50 Jahre danach

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Eberhard Halm – 50 Jahre danach!

Es war der 12. Januar 1945. Es war sehr Kalt, es lag viel Schnee. Anfang Januar 1945 bekamen wir in Auras Einquartierung von ungarischem Militär mit ihren Angehörigen. Sie hatten sich vor den einziehenden sowjetischen Truppen aus Ungarn zurückgezogen, da sie auf deutscher Seite gekämpft hatten. Die Gasthäuser und Schulen waren belegt mit all den für uns fremden Menschen. Auch wir hatten Einquartierungen bekommen. Die Eltern und wir drei Kinder hatten nur noch das elterliche Schlafzimmer für uns. Im Zimmer wurde gemeinsam gegessen, sofern die Ungarn nicht ihre eigene Verpflegung bekamen. In der Küche herrschte Hochbetrieb. Am 20. Januar 1945 mussten wir Auras verlassen. Als wir aus dem Haus gingen, drehte sich Vater noch mal um und sagte zu uns: Jetzt haben wir die Heimat endgültig verloren und Ihr Eure Kindheit und Jugend! Bekannte brachten uns mit einem Lastwaagen über Gellendorf, Stroppen nach Steinau über die Oder. Von dort aus ging es dann mit dem Zug über Liegnitz, Dresden, Leipzig nach Thüringen. Sechs Tage waren wir unterwegs. Was sich in den letzten Tagen und Wochen des Kriegs, der nun nach Deutschland kam, so alles abgespielt hat, kann man mit wenigen Worten gar nicht schildern. Wie viele Menschen sind dabei umgekommen. Wir verloren beim Angriff auf Dresden fünf Verwandte. Jede Familie hat ihr eigenes Schicksal erlebt und durchlitten. Wir blieben im Thüringer Wald, denn nach dem Krieg wollten wir ja unbedingt wieder nach Hause zurückkehren. Leider erwies sich diese Hoffnung als Illusion. Doch noch schlimmer hat es diejenigen getroffen, die nach der Flucht gleich wieder in die Heimat gingen. Wer wusste damals schon etwas von den Konferenzen, die in Teheran und Jalta stattgefunden hatten, 1 und um die Beschlüsse? 2 Für uns ging es doch zunächst ums Überleben. Auf allen Umwegen und vielen Zwischenstationen bin ich nun seit 1961 in Burg Wohnhaft. Seit 1964 war ich bis jetzt neunmal in der Heimat gewesen. Die erste Reise war ein gewagtes Unternehmen, denn wir lebten ja in der DDR und fuhren als Reisegesellschaft in ein befreundetes Land. Ich habe dort ehemalige Auraser wiedergefunden, so dass ich dann stets privat von hier aus zu ihnen fuhr, was oft auch nicht einfach war. So konnte ich auf den einzelnen Reisen in die Heimat meinen Neffen und der Nichte zeigen, wo unsere Großeltern gelebt hatten, wo unsere Schule war, ihnen das Riesengebirge zeigen, die Kreisstadt Wohlau, das Kloster Trebnitz und natürlich Breslau. Gut, dass es früher noch kein Fernsehen gab, wir hatten nicht einmal ein Radio. Wir kamen aber viel in der Umgebung umher, besuchten Verwandte und Bekannte. Das kam mir später zugute, als alles polnisch geworden war. Ich habe alles gefunden, was ich sehen wollte, sei es in Breslau, Dyhernfurth, Leubus, Obernigk oder anderswo in der Umgebung. Nun leben seit so vielen Jahren andere Menschen dort, zum größten Teil wurden sie auch aus ihren angestammten Heimat vertrieben. Ich hatte darüber einige gute Gespräche mit solchen Leuten geführt. Sie haben sich dort größtenteils eingelebt, eingerichtet, gebaut, leben und arbeiten dort. Die nachfolgende Generation kannte es nicht anders. Sie wurden dort geboren, wohnen dort auch so wie wir damals. Es wurde ihre Heimat. Doch auch uns bleibt es die Heimat, wenn sich auch so vieles verändert hat: und die Oder fließt noch!

 

Eberhard Halm

 

 

 

 

1  http://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Jalta

2  http://www.documentarchiv.de/in/1945/krimkonferenz_bericht.html

 

 

 

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