute Gefahr, das Stadtrecht zu verlieren, was zu verhindern der Stadtverordnetenversammlung nur mit Mühe und Not gelang. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als aus dem deutschen Auras das polnische Uraz geworden war, wurde dem Ort der Status einer Stadt genommen.4 Heute ist Uraz in die Stadt- und Landgemeinde Oborniki Śląskie (früher Obernigk) eingegliedert.

Daneben gab es zum anderen die von der Stadt gänzlich unabhängige, selbständige Landgemeinde oder den Gutsbezirk Auras-Burglehn (auch Auras-Fischergasse genannt) einschließlich der Kolonien Weitewalke und Raake, die beide etwas abseits des Ortes lagen. Auras-Burglehn unterstand der Gutsherrschaft des Auraser Schlosses. Das Schloss gehörte in der Mitte des 19. Jahrhundert Eleonore Frfr. von Schuckmann (1781-1854), der Witwe des bereits verstorbenen preußischen Staatsministers Caspar Friedrich Frh. v. Schuckmann (1755-1834).5 Sie war die Schlossherrin und damit zugleich die Besitzerin von Auras-Burglehn einschließlich der beiden Kolonien Raake und Walke sowie Küchenwinkel mit 893 ha Land. Eleonore v. Schuckmann hatte Schloss mit Gutsherrschaft 1840 von einer Frau von Schickfuß erworben und übergab beides 1847 als Geschenk an den jüngsten Sohn Frh. August v. Schuckmann (1817-1867). Er war seitdem Herr über Auras-Burglehn und Patron der evangelischen Kirche.

Der Zusammenschluss von Landgemeinde Auras-Burglehn und Stadt Auras wurde erst am Ende des 19. Jahrhunderts von Kaiser Wilhelm II. gestattet und zog sich bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hin.6 Im März 1894 wurde der Antrag zur Vereinigung an das Innenministerium gestellt, dem der Kaiser am 16. September 1894 zustimmte. Endgültig Rechtskraft erlangte die Eingemeindung von Burglehn in die Stadt 1922. Zugrunde lag dem nach entsprechenden Beschlüssen des Kreistags und des Bezirksausschusses eine Genehmigungsurkunde des preußischen Staatsministeriums vom 15. Juni 1922. Die eigentliche Stadtgemeinde hatte zu diesem Zeitpunkt 817 Einwohner; die Landgemeinde zählte 629. 1932 lebten dann in Auras 1640 Bewohner. Gemäß dem Steuersoll von 1892/93 zählte Auras Stadt bei der Antragstellung von 1893 817 Einwohner. Wie groß die Einwohnerzahl von Landgemeinde und Stadt im Jahre 1848 war, ließ sich nicht genau feststellen; wahrscheinlich wird es die 1000 beträchtlich überschritten haben. In einer Beschwerdeschrift von Februar 1847 wird von „dem kleinen, circa 1000 Seelen zählenden Auras“ gesprochen.7 Ein Visitationsbericht von 1840 nennt für Stadt und Vorstadt Auras hingegen eine Einwohnerzahl von 1400. Beklagt wird darin, dass häufig Ehescheidungen vorkommen, „besonders in der Stadt, wo überhaupt viel Unsittlichkeit vorherrschen soll.“ Auch gäbe es in Auras auf 100 Geburten etwa 13 uneheliche.8 Das Breslauer Evangelische Konsistorium nahm den Bericht zum Anlass, um die Breslauer Regierung auf die hohe Zahl von „fleißig besuchten 19 Wirtshäusern“ aufmerksam zu machen, was einen bedauerlichen Sittlichkeitsverfall offenbare.9 Auras war schon damals offensichtlich eine ganz normale schlesische Kleinstadt, deren Bewohner auch zu leben wussten und sich nicht an allzu strenge Moralregeln hielten.

 

Die deutschkatholische Gemeinde des Vormärz – der Konflikt zwischen Bürgermeister und Bürgerschützenkorps

Im Vormärz und in der Revolution von 1848/49 bestanden die Stadtgemeinde Auras und die Landgemeinde Auras-Burglehn also noch als selbständige Einheiten nebeneinander. Ganz ohne Konfliktpotential ging Auras jedoch nicht in das in das Revolutionsjahr 1848. Seit 1844 war durch religiöse Differenzen in der katholischen Kirche, in die aber auch Protestanten einbezogen wurden, gesellschaftliche Bewegung in die Kleinstadt an der Oder gekommen. Der schlesische katholische Kaplan Johannes Ronge (1813-1887) aus Grottkau (Grodków) hatte in diesem Jahr der römisch-katholischen Hierarchie den Kampf angesagt. Er protestierte gegen die von den Kirchenbehörden veranstalteten Massen-Wallfahrten zur Reliquie des angeblich erhalten gebliebenen Rocks von Jesus Christus, der in Trier ausgestellt worden war.10

Daraus entwickelte sich in relativ kurzer Zeit eine relligiöse Dissidentenbewegung, die sich deutlich- oder christkatholisch nannte und rasch vor allem in Schlesien, aber auch im Königreich Sachsen und kurz darauf auch in anderen Theilen Preußens wie in Südwestdeutschland zahlreiche Anhänger mobilisieren konnte.11

Diese religiöse Oppositionsbewegung wandte sich gegen die päpstliche Vorherrschaft, schaffte die Heiligenverehrung, die Ohrenbeichte und den Zölibat ab und strebte eine romfreie Kirche an, Sie redete einer vernunftgemäßen Auslegung der Bibel das Wort und führte in den Gemeinden demokratische Prinzipien bis hin zur Gleichberechtigung der Frauen ein. Vor allem letzteres führte dazu, dass der Deutschkatholizismus vor der Revolution auch zu einer Heimstatt für politisch Oppositionelle wurde. Einer ihrer Prominentesten war Robert Blum (1807-1848) in Leipzig.

Die Deutschkatholiken waren der preußischen Regierung einerseits nicht ganz unrecht, da
deren Bestrebungen versprachen, die Übermacht der römisch-katholischen Kirche, mit der
Preußen in den dreißiger Jahren bereits Konflikte hatte, zu schwächen. Andererseits verbarg
sich hinter der von Ronge ins Leben gerufenen religiösen Bewegung gleichsam kryptisch
politische Opposition, die die Herrschenden natürlich eher vermieden wissen wollten. Der
rasche Aufschwung des Deutschkatholizismus reflektierte in religiösem Gewande nur die tiefe Unzufriedenheit von breiten Teilen des Bürgertums wie der sogenannten Unterschichten mit den bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zuständen. Es war kein Zufall, dass sich in dieser Bewegung politische Kräfte formierten, die in der Revolution mit demokratischen Zielvorstellungen offen hervortraten und oft an der Spitze der achtundvierziger Demokratie agierten.

Die deutschkatholische Bewegung fasste auch im Kreis Wohlau Fuß. Ende Juli 1845
gründete der römisch-katholisch getaufte Kreisgerichtsrat Eduard Goeppert (1798-1854) in
der Kreisstadt eine christkatholische Gemeinde, die sich der Gemeinde von Breslau anschloss, und wurde deren Vorsteher.12 In den folgenden Jahren nahm er als Delegierter und Vorsitzender von schlesischen Synoden der Deutschkatholiken und als Mitglied des schlesischen Provinzialvorstandes verantwortliche Ämter in der Bewegung wahr. Auch veröffentlichte er mehrere Artikel zur Begründung der geistigen und rechtlichen Positionen des Christkatholizismus, so
„Die Ehe“, in dem er sich für die Zivilehe ausspricht, und „Die rechtliche Stellung des Christkatholiken in Deutschland“ 13

 

Diese Entwicklung ging an Auras nicht spurlos vorüber. 1845 schlossen sich 43 Auraser Bürger, ehemalige Katholiken, aber auch Protestanten, den deutschkatholischen Bestrebungen an und bildeten am 18. Juli 1845 eine deutschkatholische Gemeinde. Sie galt ebenfalls als eine Filiale der Breslauer Gemeinde.14 Zur Auraser Gemeinde gehörten auch einige Mitglieder aus Hauffen, Leonhardwitz (Lenartowice), Liebenau (Lubnów), Klein-Bresa (Brzezinka Średzka) und Kunzendorf (Golędzinów). Insgesamt waren es 80 Seelen, die gute Hälfte davon Auraser. Den Vorstand bildeten der Schlosser Webermeister sowie als sogenannte Älteste der Steuereinnehmer von Roth-Roffy und der Hauptmann a. D. Baron Friedrich von Schottendorff. Den neuen Gläubigen war der Mitgebrauch des evangelischen Gotteshauses, des sogenannten Bethauses, gemäß einer Verfügung vom 23. September 1845 gestattet. Zum evangelischen Pastor Oswald Friedrich Feyerabend (1809-1872) hatten die Deutschkatholiken wohl ein recht gutes Verhältnis; er assistierte sogar bei den Begräbnissen. Die 10 schulpflichtigen Kinder besuchten meist die evangelische Schule von Auras oder Riemberg, einige aber auch die katholische Schule. Bis Ostern veranstaltete die Gemeinde acht Gottesdienste, zu denen Prediger aus Breslau kamen, darunter bekannte führende Deutschkatholiken wie Theodor Alexander Hofferichter (1815-1886) und der Universitätsprofessor an der katholisch-theologischen Fakultät Dr. Johann Anton Theiner (1799-1860), der im Juni 1845 aus der katholischen Kirche ausgetreten war und sich den Deutschkatholiken angeschlossen hatte. Im Januar 1846 besuchte sogar der Glaubensgründer Ronge die Auraser Gemeinde. In der schlesischen christkatholischen Bewegung war Auras in den folgenden Jahren aktiv. Auf deren schlesischen Synoden von 1846 und 1847 in Breslau wurde Auras durch Baron von Schottendorff und den Förster Neugebauer vertreten.15 Wie sich die Gemeinde später entwickelte und welche Rolle sie im Leben der Stadt neben den beiden anderen christlichen „Volks“-Kirchen, den Katholiken und den Evangelischen, spielte, ist den wenigen Quellen nicht zu entnehmen.

Von sich reden machte die Stadtgemeinde Auras in den lokalpolitischen Bestrebungen des Vormärz, soweit sich diese bereits artikulieren konnten, durch das Auftreten des deutschkatholischen Vorstandsmitglieds v. Schottendorff, dem die neue Gemeinde wohl vor allem einen zusätzlichen Rahmen für seine oppositionelle Haltung bieten mochte. Opposition betrieb v. Schottendorf nicht im großen Stil, sondern im kleinstädtischen Rahmen, vor allem gegen den Bürgermeister. Das Bürgermeisteramt übte in dieser Zeit der 1783 geborene Reimann aus, offenbar ein angesehener Bürger der Stadt, dessen Beruf oder Geschäft nicht in den Quellen verzeichnet ist. Er war schon geraume Zeit im Amt und in der Stadt nicht unbeliebt. Die keineswegs politisch begründeten, sondern auf persönlichen Differenzen beruhenden Auseinandersetzungen zwischen Schottendorff und Reimann, die 1845 einsetzten, steigerten sich zu einem offenen Konflikt, der in der Revolution seinen Höhepunkt erlebte.

1844 hatte Friedrich von Schottendorff aus der vorher bestehenden Schützengilde von Auras ein Bürgerschützenkorps gebildet, das er seit April 1845 als gewählter Major und Kommandeur auch leitete.16 Schottendorff entstammte offenbar einem alten, zunächst im Sächsischen angesiedelten Adelsgeschlecht, dessen Name im 16. bis 18. Jahrhundert in verschiedenen Schriften als Kammerherr und Rat des sächsischen Kurfürsten auftaucht.17 Er war ein nun aber verarmter Adliger, ohne Grundbesitz und, wie er selbst erklärte, auch „vermögenslos“. Wahrscheinlich hatte er wie seine Vorfahren beim Militär gedient.18 Reimann und der Magistrat hatten das Schützenkorps zunächst unterstützt, waren aber auf Konfrontation gegangen, als Reimann bemerkte, dass Schottendorff zunehmend eigene, ihm widerstrebende Wege ging. Er machte nun Stimmung in der Bevölkerung gegen Schottendorff, mischte sich vor allem in das Leben des Schützenkorps ein und beschuldigte ihn fiskalischer Unregelmäßigkeiten, weswegen dieser vor Gericht kam und sogar bestraft wurde. Das Wohlauer Amtsgericht legte 1846 fest, dass die aus dem Streit entstandenen Gerichtskosten von Reimann und Schottendorff zu gleichen Teilen zu begleichen seien. Ein Versöhnungsangebot von Reimann vom 7. Mai 1846 im Zusammenhang mit der Begleichung der Prozesskosten von 54 Taler im Juni 1846 scheiterte. Schottendorff, der sich für vermögenslos erklärt hatte, sollte die Offiziersuniform gepfändet werden, was dieser als eine schwere Ehrverletzung empfand Er weigerte sich auch dann noch, die Uniform dafür zur Verfügung zu stellen, als das Oberlandesgericht Breslau im Januar 1847 die Beschlagnahme seiner Uniform für zulässig erklärte.

Anfang 1847 holte Schottendorff zum Gegenschlag aus. Er protestierte im Februar zunächst beim Berliner Innenministerium gegen das Urteil des Wohlauer Gerichts, was von diesem allerdings umgehend zurückgewiesen wurde. Daraufhin zeigte er Reimann am 20. Mai 1847 wegen Mängeln in der Amtsverwaltung an, was der vormalige Gutsbesitzer Kallinowsky, ein Freund und Kompagnon von Schottendorff, durch eine weitere Anzeige noch bekräftigte. Danach soll der Bürgermeister, so der Vorwurf, Klassensteuer unterschlagen haben. Die 1820 in Preußen eingeführte Klassensteuer bemaß die Steuerschuld nicht nach dem individuellen Einkommen, sondern nach der gesellschaftlichen Stellung. Sie wurde erst 1851 abgeschafft und durch eine gestaffelte Einkommenssteuer ersetzt. Die Regierung in Breslau ließ diese Anzeigen seit Mitte 1847 durch den Regierungsassessor Eichhorn auch ermitteln. Darüber hinaus sollte der Wohlauer Landrat Kober die Richtigkeit der Denunziationen von Schottendorff und Kallinowski überprüfen, war bis Anfang 1848 jedoch noch zu keinem Ergebnis gekommen. Darüber zeigte sich das preußische Innenministerium in einem Schreiben an die Regierung Breslau am 24. Februar 1848 höchst unzufrieden.19 Es habe sich gezeigt, dass die Kommunalverwaltung in Auras mangelhaft sei und ihre Verpflichtungen nicht erfülle, was vor allem Reimann zur Last falle. Er habe sich „grober Verletzung seiner Amtspflichten“ schuldig gemacht, weswegen unbedingt ein Disziplinarverfahren einzuleiten wäre. Darüber hinaus sei eine „gründliche Revision der ganzen Kommunalverwaltung“ vonnöten. Das war der Stand der Auseinandersetzungen in der Stadt Auras zwischen Schottendorff und Bürgermeister Reimann am Vorabend der Revolution.

Auras in der Revolution von 1848/49

In der Revolution von 1848/49 kulminierte dieser Konflikt auf besondere Weise. Mitte April 1848, einen Monat nach den Berliner Barrikadenkämpfen des 18. März, noch vor den Wahlen zu den parlamentarischen Vertretungen in Berlin und Frankfurt, erreichte die Welle der Revolution auch das Oderstädtchen. Die Anhänger von Schottendorff und Kallinowski witterten nach dem Sieg der Märzrevolution in Berlin offenbar eine Chance, mit dem Magistrat unter Reimann abrechnen und eine neue, ihnen genehme Stadtverwaltung auf den Schild heben zu können.20 Sie stützten sich dabei auf das Schützenkorps, das in einem Bericht auch als Klub bezeichnet wird. Mitte April 1848 wurde in dem kleinen friedlichen Oderstädtchen in der Tat ein Umsturz versucht. Bürgermeister und Magistrat sollten entmachtet und ein anderes, ein den genannten Klubmitgliedern genehmes neues Stadtregime installiert werden.

In dem Zeitzeugenbericht eines „gutgesinnten“ Auraser Bürgers in der „Schlesischen Zeitung“ heißt es dazu: „In der Nacht vom 13ten zum 14ten d. M. schmiedete ein hier wohlbekannter Klub, an dessen Spitze der Herr Hauptmann a. D. Baron von Schottendorf, der Dr. med. Andermann, Kaufmann Rettig und Ökonom Kallinowsky stehen, eine Volksversammlung auf folgende Weise. Sie weckten einen Teil ihrer Mitgenossen wie auch einige Bürger aus dem Schlafe, suchten sie durch falsche Vorspiegelungen sowie die wachthabenden Bürger durch Verabreichung von Getränken zur Unterschrift von Anschlagzetteln zu bewegen, die auch dieselbe Nacht noch an mehreren Orten der Stadt befestigt wurden. Der Zweck dieser Vereinigung war ein höchst ungesetzlicher, weil sie damit umgingen, die nach den Gesetzen eingeführten Behörden, als Magistrat und Stadtverordnete, ihres Amtes zu entsetzen und provisorisch aus ihrer Mitte einen Präsidenten und einen Polizei-Ratsmann zu wählen, wohl wissend, dass der Bürgermeister mit einem Ratmanne in Amtsgeschäften abwesend war. Ihr Plan glückte indes nicht.“21

Die Auraser Rebellen um Schottendorff und Kallinowski, die sich durchaus auch auf ehrenwerte Bürger wie den Arzt der Stadt und einen Kaufmann, sicher aber auch noch auf andere wohlhabende Einwohner stützten, konnten bei ihrem Aufstandsversuch vor allem auf Teile des Bürgerschützenkorps bauen, die auch mit ihren Waffen auftraten. Sie nannten „Königliche Partei“, verstanden sich als Anhänger und Schützer des preußischen Königtums und suchten ihr Anliegen als königstreu hinzustellen. Dass auch die deutschkatholische Gemeinde in den Putsch verwickelt war ist eher unwahrscheinlich. Die Aprilaktion des Schottendorffschen Klubs offenbarte sicher auch die Unzufriedenheit eines Teils der Auraser Bürger mit dem Stadtregime; dahinter verbarg sich aber auf jeden Fall aber der oben genannte Zwist zwischen dem adligen Hauptmann und dem bürgerlichen Bürgermeister. Schottendorff und Genossen suchten bei Abwesenheit des Bürgermeisters durch einen Handstreich die Machtverhältnisse in der Stadt zu ihren Gunsten zu verändern. Sie gingen dabei, offenbar angeregt von den erfolgreichen revolutionären Aktionen in anderen Städten, zumal in der preußischen Hauptstadt, durchaus revolutionär vor, scherten sich nicht um die bestehenden, gesetzlich abgesicherten Verhältnisse, sondern wollten diese umstürzen. Es gelang ihnen, eine Volksversammlung einzuberufen und auch durchzuführen, auf der sie ihre Anklagen gegen den Magistrat vortrugen. Doch vermochten sie nicht, die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer und der Bürger der Stadt für ihre Pläne zu gewinnen: „denn da sie in der Versammlung mit Waffen erschienen, so brachte dies Unruhen hervor, welche die gutgesinnten Bürger unter Mitwirkung ihres würdigen Pastors Feierabend zu unterdrücken wussten. Der Vortrag wurde zwar angehört, enthielt aber nichts als Verleumdung gegen den Magistrat, namentlich gegen den Bürgermeister, ohne eine einzige Klage zu begründen. Das Manöver hatte gerade die entgegengesetzte Wirkung, denn die beiden abwesenden Magistratspersonen wurden bei ihrer Zurückkunft von einem großen Teile der Bewohner mit Fahnen eingeholt und in die Stadt geleitet. Dagegen sind die Redner des Klubs den Gerichten zur Strafe übergeben worden.“22

 

Der Lebensweg Oswald Friedrich Feyerabends

Eine entscheidende Rolle spielte in dieser kritischen Situation in der Stadt Auras der evangelische Pastor Oswald Feyerabend, den die Bürger der Stadt wie des Burglehns als eine Vertrauensperson respektierten, auf die man hörte. Er verstand es, die Gemüter zu beruhigen und so einen Ausbruch von Gewalt zwischen den Parteien zu verhindern. Als die Gruppe um Schottendorff, die sich als Königliche Partei verstand, den gewählten Bürgermeister und den Magistrat in Auras beseitigen und sich selbst an die Macht bringen wollte, verhinderte er, dass die Auseinandersetzungen gewalttätig wurden. Dank seinem Eingreifen wurde rasch wieder Ruhe und Ordnung hergestellt. Der Pastor stand bereits seit November 1840 an der Spitze der Auraser evangelischen Kirchgemeinde und kannte sich inzwischen aus mit den Menschen und den Problemen der Stadt und ihres Umfelds links und rechts des Oderstroms.

Oswald Friedrich Feyerabend wurde am 14. Oktober 1809 in Töschwitz (Toszowice) bei Steinau (Śzinawa) als Sohn eines Wirtschaftsinspektors geboren; später, zum Zeitpunkt der Immatrikulation seines Sohns in Breslau, war der Vater Christian Siegmund Feyerabend Amtmann in Stusa (Piersno), einem Dorf im Kreis Neumarkt (Środa Śląska).23 Töschwitz, ein typisches langgezogenes schlesisches Straßendorf, unweit von Steinau gelegen und später zum Kreis Lüben (Lubin) gehörig, hatte damals wohl kaum 400 Einwohner und verfügte über zwei Ritterguter.24 Auf einem dieser Rittergüter, möglicherweise dem in Nieder-Töschwitz, das im späten 19. Jahrhundert Reinhold Preiß gehörte, war der Vater wahrscheinlich als Wirtschaftsinspektor angestellt. Über seine Mutter und die Familienverhältnisse der Feyerabends geben die wenigen überlieferten Quellen keine Auskunft. Die Familie bekannte sich zur evangelischen Glaubensrichtung. Ob Oswald die Elementarschule in Töschwitz besuchte oder der Vater, was üblich war, einen Hauslehrer für den ersten, aufs Gymnasium vorbereitenden Unterricht angestellt hat, bleibt offen.

Mit 14 Jahren verließ Oswald Feyerabend 1823 das Dorf und bezog, vorbereitet auf den Besuch einer höheren, sogenannten Gelehrtenschule, das Gymnasium in Hirschberg (Jelenia Góra), in einer von seinem Geburtsort weit entfernten Stadt von etwa 6000 Einwohnern, die als Zentrum des schlesischen Gebirgslandes galt. Warum die wesentlich näher gelegenen Gymnasien in Glogau (Glogów), Sagan (Żagań) oder Liegnitz (Legnica) ausgeschlagen und gerade Hirschberg favorisiert wurde, bleibt im Dunkeln. Das Hirschberger Gymnasium war unmittelbar nach der Altstädter Konvention von 1709 entstanden. Die Konvention hatte den Evangelischen nach der Gegenreformation in Schlesien sieben Gnadenkirchen zu errichten gestattet, darunter auch in Hirschberg, wo in diesem Zusammenhang sich um den Kirchbau die evangelische Gemeinde konstituierte. Das 1709 gegründete Lyzeum stand unter dem Patronat des evangelischen Gnadenkirchen-Kollegiums und wurde bereits 1712 in eine Gelehrtenschule umgewandelt.25 Deren volle Ausbildung als Gymnasium erfolgte allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Rektorat von Gotthelf Wilhelm Kröber (1775-1827), einem vorzüglichen Pädagogen, den Feyerabend noch kennenlernte, als die evangelische Schule vom Kirchenkollegium in die Obhut des preußischen Staates überging und die Humboldtschen Bildungsreformen zu greifen begannen. Während Feyerabends Schulzeit in den 1820er Jahren befand sich das Gymnasium in einer grundlegenden Umgestaltung. Die Lehrverfassung aus den Jahren 1830-1832, als die Schule unter der Leitung von Dr. Carl Linge stand, gibt darüber Auskunft.26 Die Mehrzahl der 36 wöchentlichen Lehrstunden der Prima war mit 6 bzw. 7 Stunden dem Griechischen und Latein vorbehalten. Für Deutsch waren 4 Stunden, für Französisch 2 Stunden eingeplant. Religion stand mit 2 Stunden zu Buche. Neue Geschichte wurde in 3 Stunden gelehrt und für Mathematik und Physik standen 4 bzw. 1 Stunde zu Verfügung. Künftigen Theologen wie Philosophen wurden 2 Stunden Hebräisch angeboten. Das humanistische Bildungsideal, in dem die klassische Antike mit ihren Sprachen im Zentrum stand,27 hatte sich bereits durchgesetzt.

Feyerabend besuchte das Gymnasium 8 Jahre, davon die Prima 2 ½ Jahre.28 Einer seiner Mitschüler war der spätere führende achtundvierziger Demokrat Moritz Elsner, ein anderer Ernst Tischer aus Maiwaldau, der zum Medizinstudium nach Breslau ging. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es dessen Schwester Therese Charlotte Tischer war, die ein gutes Jahrzehnt später Feyerabends Ehefrau wurde. Mit 8 anderen Primanern legte Feyerabend am 4. und 5. Oktober 1831 erfolgreich die Reifeprüfung ab. Er erhielt wie die meisten anderen Prüflinge die Note II, die zum Universitätsstudium berechtigte, und es ist vermerkt, dass er nach Breslau zum Theologiestudium gehen würde.29 Einer Schultradition entsprechend trat er - wie auch die anderen Abiturienten - bei der Entlassungsfeier am 7. Oktober noch mit einer in Deutsch gehaltenen Rede auf: „Warum erklärte Tertullian die Sculptur und Malerei für Erfindungen des Satans?“30

Nach dem Abitur nahm Oswald Feyerabend zu Michaelis 1831 das Studium der evangelischen Theologie an der Universität in Breslau auf. Am 28. November 1831 immatrikulierte er sich.31 Nach drei Semestern verließ er die Breslauer Universität, die ihn am 25. März 1833 exmatrikulierte. Einen Monat später, am 30. April 1833, schrieb er sich an der für ihre exzellente theologische Ausbildung bekannten Hallenser Universität ein.32 Nach Absolvierung des Trienniums schied er hier wahrscheinlich im Herbst 1834 aus.33 Da Unterlagen über sein Studium, namentlich die Abgangszeugnisse aus beiden Universitäten fehlen, lässt sich nichts Genaues über sein Studium in Breslau und Halle aussagen. Breslaus universitäre evangelische Theologie nahm zu dieser Zeit zwar keine herausragende Stellung in der Wissenschaftslandschaft ein, bot jedoch mit den Vorlesungen von acht Professoren nicht wenig.34 Besonders gefragt waren die Veranstaltungen des theologischen Rationalisten David Schulz (1779-1854), der das Christentum in Übereinstimmung mit dem Gesetzen der Vernunft zu bringen suchte und starken Einfluss auf die Studenten ausübte. Gleiches galt auch für den Philosophen Christian Julius Braniß (1792-1873) und den Historiker Gustav Adolf Stenzel (1792-1854), dessen Vorlesungen über die Befreiungskriege begeisterten. Die Hallesche Universität galt demgegenüber als ein Zentrum evangelischer Theologie in Deutschland,35 in dem zu dieser Zeit mit Wilhelm Gesenius (1786-1842), der zugleich ein führender Orientalist war, der theologische Rationalismus eine entscheidende Rolle spielte. Unterstützung fand Gesenius im Rationalisten Julius August Ludwig Wegscheider (1771-1849). Ihnen stand mit August Tholucks (1799-1877) offenbarungs- und bibelgläubiger Gotteslehre ein wirksamer, von der Masse der Studenten gehörter Widerpart gegenüber. Nicht zu vergessen der erzkonservative Historiker Heinrich Leo (1799-1878), der indes wenig Anklang fand.

Nach dem Studium verbrachte Oswald Feyerabend die zweite Hälfte der 1830er Jahre wahrscheinlich als Hauslehrer bei einem schlesischen Großgrundbesitzer, zuletzt in Alt Raudten (Stara Rudna), Kreis Steinau, unweit seines Geburtsorts Töschwitz, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In dieser Zeit legte er auch die beiden theologischen Examina ab.36 Erst das Bestehen der zweiten Prüfung pro ministerio machte ihn zu einem Kandidaten für das Predigeramt. Diesen status hatte er 1840 erreicht. Die Einladung des Konsistoriums zu seiner Ordination richtete sich im Oktober 1840 an den „Candidaten des Predigeramts“ Oswald Feyerabend in Alt Raudten.37 Nachdem die Regierung Breslau seine Vokation zum Pastorat durch die Kirchgemeinde Auras konfirmiert hatte, wurde er am 30. Oktober 1840 durch den Berliner General-Superintendenten Ribbeck in der schlesischen Hauptstadt für Auras ordiniert.38

Mitte November 1840 erfolgte im Beisein des Superintendenten Falk seine Einführung als Pastor in die Gemeinde Auras.39 Am 22. Sonntag nach Trinitatis, am 15. November 1840, hielt er seine Antrittspredigt, die – eine extrem umfangreiche Abhandlung - in den Akten dokumentiert ist.40 Darin erläuterte er als neuer „geistlicher Lehrer“ der Gemeinde Auras die Wege zu Jesus Christus als die einzig wahren Wege, auf denen der Geist und die Herzen der Gläubigen Erfüllung finden können. Das Resümee der Ziele seiner künftigen Arbeit in und mit der Gemeinde lautete: „Dies ist der Weg, auf welchem ich die größten Bedürfnisse Deines Geistes und Herzens zu befriedigen suchen will. Christus ist der Weg, auf welchen Du hingeführt, auf den Du gestärkt, getröstet, mit Gott versöhnt und endlich zum Himmel geführt werden mußt.“41 Darin sah er das Wichtigste seines Berufs und seiner neuen Pflichten.

Seitdem leitete Feyerabend eineinhalb Jahrzehnte als einziger evangelischer Geistlicher die Geschicke der 3200 Evangelischen in dem Oderstädtchen und den benachbarten Dörfern, denen nur etwa 400 Katholiken gegenüberstanden. Feyerabends evangelische Kirchgemeinde umfasste außer Auras-Stadt und Auras-Burglehn noch folgende Dörfer links und rechts der Oder: Brandschütz (Prężyce), Gniefgau (Goslawice), Groß- und Klein-Bresa , Wolfersdorf (Wilkostow), Schürau, Leonhardtwitz (Lenartowice), Liebenau (Lubnow), Hennigsdorf (Pęgów), Kottwitz (Kotowice) sowie Raake und Walke.42 Die Gemeinde war 1817 der auf Druck des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gegründeten Union der evangelischen und reformierten Kirchen beigetreten.43 Dem Pastor stand nach den Aussagen des Organisten, wie der Superintendent berichtet, ein jährliches Einkommen von ca. 600 Talern zur Verfügung.44 An sich hätte Feyerabend angesichts des zahlenmäßig sehr starken und überdies weit verstreuten Kirchsprengels durch einen Diakon unterstützt werden sollen. Doch war ein früher hier bestandenes Mittagsprediger- und Rektorenamt eingegangen und wurde, da die Gemeinde extrem arm war und die 300 Taler Jahresgehalt nicht tragen konnte, nicht wieder eingerichtet worden. Der visitierende Superintendent war indes der Meinung, „daß ein junger kräftiger Geistlicher im Stande ist, das hiesige Pfarramt allein zu verwalten.“45

Der grad 31-jährige Theologe heiratete nur wenige Wochen nach seiner Ordination, am 19. Januar 1841, Therese Charlotte Tischer.46 Zu Beginn der 1850er Jahre wohnte seine inzwischen achtköpfige Familie47 in dem neben dem Auraser evangelischen Bethaus liegenden bescheidenen Predigerhaus, das sich von Anfang an in schlechtem Bauzustand befand, wie die Visitation schon 1840 ausdrücklich festgestellt hatte. „Was das Pfarrhaus anbelangt, so befindet sich dasselbe sammt dem Hofgebäude in schlechtem Zustande.“48 Der neue Pastor wünschte daher eine Reihe von Reparaturen am und im Haus wie des gesamten Hofgebäudes.

Feyerabend arbeitete sich rasch in sein neues Wirkungsfeld ein und entwickelte ein gutes Verhältnis zu den evangelischen Gläubigen, aber auch zu den katholischen Mitbürgern. Er wollte von vornherein eine freundschaftliche Beziehung zum katholischen Pfarrer Joseph Nitschke49 aufbauen, der zwei Jahre vor ihm das katholische Pfarramt in Auras übernommen hatte und es bis 1846 ausübte.50 Seine Arbeit war segensreich für die Stadt und die Vorstadt Auras-Fischergasse sowie die umliegenden Orte, die zu seinem großen Kirchspiel gehörten. Feyerabend erwarb sich Anerkennung vor allem durch sein Engagement für die arbeitenden Menschen, namentlich für die Armen. Seine Arbeit war vor allem von einem hohen Gerechtigkeitssinn geprägt.

Oswald Feyerabend in der Revolution

In der Revolution von 1848/49 zählte er sich selbst, wie er ausdrücklich betonte, zur sogenannten Volkspartei: „Ich habe zur Volksparthei gehört, insbesondere zu den Unmündigen und Schwachen“, schrieb er 1856. „Dahin aber hat mich nicht politische Ansicht gestellt, sondern mein Herr und Meister, Jesus Christus, der da sagt: Nicht die Starken, sondern die Schwachen, nicht die Gesunden, sondern die Kranken bedürfen des Arztes – die Blinden eines Führers.“51 Als Priester wollte er im Geiste von Jesus Christus für die Benachteiligten der Welt tätig sein. Ein Revolutionär, der auf Gewalt setzte, wurde er deshalb mitnichten. Im Gegenteil. Das zeigte sich in aller Klarheit während der Ereignisse von Mitte April 1848.

Als er im Zusammenhang mit seinen Anträgen auf Versetzung in eine andere Parochie 1856 von verschiedenen Seiten verdächtigt wurde, sich in der Revolution „öffentlich und privatim angegriffen“ wurde, sich nicht gesetzes- und königstreu verhalten zu haben, gab er in einer Verteidigungs-Stellungnahme seine Darstellung dieser Ereignisse: „Zu Anfange jener Umwälzungsperiode gab es hier in Auras auch 2 Parteien, die sogenannte Königliche und die Volkspartei! – Ich gehörte natürlich zur letzteren. – Die königliche Partei, welche Gesetz und Ordnung hätte aufrecht erhalten sollen, wollte im Gegentheil Gesetz und Ordnung nicht mehr beachten – fortjagen wollte sie die hiesige Stadtbehörde, absetzen den sämtlichen Magistrat! – Mir gelang es in Mehrheit Mord und Todtschlag zu verhüten; denn schon hatte man angefangen, handgemein zu werden, man hatte angefangen sich blutig zu schlagen, Waffen waren benutzt worden! Mir gelang es, die gegenseitig erhitzten zu beruhigen und die Behörde zu schützen, indem ich vorstellte, wie dies in jeglicher Weise unrecht sei; habe auch der Bürgermeister, oder dieser oder jener Rathsherr, gefehlt, so müsse denn doch stets die Obrigkeit in ihnen geachtet werden; die Gesetze, welche bisher gegolten, bestünden noch in voller Kraft – sie würden die Richter sein. Man begab sich auseinander, und die Ruhe ist nicht weiter gestört worden. Übrigens ist dieser Vorfall von Seiten des Kreisgerichts in Wohlau untersucht worden; es wurde aber, weil durch meine Bemühungen eine strafwürdige That nicht zur Ausführung gekommen war, Niemand bestraft.“52

Pastor Feyerabend war, wie ihn der 1850 neu eingesetzte Wohlauer Landrat Niebelschütz später charakterisierte, politisch aber wohl ein Freisinniger. Ihm stand Freiheit und vor allem Gerechtigkeit höher als Unterwerfung. Sein politisches Verhalten in der Revolution könne zwar nicht verdächtigt werden, heißt es im Bericht des Landrats. Doch habe er persönlichen Verkehr mit Pastor Müller in Riemberg (Roszislawice) gehabt, woraus „zu folgern ist, dass seine politische Gesinnung eine freisinnige gewesen ist.“53 Die demokratische Gesinnung seines Riemberger Amtsbruders Müller (1801-1868) war spätestens seit 1848 weithin bekannt. Müller hatte als Abgeordneter in der preußischen Nationalversammlung in Berlin auf der Seite der Linken gesessen und den Steuerverweigerungsbeschluss des Parlaments im November 1848 gebilligt und unterstützt. Er war deshalb sogar gerichtlich verfolgt, aber im Februar 1850 freigesprochen worden.54 Pastor Feyerabend war – ebenso wie Müller - vor allem ein Mann der kleinen Leute. Er wollte - wie Müller im benachbarten Riemberg - eine Verbesserung ihrer sozialen Verhältnisse, aber dies sollte mit friedlichen Mitteln erreicht werden. Wegen seiner von den Rittergutsbesitzern als politisch schädlich denunzierten Haltung in der Revolution heftig angegriffen, hat er in seinen Rechtfertigungen verständlicherweise alles herausgekehrt, was ihn als der Krone gegenüber loyal erscheinen ließ, und seinen Einsatz für die einfachen Leute wie seine liberale Einstellung eher zurückgesetzt.

Aufsehen erregte in den frühen Apriltagen 1848 vor allem eine Predigt Feyerabends, die bei den Aurasern und in den Dörfern des Umfelds der Stadt als „Freiheitspredigt“ in Erinnerung blieb. Den Anlass für diese so genannte Freiheitspredigt lieferte einmal die damals unter den einfachen Leuten in ganz Schlesien weit verbreitete Meinung, Freiheit bedeute „die Freiheit von allen Abgaben, Leistungen und Verpflichtungen“.55 Ende März war es zum anderen aber auch zu gewaltsamem Widerstand von Bauern in Groß-Breza (Brzezina) gegen den Gutsherrn von Kraewell gekommen. Die Fenster seines Schlosses und Gewächshauses waren von Bauen und Landarbeitern eingeworfen worden.56 Diese Aktion fügt sich nahtlos ein in die Widerstandsbewegungen schlesischer Bauern im Frühjahr 1848.

Ende März 1848 waren im Gefolge der siegreichen Berliner Märzrevolution in zahlreichen Orten Schlesiens Bauern und Landarbeiter gegen die Gutsherren aufgestanden. Besondere Ausprägung gewannen die Aufstandsbewegungen im schlesischen Vorgebirgsstreifen, fanden aber auch in einigen anderen Teilen der Provinz statt.57 Auch im Kreis Wohlau blieb es nicht ruhig. Am 27. März setzten auch hier in mehreren Dörfern Unruhen ein, die bis zum 31. März anhielten.58 Die Gemeinde Mondschütz (Mojęcice) erzwang durch Demonstration und massive Drohungen als erste eine schriftliche Verzichtserklärung ihres Gutsherrn auf weitere Abgaben und Leistungen. Neun weitere Dörfer folgten: Schöneiche (Proschków), Groß-Kreidel (Krzydlina Wielka), Pavelschöne (Pawloszewo), Nisgave (Miszkowice), Heinzendorf (Bagno), Schönbrunn, Mönchmotschelnitz (Modczydlina Klarsztorna), Zichline, Ober- und Unter-Altwohlau (Stary Wołów). Im benachbarten Dyhernfurth (Brzeg Dolny) schlugen die Wellen besonders hoch. Ziegelei- und Landarbeiter stürmten gemeinsam den Hof des Gutspächters und verlangten den Erlass aller Abgaben. Erst der Einsatz einer Jägerabteilung konnte den Aufruhr unterdrücken.

Auf dem Hintergrund dieser Ereignisse suchte Feyerabend mit seiner Predigt aufklärend und beruhigend zu wirken. Er stellte sich zwar auf die Seite der Armen und Benachteiligten, das wusste man in seinem Kirchsprengel sehr wohl. Doch konnte er dies in seinen späteren Rechtfertigungen, über die wir als einzige Quelle verfügen, natürlich nicht in den Mittelpunkt stellen. Sicher entsprach es auch seiner Überzeugung, wenn er gewaltsames Vorgehen gegen die Gutsherren und Abgabenverweigerung missbilligte und verurteilte. Ebenso verhielten sich – aus anderen Gründen - damals übrigens auch die Mehrheit der schlesischen Demokraten.59 Den Aufruhr in Groß-Bresa rügte er deshalb in seiner Freiheitspredigt und warnte ausdrücklich vor solchen gewaltsamen Aktionen. Seine Sympathie für die Wünsche der Bauern und Landarbeiter nach einem besseren Leben blieb in diesen Stellungnahmen verständlicherweise ungesagt. Dem widersprach nicht, dass er zugleich der Tagesmeinung entgegen trat, unter Freiheit nur die Befreiung von Abgaben, Leistungen und Verpflichtungen zu verstehen. „Ich sagte, somit wäre die Meinung vorhanden, alle Gesetze des Staates hätten ihre Geltung und dadurch die Obrigkeit ihre Macht verloren. Dies aber müsse ich entschieden in Abrede stellen; warnen müsse ich, solche Gedanken zu hegen und sich von ihnen leiten zu lassen.“ Er verwies stattdessen auf die innere Freiheit eines Christen. „Wer nun aber auch in irriger Meinung auf diese Warnung nicht hören wolle, den wolle ich mit allen im Heiligthum Versammelten auf den Standpunkt des ewigen Gesetzes stellen, welches das Gesetz der wahren Freiheit wäre, und wer auf diesem stehe, der stehe auf dem der Freiheit der Kinder Gottes.“60

Mit dem Gutsbesitzer aus Groß-Bresa, der Feyerabend nach der Revolution bei den Behörden denunzierte, hatte er wiederholt einen Strauß auszufechten. Er setzte sich vermittelnd in einem Streit des Lehrers Köhler mit von Kraewell ein. Köhler war Schiedsmann in der Gemeinde und verteidigte einen Schäfer, der Schafe unerlaubterweise auf den Ländereien des Kraewell gehütet hatte und diese „Untat“ durch einen Vergleich aus der Welt schaffen wollte. Daraufhin hatte der Gutsbesitzer „mit seinen Leuten bewaffnet das Haus des Lehrers Köhler, der Schiedsmann ist, umringt“ und wollte „ihn an der Ausübung seines Amtes hindern.“ Feyerabend stellte sich auf die Seite Köhlers und des Schäfers, hielt Köhler, der den Gutsbesitzer deshalb vor Gericht bringen wollte und sich in seiner Aufregung an den Pastor gewandt hatte, aber dennoch davon ab.61

Diese Auseinandersetzungen spiegeln, dass auch auf den Dörfern des weiträumigen evangelischen Sprengels der Parochie von Auras die sozialen Konflikte zwischen den halbfeudalen Großgrundbesitzern und den zum großen Teil von Feudallasten noch nicht befreiten Bauern und Landarbeitern noch virulent waren. In der Stadt Auras schien indes nach der Revolutionsepisode von April wieder Ruhe eingekehrt. Von signifikanten politischen Vorgängen berichten die Quellen nichts, wenngleich berücksichtigt werden muss, dass sicher nur sehr wenige überliefert waren und nach den Kriegesereignissen von 1945 noch erhalten blieben. Unklar ist, ob es Auras in dieser Zeit zu einer eigenen Zeitung gebracht hat. Zur Bildung eines politischen Vereins wie in anderen Städten des Kreises, wie in Wohlau oder Leubus und später auch in Dyhrenfurth, in dem Liberale und Demokraten in der Wahlkampagne für die Wahl der Abgeordneten zu den Parlamenten in Frankfurt und Berlin ihre Vorstellungen über die Zukunft des Landes entwickelten und später die Debatten in den Parlamenten mit Stellungnahmen kritisch begleiteten,62 ist es in Auras nach der Märzrevolution offensichtlich nicht gekommen. In den wenigen Quellen ist davon jedenfalls nie die Rede.

In die Wahlen war die Stadt jedoch voll einbezogen. Ob es in Auras Wahlversammlungen wie anderswo im Kreis gegeben hat, wissen wir nicht, darf aber angenommen werden, da man sich auf die Wahlmänner ja irgendwie verständigen musste. In den Urwahlen, die Anfang Mai stattgefunden haben, sind auf jeden Fall für die darauffolgenden Wahlen der Abgeordneten für Berlin und Frankfurt je vier Wahlmänner aus Auras und Umgebung gewählt worden, Für die Wahlen der Abgeordneten zur Versammlung zur Vereinbarung der Preußischen Staatsverfassung waren das der Müllermeister Voffrey aus Auras-Fischergasse, der Bauer Karl Fleischer aus Liebenau sowie der Schneidermeister Karl Heinrich Scholz und der Arzt Dr. Andermann aus der Stadt Auras. Wahlmänner für den Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung wurden ebenfalls der Müllermeister Voffrey und der Arzt Dr. Andermann neben dem Schlossermeister Schäfer aus der Stadt Auras und aus Auras-Fischergasse sowie der Bauer Gottlieb Art aus Liebenau.63 Öffentlich bekannt war von ihnen lediglich der Arzt Dr. Andermann. Er gehörte zu denen, die sich Schottendorf in der Aprilaffäre gegen den Magistrat angeschlossen hatten. Die Auraser Wahlmänner wählten am 8. Mai in Wohlau zusammen mit den anderen mehr als 80 Wahlmännern des Kreises zum Abgeordneten der preußischen Nationalversammlung den Riemberger Pastor Friedrich Wilhelm Müller und zu dessen Stellvertreter den Dyhernfurther jüdischen Arzt Dr. Hermann Wollheim.64 Auf welches Echo die Debatten in der seit dem 22. Mai tagenden Berliner preußischen Vereinbarerversammlung und in der schon seit dem 18. Mai Tagenden Frankfurter Nationalversammlung im Ort stießen bleibt wegen fehlender Quellen völlig im Dunkeln.

Erst in dem Moment, als die preußische Krone im November 1848 mit einem Staatsstreich das in Berlin tagende Parlament bedrohte und schließlich auch auflöste, scheint - wie wir durch Pastor Feyerabends Bericht wissen - das politische Leben in Auras wieder etwas in Bewegung gekommen zu sein. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung stellten sich hinter das reglementierte und nach der Stadt Brandenburg verbannte Parlament und begrüßten offensichtlich dessen Widerstand. Sie schlossen sich der landesweiten öffentlichen Protestkampagne gegen die reaktionären Machenschaften von Krone und Regierung an. Als die preußische Nationalversammlung im November 1848 ihre Sitzungen gegen den Willen des Königs und der neu eingesetzten Regierung fortsetzte und schließlich sogar zur Steuerverweigerung aufrief, erklärten Magistrat wie Stadtverordnetenversammlung von Auras in einer Adresse ihre Solidarität mit der Nationalversammlung. Da wirkte Feyerabend erneut beschwichtigend ein. Er wollte keinen Konflikt mit den herrschenden Gewalten, mit dem preußischen König und seiner durch Staatsstreich eingesetzten gegenrevolutionären Regierung. Deshalb sorgte er dafür, dass man die Absendung der Solidaritätsadresse für die rechtmäßige Nationalversammlung unterließ. Er ersparte damit der Stadt sicher Ärger seitens der Staatsbehörden. Dessen rühmte er sich später ausdrücklich in seiner Verteidigung gegen politische Verdächtigungen: „als die Steuerverweigerung an der Tagesordnung war und der hiesige Magistrat mit den Stadtverordneten eine Adresse an die in Berlin tagende National-Versammlung beschlossen hatte, es mir gelang, obgleich die Bemühungen dagegen des hiesigen Apothekers Seibt, der auch damals Rathmann war, nicht durchgedrungen waren, alle von ihrem Unrecht zu überzeugen, so dass die Adresse nicht abging, sondern vernichtet wurde.“65 Während es dem Ratsmann Seibt nicht gelang, eine Adresse pro Nationalversammlung zu verhindern, hatte Feyerabend dies auf seine Weise geschafft.

Während von Urwählern und von mehreren Gemeinden des Kreises: aus Wohlau, Krummwohlau (Krzywy Wołów), Zichline, Gimmel (Jemielnie), Wilhelmsthal (Wroblowo), Nisgawe, Tscheschen (CZechy), Landschütz (Keczyca) und Riemberg die Berliner Versammlung Solidaritätsbekundungen für ihren Widerstand gegen den königlichen Staatsstreich erhielt, kam nach dem Scheitern der Adresse des Magistrats für die Berliner Versammlung aus Auras offiziell nur Zustimmung zur Politik des preußischen Königs. Ende November verabschiedeten Auraser „Wohlgesinnte“ mit der Aufforderung an andere Kreisbewohner, es ihnen gleich zu tun, eine Solidaritätsadresse für die preußische Krone. Von sogenannten Stadtbürgern ausgearbeitet und unterschrieben, hat sie Feyerabend – anders als der katholische Ortspfarrer Joseph Peukert66 - jedoch nicht mit unterzeichnet.67 Hingegen finden sich auf der Adresse nach dem Schlosseigentümer und Gutsbesitzer Frh. August v. Schuckmann an der Spitze die Unterschriften von 12 Handwerksmeistern, den drei Lehrern der Stadt, und einigen Honoratioren: dem Arzt Dr. Andermann, der sich ausdrücklich als Wahlmann nennt, dem Steuereinnehmer Roth-Rossi, dem Ökonomen E. Rettig und dem Kaufmann E.C. Rettig. Unterschrieben hatte natürlich auch der Apotheker und Ratsmann Seibt, der sich im Rat der Stadt vehement gegen die Adresse für die preußische Nationalversammlung engagiert hatte, sowie ein weiterer Steuereinnehmer. Dazu hatte man noch zehn einfache Bürger gewonnen, die keinen Beruf angeben konnten. Es fällt auf, dass nicht nur Schottendorf und Kallinowski, sondern auch der Bürgermeister Reimann in der Liste fehlen, während andere aus dem oppositionellen Klub von April wie der Arzt Andermann und der Kaufmann Rettig dabei sind.

Die Unterzeichner entrüsten sich darüber, dass die gewählten Deputierten „sich soweit vergessen konnten, durch Aufforderung zur Steuerverweigerung geradezu offenen Aufruhr und Empörung zu predigen. Wir halten fest an unserem von Gottes Gnaden angestammten Könige und Herrn“, dem sie vertrauen, dass er die gegebenen Versprechungen auch erfüllen werde. Die Verfasser dieser Adresse sind keine strikten Konservativen; sie halten zwar streng antidemokratischen, aber durchaus liberalen Kurs: Sie stehen zwar zum König, erinnern ihn zugleich aber an seine konstitutionellen Versprechungen, die sie eingelöst wissen möchten. Sie verstehen sich als die Abgeordneten eines treuen Volkes, „welches in seiner großen Mehrheit die konstitutionelle Monarchie und die damit verbundenen vom König gewährten Freiheiten, nicht aber die Republik und den Bürgerkrieg will.“68

 

Das Ende des Bürgermeisters Reimann

Während der Revolution stockten die Untersuchungen über die von Schottendorf und Kallinowsky ausgelösten Anklagen gegen den Bürgermeister Reimann. Nach den Barrikadenkämpfen in Berlin und den Bauernaufständen in den schlesischen Dörfern zögerte die Breslauer Regierung damit und gab schließlich den Plan ganz auf, entschlossen gegen den Bürgermeister vorzugehen und ihn wegen der fiskalischen Ungereimtheiten in der Stadtverwaltung vor Gericht zu stellen. Sie wollte offensichtlich nicht noch Öl ins Feuer gießen, vermeinte vielmehr, mit einer bloßen Belehrung des Bürgermeisters auskommen zu können, da sich, wie sie meinte, ohnehin kein Besserer für die Leitung der Stadt finden ließe. Im Juli 1848 ließ die Regierung des Bezirks Breslau das Innenministerium wissen, dass für eine Untersuchung die Kräfte fehlten und man anderes zu tun hätte.69 Vielleicht würde auch eine Belehrung Reimanns ausreichen. Bereits entschuldigend heißt es, dass bei finanziellen Unregelmäßigkeiten in kleinen Städten nach bisherigen Erfahrungen „weniger böser Wille als Unkenntnis und Ungeschick der Magistrats-Dirigenten“ zugrunde lägen. Ende Oktober 1848 meinte der Landrat Kober, es lägen eigentlich keine Umstände vor, „welche die sofortige Suspension des Bürgermeister Reimann zu Auras nothwendig oder auch nur räthlich erscheinen lassen.“70 Man habe in der Stadt ohnehin niemand, den man an seine Stelle setzen könnte; dies umso mehr als der Mann mit den persönlichen Verhältnissen der Ortseinwohner wohl vertraut sei und sich auch im Polizeiwesen auskenne, was in der aufgeregten Zeit besonders wichtig wäre. Man sollte auf eine Suspension des Bürgermeisters Reimann auch deshalb verzichten, weil er „in der gegenwärtig so aufgeregten Zeit, wo die Leitung des Polizeiwesens in der Stadt Auras einen Mann von Umsicht bedarf, welch letztere dem p. Reimann nicht abzusprechen ist.“ Eine Amtssuspension würde die Lage in der Stadt nur verschlimmern und zu neuen Irrtümern in der Kommunal- und Steuerverwaltung führen. Am 25. November 1848 teilte die Breslauer Regierung daraufhin dem Innenministerium mit, dass die gegen Reimann wegen Unterschlagung von Klassensteuern eingeleitete Untersuchung noch nicht zum Spruche gelangt sei.71 Man habe nach einem Bericht des Landrats Abstand von der Suspension genommen. Und außerdem hätte, wie es schon im Bericht von Juli heißt, „Schottendorff seiner fast an Geistesstörung grenzenden Sonderbarkeit wegen eben nicht sonderlichen Glauben verdient ebenso wie der in sehr üblem Rufe stehende ehemalige Gutsbesitzer Kallinowsky“.72

Ungeschoren kam Reimann indes nicht davon. Im Herbst 1849, als die Revolution unterdrückt war, lösten die Breslauer Behörden das Problem auf eine andere, elegantere Weise. Man schaltete Reimann bei der anstehenden Wiederwahl des Bürgermeisters dadurch aus, dass man ihn, wiewohl er von der Bürgerschaft als Kandidat vorgeschlagen worden war, nicht auf die Liste setzte.73 Seinen Einspruch und die folgenden Beschwerden schmetterte das Oberpräsidium kaltschnäuzig ab. Dies wäre nicht ungesetzlich, nicht jeder Vorschlag müsste auf die Liste gesetzt werden. Zum Bürgermeister wurde Ende 1849 durch die Stadtverordnetenversammlung ein Leutnant Roy einstimmig gewählt und offenbar dann auch bestätigt. Die Beschwerde Reimanns und sein Antrag auf eine erneute Bürgermeisterwahl, in der er dann auch kandidieren kann, wurden abgelehnt.74 Alles sei ordnungsgemäß verlaufen. Reimann musste in Pension gehen und wandte sich 1856, nun schon über 70 Jahre alt, als Pensionär nochmals an die Breslauer Regierung wegen einer Unterstützung.75 Ob sie gewährt wurde, war nicht zu ersehen.

 

 

Das Schicksal Pastor Feyerabends im Nachmärz

und das Oderhochwasser von 1854

Nach der Revolution schlug sich Pastor Feyerabend nur sehr schwer durchs Leben. Seinen Amtspflichten ist er wie zuvor jederzeit nachgekommen. Die kirchlichen Behörden hatten an seiner Arbeit nichts auszusetzen, sondern schätzten ihn im Gegenteil als pflichttreu, unbescholten und im Amt gewissenhaft.76 Doch geriet er rasch in eine schwierige, hilfsbedürftige persönliche Lage. Seine Familie hatte sich in den Jahren stark vergrößert. In den frühen fünfziger Jahren war sie mit sechs Kindern auf acht Köpfe angewachsen. Da reichte das spärliche Gehalt eines Ortspfarrers nicht mehr aus. Auf 600 Taler im Jahr war sein Einkommen bei seiner Einstellung im November 1840 zwar geschätzt worden.77 In den fünfziger Jahren sollte die Stelle 490 Taler im Jahr einbringen und war schließlich „mit blos 60 jährlich fixiert.“78 Was der Seelsorger aber tatsächlich bekam, hing davon ab, was in der Gemeinde am Ende wirklich zusammenkam. Seine Einnahmen erreichten wohl nie die 1840 angenommene Summe von 600 Talern. Seine Gläubigen waren in der Mehrzahl arme Leute. Hinzu kam, dass die Hochwasser die Zahlungsfähigkeit der Leute oft beträchtlich herabsetzten. Und die Gutsbesitzer haben da mitnichten ausgeholfen. Eher im Gegenteil. In ihrem ersten Bittgesuch an den König von Anfang Dezember 1855, das Therese Feyerabend an das Oberkirchenamt schickte, schrieb sie:79 „So ist es denn natürlich, daß wir bei gänzlicher Vermögenslosigkeit, bei zahlreicher Familie, nach und nach in Schulden stürzen mussten, deren Höhe sich auf 800 Rthl. beläuft und um deren Rückzahlung wir von allen Seiten täglich gedrängt werden.“ Man habe sich an wohlhabende Freunde gewandt, „aber es findet sich niemand, der ohne Garantien sie der Sorge entheben wollte.“

Der häufige Ausfall der ihm zustehenden Pfarreinkünfte brachten Feyerabends Familie an den Rand des Untergangs. Mit der riesigen Schuldenlast von 800 Talern konnte sie nicht mehr zurecht kommen.80 Immer wieder war Feyerabend gezwungen, die Kirchenbehörden um finanzielle Unterstützung zu bitten, die ihm seit 1853 meist auch gewährt wurde.81 Aber die Hilfe betrug durchweg nur 30-50 Taler und war lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein größeres Darlehen zur Schuldentilgung, das die Kirchenbehörden beim Ministerium in Berlin beantragt hatten, wurde als unzulässig zurückgewiesen und lediglich empfohlen, auf den Fonds für evangelische Geistliche zuzugreifen.82 Seine Frau Therese wandte sich – wie bereits erwähnt - im Juli 1854 und Dezember 1955 sogar direkt an den König:83 Ihre Wohnung sei völlig durchnässt, was zu Krankheiten führe. Auch könnten sie die Ausbildung ihrer Söhne kaum noch finanzieren.

Zu einer wesentlichen Verringerung der Einnahmen der Pfarrei führte die Einführung eines „neuen Kirchensystems“. Sieben Dörfer auf der linken Oderseite, darunter zwei der wohlhabensten, wurden von der Parochie Auras abgetrennt und andern Pfarreien: Belkau (Bialkow) und Bresa, zugeschlagen. Zudem war „eine solche Theuerung eingetreten, daß wir auch die dringendsten Bedürfnisse nicht mehr zu erkaufen im Stande sind … denn unsere Einnahme beträgt monatlich keine 5 Thaler“, während die Ausgaben „das 10fache betragen.“84

Das große Oder-Hochwasser von Sommer 1854 warf Feyerabend völlig zurück und brachte das Fass zum Überlaufen. Nach ungewöhnlich starken Regenfällen im Gebiet der Oder und ihrer Zuflüsse erreichte der Pegel der Oder nach einem normalen Sommerhochwasser im Juli im Bereich von Breslau am 23. August seinen Höchststand.85 Schwere Deichbrüche, im Bereich von Breslau waren 30 zu verzeichnen, führten zu katastrophalen Überschwemmungen. Die Schäden an Wohngebäuden wurden auf 220 000 Taler, der Verlust an Acker und Grünlanderträgen auf 7,3 Millionen Taler beziffert. Als Gesamtschaden dieser Oderhochflut in den preußischen Provinzen Schlesien und Brandenburg wurden rund 10 Millionen Taler angegeben. Auras und die zur Pfarrei gehörenden Dörfer diesseits wie jenseits der Oder waren von alldem stark betroffen.

Einen Dankesbrief ans Oberkirchenamt für dessen Gewährung von 30 Talern Unterstützung nutzte Pastor Feyerabend für einen eindrucksvollen Bericht nicht so sehr über seine schwierige Lage, sondern über die Situation während des Hochwassers, der größere Aufmerksamkeit beanspruchen dürfte und hier wiedergegeben soll:86

„Auras, den 26. August 1854

Der Pastor Feyerabend sagt Einem Hohen evangel. Ober-Kirchenrathe für die hochgeneigtest bewilligte Unterstützung seinen ganz gehorsamen und innigsten Dank und berichtet gleichzeitig über die Wassernoth.

Von innigstem Dank war mein Herz erfüllt, als mir mitgetheilt wurde, dass Ein Hoher evangel. Ober-Kirchenrath mir hochgeneigtest eine Unterstützung von 30 Rthl. [Reichstaler] bewilligt habe. Dieser Dank, den Eine Hohe Behörde hochgeneigtest entgegen nehmen wolle, ist aber um so inniger, als ich gegenwärtig mein ganzes Kirchspiel außer 3 Dörfern unter Wasser sehe, und ich keine Einnahmen habe.

Die Fluthen gehen über die Felder diesseits und jenseits der Oder. Die Häuser stehen zum allergrößten Theile durch die Dammbrüche, deren hier wohl 4 bis 6 entstanden sein dürften, oft bis unter das Dach im Wasser. Sehr viele Menschen sind von ihren Dächern gerettet worden. Andere, welche die Böden ihrer Häuser durchaus nicht verlassen wollten, wissen oft nicht, dass das Haus des Nachbars in den Wellen begraben liegt. – Einige Dörfer stehen ganz leer, die Bewohner sind theils geflüchtet, theils mit Kähnen gerettet. Viele werden ihre Häuser nicht mehr wiederfinden! –

Wie kann ich unter diesen Umständen hoffen, dass die vielen Rückstände, welche die Noth der vergangenen Zeit hervorriefen, gezahlt werden. Einer großen, großen Noth sehe ich trotz der so großen Hilfe, die mir vor dieser Wassernoth hochgeneigtest zu Theil wurde, entgegen. Der größte Theil meiner Einnahmequellen scheint verstopft, - Doch der Herr, der Helfer in allen Nöthen, wird gewiß auch hier helfen. Auf ihn will ich trauen und bauen. Er halte mich mit denen aufrecht, die er mir anvertraute, und stärke mich, die Kraft und den Trost zu bringen, den der Herr den Mühseligen und Beladenen, den Geschlagenen und auch irdisch Vernichteten giebt.

Die Wasserfluthen nöthigten auch mich zur Flucht, weil das Wohnhaus im Wasser stand und überall Sprünge bekam! – Keller und Wände und Häuser sind in Auras eingestürzt! Noch steht mein Haus, aber vielfach beschädigt und mit unsicherem Keller, der möglicher Weise einstürzen und dadurch das Haus ganz demoliren kann. In 4 Häusern liegen meine Sachen verstreut umher, ich selbst wohne in einem Gasthofe.-

In der Kirche, in welcher 181387 das Wasser 1 Elle88 stand, stand es fast 2 Ellen hoch, so dass es wohl kaum möglich sein dürfte, morgen Gottesdienst in derselben zu halten. Über die Einrichtung für diesen Sonntag habe ich Einem hochwürdigen Consistorio zu Breslau Bericht erstattet.

Aus diesem Grunde habe ich, damit ein kleines Local für Auras und Auras-Fischergasse hinreiche, angeordnet, dass Sonntag den 27sten August früh in Sorgau, in einer alten katholischen Kirche, die sonst nur zu Begräbnissen benutzt wird, für Liebenau, Sorgau, Hennigsdorf und Kottwitz soviel ihrer kommen können (aus letzterem Dorfe ist fast alles geflüchtet) Gottesdienst stattfinden werde; des Nachmittags aber in Auras, damit ich zu anderen Amtsverrichtungen anwesend bin.89

In Auras selbst beabsichtigte ich, in der kathol. Kirche Sonntag Nachmittag Gottesdienst zu halten und richtete deshalb ein sehr freundliches Gesuch an den hiesigen Pfarrer; dieser aber verweigerte die kathol. Kirche, weil diese einerseits nur zum kathol. Gottesdienste da sei, und andererseits ohne Erlaubnis des Bischofs ein evangel. Gottesdienst in derselben nicht gehalten werden dürfe. –

Wahrscheinlich werde ich nun in Auras selbst für diesen Sonntag nur ein Schullocal zu einer gottesdienstlichen Feier haben können – im allergünstigsten, aber nicht wahrscheinlichen Falle die Chöre der Kirche! Aus diesem Grunde setzte ich den Gottesdienst in Auras auf Sonntag Nachmittag an.90

Von den sieben Ortschaften jenseits der Oder, zur Parochie Auras gehörig, stehen fast 6 unter Wasser. Ein Wasserspiegel umgiebt sie und begrüßt ihre Äcker und Häuser.

Genaue Kunde von Jenseits fehlt indeß bis diesen Augenblick.

Indem ich nochmals meinen innigsten Dank für die hochgeneigte Unterstützung unter der Versicherung, dass ich mich bemühen werde, mich derselben stets würdig zu erweisen, ausspreche, empfiehlt sich Einer hohen Behörde zu fernerem hochgeneigten Wohlwollen und zeichnet sehr ehrfurchtvoll

Eines Hohen evangel. Oberkirchenrathes

ganz gehorsamster Diener

Feyerabend“

 

Der Kampf um eine bessere Pfarrstelle. Feyerabend wird Pfarrer in Stroppen

Seit diesem Hochwasser unternahm Feyerabend verstärkt Bemühungen, um in eine andere Pfarrstelle versetzt zu werden, die nicht regelmäßig von Hochwasserkatastrophen heimgesucht würde. Auch seine Frau schaltete sich in diese Bestrebungen ein. Sie hatte im Dezember 1855 nochmals ein entsprechendes Bittgesuch an den König gerichtet.91 Auf einen Antrag Feyerabends ebenfalls von Ende 1855, den das Breslauer Konsistorium durchaus ernst nahm und sich deshalb auch an den Oberkirchenrat wandte, erhielt er im Januar 1856 noch eine Absage.92 Die vakante Pfarrstelle, auf die Feyerabend sich bezogen hatte, sei bereits besetzt.

Erst 1857 klappte es, nachdem Feyerabend einen außergewöhnlichen, aber letztlich erfolgreichen Weg beschritten und Beziehungen ins Spiel gebracht hatte, über die er verfügte. Es zeigte sich erneut, dass Beziehungen nur dem schaden, der keine hat. Er wandte sich an einen einflussreichen „Präsidenten“, der ihm offenbar zugetan war. Dessen Namen geben die Quellen leider nicht preis. Darin schilderte er seine Lage93: „Seit 16 Jahren wirke ich in der Parochie Auras, welche leider durch die drückenden Zeitverhältnisse viel gelitten hat und noch leiden wird. Ein großer Theil fängt an zu verarmen, veranlaßt insbesondere durch Überschwemmungen wie durch die Dammbauten, von denen ein großer Theil, fast 2/3 meiner jetzigen Parochie auf der rechten Oderseite keinen Vortheil, vielmehr Nachtheil hat, während die Bauten den Ortschaften der linken Seite, die von der Parochie abgezweigt sind und zu den wohlhabendsten gehörten, ziemlich bedeutenden Nutzen gewähren. Darf ich nun auch auf einige Entschädigung hoffen, so wiegt diese dennoch lange nicht die Nachtheile der Zeit und Lage der übriggebliebenen Parochie auf. Ich bin deshalb in Schulden gerathen und habe in meinen jetzigen Verhältnissen keine Hoffnung, dieselben zu tilgen, insbesondere weil die Erziehung meiner Kinder eine immer größere Ausgabe bedingt.“ Seine bisherigen Bemühungen um eine andere Pfarrstelle waren vergeblich „sowohl bei der Hohen Behörde wie bei Privatpersonen, weil die Connexionen, ohne die man schwer sein Ziel erreicht, vielfach mangeln.“ Er bat den „Präsidenten“, sich für ihn einzusetzen. Das hat er dann auch getan.

Das Schreiben Feyerabends geriet über die Gouvernannte einer preußischen Prinzessin mit deren Empfehlung in die Hände des Mitglieds des Oberkirchenrats Dr. Heinrich von Mühler (1813-1874) - des späteren preußischen Kultusministers von 1862-1872 -,94 der umgehend reagierte und vom Breslauer Konsistorium verlangte, sich über „Gaben und Eigenschaften des p. Feyerabend näher zu äußern.“95 Nun musste eine letzte, nicht ungefährliche Klippe auf dem Wege zu einer sicheren und besser dotierten Pfarrstelle überwunden werden. Zu beweisen war seine politische Zuverlässigkeit. Die war durch ehrenrührige, bösartige politische Unterstellungen von Rittergutsbesitzern wegen seines freisinnigen, angeblich nicht königstreuen Verhaltens in der Revolution in Frage gestellt worden. Der zuvor von uns schon häufig als Quelle benutzte ausführliche Bericht über seine politische Haltung im Jahre 184896 und der Leumund des Wohlauer Landrats Niebelschütz, der Feyerabend bestätigte, sich „in den Jahren 1848 und 1849 weder einer ungesetzlichen Handlung schuldig gemacht noch unloyale Gesinnungen gegen Sr. Majestät den König an den Tag gelegt“ zu haben, sodass „sein politisches Verhalten nicht verdächtigt werden“ kann97, machten den Weg frei. Nun erst stand der Berufung in eine andere Pfarrstelle nichts mehr entgegen. Das Konsistorium befürwortete im September 1856 „die Versetzung des Pastor Feyerabend zu Auras in eine besser dotierte Pfarrstelle“.98 Als Ergebnis von Untersuchungen habe sich herausgestellt, „dass Pastor Feyerabend gute Predigtgaben besitzt, weshalb er auch bei zwei Bewerbungen um erledigte Pfarrstellen die meistem Stimmen der Gemeinde für sich gehabt hat. Hinsichtlich seines politischen Verhaltens hat er … sich gegen die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu rechtfertigen gesucht, und wir haben nach den Auslassungen des Landraths von Niebelschütz … keine Veranlassung, an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen zu zweifeln.“99 Der Oberkirchenrat fand nun auch „kein Bedenken, den Pastor Feyerabend zu Auras bei geeigneter Gelegenheit in eine einträglichere Stelle zu versetzen100

Ein Jahr später, im Sommer 1857, ergab sich mit dem Tode des Pastors Mücke in Stroppen (Strupina), Kreis Trebnitz (Trzebnica), eine geeignete Gelegenheit. Die Stroppener Kirchgemeinde hatte sich nachdrücklich für Feyerabend ausgesprochen und dies gegen die beiden Patrone aus Stroppen und Konradswaldau (Gorowo) auch durchgesetzt.101 Am 29. Juli 1857 teilte das Breslauer Konsistorium dem Kultusminister v. Raumer mit, „daß durch die Berufung des Pastors Feyerabend in Auras zum Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde in Stroppen, Kreis Trebnitz die Erledigung der ersteren Stelle erfolgt ist.“102 In der Kirchgemeinde Stroppen wirkte Oswald Feyerabend bis zu seinem Lebensende.103 Unter ihm wurde ein neues Rektor- und Schulhaus errichtet. Er kümmerte sich vor allem um den Neubau der Kirche, der dringend notwendig geworden war. Den Bau selbst hat er nicht mehr erlebt, aber rechtzeitig dafür gesorgt, dass dafür ein Kirchenfonds gegründet wurde. Die durch die drei Kriege erzwungene deutsche Einigung, die Bismarcksche Reichsgründung, hat er mit der Gemeinde in einem Friedensfest am 18. Juni 1871 freudig begrüßt. Zuvor hat er den Angehörigen der in den drei Kriegen Gefallenen Dorfbewohner seelsorgerisch beigestanden. Oswald Feyerabend, der an einer Blasenkrankheit litt, starb am 1. März 1872 auf einer Reise im nahe gelegenen Bernstadt (Bierutow) und wurde in Stroppen begraben.104

Fünf seiner sechs in Auras geborenen Kinder erreichten das Erwachsensalter.105 Von ihnen heiratete die Tochter Wally den Pastor Werner, der in Alt Röhrsdorf eine Pfarrstelle erhielt; die andere, Elvira, den Bankrat Möbius in Breslau.

Von seinen drei Söhnen wurde Richard Architekt. Karl Wilhelm Oskar Sigismund (1. Dezember 1843 - 19. Februar 1922) ging am 1. Januar 1864 mit zwanzig Jahren – offenbar nach dem Abitur - zum Militär. Er nahm an den Kriegen von 1866 und 1870/71 teil, war an der Schlacht von Sedan und der Belagerung von Paris beteiligt, wo er vom Pferd stürzte und sich stark verletzte, was sich günstig für seine spätere Pension auswirkte. Im preußisch-deutschen Heer diente er sich bis zum Abteilungs-Kommandeur und Oberstleutnant hoch. Zuletzt im Vorstand des Bekleidungsamts des VIII. Armeekorps in Koblenz tätig, wurde ihm im April 1904 im Zusammenhang mit seiner Pensionierung durch den deutschen Kaiser der Charakter eines Generalmajors verliehen.106 Nach seiner Pensionierung verzog er von Koblenz nach Marburg, wo er verstarb. Oskar Feyerabend war verheiratet mit Cecilie, geb. Müller und hatte vier zwischen 1889 und 1897 geborene Kinder.

Der Bekannteste der Feyerabend-Söhne wurde Ludwig Hermann Oswald Feyerabend (1855-1927).107 Nach einem glänzenden Abitur in Schulpforta, wo er nach dem Tode des Vaters eine Freistelle erhalten hatte, studierte er in Breslau und Wien Philosophie, Geschichte Kunstgeschichte, Germanistik und vergleichende Sprachwissenschaften. Als klassischer Philologe unterrichtete er zunächst Griechisch an schlesischen Gymnasien und übernahm 1885 die Leitung des Pädagogiums an der Kahlbaumschen Anstalt in Görlitz. Als studierter Prähistoriker leitete er mehrere archäologische Ausgrabungen in der Oberlausitz und wurde 1888 Mitgründer der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz. Er gehörte der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und anderer wissenschaftlicher Gesellschaften an. 1903 übernahm er als Direktor die Leitung der gerade erbauten Oberlausitzer Ruhmes- oder Gedenkhalle, in der er das Kaiser-Friedrich-Museum aufbaute. Ludwig Feyerabend, dem 1913 der Titel Professor verliehen wurde, leitete Gedenkhalle und Kaiser-Friedrich-Museum bis zu seinem Tode 1927. Das Gebäude, in dem am 6. Juli 1950 der Vertrag zwischen DDR und der Volksrepublik Polen über die Oder-Neiße-Grenze abgeschlossen wurde, liegt im heute polnischen Zgorzelec und dient als Kulturhaus und für Ausstellungen.

 

Überarbeitete, ergänzte und wesentlich erweiterte Fassung von Walter Schmidt: Auras an der Oder in der Revolution von 1848/49, der evangelische Pastor Feyerabend und das große Oderhochwasser von 1854, in: Schlesische Geschichtsblätter. Zeitschrift für Regionalgeschichte Schlesiens, 43. Jg.(2016), Heft 1 (März), S. 1-19.

 

 

 

1 Zur Geschichte der Stadt siehe Richard Juhnke: Wohlau. Geschichte des Fürstentums und des Kreises, Würzburg 1965, S. 105f., 264f., 342, 449f.; Franz Joseph von Gilgenheimb: Kleine Chronik über Auras, Kreis Wohlau, o. O o. J.; Stadt Auras, hg. von Pfarrer Hoppe, Wiesbaden 1950; Handbuch der historischen Stätten. Schlesien, Stuttgart 1977, S. 8; Heinrich Bartsch: Die Städte Schlesiens, Frankfurt a. M 1983, S. 42f.; Klaus Ullmann: Schlesien-Lexikon, Mannheim 1985, S. 24f.

2 Juhnke: Wohlau (wie Anm.1), S. 264.

3 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) I. HA Rep. 77 Tit. 2962 Nr. 5: Betr. den Gemeindebezirk der Stadt Auras (unpaginiert): Innenministerium (MdI) an Regierung Breslau 19. September 1851.

4 http://pl.wikipedia.org/wiki/uraz_województwo-dolnośląskie; Ullmann: Schlesien-Lexikon (wie Anm. 1), S. 24f.

5 Dazu siehe auras-uraz.npage.de: Das Schloss Auras vor der Zerstörung. Schloss Auras: Text von Alexander Duncker, erweitert von Frfr. Christiane v. Schuckmann.

6 Dazu siehe GStA PK, I. HA Rep. 77 Tit. 2962 Nr. 2: Die Anstellung der Communalbeamten in der Stadt Auras, die sonstigen Personal-Angelegenheiten sowie die Verwaltung der Communal-Angelegenheiten vom 10. August 1841 bis 4. Dezember 1932 (unpaginiert).

7 Ebd.: Beschwerdeschrift Friedrich von Schottendorffs vom 10. Februar 1847.

8 Archiwum Państwowe w Wrocławiu [Staatsarchiv Breslau], Śląski Konsistorz Ewangelicki [Evangelisches Konsistorium für Schlesien] Dział II, Nr. 6984: Angelegenheiten der evangelischen Kirche in Auras, Diözese Wohlau, Bd. I (1830-1920) [im Folgenden: APWr/ŚKE, II, Bd. I], Bl. 23-25: Bericht des Superintendenten Falk, Auras, 17. November 1840, hier Bl. 25.

9 Ebd. Bl. 35.: Konsistorium für Schlesien an Regierung Breslau, 24. Dezember 1840, wo es heißt: „daß in der Stadt und Vorstadt Auras mit einer Einwohnerzahl von 1400 Personen sich 19 fleißig besuchte Wirthshäuser befinden, auf welches Sittlichkeit und Wohlstand beruhendes Mißverhältnis wir Eure p. ergebenst aufmerksam zu machen uns erlauben.“

10 Wolfgang Schieder: Religion und Revolution. Die Trierer Wallfahrt von 1844, Köln 1996.

11 Friedrich Ferdinand Kampe: Geschichte der religiösen Bewegung der neueren Zeit, Bd. 1 und 2, Leipzig 1852, Bd. 3 Leipzig 1856; Bd. 4, Leipzig 1860; Wolfgang Leesch: Die Geschichte der Deutschkatholizismus in Schlesien (1844-1952) unter besonderer Berücksichtigung seiner politischen Haltung, Breslau 1938; Friedrich Wilhelm Graf: Die Politisierung des religiösen Bewußtseins. Die bürgerlichen Religionsparteien im deutschen Vormärz. Das Beispiel des Deutschkatholizismus, Stuttgart 1978.

12 Zu Goeppert siehe Walter Schmidt: Die schlesische Demokratie von 1848/49. Geschichte und Akteure, II. Halbband, Berlin 2012, S, 52-54.; ders.: Eduard Goeppert. Ein unbekannter Wohlauer Demokrat von 1848, in: Wohlau-Steinauer Heimatblatt, 4/2013, S. 15f.

13 Für christkatholisches Leben. Materialien zur Geschichte der christkatholischen Kirche. Unter Mitwirkung sämtlicher Gemeinden hg. von Dr. Behnsch, Bd. 6, 1848, S. 239-242 und 244-251.

14 Für christkatholisches Leben (wie Anm. 13), Bd. 2, 1846, S. 305f.: Bericht des Vorstands vom 13. April 1846; siehe auch: GStA PK, I. HA Rep. 76-III Sektion 15 Abt. XVII Nr. 48, Bd. I: Die Deutschkatholiken in Schlesien 1845-1848, Bl. 210-212.

15 Für christkatholisches Leben (wie Anm. 13), Bd. 3, Breslau 1846, S. 32; Bd. 4, 1847, S. 227; Bd. 6, 1848, S. 252.

16 Hierzu und zum Folgenden siehe GStA PK, I. HA Rep. 77 Tit. 2962 Nr. 2 (wie Anm. 6).

17 Nützliche Sammlung verschiedener meistens ungedruckter Schriften, Berichte, Urkunden, Briefe …, welche zur Erläuterung der Natur und Völcker, besonders Teutschen Staats- und Lehn-Recht, auch Kirchen-, Politik und gelehrten Historien dienen können, 1735; Großes vollständiges Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 34, S. 314; Damian von Schottendorff, der erste weltliche Besitzer Böhriges 1549/50, 1923; Damian von Schottendorff verkauft 1550 sein „Forberg Borichen“ an Caspar von Schönberg auf Sachsenburg, 1924.

18 Ein Schottendorf hatte unter Friedrich von der Trenck als Kommandant gedient. Siehe Friedrich Freyherr von der Trenck merkwürdige Lebensgeschichte, Berlin 1787, S. 62.

19 GStA PK, I. HA Rep. 77 Tit. 2962 Nr. 2 (wie Anm. 6): Ministerium des Innern (MdI) an Regierung Breslau, 24. Februar1848.

20 Zum Folgenden siehe: Schlesische Zeitung, Nr. 92, 18. April 1848, S. 1005: Auras.

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Hierzu und zum Folgenden: Uniwersitet Wrocławski-Archiwum (AUWr.), TE 30: Exmatrikelbuch der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Bl. 70; Universitätsarchiv Halle-Wittenberg (UAHW), Rep. 46 (Matrikel), Nr. 11 (1832-1842), Nr. 67 vom 30. April 1833; ich danke den Archivaren der Universitätsarchive von Halle-Wittenberg und Wrocław Frau Karin Keller und Herrn Krzysztof Koreń für die Zusendung von scans aus den Matrikelbüchern. Ferner siehe: Julius Rademacher: Geschichte der Evangelischen Kirchgemeinde Stroppen. Kirchenkreis Trebnitz, Evangelisches Pfarramt Stroppen 1930, (Rademacher: Kirchgemeinde Stroppen), S. 116; Dietmar Neß: Schlesisches Pfarrerbuch, Bd. IV, Leipzig 2014 (Schles. Pfarrerbuch, IV), S. 305 und 397. Für Kopien, die mir Pastor em. Mag. phil. et theol. Dietmar Neß in Groß Särchen aus Rademachers Schrift und aus seinem Manuskript des Pfarrerbuchs vor dessen Erscheinen zur Verfügung stellte, bedanke ich mich.

24 www.lueben-damals.de/kreis/Toeschwitz.html.

25 Hierzu und zum Folgenden: Otto Miller: Zur Geschichte des Hirschberger Gymnasiums, in: Königl. Evangelisches Gymnasium zu Hirschberg in Schlesien. Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestehens, Hirschberg 1912, S 3-44.

26 Programm, womit zu dem Frühlings-Examen des Gymnasii zu Hirschberg 1832 ehrerbietigst einladet Dr. Carl Linge, Hirschberg 1832 (Programm Gymnasium Hirschberg 1832), S. 21-23.

27 Michael Zichy: Das humanistische Bildungsideal, in: Formen der Bildung. Einblicke und Perspektiven, Frankfurt am Main u.a. 2010, S. 29-42.

28 Programm Gymnasium Hirschberg 1832 (wie Anm. 26), S. 33-34.

29 Ebd., S. 34.

30 Ebd., S. 33.

31 Verzeichnis der Behörden, Lehrer, Institute, Beamten und sämmtlichen Studierenden der Königlichen Universität zu Breslau, WS 1831/32, SS 1832, SS 1833; AUWr., TE (wie Anm. 23), Bl. 70.

32 UAHW, Rep. 46, Nr. 11 (1832-1842) [wie Anm. 23], Nr. 67 vom 30. April 1833.

33 Das genaue Datum der Exmatrikulation war nicht auszumachen.

34 Friedrich Arnold: Die evangelisch-theologische Fakultät. In: Georg Kaufmann (Hg.): Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Universität Breslau, Teil 2, Breslau 1911, S. 175ff.

35 Wilhelm Schrader: Geschichte der Friedrichs-Universität zu Halle. Zweiter Teil, Berlin 1894, S. 126ff., 248ff.

36 Das curriculum vitae, das Feyerabend bei der Bewerbung für die Pfarrstelle in Auras einreichte und das sicher darüber Auskunft gibt, war in den spärlich überlieferten Quellen nicht auffindbar. Auf das curriculum vitae hingewiesen wird im Bericht in: APWr/ŚKE, II, Nr. 6984, Bd. I (wie Anm. 8), Bl. 23.

37 Ebd., Bl. 20.

38 Ebd, Bl. 18.

39 Ebd., Bl. 23.

40 Ebd., Bl. 27-33: Antrittspredigt des P. Feyerabend zu Auras, gehalten am 22. p. Trin. 1840.

41 Ebd., Bl. 33.

42 Ebd., Bl. 23

43 Ebd. 1857 zählte man im etwa gleich großen katholischen Kirchsprengel 570 Katholiken und 3074 Protestanten, wozu noch 18 Juden kamen. Siehe Schematismus des exemten Bisthums Breslau für das Jahr 1857 (Schematismus Bisthum Breslau 1857), S. 163.

44 Ebd., Bl. 24.

45 Ebd.

46 Schlesisches Pfarrerbuch, IV (wie Anm. 23), S. 305.

47 Evangelisches Zentralarchiv in Berlin (EZA), Bestand 7, Nr. 14270 (Die Evangelischen Kirchen- und Pfarr-Angelegenheiten in der Stadt Auras sowie die Berufung, Anstellung und Besoldung der Geistlichen und Kirchenbediensteten daselbst) [EZA, 7, Nr. 14270], Bl. 14 und 23-24: Konsistorium an Kultusministerium, Breslau 7. September 1854 mit der Bitte um 40 Taler für Feyerabend „zur Ernährung seiner aus 8 Personen bestehenden Familie“; ferner auch: Bittgesuch der Therese Feyerabend an den König, Auras, 6. Dezember 1855.

48APWr/ŚKE, II, Nr. 6984, Bd. I (wie Anm. 8), Bl. 26: Bericht des Superintendenten Falk, 17. November 1840.

49 Ebd., Bl. 24: „Das Vernehmen der Parochialen mit den Katholiken ist ein friedliches, was durch die kirchlichen Wirren nicht im mindesten gestört worden ist. Past. Feyerabend hofft mit dem erst kürzlich angestellten Pfarrer Nitschke, der auch dem Superintendenten gefallen hat, in ein freundschaftliches Verhältnis zu treten.“

50 Schematismus oder Statistik des Bisthums Breslau Königlich Preußischen Antheils, Breslau 1842 (Schematismus Bisthum Breslau 1842), S. 177: Nitschke, geb. am 15.7.1813, war 1838 zum Priester geweiht und im gleichen Jahr für Auras als Pfarradministrator ordiniert worden. Im August 1846 übernahm Joseph Peuckert das Auraser katholische Pfarramt. 1854 wurde Nitschke Curator-Administrator in der Gemeinde Michelau im Archipresbyterat Brieg. Dazu siehe: Schematismus Bisthum Breslau 1857 (wie Anm. 43), S. 27 und 127.

51 EZA., 7, Nr. 14270 (wie Anm.47), Bl. 31-33v: Feyerabend: Bericht an Generalsuperintendenten, Auras, 1. Juli 1856.

52 Ebd., Bl. 31v. Die Untersuchung des Wohlauer Kreisgerichts war unauffindbar.

53 Ebd., Bl. 34: Landrat v. Niebelschütz: Bericht über die politische Gesinnung und Haltung des Pastors Feyerabend zu Auras, 17. August 1856.

54 Zu Friedrich Wilhelm Müller siehe Walter Schmidt: Friedrich Wilhelm Müller (1801-1868). Ein Burschenschafter, protestantischer Geistlicher und achtundvierziger Demokrat aus Schlesien, in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 39. Jg., September 2003, Heft 3, S. 281-313.

55 EZA, 7, Nr. 14270 (wie Anm. 47), Bl. 32: Feyerabend: Bericht an Generalsuperintendenten, 1. Juli 1856.

56 Ebd.

57 Helmut Bleiber: Bauern und Landarbeiter der preußischen Provinz Schlesien in der Märzrevolution 1848, in: Helmut Bleiber & Walter Schmidt: Schlesien auf dem Weg in die bürgerliche Gesellschaft. Erster Halbband (Bleiber & Schmidt:Schlesien 1848), Berlin 2007, S. 23-88.

58 Walter Schmidt: Die Märzrevolution im Kreis Wohlau, in: Wohlau-Steinauer Heimatblatt, 3/2008, S. 13-15.

59 Helmut Bleiber. Die Haltung von Gutsherren, Behörden und Bürgertum zur revolutionären Bewegung der schlesischen Bauern und Landarbeiter im Frühjahr 1848 – Reaktionen und Reflexionen, in: Bleiber & Schmidt: Schlesien 1848, I (wie Anm. 57), S. 127-131.

60 EZA, 7, Nr.14270 (wie Anm. 47), Bl. 32: Feyerabend: Bericht an Generalsuperintendenten, 1. Juli 1856.

61 Ebd., Bl. 32v-33.

62 Schmidt: Die Märzrevolution 1848 im Kreis Wohlau (wie Anm. 58), S. 14f.; Schmidt: Die schlesische Demokratie 1848, II (wie Anm. 12), S. 52-54; Eduard Goeppert (wie Anm. 12), S. 15f.

63 Allgemeiner Kreisblatt-Anzeiger. Beilage zum Schlesischen Kreisboten, Nr. 36, 6.5.1848: Nachweisung der zur Wahl eines Abgeordneten … gewählten Wahlmänner.

64 Schlesischer Kreisbote, Nr. 37, 10. Mai 1848, S. 150f.: Abgeordneten-Wahl in Wohlau.

65 EZA, 7, Nr. 14270 (wie Anm. 47), Bl. 33-33v.: Feyerabend: Bericht an Generalsuperintendenten, 1. Juli 1856.

66 Joseph Peukert, geb. 21.1.1814 in Priedemost (Przedmoscie), wurde am 5.8.1838 zum Priester geweiht und am 12.8.1846 in Auras als Pfarrer eingeführt. Er war vorher Kaplan in Ossig (Osiek), Kreis Striegau (Strzegom). Schematismus Bisthum Breslau 1842 (wie Anm. 50) , S. 162; Schematismus Bisthum Breslau 1857 (wie Anm. 43), S. 163.

67 Allgemeiner Kreis-Anzeiger, Nr. 96, 6.12.1848: Erklärung. Auras, den 26. November 1848.

68 Ebd.

69 GStA PK, Rep. 77 Tit. 2962 Nr. 2 (wie Anm. 6): Bericht der Regierung Breslau an MdI, 27. Juli 1848.

70 Ebd.: Landrat Kober an Regierung Breslau, 26. Oktober 1848.

71 Ebd: Regierung Breslau an MdI, 25. November 1848.

72 Ebd: Bericht der Regierung Breslau an MdI, 27. Juli 1848.

73 Ebd.: Oberpräsident Kottwitz an Reimann, 17. Oktober 1849.

74 Ebd.: Reimanns Beschwerde, 24.10.1849; MdI an Reimann, 3.November 1849.

75 Ebd.: Vorstellung des pensionierten Bürgermeisters Reimann, 23. Oktober 1856.

76 EZA, 7 Nr. 14270 (wie Anm. 47), Bl. 9: Konsistorium an Kultusministerium, 17.8.1854: Feyerabend sei eines Darlehns würdig, er sei „pflichttreu in seinem Beruf, unbescholten in seinem Wandel, im Amt gewissenhaft“.

77 APWr/ŚKE, II, Nr. 6984, Bd. I (wie Anm. 8), Bl. 24: Bericht des Superintendenten Falk vom 17. November 1840.

78 EZA, 7 Nr. 14270 (wie Anm. 47), Bl. 10v.: Therese Feyerabend an König, 18. Juli 1854.

79 Ebd.

80 Ebd., Bl. 8 und 9: Konsistorium an Kultusministerium, 17. August 1854; Kultusministerium an Evangelischen Oberkirchenrat (EOKR), 20. September 1854.

81 Ebd., Bl. 2-3, 5, 8, 14.

82 Ebd., Bl. 8: Kultusministerium an EOKR, 20. September 1854.

83 Ebd., Bl.10-11 und 23-24: Bittgesuche von Therese Feyerabend an den König, 18. Juli 1854 und 6. Dezember 1855.

84 Ebd., Bl. 23-24: Therese Feyerabend an König, 6. Dezember 1855.

85 Dazu: http://undine.bafg.de/servlet/is/17289/ Das Hochwasser der Oder im August/September 1854. Karl Fischer: Die Sommerhochwasser der Oder von 1813 bis 1903 mit besonderer Behandlung der Hochwasser von Juni/Juli 1902 und Juli 1903, in: Jahrbuch für die Gewässerkunde Norddeutschlands. Besondere Mitteilungen, Bd. 1, Nr. 6, Berlin 1907. Gustav Hellmann und Georg von Elsner: Meteorologische Untersuchungen über die Sommerhochwasser der Oder, Berlin 1911, S. 124-130: Das Hochwasser im August 1854.

86 EZA, 7 Nr. 14270 (wie Anm.47), Bl. 6-7v.: Feyerabend an EOKR, 26. August 1854. Original. Einen Brief gleichen Wortlauts, allerdings ergänzt durch zwei Mitteilungen über die Durchführung von Gottesdiensten in der Gemeinde trotz des Hochwassers schrieb Feyerabend am gleichen 26. August auch an das Konsistorium in Breslau, den dieses in Abschrift kurz darauf dem Oberkircherat schickte. Ebd., Bl. 15-16: Feyerabend an Konsistorium, 26. August 1854. Die Wiedergabe erfolgt hier nach dem Originalbrief Feyerabends an den Oberkirchenrat; die beiden Absätze aus dem Brief an das Konsistorium sind aber eingefügt.

87 1813 war das letzte verheerende Oderhochwasser vor dem von 1854. Schlesien traf bereits 1855 wieder ein großes, allerdings nicht so katastrophales Oder-Hochwasser, das Feyerabend noch in Auras erlebte. Heinrich Mann: Das Hochwasser von August/September 1813. Seine Ursachen und sein Verlauf, in: Jahrbuch für die Gewässerkunde Norddeutschlands. Besondere Mitteilungen, Berlin 1905.

88 1 Elle entsprach in Preußen damals etwa 55 cm.

89 Dieser Absatz aus dem Brief an das Konsistorium ist eingefügt.

90 Auch dieser Absatz ist aus dem Brief ans Konsistorium.

91 EZA, 7, Nr. 14270 (wie Anm. 47), Bl. 23-24: Therese Feyerabend an den König, 6. Dezember 1855.

92 Ebd., Bl. 20: Konsistorium an EOKR, 7. Januar 1856.

93 Ebd., Bl. 28: EOKR an Konsistorium, 5. Juli 1856.

94 Ebd., Bl. 26: Notiz v. Mühlers auf dem Schreiben Feyerabends an den Präsidenten vom 26. Juni 1856. Zu v. Mühler siehe: Karl Wippermann: Mühler, Heinrich von, in: ADB, Bd. 22 (1885), S. 469-475; Die Protokolle der Preußischen Staatsministeriums 1817-1934, Bd. 3: 9. Juni 1840 bis 14. März 1848, bearbeitet von Bärbel Holtz, Hildesheim - Zürich - New York 2000, S. 483f.

95 EZA, 7 Nr. 14270 (wie Anm. 47), Bl. 26.

96 Ebd., Bl. 31-33v.: Feyerabend: Bericht an den Generalsuperintendenten, 1. Juli 1856.

97 Ebd., Bl. 34; Niebelschütz an Konsistorium, 17. August 1856.

98 Ebd., Bl. 30-30v.: Konsistorium an EOKR, 10. September 1856.

99 Ebd.

100 Ebd., Bl. 30: Briefentwurf des EOKR an das Konsistoriums, 13. September 1856 auf dessen Schreiben.

101 Rademacher: Kirchgemeinde Stroppen (wie Anm. 23), S. 115f.

102 EZA, 7, Nr. 14270 (wie Anm. 47)., Bl. 36: Konsistorium an Kultusministerium, 29. Juli 1857.

103 Rademacher: Kirchgemeinde Stroppen (wie Anm. 23), S.116-120.

104 Ebd., S. 116.

105 Ebd.

106 Über Oskar Feyerabend siehe: GStA PK, IV. HA Rep. 7 (Offizierswitwenkasse und andere militärische Versorgungsstellen) Nr. 4596: Oberstlieutnant, Generalmajor a. D. Feyerabend, zul. Abt. Kdr. im 2. Rhein. Feldartillerie Rgt. Nr. 23, jetzt Bekleidungsamt VIII. Armeekorps (1894-1922) (unpaginiert). In der Rang- und Quartierliste der Königlich–Preußischen Armee für 1884, S. 183, 494 945 ist er als Oberleutnant, Hauptmann oder Major verzeichnet; auch Rang- und Quartierliste 1896, S. 1118. 1894 wurde er Oberstleutnannt. Für diesen Hinweis danke ich Erhard Kiehnbaum/Greifswald.

107 https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feyerabend. Auch: www.goerlitz.de/de/stadtleben/stadtgeschichte/persoenlichkeiten/ludwig-feyerabend.html. G. Rennebach: Ludwig Feyerabend zum Gedenken. Zur Entwicklung der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz, in: Werner Coblenz (Hg.): Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Bd. 14/15, Berlin 1966; Ines Anders: Die Oberlausitzer Gedenkhalle mit Kaiser-Friedrich-Museum. Ein Beitrag zu Geschichte und Selbstverständnis der Städtischen Kunstsammlungen, in: Görlitzer Magazin, 6. Jg. (1992), S. 1-36, hier S. 15 und 7. Jg. (1993), S. 56-62.

 

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