Pastor Johannes Halm

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Einleitung


Im Folgenden unterbreite ich den Lesern der homepage Auras-Uraz die Biografie des letzten Auraser Pastors Johannes Halm. Sie erschien in Bd. 8/9 (2012/23) der Zeitschrift „Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen“ die der verdienstvolle Schlesienforscher Prof. Dr. Dr. Gundolf Keil gemeinsam mit dem Schriftleiter Dr. Christoph Weißer herausgibt.
   Ich verbrachte meine Kindheit und Jugend in dem kleinen Oderstädtchen und kannte Pastor Halm selbst nur vom Sehen, wusste aber, dass er - wie der katholische Pfarrer Martin Scholl, dessen Biografie aus meiner Feder bereits auf der homepage zu lesen ist – im Widerstand zum Nazi-System stand. Pastor Halm, der Mitglied der Bekennenden Kirche war, gehört zu den Bürgern von Auras, die wir nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen dürfen.

Walter Schmidt

 

 

Das Quellen- und Literaturverzeichnis befindet sich im Anhang. Mit einem Klick auf die Nummer springen sie zur Quellenangabe, zurück kommen sie oben über den Pfeil nach links, eine Seite zurück.

 

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Johannes Halm (1893–1953)
Widerstand und Verfolgungen des evangelisches Pastors von Auras / Oder
in der Zeit von 1933 bis 1945

 

Von WALTER  SCHMIDT    

 

Johannes Halm, der mehr als eineinhalb Jahrzehnte - von Januar 1928 bis Januar 1945 - als Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Auras wirkte, gehörte zu den anerkannten und hoch geschätzten Persönlichkeiten des Oderstädtchens im Kreis Wohlau. Er prägte durch seine seelsorgerliche Arbeit, seine zurückhaltende politische Entschiedenheit wie sein Verständnis für die Sorgen der einfachen Leute in schwierigen Zeiten das öffentliche Leben von Auras wesentlich mit. Die folgende biografische Skizze will seinen Lebensweg nachzeichnen und dabei vor allem seinen Widerstand als Mitglied der Bekennenden Kirche gegen die faschistische Unrechtsherrschaft würdigen.

 

Familie und Kindheit

Johannes Fürchtegott Stephan Halm entstammte einer schlesischen Pastorenfamilie.1 Geboren wurde er am 23. Juli 1893 in Riemberg im Kreis Wohlau,2 einem Ort, der nur wenige Kilometer von seinem späteren Wirkungskreis Auras entfernt lag. Riemberg war seit 1874 der Amtsbezirk 29 im Kreis Wohlau, zu dem auch die Landgemeinden Althof., Reichwald und Tannwald sowie die Gutsbezirke Reichwald, Forst und Riemberg gehörten. Ende des 19. Jahrhunderts zählte der Ort wohl kaum mehr als 500 Einwohner, zumeist Bauern oder Landarbeiter und einige Handwerker.3 Das Dorf hatte eine kulturgeschichtlich bedeutsame Kirche und verfügte seit 1848 über eine demokratische Tradition, die freilich bald in Vergessenheit geraten war. In der Revolution von 1848/49 stellte die Kirchgemeinde Riemberg mit dem Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Müller (1801-1868), einem alten verfolgten Burschenschafter, der sich schon im Vormärz für die feudal ausgebeuteten Landbewohner eingesetzt hatte, einen demokratischen Abgeordneten für die preußischen Verfassunggebende Versammlung. Er war wegen Teilnahme an der Revolution zeitweise vom Amt suspendiert und kurz darauf wieder eingestellt worden, seiner Überzeugung aber auch nach der Revolutionsniederlage treu geblieben.4

Aufgewachsen ist Johannes Halm in der Familie des Riemberger Pastors Friedrich Halm (1855-1934), eines Sohns des Müllermeisters Friedrich Carl Halm aus Zauche, Kreis Trebnitz.5 Johannes Halms Vater, geb. 1855, hatte nach dem Besuch des Gymnasiums in Öls an der Universität Breslau Theologie studiert. Er war nach der Ordination im November 1884 und einem Jahr als Pfarrvikar in Zibelle 1885 als Pfarrer von Riemberg eingesetzt worden und hat dieses Amt bis zur Emeritierung im Oktober 1926 wahrgenommen. Er starb am 24. April 1934 in Riemberg. Johannes Halms Mutter Clara, geb. Püppche, war eine Kaufmannstochter, die Friedrich Halm kurz nach seiner Amtseinführung in Riemberg geheiratet hat.6 Johannes war der jüngste Sohn einer kinderreichen Pfarrersfamilie. Mit drei Brüdern (Martin; Gotthard, geb. 15.10.1889, gest. 1954; und Gerhard) und einer Schwester (Hildegard, geb. 22.8.1887) verlebte er in Riemberg eine wohlbehütete glückliche Kindheit. Zwei seiner Brüder - Martin, geb. März 1886, und Gerhard, geb. 27.1.1891, der Landwirt geworden war – fielen 1917 und 1915 im ersten Weltkrieg. Zu ihrer Tante Hildegard hatten Johannes Halms Kinder später besonders enge Beziehungen. Da keine Erinnerungen aus dieser Zeit überliefert sind, bleibt im Dunkeln, wie das Familienleben der Halms im Einzelnen ablief. Religiöse Erziehung und Bildung war im Riemberger Pfarrhaus jedoch eine Selbstverständlichkeit und ließ in dem Jungen Johannes, der im März 1908, also mit 15 Jahren, durch den Vater konfirmiert worden war,7 den Entschluss reifen, auch in die Fußstapfen des Vaters zu treten und den Beruf eines Geistlichen zu ergreifen. Im Lebenslauf von 1920 schrieb er: „Da ich aus einem Pfarrhaus stamme und ich dadurch am besten das Schöne und Edle, aber auch das Verantwortungsvolle dieses Berufs kennen gelernt habe, war mein sehnlichster Wunsch, auch einst dieses Ziel zu erreichen. Darum studierte ich Theologie“8

Im Gymnasium Wohlau

Nach dem Besuch der Volksschule in Riemberg9 bezog Johannes Halm im Herbst 1905 die Quinta des Gymnasiums in der Kreisstadt Wohlau. Die Bildungsstätte war 1873 als Städtisches Gymnasium zu Wohlau auf Antrag der städtischen Verwaltung gegründet worden und nannte sich nach seiner Verstaatlichung von 1885 Königliches Gymnasium.10 Seit 1816 Kreisstadt, zählte Wohlau 1880 gerade 3084 Einwohner, deren Zahl sich bis 1890 noch einmal auf 2433 (1584 Evangelische, 773 Katholiken, 56 Juden) verringerte, um im ersten Drittel des 20. Jahrhunderte auf über 6000 anzuwachsen.11 Sie lässt sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Johannes Halm das dortige Gymnasium besuchte, als eine schlesische Kleinstadt charakterisieren, die neben dem Gymnasium über ein Amtsgericht, eine evangelische und eine katholische Kirche, aber nur über wenig Industrie (Weberei, Ziegelbrennerei und eine Dampfmühle) verfügte und nur über die Verbindung Breslau - Grünberg einen Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz besaß. Für die Errichtung eines eigenen Gymnasium sprach – ganz abgesehen von zu erwartenden Schülern aus bildungsbürgerlichen Familien in den umliegenden Kleinstädten und Dörfern des Landkreises – vor allem das höhere Bildungsbedürfnis unter den relativ zahlreichen Beamten und Offizieren der Kreisstadt. Denn Wohlau war immerhin Standort eines Bezirkskommandos der Kavallerie und beherbergte überdies eine Infanterie-Garnison. Letzteres wurde bei der Begründung des Gymnasiumsantrags durch den Magistrat besonders hervorgehoben. Das war sicher auch ein Grund dafür, dass Pläne, das Gymnasium 1894 wieder aufzulösen, nach einer Deputation der Stadtverwaltung nach Berlin zurückgezogen wurden.12

Als Johannes Halm „zu Ostern“, am 27. April 1905, das Gymnasium bezog, stand es unter der Leitung des Direktors Prof. Dr. Reinhardt, der sein Amt 1899 angetreten hatte. 1908 erlebte Johannes - wie auch sein Bruder Gerhard, der die Anstalt mit Abschluss der Obersekunda bereits 1910 verließ und in die Landwirtschaftslehre ging13 - einen Direktorwechsel. Dr. Fritz Sattig (1863-?), der in Breslau und Berlin klassische Philologie und Theologie studiert hatte, 1885 zum Dr. phil. promoviert worden war und zuvor eine Schule in Goldberg zum Progymnasium entwickelt hatte, wurde zum neuen Direktor ernannt.14 Die „allgemeine Lehrverfassung“ des Gymnasiums15 entsprach den Richtlinien des preußischen Kultusministeriums, die auf die Bildungsreformen von Wilhelm von Humboldt aus der Reformperiode von 1807-1813 zurückgingen. Die alten Sprachen Latein und Griechisch nahmen in der Prima mit 7 bzw. 6 Wochenstunden den größten Raum ein. Doch folgten dem mit immerhin bereits 4 bzw. 2 Stunden Mathematik und Naturwissenschaften, während für Geschichte, Deutsch und Turnen je 3, für Religion 2 Stunden zur Verfügung standen und an modernen Fremdsprachen obligatorisch nur Französisch gelehrt wurde. Englisch wie Hebräisch waren lediglich Wahlfächer. Johannes Halm verzichtete am Gymnasium auf Hebräisch, musste dessen Studium erst auf der Universität Breslau nachholen und hier die für das Theologiestudium obligatorische Reifeprüfung ablegen.16

1912 teilten sich insgesamt 14 Lehrkräfte, darunter vier Professoren, mehrere promovierte Ober- oder Fachlehrer, ein Kandidat des höheren Lehramts und ein Erzpriester als katholischer Religionslehrer, den Unterricht in den acht Klassen von der Sexta bis zur Oberprima. Höhepunkte im Schulleben waren neben den Reifeprüfungen die Klassenfahrten, so im Juni 1910 eine dreitägige Wanderung im Riesengebirge und auf die Schneekoppe,17 sowie das jährliche Sedan-Fest zu Ehren des Sieges der deutschen Truppen im deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Seit 1908 wurde dieses Fest zu Turnspielen genutzt, die auf der Spielwiese der Unteroffiziers-Vorschule ausgetragen wurden.18 Unter denen, die besondere sportliche Leistungen vollbrachten, taucht Johannes zwar nicht auf, doch verzeichnet das Abiturzeugnis auf diesem Feld ein sonst seltenes „Gut“.19 Die Schuljahres-Berichte hingegen nennen ihn verschiedentlich unter den jeweils sechs bis acht mit Kränzen generell ausgezeichneten Schülern.20

Im Frühjahr 1913 legte Johannes Halm die Abiturprüfung ab.21 Als Deutsch-Aufsatz war den sechs Kandidaten ein Thema aus Homers Ilias, das „Lied vom Zorne des Achilles“ gestellt; schriftlich absolviert werden musste eine Übersetzung aus dem Griechischen; abzuliefern war schließlich eine Mathematikarbeit, in der vier Aufgaben, darunter eine Dreiecksbestimmung, zu lösen waren. Die mündliche Prüfung unter dem Vorsitz des Provinzial-Schulrats und Königlichen Kommissars Prof. Prohaset am 17. Februar bestanden sechs Oberprimaner, darunter drei Söhne von Lehrern, die Söhne eines Rittergutsbesitzers und eines Direktors einer Paketfahrtgesellschaft. Zu ihnen zählte als einziger Pastorensohn Johannes Halm aus Riemberg. Über ihn heißt es im Bericht, dass er acht Jahre am Gymnasium war, davon zwei die Prima und ein Jahr die Oberprima besucht und als künftiges Studium die Theologie angegeben hat.22 Die Strenge, mit der in dieser Zeit Schülerleistungen bewertet wurden,23 erkannte Johannes Halm immerhin in Religionslehre, in Mathematik, wo ihn vor allem die Prüfungsarbeit herausgehauen hat, und in Turnen ein glattes „Gut“ zu; auch „seine Leistungen in Horaz waren gut.“ Alle anderen Fächer (Deutsch, Geschichte und Erdkunde, Physik und Gesang) wurden mit „Genügend“ beurteilt, was wohl eher dem heutigen Befriedigend entsprach. In Griechisch hieß es allerdings differenzierter und aufwertend: „Seine Klassenleistungen waren im besseren Sinne genügend“ und auch im Französischen waren seine Leistungen „im besseren Sinne genügend.“

Theologiestudium in Breslau und Greifswald

Bereits im Sommersemester 1913 nahm Johannes Halm das Studium an der Universität Breslau auf.24 Am 16. April 1913 immatrikulierte er sich an der evangelischen theologischen Fakultät.25 Für einen Schlesier lag es nahe, sein Theologiestudium in der Provinzhauptstadt zu beginnen, wo 1811 mit der Gründung der Universität neben der aus österreichischer Zeit schon bestehenden katholischen auch eine evangelische theologische Fakultät eingerichtet worden war.26 Breslaus evangelische Fakultät galt geradezu als Provinzialfakultät, nicht zuletzt wegen ihres starken Einflusses auf die kirchlichen Verhältnisse in der schlesischen Kirchenprovinz. Durch ausgesprochene Schulbildung zeichnete sie sich, zumindest seit die Vorherrschaft des frühen Rationalismus im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts überwunden worden war, allerdings nicht aus. Danach hatten sich weitgehend konservative Tendenzen breit gemacht. Es dominierte bis ins letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, wie es hieß, „der Geist einer konservativen, streng kirchlich den neuen Strömungen Widerstand leistenden Theologie.“27 Allerdings brach in den neunziger Jahren eine Erneuerung der Fakultät zumindest in methodischer Hinsicht an. Die Fakultät öffnete sich neuen Strömungen einer historisch-kritischen Forschung, für die der Neutestamentler William Wrede (1829-1906) mit radikalen literarkritischen Thesen bahnbrechend wurde, der allerdings 47-jährig bereits 1906 verstarb. Auch in anderen Disziplinen gewannen historisch-kritische Methoden stärkeren Einfluss. Vertreter der neuen methodischen Richtung waren die Kirchenhistoriker Karl Franklin Arnold (1853-1917) und Johannes Walter (1876-1940), der von 1909 bis 1917 als außerordentlicher Professor in Breslau wirkte, bei denen Johannes Halm auch hörte. Kirchenpolitisch überwogen in Breslau allerdings nach wie vor die konservativen, sogenannten „positiven“ Professoren gegenüber den liberalen, was für einen im ganzen konservativen Charakter der Breslauer evangelischen Theologenfakultät in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts spricht.28

Viel Zeit brauchte Johannes Halm im Breslauer ersten Semester, um das obligatorische Examen im Hebräischen zu absolvieren, wie er später einschätzte.29 Gleichwohl hat er sich noch in fünf Vorlesungen eingeschrieben.30 Bei von Walter hörte er Enzyklopädie der Theologie, was wohl dem Charakter einer Einführung ins Fach entsprach; er ließ sich beim Alttestamentler Wilhelm Rothstein (1853-1925) in die Geschichte des Textes des alten Testaments einführen, vom Neustestamentler Walter Bauer (1877-1960) die drei ersten Evangelien erklären und durch Dr. Hoennicke über die Gefangenschaftsbriefe des Apostel Paulus informieren. Im Zentrum aber stand offensichtlich die Kirchengeschichte des damals dominierenden Arnold, dessen Reformationsgeschichte und Kirchengeschichte des Mittelalters seit Karl dem Großen er auch im folgenden Semester die Treue hielt

Nach einem Jahr verließ Johannes Halm Breslau bereits und immatrikulierte sich am 29. April 1914 an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald.31 Die Gründe für den Universitätswechsel ins von Schlesien doch recht ferne Vorpommern sind in keiner überlieferten Quelle benannt. Doch mag dafür eine Rolle gespielt haben, dass die Theologie an der Greifswalder Alma mater auch zu Beginn des zweiten Jahrzehnts im neuen Jahrhundert vor allem unter den Konservativen der evangelischen Geistlichkeit immer noch einen exzellenten Ruf hatte.32 Begründet hatte ihn der lutherische Biblizist und Alttestamentler Hermann Cremer (1834-1903). Er machte zusammen mit einer stattlichen Riege weiterer Professoren die Greifswalder Universität in den 1880er Jahren zu einem Hort der sogenannten „positiven“, einer vornehmlich „Gewissens- und Rechtfertigungstheologie“, die sich scharf von allen, vor allem von Albrecht Ritschl (1822-1889) in Bonn und Göttingen und Adolf von Harnack (1851-1930) in Berlin vertretenen liberalen Tendenzen abgrenzte und sie bekämpfte. Die seit den 1890er Jahren weithin bekannte „Greifswalder Schule“ hatte, von den konservativ geleiteten Landeskirchen den Studenten unbedingt empfohlen, in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einen so starken Zulauf, dass die Theologische Fakultät mit nahezu 300 Studenten mehr als ein Drittel der gesamtem Greifswalder Studentenschaft stellte. Zwar verlor die Greifswalder Theologie nach der Jahrhundertwende mit dem Tod von Cremer und der meisten anderen Protagonisten der „positiven“ Theologie an Einfluss; doch bestand der Nimbus bis weit ins 20. Jahrhundert noch fort. „Konservative Väter schickten ihre Söhne auch nach Cremers Tod noch gerne hierher.“33 Bei mehreren der noch unter dem Einfluss der Begründer der „Greifswalder Schule“ stehenden Professoren und Dozenten hat Johannes Halm – wie sein Erlaubnisschein für das Sommersemester 1914 und die Exmatrikulation ausweisen34 – Vorlesungen gehört, so Neutestamentliche Theologie beim orthodoxen Lutheraner Johannes Haussleiter (1851-1928), Altes Testament (Jesaja I) bei Otto Procksch (1874-1947); Neueste Kirchengeschichte sowie Geschichte des christlichen Kirchenbaus bei Victor Schultze (1851-1937), der die Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst als eigenständige Disziplin begründet hat; Symbolik (Konfessionskunde) beim Systematischen Theologen Johannes Kunze (1865-1927); Jesus und die moderne Skepsis beim Neutestamentler Julius Kögel (1871-1928). Kirchengeschichtliche Übungen (Apostolikum) besuchte er beim Kirchenhistoriker Erich Seeberg (1888-1945). Wenn Cremers positive Theologie, wie es heißt, das Privileg hatte, dass sie „für die Bildung der 30 Jahre später entstehenden Bekennenden Kirche von erheblicher Bedeutung“ war35, so hat dieser Einfluss auch und gerade bei Johannes Halm durchaus Früchte getragen.

Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg

Johannes Halms Studium in Greifswald dauerte offiziell nur bis zum 28. November 1914. 36 Zu diesem Zeitpunkt wurde – wie bei der Mehrzahl der anderen sich freiwillig meldenden Studenten dieser Jahrgänge - sein Studium offiziell storniert; doch wurde er im Greifswalder Studierendenverzeichnis der folgenden Jahre – wie auch alle anderen Kriegsfreiwilligen – ununterbrochen als nicht-exmatrikulierter Theologiestudent (freilich ohne Angabe der sonst obligatorischen Greifswalder Wohnadresse) formal weitergeführt, was offenbar einer generellen Festlegung entsprach.37 In der Greifswalder Exmatrikulationsurkunde vom 31. Januar 1919 heißt es dazu: „Vom Winter-Semester 1914/15 bis Winter-Semester 1918/19 im Heer“.38 Bereits unmittelbar nach Ausbruch des Krieges hatte er sich sofort freiwillig gemeldet und diente schon seit dem 5. September 1914 beim Fußartillerie- Regiment 6 in Breslau.39

Als Fußartillerist war er in verschiedenen Fußartillerie-Einheiten zunächst in Russland eingesetzt. Er nahm im Oktober und November 1915 an Kämpfen nördlich von Baranowitschi und am Serwetsch teil und lag im September 1917 in den Stellungskämpfen an der oberen Tschara und am Serwetsch. Am 8. April 1917 erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Noch an der Ostfront wurde er 1917 zum Leutnant der Reserve befördert. „Kurz vorher“, schrieb er in seinem Lebenslauf“, „erhielt ich die Nachricht, dass auch ein zweiter Bruder von mir an der mazedonischen Front gefallen sei. Der eine war schon 1915 an der Ostfront gefallen. Schwere Kämpfe hatte ich nach all diesen trüben Erfahrungen in meinem Inneren zu durchleben. Doch mein Glaube half auch hierin den rechten Weg zu finden.“40 Im Sommer 1918 wurde seine Einheit an die Westfront nach Frankreich verlegt. Hier nahm er im August 1918 an den Kämpfen zwischen Arras und Albert, bei Douai, teil, war vom 21. August bis 2. September 1918 in der „Abwehrschlacht zwischen Scarpe und Somme“ eingesetzt und stand von Anfang September bis zu den Rückzugskämpfen an der „Siegfried-Front“.

Noch an der russischen Ostfront zog er sich durch einen Sturz eine schwere Wirbelsäulenverletzung zu,41 die zu einem anhaltenden Ischiasleiden führte. Er blieb deshalb auch nach seiner Entlassung aus dem Heer zunächst noch in militärärztlicher Behandlung42. Die Rückgratverletzung hat ihn fortan in seiner Arbeit stark beeinträchtigt. Schon in seinem Lebenslauf zur Bewerbung für die erste theologische Prüfung Anfang 1920 schrieb er: „Nach meiner Entlassung im Dezember 1918 setzte ich mein Studium fort, war aber bisweilen daran gehindert durch Behandlung von Ischias, welche ich mir im Kriege zugezogen hatte und auch jetzt noch nicht ganz beseitigt ist.“ Die häufig äußerst schmerzhaften Beschwerden wurde er sein Leben lang nicht mehr los, ja sie verstärkten sich mit zunehmendem Alter. Sie verlangten von ihm viel Kraftaufwand und strikte Disziplin und zwangen ihn später zu wiederholten orthopädischen Behandlungen und Kuraufenthalten. Seit Mitte der dreißiger Jahre musste er ein Lederstützkorsett tragen.43 Er war zu 80% kriegsbeschädigt. Die erlittene Verletzung galt als „Dienstbeschädigung bei Militär“. Die häufigen Sanatoriumskosten wurden aber nur teilweise von der so genannten staatlichen Kriegsopferversorgung, dem „Reichsversorgungsamt“, übernommen, weshalb er sich wiederholt gezwungen sah, beim Konsistorium um finanzielle Unterstützung anzuhalten.44

Studienwiederaufnahme, Vikariat und theologische Prüfungen

Am 28. Dezember 1918 wurde Johannes Halm, inzwischen in die Heimat zurückgekehrt, mit dem Vermerk, dass über Versorgungsansprüche das Bezirks-Kommando entscheidet, mit Stempel des Soldatenrats und des 1. Garde-Fußart.-Rgts als Leutnant der Reserve aus dem Fußart.-Btl. 164 nach Riemberg entlassen.45 Schon zwei Wochen vorher, am 13. Dezember 1918, hatte er sich an der theologischen Fakultät der Breslauer Universität zur Fortsetzung des Studiums immatrikuliert.46 Nach den bitteren Kriegserfahrungen ging es ihm vor allem darum, das Studium rasch und erfolgreich abzuschließen. Er setzte alle Kräfte ein, um den von Anfang an angestrebten Beruf eines Seelsorgers sobald als möglich zu erreichen. Schließlich hatte er vier Jahre auf diesem Weg verloren, die es nun einigermaßen wettzumachen galt. „Nach dem Kriege hatte ich besonders alles nachzuholen und aufzufrischen, was der Krieg vernichtet hat. Denn wenn 4 Jahre hindurch die geistige streng wissenschaftliche Arbeit ruht, macht sich diese Unterbrechungen sehr nachteiliger Weise bemerkbar.“47

Das Jahr 1919 stand ganz im Zeichen des Studiums.48 Er stieg sogleich ins schon laufende Wintersemester 1918/19 ein und belegte auffällig Vorlesungen, die in verschiedene Gebiete erneut einführten, so einen „Wiederholungskursus über die Hauptfragen der neuesten Wissenschaft“, „Einleitungsfragen der paulinischen Briefe“ und eine Einleitung in das Alte Testament, vor allem aber praktische Übungen und Seminare: „Übungen des systematischen Seminars“ und „neutestamentliche Übungen im theologischen Seminar“. Man spürt, dass es ihm darauf ankam, sich einmal wieder voll in die Wissenschaft zu integrieren, zugleich sich aber auf die praktischen Anforderungen eines Seelsorgers einzustellen. Auch im Sommersemester 1919 und im folgenden Herbst-Zwischen-Semester 1919 spielten Seminare und praktische Übungen eine besondere Rolle. Zugleich hörte er Vorlesungen zur Kirchengeschichte Schlesiens, zur Religionsphilosophie, aber auch zu aktuellen politischen Problemen wie „Völkerbund und Weltfrieden“ und die wichtigsten Lebensfragen der Gegenwart. Seine akademischen Lehrer waren in dieser Zeit die Professoren Johannes Steinbeck (1873-967), Erich Schaeder (1861-1936), Dr. Gustav Hoennicke, Carl Steuernagel (1869-1958) und Arnold, den er schon 1913/14 kennen gelernt hatte. Besonderes Interesse brachte er dem Kirchengesang entgegen. Er befasste sich mit der Geschichte des Kirchenliedes, beteiligte sich an den Gesangsübungen des Breslauer Johanneschors und legte am Akademischen Institut für Kirchenmusik der Universität eine Prüfung ab.49 Zugleich unterstützte er „mit Eifer“ die kirchliche Vereinstätigkeit der Johanneskirche und beteiligte sich wiederholt mit Predigten am Gottesdienst.50 Zu Weihnachten 1919 beendete er die Studien in Breslau und bereitete sich zu Hause in Riemberg für das Examen vor.

Schon am 12. Januar 1920 beantragte er von Riemberg aus beim Evangelischen Konsistorium der Provinzen Nieder- und Oberschlesien die Zulassung zur ersten theologischen Prüfung und reichte am 2. Februar in Abschrift die dafür notwendigen umfangreichen Unterlagen ein.51 Nach Einsendung der von der Prüfungskommission verlangten schriftlichen Arbeiten, einer Abhandlung zum Thema „Was lehrt die Konkordienformel von der heiligen Schrift“ und einer Predigt über Matth. 9,35-38 Mitte April52 legte er vom 14. bis 16. Juni 1920 in Breslau die erste theologische Prüfung „pro venia concionandi“ mit dem Prädikat „Bestanden“ ab.53 Alle Fächer der schriftlichen wie mündlichen Prüfung erhielten diese Bewertung, die hier und da auch mal mit „nicht völlig bestanden“ benotet wurde, während die „Einleitung in die biblische Theologie“ des Alten Testaments und die entsprechende Exegese die Note „im ganzen gut“ erhielten.

Die darauf folgenden Praktika absolvierte Johannes Halm von Mitte Juli bis Ende September 1920 als Hilfsvikar im Pfarramt Fürsten-Ellguth im Kreis Öls. Dessen Pfarrer Hermann Röhricht bezeugte, dass er „durch sorgfältig ausgearbeitete und mit guter Betonung vorgetragene Predigten die Gemeinde erbaut“ und sich darüber hinaus an der Leitung des Jünglingsvereins beteiligt habe. Sein eigener Bericht nennt als „Hilfsleistungen“ acht Hauptgottesdienste, drei Kindergottesdienste und drei Beerdigungen. Anfang Oktober 1920 trat er ins schlesische Predigerseminar in Naumburg am Queis ein, wo er sich „besonders mit Fragen aus dem Gebiet der praktischen Theologie, vor allem mit der Jugendseelsorge“ beschäftigte und sich als Hilfsvikar im dortigen Jünglingsverein betätigte.54 Seine Abschlussbeurteilung von Ende September 1921 bestätigte rege Beteiligung und einwandfreie Führung.55 Seine Predigten wurden durch Zeugnisse für die Prüfungskommission durchweg mit Gut bewertet und ebenso der „Gang seiner Katechese“ und der Religionsunterricht in der Stadtschule.56

Von Naumburg aus hatte er mit Zustimmung des Oberkirchenrats bereits im März 1921 die vorzeitige Zulassung zur zweiten theologischen Prüfung „pro ministerio“ beantragt. Dafür hatte er neben zwei Predigten eine Abhandlung vorzulegen, in der er den „Anteil der religiösen Dichtung des 19. Jahrhunderts“ in den Gesangsbüchern der Gegenwart auf die Frage hin prüfen sollte, ob die Aufnahme solcher Lieder zu verstärken wäre. Damit war offenbar das Thema des Kirchengesangs angesprochen, das ihn seit dem Studium besonders am Herzen lag. Die zweite Prüfung, die er vom 19. bis 21. Oktober in Breslau ablegte, bestand er bis auf eine Klausur in allen Fächern. Vor allem seine Abhandlung zu Gesangsbuchfrage wurde ebenso wie die Fächer Ethik, Dogmatik und die katechetische und homelitische Probe mit „im ganzen gut“ bewertet.57

Erste Pfarrstellen, Heirat und Familie

Nur gut zwei Wochen nach der letzten Prüfung wurde Johannes Halm am 5. November 1921 in der Magdalenen-Kirche zu Breslau ordiniert. Unter dem gleichen Datum erhielt er das Zeugnis der Befähigung zur Anstellung im geistlichen Amte; und am 23. November 1921 wurde ihm das „Ordinations-Attest als Pfarrvikar der evangelischen Kirche der Provinzen Nieder- und Oberschlesien“ überreicht.58 Sein erster Einsatz erfolgte bereits am 1. November 1921, und zwar als Pfarrvikar in Muskau-Land mit einem jährlichen Gehalt von 1900 Mark und freier Wohnung.59 Bei seinen Besuchen in den Kirchen der umliegenden Dörfer brach er sich Mitte Dezember 1921 durch einen Sturz vom Fahrrad das Schlüsselbein und musste sich für einige Wochen zur Pflege ins Elternhaus nach Riemberg begeben. Gut ein Jahr darauf wurde er zum zweiten Pastor der Pfarrstelle in Dittersbach im Kreise Waldenburg gewählt, die er am 2. Februar 1923 antrat. In dieser Industriegemeinde machte ihm die Arbeit, wie er später schrieb, viel Freude. Vor allem unter der männlichen Jugend gewann er Einfluss.60 Ansonsten ist über seine Tätigkeit in den beiden Kirchgemeinden: Muskau und Dittersbach nichts überliefert.

In dieser Zeit, vor allem von Dittersbach aus, lernte Johannes Halm bei einer Hochzeit in Konradswaldau seine spätere Frau Käthe Mann kennen, eine Tochter Rudolf Manns, eines Fabrikbesitzers in Oberweißbach, geboren am 3. Mai 1901 in Oberweißbach bei Rudolstadt im Thüringer Wald.61 Seit 1910 lebte die Familie Mann allerdings in Dresden. Am 9. Juni 1927 heirateten sie auch in Dresden und lebten zunächst in Dittersbach in einer Zweizimmerwohnung. Aus ihrer Ehe gingen vier Kinder hervor:62 Christian Halm, geb. 26. März 1928 in Auras, er starb am 12. Juni 1932 in Auras und wurde in Dresden im Familiengrab der Manns beigesetzt; Eberhard Halm, geb. 26. Juli 1930 in Auras. Ihn kannte ich näher aus unserer gemeinsamen Zeit als Fahrschüler von 1942 bis Ende 1944 zum Schulbesuch in Breslau. Nach 1945 war er Schüler auf den Internatsschulen in Kahla und Wickersdorf in Thüringen und legte im Juli 1949 in Magdeburg das Abitur ab. Sein Medizin-Studium in der Bundesrepublik brach er 1956 ab und kehrte aus familiären Gründen, um sich um seine inzwischen verwitwete Mutter zu kümmern, nach Sachsen-Anhalt zurück. Er lebte mit seiner Mutter bis zu ihrem Tod am 4. Juni 1978 zusammen in Burg/Sachsen-Anhalt und war seit Mitte der 1950er Jahre im Gesundheitsdienst, als Fürsorger vor allem in der Lungenfürsorge, tätig. Seit Mitte der 1990er Jahre zeichnete er verantwortlich für die Familiennachrichten in den „Wohlauer Rundbriefen“ und im „Wohlau-Steinauer Heimatblatt“.63 Er starb, seit 2000 als Rentner in der Nähe von Verwandten in Torgelow lebend, am 25. April 2010 an einem Herzinfarkt. Seine Urne wurde bei der Familiengruft auf dem Dresdner Johannesfriedhof beigesetzt. Ulrich Halm, geb. am 18. Februar 1933 in Breslau, ging von Klein-Rodensleben in die Bundesrepublik und wurde Finanzbeamter. Er starb am 5. September 1978 in Langenfeld/Rheinland und ist dort beigesetzt. Christine Eckardt, geb. Halm, geb. am 25. Juli 1935 in Breslau. Sie arbeitete als Arztsekretärin in Krankenhäusern und Polikliniken in Haldensleben, Rathenow und Magdeburg und lebt heute als Rentnerin in der Nähe ihrer Tochter in einem Heim für Betreutes Wohnen in Torgelow.

Pfarrer in Auras/Oder

Bereits ein halbes Jahr nach der Heirat, am 1. Januar 1928, trat Johannes Halm sein neues Amt als Pfarrer in Auras an der Oder im Kreis Wohlau an. Er hatte sich vor allem wegen der engen Wohnverhältnisse in Dittersbach sicher schon seit einiger Zeit um eine andere Pfarrstelle bemüht64 und stellte sich daher in Auras zur Wahl, als der dort amtierende Pfarrer sich zurückziehen wollte. Für die Wahl von Auras sprach wohl auch, dass die junge Familie damit in die Nähe seiner Eltern kam, zumal der Vater im nur sechs Kilometer entfernten Riemberg gerade in Pension gegangen war. Die von der Auraser Kirchgemeinde beantragte Beihilfe zu den Umzugskosten von 300 RM wurde vom Oberkirchenrat in Berlin genehmigt.65 Sein Gehalt betrug nach acht Jahren in Auras 1936 monatlich 540 RM.66 Johannes Halm folgte Paul Störmer (1888-1964), der, nach dem Theologiestudium in Berlin 1914 in Berlin ordiniert worden war und seit 1917 das Auraser Pfarramt innehatte.67 Er wollte sich jetzt „zwecks privatwissenschaftlicher Arbeiten“ einige Jahre nach Doberan zurückziehen.68 Das Oderstädtchen mit damals etwas mehr als eineinhalbtausend Einwohnern,69 von denen ca. drei Fünftel Protestanten waren, besaß seit 1894 eine neue evangelische Kirche. Das Pfarrhaus; in das die Halms einzogen, lag gleich daneben; es war 1911 erbaut worden. Auch die evangelische Volksschule, in der er bisweilen Religionsunterricht zu erteilen hatte, war keine hundert Meter vom Pfarrhaus entfernt.

Es war eine recht umfangreiche, weit verstreute Kirchgemeinde, deren Betreuung Pastor Halm nun übernahm.70 Sie umfasste außer der Stadt Auras, einschließlich von Auras-Burglehn und den beiden Vorwerken Raake und Weite Walke mit 1055 Evangelischen noch eine Reihe weiterer Dorfgemeinden und sogenannte Gutsbezirke: Liebenau, Hennigsdorf, Kottwitz, Sorgau und das links der Oder liegende Brandschütz. Liebenau zählte mit dem Gutsbezirk rund 500 Evangelische; Brandschütz mit Gutsbezirk knapp 200; das 5 km entfernte Hennigsdorf – die Bahnstation – mit Gutsbezirk 485; Kottwitz 246 und der Gutsbezirk Sorgau 32 Evangelische, sodass die gesamte Kirchengemeinde Auras auf mehr als 2500 Gläubige kam.

Allerdings allein Auras verfügte über eine evangelische Kirche, während sich in Liebenau, Brandschütz, Hennigsdorf und Kottwitz lediglich je eine evangelische Schule befand. Eine Kirche wurde in Auras bereits 1218 erwähnt, die in der Reformationszeit protestantisch wurde. 1525 stand der Auraser Kirchpatron Freiherr von Jörgen sogar in Briefwechsel mit Martin Luther. In der Gegenreformation verloren die Evangelischen 1653 ihre Kirche wieder an die Katholischen. Erst nach der Eroberung Schlesiens durch Preußen erhielt Auras schon nach dem ersten Schlesischen Krieg 1742 die Konzession zum Bau eines evangelischen Bethauses, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Gotteshaus dienen musste. Am 29. November 1894 erst wurde nach längerem Bau in Auras wieder eine eigene evangelische Kirche eingeweiht, die ein wertvolles altes Gemälde aus Holz schmückte und über Abendmahlgerät aus dem Jahr 1742 verfügte.71 Im Januar 1945 wurde die Kirche von deutschen Truppen in Brand gesetzt und nach Kriegsende vollkommen zerstört. Man sagt, dass das Baumaterial der niedergebrannten evangelischen Kirche zum Aufbau der ebenfalls verbrannten katholischen Kirche benutzt wurde

In der Gemeinde lebten überwiegend einfache Menschen: Landwirte, Handwerker, Ladenbesitzer, Oderschiffer, Schiffbauer und Stromarbeiter. Ein reiches wohlhabendes Gemeinwesen war die Kleinstadt Auras indes nicht. Gerade in den Jahren der Arbeitslosigkeit, die gegen Ende der Weimarer Republik einsetzte, hatte die Stadtverwaltung mit großen Problemen zu kämpfen. Häufige Oder-Überschwemmungen machten darüber hinaus namentlich den Landwirten, aber nicht nur ihnen, schwer zu schaffen. Das kirchliche Leben verlief in den letzten fünf Jahren der Weimarer Republik, von Anfang 1828 bis zum Januar 1933 allerdings in recht geordneten Bahnen. Größere Schwierigkeiten bereiteten die politischen Verhältnisse in der Weimarer Demokratie den Kirchen nicht. Johannes Halm setzte in Auras die bereits in Muskau und Dittersbach begonnenen Arbeiten unter der Jugend, die ihm offenbar am Herzen lag, intensiv fort. Er übernahm im Kreis die Leitung des Kreisverbandes der Jungmädchenvereine und machte sich zugleich als Kreisjugendpfarrer einen Namen. Darüber hinaus kümmerte er sich um die Gründung von sogenannten „Frauenhilfen“, die neben Auras in weiteren vier Landgemeinden auf seine Initiative ins Leben gerufen wurden.72

Gleichwohl war Johannes Halm in der Endzeit der Weimarer Republik, vor allem in den Jahren 1929 bis Anfang 1932, bereits in Auseinandersetzungen verwickelt, die von rechten Kräften in der Stadt teilweise parteipolitisch instrumentalisiert wurden.73 Als Pastor nahm Johannes Halm, obwohl die kirchliche Oberaufsicht über das Schulwesen in der Weimarer Republik abgeschafft war, von Anfang an Einfluss auf die Geschicke der evangelischen Schule in Auras. So sah sich der Gemeindekirchenrat 1928 veranlasst, die Schulkasse mit 60 RM zum Gehalt des zweiten Lehrers zu unterstützen.74 In seinen Bemühungen um die Gewährleistung eines qualitativ guten Unterrichts, für den er sich als Pastor verantwortlich fühlte, setzte er sich seit Ende der zwanziger Jahre für die Versetzung oder Dienstbefreiung des zweiten Lehrers dieser Schule Gotthard Schenk ein. Schenk, fiel, weil stark kriegsbeschädigt, öfter für längere Zeit aus, was dazu führte, dass die Unterrichtsqualität stark litt. Johannes Halm griff dabei die Sorgen der Eltern auf, die von einem gewählten Elternbeirat vertreten wurden. Ein Schreiben von zahlreichen Eltern an die Regierung zu Breslau erläuterte die schwierige Situation an der evangelischen Schule wegen häufigen Fehlens von Lehrer Schenk und hielt es für „angebracht, dass Herr Lehrer Schenk infolge seiner Kriegsleiden, die einen regelmäßigen Unterricht erschweren, von seinem Dienst befreit wird.“75

Nun war aber Schenk offenbar politisch ausgesprochen rechts eingestellt, was sich sicher auch im Unterricht niederschlug und auf den Unmut von Eltern stieß. Er machte im Unterricht offensichtliche wiederholt Front gegen die Weimarer Republik. Schenk sah sich in einer Stellungnahme zu den Kritiken der Eltern im März 1931 immerhin gezwungen, ausdrücklich zu erklären: „Ich verpflichte mich dem Elternbeirat gegenüber entsprechend meines Diensteides die Jugend nicht gegen den Staat und seine Staatsform zu erziehen.“76 Ein Mitglied des Elternbeirats, das zugleich auch dem Gemeindekirchenrat angehörte, der Landwirt Adolf Ecke aus Auras-Walke, selbst auch politisch rechts orientiert, verdächtigte daher Johannes Halm, sich der linken Partei (den Sozialisten und Kommunisten) angeschlossen zu haben, für die Schenk ein Dorn im Auge wäre.77 Halm habe durch seine Stellungnahme gegen Schenk sogar bewirkt, dass „die Gemeinde gespalten“ sei, Verärgerung und Unfrieden herrsche und „ein weiteres Arbeiten mit rechtsgerichteten Kreisen völlig ausgeschlossen“ sei.78 Ob hinter der politisch motivierten Attacke Eckes bereits ultrarechte, der NSDAP angehörende oder ihr nahestehende, gegen die Weimarer Demokratie agierende Kräfte standen, die Ecke gleichsam in Stellung gegen Pastor Halm brachten, ist zwar zu vermuten, muss aber offen bleiben.

Johannes Halm ging auf die politischen Verdächtigung nicht direkt ein, verwies nur indirekt darauf, dass der Elternbeirat der Schule aus vier Bürgerlichen bestehe, wozu auch Ecke gehöre, während dem Beirat nur ein „bewusster Sozialdemokrat“, der Tischlermeister Fritz Kipke, gegenüber stehe.79 Und Kipke sei nur deshalb zum Vorsitzenden des Elternbeirats gewählt worden, weil Ecke, von ihm vorgeschlagen, dieses Amt zu übernehmen abgelehnt habe. Allerdings unterstützte der Gemeindekirchenrat Johannes Halm nachhaltig gegen die Anwürfe Eckes und erklärte ausdrücklich, dass er im Fall Schenk „das Interesse der Schule zu wahren gesucht (habe), ohne irgendwelche parteipolitische Stellung zu nehmen.“80 Im Gefolge der Kontroversen um Schenk, die 1931 in Elternversammlungen und mit Sammlungen von Unterschriften von Befürwortern wie Gegnern des Antrags auf Dienstbefreiung des zweiten Lehrers oder dessen Versetzung, ihren Höhepunkt erlebten,81 legte Ecke bereits Ende März 1931 das Amt des Gemeinderatsmitglieds nieder.82 Erst nach Einschaltung des Konsistoriums; das die politische Zuspitzung, gestützt auf die Erklärung des Gemeindekirchenrats, geschickt aus der Debatte nahm,83 Eckes Anwürfe zunächst als unbegründet zurückwies und auf Wunsch von Ecke eine Aussprache mit ihm durchführte, ließ sich die Auseinandersetzung am Jahresende 1931 einvernehmlich beenden. Wahrscheinlich war Schenk inzwischen auch dienstbefreit worden. Am 17. Dezember 1931 wurden die Differenzen zwischen Halm und dem Gemeindekirchenrat einerseits und Ecke andererseits in einer gemeinsamen Erklärung beigelegt.84 Ecke erklärte, dass er jederzeit mit dem Vorgehen gegen den Lehrer Schenk einverstanden war und auch an der Amtsführung von Pastor Halm, die er anfangs massiv in Frage gestellt hatte, nichts auszusetzen habe, während der Gemeinderat, der in seiner Mehrheit stets Pastor Halm zur Seite gestanden hatte, Ecke bestätigte, das man an dessen Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit keinen Zweifel habe.

 

Repressionen und Verfolgungen als Mitglied der Bekennenden Kirche im Kirchenkampf von 1933 bis 1945

Die Situation der Kirche änderte sich rasch, nachdem am 30. Januar 1933 Hitler und seiner Nationalsozialistischen Partei vom Reichspräsidenten Hindenburg die Regierungsgewalt übergeben worden war. Bald war zu spüren, dass die neuen Machthaber sukzessive daran gingen, den Einfluss der christlichen Kirchen einzuschränken und, so sie sich nicht nationalsozialistischen Einflüssen und Wünschen unterwarfen, selbständige kirchliche Aktivitäten zu verfolgen. Ob Halms Bewerbungsgesuch von Ende November 1933 für eine frei gewordene Pfarrstelle in Königszelt, bekannt vor allem als Eisenbahnknotenpunkt und durch seine Porzellanfabrik, mit den ersten Erfahrungen im nationalsozialistischen Herrschaftssystem zu tun hatte, muss offen bleiben. Gründe gibt Johannes Halm für die schließlich unberücksichtigt gebliebene Bewerbung nicht an.85

Johannes Halm gehörte nicht zu jenen recht zahlreichen Kräften in der evangelischen Pfarrerschaft Schlesiens, die als „Deutsche Christen“ positiv zum neuen politischen System standen, es offen unterstützten und sich teilweise sogar der Nazipartei direkt angeschlossen hatten. Er wurde im Gegenteil binnen kurzem zu einem Gegner der Nazis, lehnte die deutlich glaubens- und kirchenfeindliche Politik der Naziregierung ab und begann offenen Widerstand gegen die nazifreundliche „deutsch-christlich“ orientierte oberste Kirchenleitung unter dem Reichsbischof Ludwig Müller (1876-1960) zu leisten.86 Noch 1933 schloss er sich dem Pfarrernotbund87 an, der die widerständigen Kräfte unter den evangelischen Pastoren zum Kampf gegen die Angriffe der Nazis auf das eigenständige, dem Bekenntnis entsprechende kirchliche Leben zusammenfasste. Die „Mitgliederliste der Pfarrerschaft der Bekennenden Kirche Schlesiens“ vom Oktober 1934 nennt aus dem Kirchenkreis Wohlau Johannes Halm in Auras neben Richard Hoppe (1884-1988) in Wohlau, Hermann Than (1899-1965) in Riemberg und Pfarrer Lindenau in Leubus als Mitglied.88

Protest gegen den „Maulkorberlass“ 1934

Anfang 1934 geriet er erstmals in offenen Gegensatz zur den Nazis dienenden Kirchenleitung.89 Am 14. Januar 1934 hatte er im Gottesdienst eine Erklärung des Pfarrernotbundes verlesen,90 in der schwere Anklagen gegen den Reichs- und Landesbischof wegen Verletzung des Bekenntnisstandes der evangelischen Kirche erhoben wurden. Dieser hatte am 4. Januar 1934 eine Verordnung zur „Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche“ herausgegeben, in der er den Arierparagraphen in die evangelische Kirche einführte und allen gegen die oberste Kirchenleitung opponierenden, sich der Anpassung an die Naziideologie widersetzenden und das unverfälschte Evangelium als Bekenntnisgrundlage verteidigenden Pfarrern mit Amtsenthebung drohte.91 In der Kanzelabkündigung des Pfarrenotbundes gegen den so genannten „Maulkorberlass“, die am 14. Januar 1934 im Gottesdienst verlesen wurde, wurde zum Schluss erklärt, dass dem Reichsbischof „kein Vertrauen mehr entgegengebracht werden kann und man sich seiner Verordnung vom 4. Januar 34 widersetzen werde.“92 Damit war aus Glaubensgründen öffentlich zum Ungehorsam gegen das Regiment des Reichsbischofs aufgerufen.

Daraufhin hatten die oberste Kirchenleitung und Bischof Otto Zänker vom Breslauer Konsistorium am 12. Februar ein Verfahren gegen Halm eingeleitet; man wollte ihm einen Verweis erteilen. Als Verfehlung und strafbare Handlung wurde ihm vorgeworfen, „öffentlich in der Gemeinde und dazu noch im Gottesdienst den Träger des obersten Amtes der Reichskirche persönlich angegriffen und in seinem Ansehen aufs schwerste herabgesetzt“ zu haben. Dies wäre nicht nur ein schwerer Verstoß gegen die Kirchenordnung und gegen die Pflicht der Pfarrer der kirchlichen Obrigkeit gegenüber, sondern zugleich auch „ein Missbrauch des Gottesdienstes“.93

Pfarrer Halm ließ dies jedoch nicht auf sich sitzen, sondern ging zum Gegenangriff über. Er nutzte dabei eine Erklärung des Breslauer Konsistoriums, wonach keinem Pfarrer das Recht bestritten werden könne, „gewissensmäßige Bedenken gegen Maßnahmen des Kirchenregiments den zuständigen Stellen geziemend vorzutragen.“ Sein Schreiben vom 6. März 1934 an den Oberkirchenrat und das Konsistorium war jedoch ein geharnischter Protest gegen den angekündigten Verweis. Im Unterschied zur katholischen Kirche sei „der Reichsbischof kein unfehlbarer Papst“; er müsse sich vielmehr „der Kritik vom Bekenntnis her unterwerfen.“ Die Wahrung des Bekenntnisstandes in der Gemeinde sei dem Pfarrer durch das Gelübde zur Pflicht gemacht. Es sei daher nicht nur sein Recht, sondern auch seine Pflicht, zu dessen Wahrung auch einem Bischof, wenn er sich irrt, zu widersprechen. Er stützte sich dabei ausdrücklich auf das Augsburger Bekenntnis von 1530, nach dem man Bischöfen, so sie irren, nicht folgen solle. „Es kann also“, so schrieb Halm, „der Kampf des Pfarrers gegen bekenntniswidriges Handeln in der Kirche und der Aufruf zum Widerstand dagegen niemals ein schwerer Verstoß sein.“ Wenn der Reichsbischof das Bekenntnis der Kirche verletzt und eine bekenntniswidrige Verordnung veröffentlicht, dann liege darin eine Verführung der Gemeinde vor, vom Bekenntnis abzulassen. Und in einem solchen Falle gehöre die Ablehnung einer solchen Handlung auch in den Gottesdienst und habe nichts mit dessen Missbrauch zu tun. Deshalb würden alle strafbaren Handlungen entfallen und ein Verweis gegen ihn müsse unterbleiben.

Johannes Halm konnte sich mit seinem Protest voll durchsetzen. Der Oberkirchenrat kam nicht umhin, das „gegen Sie schwebende Verfahren“ am 11. Mai 1934 einzustellen. Er musste mithin auf einen Verweis verzichten.94

Für die folgenden Vorkriegsjahre enthalten zwar die Akten des Oberkirchenrats und des Konsistoriums keine Dokumente über Verfolgungen Johannes Halms. Doch blieb er ungebrochen und eindeutig bei seiner distanzierten, ja ablehnenden Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Herrschaftssystem und darum als bekanntes Mitglied der Bekennenden Kirche auch im Visier der faschistischen Regierungsorgane, worüber Publikationen über den so genannten Kirchenkampf Auskunft geben.

Breslauer Haft wegen der Kanzelabkündigung März 1935

Bereits ein Jahr später sah sich Johannes Halm Mitte März 1935 nun direkter Verfolgung durch die Gestapo ausgesetzt. Wie schon zu Anfang 1934 war auch jetzt eine Kanzelabkündigung der Grund für das nun staatsoffizielle Vorgehen gegen ihn.95 Gegen Versuche der Nazihörigen in den Kirchenleitungen, dem auf der heiligen Schrift beruhenden Christentum eine zu konstituierende heidnische Volksreligion entgegenzustellen und den christlichen Glauben zu verdrängen, richtete die Bekennende Kirche eine von der Bekenntnissynode vom 4.-5. März 1935 beschlossene Erklärung, die zur Wachsamkeit und Abwehr gegenüber einem neuen Heidentum aufforderte. Sie ging als Kanzelabkündigung allen evangelischen Pfarrämtern zu und sollte am Sonntag Reminiscere, dem 17. März 1935, von der Kanzel verlesen werden. Um dies zu verhindern, startete die Gestapo am 16. März in ganz Preußen und so auch in Schlesien schlagartig eine Aktion. Die Pfarrer sollten in einem Revers sich verpflichten, die Stellungnahme der Bekennenden Kirche weder zu verlesen noch weiter zu verbreiten. Im Weigerungsfalle war Verhaftung angedroht. Mehr als 200 schlesische Pfarrer lehnten den Revers ab; 45 wurden in Haft genommen. Zu ihnen gehörte Johannes Halm. Gemeinsam mit seinen Amtsbrüdern Richard Hoppe aus der Kreisstadt Wohlau und Hermann Than aus dem benachbarten Riemberg trat er nach der Verhaftung am 16. März „sogar mit angelegtem Talar die Fahrt unter Polizeibewachung ins Breslauer Gefängnis an.“96 Versuche der Staatsbehörden, die verhafteten Pfarrer im Gefängnis für eine Unterschrift unter den Revers zu überreden, scheiterten. Die Aufregung in den Kirchgemeinden, die sich hinter ihre Pastoren stellten, trug dazu bei, im Widerstand zu verharren. Auch Mitglieder der Auraser Gemeinde fuhren, wie Christine Eckardt berichtet, nach Breslau und beteiligten sich an der Protestdemonstration vor dem Untersuchungsgefängnis in der Graupnerstraße, bei der vor allem die Luthersche Marsaillaise des 16. Jahrhunderts „Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen wurde.97 Die Regierung sah sich gezwungen einzulenken. Bereits am 19. März wurde eine bedingungslose allgemeine Haftentlassung verfügt. Wie an anderen Orten so wurde auch in Auras der heimkehrende Johannes Halm von den Gläubigen herzlich begrüßt. An den folgenden Sonntagen, dem 24. und 31. März, wurde die Kundgebung der Synode, nur mit einem kleinen Zusatz versehen, von den Kanzeln unverkürzt verlesen.

Nicht politisch bestimmt war ein Konflikt, den Johannes Halm Mitte der dreißiger Jahre wegen der Haltung des der Kirche verpflichteten Organisten Blischke durchzustehen hatte.98 Blischke war zugleich Lehrer an der evangelischen Schule und in Gesprächen mit Ortsbewohnern durch zwielichtige, etwas amouröse Äußerungen allerdings gegenüber der Frau des damaligen Leiters der örtlichen NSDAP Wende hervorgetreten, die gerüchteweise im Ort verbreitet wurden. In der Sicht von Pastor Halm und des Gemeindekirchenrates hatte er sich damit gegen „christliche Gesinnung und Sitte“ vergangen; dies um so mehr, als er gegen beleidigende Äußerungen eines anderen, dass er ein Verhältnis mit der Frau habe, nicht vorgegangen war.99 Der Gemeinderat hielt dies mit der Würde eines Kirchenbeamten nicht vereinbar und wollte ihm kündigen. Daraus entwickelte sich ein Strafverfahren, in das Halm durch eigene Stellungnahmen verwickelt wurde, das aber im wesentlichen zugunsten von Blischke ausging. Es führte gar zu einer Rüge des Regierungspräsidenten an Pastor Halm,100 der sich das Konsistorium im wesentlichen anschließen musste.101

Schutzhaft in Wohlau September 1939

Bei Beginn des zweiten Weltkriegs schlug der Nazi-Staat erneut zu. Offenbar galt Johannes Halm den Behörden in dieser Situation als ein verdächtiges, politisch unzuverlässiges Element, das eliminiert werden sollte. Er erschien umso mehr als politisch unzuverlässig, da er gut ein Jahr zuvor, im Mai 1938, den so genannten Treueid auf den Führer nicht geleistet hatte.102 Im Schreiben an den stellvertretenden Breslauer Konsistorialpräsidenten Dr. Hünemörder hatte er formal zwar seine Bereitschaft erklärt, „dem Führer einen Treueid zu leisten“, zugleich aber zu Protokoll gegeben, dass er „unter Berufung auf mein Ordinationsgelübde, daß ich den Eid nach der ‚Anordnung zur Ableistung des Treueides“ v. 12.5.1938 und nach der in der ‚Ansprache’ des Evang. Oberkirchenrates ergangenen Eidesbelehrung nicht leisten kann“.103 Er stützte sich bei dieser deutlichen Ablehnung auf die Erklärung von Präses Koch, nach der die Auslegung des Oberkirchenrats über die „dem Christen durch das Neue Testament eingeschärfte Pflicht, sich der Obrigkeit unterzuordnen,“ hinausgehe, womit der allein gültigen Autorität der Hl. Schrift Abbruch getan werde und der Pfarrer in Widerspruch zu seinem Ordinationsgelübde gebracht würde.104

Auf Anordnung des Wohlauer Landrats Johannes Slawik, der sich 1941 in Wiek eindeutschen ließ, wurde der Auraser Pastor als einziger evangelischer Geistlicher im Kreis Wohlau am 8. September 1939 verhaftet und in Wohlau in sogenannte Schutzhaft genommen.105 Johannes Halm vermutete, wie sein Sohn zu berichten wusste,106 dass dies die Reaktion auf eine Intervention beim Landrat gewesen sein könnte. Er hatte sich Ende August 1939 beim Landrat im Interesse der Einwohner von Auras dafür eingesetzt, dass der einzige Arzt in der Gegend, Dr. Richard Goldbach, der kurz vor Kriegsbeginn zur Wehrmacht eingezogen worden war, wieder freigestellt werde, damit die ärztliche Versorgung gesichert werden kann. Als der Landrat ihm daraufhin mitteilte, dass er in dieser Sache nichts tun könne, antwortete ihm Halm, er müsse dann den Aurasern sagen, selbst der Landrat könne nichts für die Leute unternehmen. Gleichwohl liegt auf der Hand, dass die Verhaftung keine willkürliche Entscheidung des 1938 von Oppeln nach Wohlau versetzten Landrats war, sondern höheren Orts angeordnet wurde. Dafür spricht die Mitteilung des Breslauer Regierungspräsidenten auf die spätere Anfrage von Johannes Halm nach den Gründen seiner Schutzhaft, dass er darauf keine Antwort zu erwarten habe.107 Er war einfach politisch unzuverlässig. Das reichte aus.

Untergebracht wurde Johannes Halm in einer „Landstreicherzelle“ im Erdgeschoss eines Hinterhauses mit einem Zementfußboden, was sich „meinem durch Kriegsdienst geschwächten Gesundheitszustand (Ischias beiderseits, Nervensystem) unbedingt nachteilig sein musste.“ Sein sofortiger Hinweis auf seinen schlechten gesundheitlichen Zustand wie ein entsprechendes schriftliches Gesuch beim Landrat am folgenden Tag blieben ergebnislos. Erst nach drei Tagen wurde er einem Medizinalrat vorgestellt, der ihn als gesundheitlich stark geschwächten Krieggeschädigten nach einem Nervenzusammenbruch am Abend des 11. September ins Wohlauer Krankenhaus einwies. Erst nach vier Tagen ließ ihn der Landrat am 12. September frei. Infolge der Aufregung und eines Nervenzusammenbruchs musste sich Johannes Halm danach für einen Monat in ein Sanatorium nach Landeck begeben.108 Den Bericht über seine Wohlauer Haft verdanken wir seinem Gesuch beim Konsistorium, ihn zur Deckung der entstandenen Sanatoriumskosten finanziell zu unterstützen. In diesem Fall wie auch später genehmigte das Konsistorium durchweg finanzielle Beihilfen, um die Unkosten notwendiger medizinischer Behandlungen bestreiten zu können.109 Dabei hob das Konsistorium ausdrücklich hervor: „Pfarrer Halm erfüllt seine Pflichten der Gemeinde gegenüber trotz aller Behinderungen mit größter Treue.“110

 

1000 RM Gestapo-Strafe 1942

Zweieinhalb Jahre später – im März 1942 – war Johannes Halm ein drittes Mal staatlichen Repressionen ausgesetzt. Der Grund für die nun eingeleitete Strafmaßnahme lag mehr als ein halbes Jahr zurück. Mitte August 1941 war es zu einer Auseinandersetzung Pastor Halms mit einer Kindergärtnerin auf dem zur Kirche gehörenden Gelände gekommen, auf dem ein neuer NSV-Kindergarten zwangseingerichtet worden war.111 Anfang August 1941 waren die Räume des seit 1880 bestehenden evangelischen Kindergartens, der wegen Kohlemangels Anfang 1940 seine Arbeit einstellen musste, auf Anordnung des Wohlauer Landrats durch die Auraser Ortspolizeibehörde beschlagnahmt worden, um dort einen NSV-Kindergarten zu eröffnen. Johannes Halm hatte sich nun gegen Störungen seines Konfirmandenunterrichts durch die Kinder im Kindergarten energisch zur Wehr gesetzt und in sicher barschem Ton – „ich bin alter Frontoffizier mit einer entsprechenden Stimme“, so seine eigene Erklärung112 – sich Ruhe für den Unterricht verschafft. Die Gestapo nahm eine offensichtliche Denunziation dieser an sich rasch beigelegten Kontroverse zum Anlass, um gegen ihn mit einer neuen Methode vorzugehen. Die Gestapoleitstelle Breslau verzichtete zwar auf eine Verhaftung, berief sich aber – indirekt drohend, dass Haft durchaus hätte passieren können – auf die Freilassung aus der Wohlauer Schutzhaft im September 1939: „H. ist Schwerkriegsverletzter aus dem Weltkriege und mußte im Jahre 1939 aufgrund eines amtsärztlichen Zeugnisses aus der Haft entlassen werden.“113 Lediglich seine Kriegsverletzung bewahrte ihn offensichtlich vor einer erneuten Schutzhaft. Die Gestapo setzte in dieser Zeit wiederholt die Auflage eines sogenannten „Sicherheitsgeldes“ von 1000 RM gegen Pfarrer ein, wenn sie im Gottesdienst nicht auf die öffentliche Fürbitte für verfolgte Gläubige verzichteten. Damit verband sich aber oft auch die Drohung mit einer Einlieferung in ein Konzentrationslager.114 So verhängte man auch gegen Halm wegen des so genannten Vergehens gegen ihn ein Sicherheitsgeld von 1000 RM, das er in monatlichen Raten von 100 RM auf ein Gestapo-Sperrkonto bei der Sparkasse in Auras einzuzahlen hatte. Das Konto sollte ihm erst im Mai 1945 wieder zur Verfügung stehen, sofern er sich bis dahin „politisch einwandfrei geführt hat.“ Bei erneuten „Verstößen“ sollte das Geld der NSV überwiesen werden.115 Damit hatte Johannes Halm die Bestätigung, sich „politisch nicht einwandfrei“ geführt zu haben, die hinter allem stand. Als Grund für die finanzielle Bestrafung gab die Sicherheitspolizei ausdrücklich an: dass „er am 16. und 19.8.1941 aus seiner gegen Partei und Staat eingestellten Haltung heraus die NSV-Kindergärtnerin in ihrer Arbeit ... behindert hat“.116

Sowohl der Gemeindekirchenrat in Auras als auch der Berliner Oberkirchenrat setzten sich für eine Aufhebung der Strafmaßnahme oder wenigstens für eine Milderung der Strafe ein. Die Mitglieder des Gemeindekirchenrates (unterzeichnet haben der Landwirt August Sobeck aus Raake, der Schuhmachermeister Karl Schneider und der Landwirt Friedrich Schärich aus der Fischergasse sowie die nicht in Auras, sondern in anderen zur Gemeinde gehörenden Orten lebende Ratsmitglieder Karl Schebitz, Oswald Keller, Adolf Mischke und Ernst Viertel) monierten in ihrem Schreiben an den Breslauer Regierungspräsidenten, dass man den Pfarrer ohne die Gelegenheit einer Aussprache bestrafe.117 „Da wir in einem Rechtsstaat leben, kann unmöglich auf Anzeige von Gegnern der christlichen Kirche eine solche Verfügung erlassen werden.“; und man berief sich hierzu auf eine Erklärung der NSDAP vom 28. März 1937, wonach ein Parteigenosse nicht mehr Rechte habe. Überdies hätte ein Kriminalsekretär in Breslau erklärt, dass politische Verstöße in diesem Falle nicht klar zu erkennen wären. Zugleich brachten die Ratsmitglieder Halms Verdienste als kriegsbeschädigter Offizier des Weltkriegs zur Geltung, die „der Führer“ als erste Bürger des Staates bezeichnet hätte. Er sei Mitglied in der NS-Kriegsopferversorgung (NSKOV), habe aber wiederholt deren Versorgung im Interesse der Verwundeten des zweiten Weltkriegs nicht in Anspruch genommen, sondern seine Kuren selbst bezahlt. Auch der Oberkirchenrat berief sich auf die Nichtinanspruchnahme der Mittel aus der NSKOV und bat mit Rücksicht auf Halms harte Lage, „die verhängte Auflage zu erlassen oder wenigstens zu mildern.“118 Beide Eingaben verfehlten alle Wirkung. Die Geheime Staatspolizei in Berlin sah keine Veranlassung, „die gegen Pfarrer Halm in Auras getroffenen Maßnahmen zu beanstanden.“119

Die Gastapozentrale in Berlin blieb bei ihrer Strafmaßnahme vom März 1942 wohl auch deshalb, weil sie noch aus einem anderen Grund von Halms „gegen Partei und Staat eingestellter Haltung“ überzeugt war. 1941 hatte ein Fall von Euthanasie an einem Geisteskranken in der Bevölkerung von Auras und Umgebung Empörung hervorgerufen, als dessen Urne eingetroffen war. In einer Gemeinderatssitzung am 16. November 1941, über die die Gestapo gut informiert worden war,120 habe Johannes Halm dazu geäußert: „Wie sieht es bei uns aus, in den Klöstern und Irrenanstalten. Von dort erhalten die Angehörigen ohne jede weitere Mitteilung die Nachricht, dass der Verstorbene bereits beerdigt bezw. verbrannt sei und die Urne zur Abholung bereit stehe. Sogar bei Kriegsverletzten ist dies schon geschehen.“121 Ein Mitglied des Gemeindekirchenrats hatte dabei die Frage aufgeworfen, warum die Kirchenleitung nichts dagegen unternommen hat.122 Daraufhin erklärte Johannes Halm, dass von Seiten der Kirche sehr wohl schon etwas unternommen worden sei, und er las aus dem Schreiben des Landesbischofs Dr. Wurm aus Stuttgart an den Reichsinnenminister vor, was man, wie er vor dem Konsistorium zu Protokoll gab, „irrtümlich“ als „seine eigenen Auslassung“ auffasste. Dies war aber mit Sicherheit seine Meinung. Doch ist verständlich, dass er in der Lage, in der er sich nach dem Konflikt mit der Gestapo und den eindeutigen Angaben aus dem Gemeinderat befand, solche Äußerungen öffentlich als „irrtümlich“ bezeichnete, um schärferen Verfolgungen zu entgehen.

Wie brisant die Situation für Johannes Halm war, ist daraus zu ersehen, dass Oberkirchenrat und Konsistorium die Sache sehr ernst nahmen und das Konsistorium sich - nach den Informationen der Gestapo - von Johannes Halm selbst ausführlich über die Sachlage informieren ließ.123 Ohne sich auf die Debatte im Kirchenrat um den Umgang mit Euthanasieopfern einzulassen, kam man in den Leitungsgremien der Kirche zu dem verständlichen und wichtigen Schluss: „Dafür, dass Pfarrer Halm aus einer gegen Partei und Staat eingestellten Haltung gehandelt hatte, liegt u.E. kein Anhalt vor.“124

Nach dieser Gestapo-Aktion von 1942 scheinen die Staatspolizeibehörden, zumindest soweit die überlieferten Quellen Auskunft geben, den Auraser Pastor in Ruhe gelassen zu haben. Um den NSV-Kindergarten fanden allerdings bis Anfang 1944 wiederholte Auseinandersetzungen des Gemeindekirchenrats mit verschiedenen staatlichen Stellen, besonders der örtlichen Partei- und Polizeibehörde und der Kreisleitung der NSV, statt, in die sogar das Konsistorium eingeschaltet wurde.125 Johannes Halm wehrte sich dabei vor allem gegen willkürliche Maßnahmen des Ortgruppenamtskassenverwalters Schwabe und verteidigte das Recht der Kirche auf ihr Eigentum, ja drohte 1943 im Namen der Gemeindekirchenrats gar, die Vermietung der drei Räume an die NSV rückgängig zu machen. In einem Schreiben an das Konsistorium hieß es: „Denn etwas Recht dürfen wir wohl auch noch als christliche Bürger in Großdeutschland erwarten. Das letzte Schreiben des Herrn Schwabe vom 25.9.43 haben wir bis jetzt noch nicht beantwortet. Sondern bitten, dass höheren Orts H. Schwabe die gebührende Antwort zu Teil wird. Denn es steht doch nicht jedem Ortsgruppenamtsverwalter zu, kirchliches Eigentum wegzunehmen, weil es von der Partei gebraucht wird.“126 Erst Anfang 1944 gelang es durch Vermittlung des Konsistoriums und mit Unterstützung des Schlesischen Provinzialvereins für Innere Mission die „Angelegenheit betr. Kindergarten Auras friedlich“ zu lösen. „Die Kreisamtsleitung und der Gemeindkirchenrat haben sich geeinigt. Die Rechte des Gemeindekirchenrats sind gewahrt geblieben.“127

Als die Nazi-Führung nach der Vernichtung der 6. Armee in Stalingrad im Frühjahr 1943 den totalen Krieg erklärte und alle Reserven mobilisierte, war offensichtlich auch der Leutnant der Reserve a. D. zunächst noch gefragt. Das Konsistorium war angehalten, für den Auraser Pfarrer eine UK-Stellung vom Militärdienst zu beantragen. Sie begründete es mit seiner schweren Kriegsbeschädigung und brachte zugleich in Anschlag, dass er „für die seelsorgerliche Betreuung seiner großen Gemeinde Auras, die sich auf 10 Ortschaften erstreckt, dringend benötigt wird.“128 Das Bezirkskommando Wohlau der Wehrmacht ließ daraufhin aber das Konsistorium am 24. Januar 1944 wissen, dass eine UK-Stellung nicht erforderlich sei, da „mit einer Einberufung des Ltn. d. Res. A. D. Johannes Halm“ nicht zu rechnen wäre.129

Ins Jahresende 1944 fiel der 50. Jahrestag des Auraser evangelischen Gotteshauses. Die Kirche war am 29. November 1894 feierlich eingeweiht worden.130 Vorher hatte der Gottesdienst während des Baus der neuen Kirche in einem Lokal, einer „ziemlich geräumigen Notkirche“, stattgefunden. Gefördert worden war der Bau durch den Kirchenpatron August Friedrich Karl Freiherr von Schuckmann, den derzeitigen Besitzer des Schlosses und Burglehn Auras, der zugleich Landesältester und Kreisdeputierter des Kreises Wohlau war. Die Kirche war im Rundbogenstil aufgeführt, hatte an jeder Längsseite zwei Reihen von Fenstern, in Höhe der Empore die größeren, im unteren Teil kleinere. Das dreiteilige Glasfensterbild hinter dem Altar hatte der Stadtrat Freyer, Besitzer des zur Parochie Auras gehörenden Ritterguts Brandschütz geschenkt. Die Orgel hatte ein Orgelbauer aus Guhrau hergestellt, deren Klang ebenso wie die Predigt dank einer guten Akustik unter einer Holzdecke gut zu hören und zu verstehen wäre.

Der Gemeindekirchenrat beschloss Ende November 1944 auf Vorschlag von Pastor Halm dieses Ereignis durch einen feierlichen Gottesdienst am ersten Advent, dem 3. Dezember, zu begehen.131 Die Festpredigt sollte Bischof D. Zänker halten, worauf jedoch aufgrund schwieriger Umstände verzichtet werden musste und als Vertreter des Konsistoriums der Superintendent Börner aus Winzig teilnahm. Das Konsistorium sandte eine Glückwunschadresse und übermittelte seine Segenswünsche.132 Die Kirche möge der Gemeinde „in den Stürmen und Gefahren dieser Zeit“ eine Stätte der Anbetung bleiben und von ihr „Ströme der Kraft und Freude, des Trostes und Friedens ausgehen in die Herzen und in die Häuser der Gemeinde“. Ein Bericht über den Festgottesdienst liegt nicht vor. Doch bedankte sich der Auraser Kirchenrat beim Konsistorium für die Glück- und Segenswünsche anlässlich des Kirchenjubiläums: „Gott gebe, dass solche besondere Tage wie helle Sterne in dunkler Nacht unsere christliche Gemeinde geleiten mögen durch die ernste schwere Zeit.“133 Mit Freude teilte Johannes Halm dem Konsistorium auch mit, dass die Kirche zu diesem Festtag mehrere Spenden erhalten habe, so vom Mühlenbesitzer Kurt Kant 1000 RM und von Festgottesdienstbesuchern 560 RM. In den Worten zum Kirchenjubiläum war schon deutlich zu spüren, dass man sich inzwischen dessen bewusst wurde, dass mit dem weiteren Kriegsgeschehen der Gemeinde noch Schweres bevorstehen würde.

Flucht aus Auras und Odyssee von Ort zu Ort

Im Januar 1945 entstand mit dem Vormarsch der Roten Armee nach der am 12. Januar unter Shukov und Konev begonnenen Weichsel-Oder-Offensive für die evangelische Gemeinde wie für alle Einwohner von Auras tatsächlich eine gänzlich neue Situation. Da vorauszusehen war, dass Auras für einige Zeit Frontgebiet werden könnte, lag auch für Pfarrer Halm auf der Hand, die am rechten Oderufer liegende Stadt mit der Mehrheit der Bewohner und der evangelischen Gemeinde zu verlassen. Dies umso mehr, als alle Bewohner offiziell zum Verlassen des Stadtgebiets aufgefordert wurden. Mit der Flucht aus Auras vor der anrückenden Roten Armee, die Johannes Halm mit seiner Familie und dem größten Teil seiner Gemeinde am 20. Januar 1945 antrat, begann für ihn geradezu eine Odyssee, die erst nach mehr als einem Jahr im sachsen-anhaltischen Klein-Rodensleben bei Wanzleben endete.

Während seine Familie bereits am 26. Januar in Leibis im Thüringer Wald anlangte, hatte sich Johannes Halm in Liegnitz von der Familie getrennt und war mit der Restgemeinde nach Kauffung an der Katzbach gekommen, wo er einige Zeit verblieb.134 Auf dem Weg von Kauffung nach Unterweißbach, dem Geburtsort von Käthe Halm, wo er auf seine Familie zu treffen hoffte, geriet er am 13. und 14. Februar in das Bombeninferno von Dresden, das er gerade überlebte. In Unterweißbach übernahm er am 14. April die Pfarrstelle, die er bis Juli betreute, als der Ortspfarrer aus dem Krieg zurückkehrte. Daraufhin kehrte er im Juli allein nach Schlesien zurück, um sich am Wiederaufbau der kirchlichen Arbeit in der Heimat zu beteiligen.135 Bis September 1945 war er beim Evangelischen Konsistorium in Breslau tätig und betreute gottesdienstlich die Orte Klein Bresa, Riemberg und auch Auras. Dann ging er nochmals nach Unterweißbach. „Er wollte seine Familie nach Schlesien holen, aber bei Horka wurde ihnen und der Gemeindeschwester unter schwersten Opfern der Übergang unmöglich gemacht.“136 Nach dem Scheitern der Rückkehr nach Schlesien zog Johannes Halm mit seiner Familie in Thüringen und Sachsen-Anhalt von Pfarrstelle zu Pfarrstelle. Zunächst erhielt er eine Pfarrei in Neumark bei Weimar, die er bis zur Rückkehr des Ortspfarrers aus dem Krieg im September 1946 betreute. Danach verwaltete er eine offene Pfarrstelle in Eggenstadt, Kreis Wanzleben in Sachsen-Anhalt, wo er und seine Familie in einer Dachkammer hausen und miterleben mussten, wie am Vorabend des Erntedankfestes das Kirchendach einstürzte. Man zog daraufhin nach vier Wochen weiter nach Klein-Rodensleben im Kreis Wanzleben, wo eine Pfarrei noch frei war, die er – anfangs nur kommissarisch – übernehmen konnte. Hier kam er im Oktober 1946 erstmals wieder zur Ruhe und wurde mit der Familie ortsansässig.

Pfarrer in Klein Rodensleben

Klein Rodensleben ist ein kleines Bauerndorf in der fruchtbaren Magdeburger Börde, bereits 888 erstmals urkundlich erwähnt.137 Im Dreißigjährigen Krieg und einer nachfolgenden Pest wurde das Dorf fast ausgerottet, aber bis 1710 war es wieder voll besiedelt. Ende des 18. Jahrhunderts durch eine Feuersbrunst nochmals fast vollständig zerstört, wurde es im 19. Jahrhundert schrittweise wieder aufgebaut. Das Dorf verfügt über eine evangelische, St. Pankratius geweihte Kirche mit einem im 14. Jahrhundert erbauten spätromanischen Querrechteckturm mit einem Fachwerkgiebel und einem Satteldach. Die Kirche selbst ist ein schlichter, wahrscheinlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteter Bau, eine Saalkirche mit großen Fenstern, einer Empore, einem hölzernen barocken Kanzelaltar und einer bemerkenswerten Orgel aus dem Jahre 1748. Heute ist Klein Rodensleben mit sechs weiteren umliegenden Dorfgemeinden und den Städten Seehausen und Wanzleben zur neuen Stadt Wanzleben-Börde zusammengeschlossen.138

Mit nicht erlahmendem Engagement stürzte sich Johannes Halm ungeachtet seiner Kriegsverletzung, die ihm mit zunehmendem Alter immer mehr zu schaffen machte, in die Arbeit als Seelsorger einer kleinen, aber immerhin „etwa 800 Evangelische“139 umfassenden Kirchengemeinde. Als die Superintendentur des Kirchenkreises Wanzleben ihn nach eineinhalbjähriger Arbeit im Februar 1948 zur endgültigen Einstellung als Pastor der Gemeinde vorschlug, würdigte sie ausdrücklich seine Erfolge bei der Integration von Flüchtlingen in die neue Heimat.140 „Vor allem scheint es ihm gelungen, die Einheimischen und die Flüchtlinge in seinen Bibel- und Frauenhilfsstunden zusammenzubringen und den schmerzlichen Riß zu heilen, der in dieser Hinsicht durch unsere Gemeinden geht.“ Ausdrücklich vermerkt wurde: „Da Pastor Halm, der als B.K.=Pfarrer in Schlesien mancherlei Kampf und Leiden durchgemacht hat, durch ein im Kriege zugezogenes Leiden in seiner Arbeitskraft gehemmt ist, empfehle ich, ihm die kleine Gemeinde Klein-Rodenslenen anzuvertrauen.“

Der Gemeindekirchenrat von Klein Rodensleben bestätigte am 10. Februar 1948, dass Pfarrer Halm seit Aufnahme der Arbeit in der Gemeinde vor eineinhalb Jahren sich „als Prediger und Seelsorger recht bewährt“ habe.141 Er habe mit seiner Frau nicht nur die ganze Gemeinde besucht, sondern auch allein die Christenlehre erteilt, die Jugendlichen zu Singeabenden, die Frauen mit Unterstützung seiner Frau zu einer Frauenhilfe und die ganze Gemeinde gelegentlich zu Gemeindeabenden gesammelt; „er bemüht sich in jeder Weise, der Gemeinde ein treuer Hirte zu sein“. So habe sich der Kirchenbesuch auch wesentlich gehoben. Der Gemeindekirchenrat erklärte sich bereit, auf die Ausschreibung der Pfarrstelle und auch „auf die Probe und die Einsprüche gegen Lehre, Gaben und Wandel des zu berufenden Pfarrers“ zu verzichten, und beschloss, den „derzeitigen kommissarischen Verwalter der Pfarrstelle ... Pastor Johannes Halm aus Auras/Schlesien zum Pfarrstelleninhaber endgiltig zu berufen.“142 Daraufhin erhielt er am 7. Juli 1948 von der Kirchenleitung die Berufung zum Pfarrer in Klein Rodensleben, die er umgehend annahm.143 Am Sonntag, dem 12. September 1948, wurde er vom Superintendenten des Kreises Wanzleben unter Assistenz zweier weiterer Pfarrer und bei zahlreichem Besuch der Gemeindegläubigen mit einer bedeutsamen Feier in der reich geschmückten Kirche von Klein Rodensleben offiziell in sein Amt eingeführt.144 Der Superintendent war überzeugt: „Durch seine seelsorgliche und treue Art wird Pfarrer Halm, dem eine treffliche Pfarrfrau zur Seite steht, gewiß Eingang in seiner Gemeinde finden.“

Verhandlungen des Gemeindekirchenrats geben einige Auskunft über Johannes Halms seelsorgliche Arbeit. Im Juli 1949 setzte er sich im Zusammenhang mit der Evangelisation dafür ein, das Interesse für die religiösen Fragen vor allem in der Frauenhilfe und bei Zusammenkünften der Männer in den einzelnen Häusern zu wecken. Zugleich empfahl er, auf Kirchensteueransprüche bei Alten und Kranken zu verzichten.145 Im Oktober 1950 verlangte er im Kirchenrat, strikt gegen eine vordergründige Politisierung eintretend, freilich ohne Erfolg, die Anbringung von politischen Wahlplakaten auf kirchlichen Gebäuden nicht zuzulassen. Wie schon in den Jahren der Nazidiktatur wandte er sich auch jetzt deutlich gegen politische Eingriffe von außen in das kirchliche Leben wie gegen politisch-staatliche Bedrängungen. Im April 1951 hatte man ihm vom Konsistorium in Aussicht gestellt, eventuell die Pfarrstelle in Groß-Rodensleben zu übernehmen, woraus aber offenbar nichts wurde. Erst im Dezember 1951 besserten sich die engen Wohnverhältnisse der Familie ein wenig, nachdem durch den schwierigen Auszug einer anderen Familie aus der Pfarrwohnung ein Zimmer hinzugewonnen werden konnte.146 Die Visitation anerkannte Ende Mai 1953 ausdrücklich „die treue, stille Arbeit des Ortspfarrers Halm und erwähnt besonders, dass Pfarrer Halm ein guter Seelsorger ist und fleißig Hausbesuche macht. Auch der Pfarrfrau wird ein gutes Zeugnis ausgestellt, weil sie neben der häuslichen Belastung ihrem Mann manche Arbeit abnimmt, den Organistendienst versieht, sich um die Alten und Kranken in der Gemeinde kümmert und Wochenbesuche bei den jungen Müttern macht.“147 Ein Jahr nach dem Tod Johannes Halms erinnerte der Propst den Ältestenrat und die ganze Gemeinde an die stille und treue Arbeit ihres verstorbenen Pfarrers und mahnte, sie unbedingt fortzusetzen, damit „die Gemeinde als eine Stätte des Glaubens und der Bruderliebe in den Nöten der Zeit“ - im Kampf gegen Unglauben, Lieblosigkeit und Unrecht – „fest und geschlossen bleibe“.148

Johannes Halm nahm das Pfarramt in Klein Rodensleben bis zu seinem Tode wahr. Obwohl sich sein Gesundheitszustand in den letzten Jahren verschlechterte, ließ er sich nicht davon abhalten, seinen Pflichten jederzeit gerecht zu werden. „Ich habe es immer mit Bewunderung mit angesehen“, schrieb Konistorialrat Dr. Holdefleiß vom Magdeburger Konsistorium seiner Frau bei Johannes Halms Tode, „mit welcher Aufopferungsfreudigkeit und Hingabe der Dahingeschiedene nach vielen schweren Prüfungen, die ihm das Leben bisher auferlegt hatte, unter Ihrem selbstlosen Beistand seine neuen pfarramtlichen Aufgaben fern seiner alten Heimat Schlesien erfüllt hat.“149

Johannes Halm starb am 1. November 1953 gegen 15 Uhr an Herzschlag, „nachdem er am Vormittag noch einen Abendmahlgottesdienst gehalten hatte“.150 Am 5. November verabschiedete sich seine Gemeinde in einer bewegenden Trauerfeier in der Klein Rodenslebener Kirche von ihm.151 Beigesetzt wurde er einige Tage später in der Familiengruft der Manns auf dem Dresdner Johannesfriedhof.

 

 

Quellen- und Literaturverzeichnis

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1 Zu den Lebensdaten von Johannes Halm siehe vor allem die Unterlagen in der Schlesischen Konsistorial-Registratur: WAP-Wrocław, SKE, V/1378. Ferner: Pfarrerbuch KP Sachsen, S. 493; Neß, 20.3.2008 : Dietmar Neß verdanke mehrfach ich die Übermittlung von Fakten zur Biografie von Jahannes Halm und seiner Familie; Hoppe (1953):, S. 7; Halm/Eckhard (2008).

2 Geburtsurkunde Nr. 38, Riemberg, 24.7.1893 (Auszug vom 10.1.1920). WAP-Wroclaw, SKE, V/1278, Bl. 6.

3 Zur Geschichte Riembergs siehe Kirschke (1879); Hoppe/Stürmer (1989. Erst 1933 zählte Riemberg 1291 Einwohner. Siehe: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Landkreis Wohlau. www.verwaltungsgeschichte.de/wohlau.html

4 Siehe Schmidt (2005), S. 281-313.

5 Hierzu und zum Folgenden siehe: Halm, Friedrich, in: Neß, 20.3.2008, ; Halm/Eckhardt 2008.

6 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 6.

7 Ebenda, Bl. 8.

8 Lebenslauf J. Halm, o. D. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 16.

9 Ebenda.

10 GStA PK, I. HA Rep. 76-VI Sekt. 8z Nr. 32; Programme Gymnasium Wohlau; Hoehne (1898).

11 Deutsche Verwaltungsgeschichte. Landkreis Wohlau. www.verwaltungsgeschichte.de/wohlau.html.

12 Hoehne (1898).

13 Gymnasium Wohlau/Schuljahr 1909/10, S. 9.

14 Gymnasium Wohlau/Schuljahr 1908/09, S. 10.

15 Gymnasium Wohlau/Schuljahr1912/13, S. 3-4.

16 Reifezeugnis in Hebräisch, Breslau 4.8.1913. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 19; Greifswald-UA, Fakultätsbuch der Theologischen Fakultät: Album Theol. Fak., Bd. III, 1914, Nr. 138.

17 Gymnasium Wohlau/Schuljahr1910/11.

18 Gymnasium Wohlau/Schuljahr1911/12, S. 12.

19 Johannes Halm: Zeugnis der Reife (Abschrift), 17.2.1913. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 11.

20 Gymnasium Wohlau/Schuljahr1910/11, S. 12.

21 Gymnasium Wohlau/Schuljahr1912/13, S. 14 und 16; Johannes Halm: Zeugnis der Reife, 17.2.1913. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 9-11.

22 Gymnasium Wohlau/Schuljahr1912/13, S. 16.

23 Johannes Halm: Zeugnis der Reife, 17.2.1913. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 9-11.

24

25 Abgangszeugnis Universität Breslau, 7.3.1914. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 20.

26 Zum Folgenden siehe: Arnold (1911), S. 175-199; Meyer (1989), S. 149-174, hier bes. S. 154-158; Wolfes (1999), S. 272-280.

27 Meyer (1989), S. 155.

28 Zu den kirchenpolitischen Strömungen im 20. Jahrhundert siehe Neß (1981), S. 135-165.

29 Lebenslauf J. Halm, o.D. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 16f.

30 Abgangszeugnis Universität Breslau, 7.3.1914. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 20-22.

31 Greifswald-UA, Fakultätsbuch der Theologischen Fakultät: Album Theol. Fak., Bd. III, 1914, Nr. 138; Matrikel-Bd. XII (1904-1914), Sommersemester 1914, Nr. 765, vom 29.4.1914; Studierendenverzeichnis Greifswald, Sommer-Semester 1914, S. 40.

32 Zum Folgenden: Garbe/Onnasch (2006), S. 61-78.

33 Ebenda, S. 77.

34 Greifswald-UA: Begleitschein zum Anmeldebuch bzw. Erlaubnisschein des Johannes Halm für das Sommersemester 1914; Semesterbegleitscheine, Sommersemester 1914; Exmatrikulation Johannes Halm, Greifswald, 31.1.1919.

35 Garbe/Onnasch (2006, S. 77.

36 Greifswald-UA, Fakultätsbuch der Theologischen Fakultät: Album Theol. Fak., Bd. III, 1914, Nr. 138; hier heißt es, dass die Exmatrikulation am 28.11.1914 erfolgte. Ferner Matrikel-Bd. XII (1904-1914), Sommersemester 1914, Nr. 765, vom 29.4.1914; hier wird Michaelis 1914 als Exmatrikulationsdatum angegeben.

37 Studierendenverzeichnis Greifswald, 1914 bis 1918. Die nicht anwesenden Studenten lassen sich in der Regel an der fehlenden Wohnadresse, die sonst obligatorisch angegeben ist, feststellen.

38 Exmatrikulationsurkunde Greifswald, 31.1.1919. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 23.

39 Hierzu und zum Folgenden siehe: Lebenslauf J. Halm, o.D.; Schreiben J. Halm an Ev. Konsistorium, Dittersbach, 27.2.1923; Schreiben des Konsistoriums an Reichsarchiv, Breslau, 4.8.1923; Besoldungsdienstalter des Pastors Halm, 16.1.1924. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl.17, 76, 83, 87.

40 Lebenslauf J. Halm, o.D., . WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 17.

41 J. Halm an Konsistorium, Auras, 4.5.1941. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl.200: “Im Weltkrieg habe ich mir durch Sturz eine ernstere Verletzung des 4. + 5. Wirbels der Wirbelsäule zugezogen, die sich schon in früheren Jahren und jetzt wiederum besonders schwer in der Behinderung am Gehen u. längerem Stehen u. in starken Schmerzen bemerkbar macht.”

42 Lebenslauf, 12.1.1920. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 5.

43 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 170.

44 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 133f., 171, 183, 200, 207, 273.

45 Entlassungsschein (Abschrift). WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 14; vgl. auch Bl. 87.

46 Anmeldungsbuch der Theologischen Fakultät Breslau. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 27.

47 Lebenslauf J. Halm, o.D. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 18.

48 Zum Folgenden siehe Anmeldungsbuch des Studierenden der theologischen Theologie Johannes Halm der schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 27-29.

49 Ebenda, Bl. 12.

50 Zeugnis des Pastors der Johanneskirche, 18.11.1920; Lebenslauf, o. D. Ebenda, Bl. 13. und 18.

51 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 4-30.

52 Ebenda, Bl. 31-34.

53 Ebenda, Bl. 37-38; siehe auch Kirchliches Amtsblatt, 1919, S. 76. Diese Angaben über die Prüfungen verdanke ich Mitteilungen von Magister theol. et phil. Dietmar Neß vom 30. und 31.1.2013.

54 Antrag zur Zulassung zur zweiten theologischen Prüfung, Naumburg a. Queis, 16.3.1921. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 51.

55 Ebenda, Bl. 60.

56 Ebenda, Bl. 57 und 58.

57 Ergebnisse der zweiten theologischen Prüfung, 31.10.1921. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 62-63; auch Kirchliches Amtsblatt, 1921, S. 184.

58 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl.64-65, 67

59 Ebenda, Bl. 66.

60 Bewerbungsgesuch, 23.11.1933. Ebenda, Bl. 129.

61 Hierzu siehe: Halm/Eckhardt (2008) sowie Telefonische Informationen von Christine Eckardt, Torgelow, 3.2.2013.

62 Tel. Mitteilungen von Eberhard Halm, Oktober 2007.

63 Wohlauer Rundbrief, Nr. 126 und 127/1996.

64 Bewerbungsgesuch, 23.11.1933. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 129.

65 Evangelisches Konsistorium der Kirchenprovinz Schlesien an Evangelischen Oberkirchenrat (OKR), Breslau. 17.2.1928 und OKR an Konsistorium, Berlin, 28.2.1928: EZA, 7/14270.

66 Antrag auf Unterstützung, 24.7.1936. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 168-169.

67 Silesia sacra (1927), S. 278f.; Silesia sacra (1953), S. 86.

68 Neß, 25.4.2008.

69 Zur Situation in Auras in dieser Zeit siehe Schmidt (2012), S. 165-170; auch Schmidt (2005), S. 115-115.

70 Zum Folgenden siehe Silesia sacra, S. 278f.; Silesia sacra (1953), S. 86.

71 Ebenda, S. 86 und WAP Wrocław, SKE, II/6984, Bl. 337-343.

72 Bewerbungsgesuch, 23.11.1933. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 130.

73 Siehe die zahlreichen Dokumente dazu in: WAP Wrocław, SKE, II/6985, Bl. 164-197.

74 Protokoll der Gemeindekirchenratssitzung vom 20.2.1928. Ebenda, Bl. 125.

75 An die Regierung zu Breslau, o.D. Ebenda, S. 167.

76 Gotthard Schenks Erklärung vom 10.3.1933. Ebenda, Bl. 169.

77 Adolf Ecke an das Konsistorium, 30.6.1931. WAP Wrocław, SKE, II/6985, Bl. 160: “In Auras ist der zweite evgl. Lehrer Herr Schenk ein schwer kriegsbeschädigter, aber rechts eingestellter Mann, welcher der hiesigen linken Seite (Soz. u. Kom.) ein Dorn im Auge ist. – Dieser Partei hat sich Pastor Halm in der Angelegenheit Schenk angeschlossen, und mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die Versetzung des Lehrers angestrebt. Und hat auch versucht, mich als Kirchenverordneter zu verleiten, ebenfalls gegen Herrn Lehrer Schenk Stellung zu nehmen.“

78 Ebenda, Bl.162.

79 Bericht Halms an das Konsistorium, 27.7.1931. Ebenda, Bl. 164.

80 Protokoll der Sitzung des Gemeindekirchenrats vom 22.7.1931. Ebenda, Bl. 171.

81 Dazu das Protokoll einer Zusammenkunft Eckes mit Konsistoriumsvertretern, Breslau, 30.10.1931. Ebenda, Bl. 186-191 und Bericht Halms an das Konsistorium, Auras, 27.7.1931. Ebenda, Bl. 164f.

82 Dazu ebenda, Bl. 172, 194, 196.

83 Konsistorium an Adolf Ecke, 22.8.1931. Ebenda, Bl. 173: „Den von Ihnen gegen Pfarrer Halm erhobenen Vorwurf, er habe aus parteipolitischen Gründen die Versetzung des Lehrers Schenk in Auras angestrebt, können wir auf Grund der uns von Herrn Pf. Halm übersandten Eingabe der evgl. Elternschaft an die Regierung und auf Grund der beschlussmässigen Stellungnahme des G.K.Rts nicht als berechtigt anerkennen. Der G.K.Rt. hat protokollarisch ausdrücklich festgestellt, daß Herr Pf. Halm im Falle Schenk das Interesse der evgl. Schule gewahrt hat, ohne irgendwie parteipolitische Stellung zu nehmen.“

84 Verhandlungsprotokoll vom 17. 12.1931. Ebenda, Bl. 192f.

85 Bewerbungsgesuch des Pastors Johannes Halm, Konradswaldau, 23.11.1933. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 128-130.

86 Zum Widerstand evangelischer Pfarrer in Schlesien siehe Ehrenforth (1968); Hornig (1977); Fränkel (1992); Ness (1992).

87 Ehrenforth (1968), S. 42-50.

88 Mitgliederliste der Pfarrerschaft der Bekennenden Kirche Schlesiens nach dem Stand vom 1. Oktober 1934, in: Hornig (1977), S.361.

89 Zum Folgenden siehe: Johannes Halm an OKR und Konsistorium, Auras, 6.3.1934, in: EZA, 7/14271.

90 Siehe dazu auch die Erklärung von Pfarrern der Kreissynode Breslau zur Notverordnung des Reichsbischofs vom 4. Januar 1934 in: Hörnig (1977), S. 92; ferner Benrath u.a. (1992), S. 462-465.

91 Dazu Hornig (1977), S. 7, 25, 43.

92 Halm an OKR und Konsistorium, Auras, 6.3.1934. EZA, 7/14271.

93 Ebenda. Vgl. dazu auch den Text des Verweises von Bischof Zänker vom 12. Februar 1934 an Pfr. Bender in Breslau, der identisch ist mit dem Text, der sich gegen Halm richtete, in: Benrath u.a. (1992), S. 463f.

94 OKR an Pfr. Halm in Auras, Berlin, 11.3.1934. EZA, 7/14271.

95 Zum Folgenden siehe Ehrenforth (1968), S. 235-246.

96 Ebenda, S. 240f.

97 Information von Christine Eckardt, Torgelow, 1.2.2013.

98 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 141-166.

99 Stellungnahme des Gemeindekirchenrats zum Fall Blischke, Auras, 28.1.1936. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl.156f.

100 Regierungspräsident Breslau an Konsistorium, 31.1.1935. Ebenda, Bl. 143

101 Stellungnahme des Konsistoriums, 21.8.1936. Ebenda, Bl.161-164.

102 Dazu: Konsistorium an OKR, Breslau, 1.5.1942. EZA, 7/14270: „Pfarrer Halm hat den Treueid auf den Führer nicht geleistet, sich aber zur Eidesleistung bereit erklärt. Wegen der genannten Vorgänge ist er dann zur Eidesleistung nicht mehr erschienen.“ Zur Treueidfrage und Haltung der Bekennenden Kirche dazu siehe: Hornig (1977), S. 52-54.

103 Eidesleistung. Schreiben J. Halms, Auras, 21.5.1938. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 181.

104 Präses D. Koch: Erklärung zur Anordnung der Ableistung des Treueides. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 182. Bei den „genannten Vorgängen“ könnte es sich darum gehandelt haben, dass die Eidesleistung gemäß der zweiten Synode von Steglitz nur bei einer staatlichen Aufforderung zu leisten erlaubt sei, was hier jedoch nicht der Fall war. Vgl. Hornig (1977), S. 52-54.

105 Siehe zum Folgenden: Halm an Konsistorium, Auras, 13.2.1940, WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 198; außerdem in: EZA, 7/14270.

106 Schriftliche Mitteilung Eberhard Halms an den Autor, 4.7.2001.

107 J. Halm an Konsistorium, 13.2.1940. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 198; ferner J. Halm an Superintendent Börner in Winzig, Auras, 18.9.1939: „Grund meiner Verhaftung ist mir nicht bekannt.“ Ebenda.

108 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 193, 196.

109 J. Halm an Konsistorium Breslau, Auras, 25.11.1941 und Konsistorium an OKR, Breslau, 17.12.1941. EZA, 7/14270.

110 Ebenda.

111 Zum Folgenden siehe v.a. Bericht des Konsistoriums an OKR in der Sache Pastor Halm, Breslau, 18.7.1942, in dem sowohl das Schreiben des Instrukteurs der Sicherheitspolizei an das Konsistorium vom 30.5.1942 als auch das Protokoll der Anhörung Johannes Halms zum gleichen Sachverhalt durch das Konsistorium enthalten ist. EZA, 7/14270. Publiziert in: Schmidt (2012), S. 182-184. Zum gesamtem Vorgang siehe auch: WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 122-134.

112 WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 233.

113 Schreiben des Sicherheitspolizei-Instrukteurs an Konsistorium, 30.5.1942. Schmidt (2012), S. 182 (Hervorhebung von mir. W. Sch.).

114 Dazu Hornig (1977), S. 45.

115 Verfügung der Staatspolizeistelle Breslau an Pastor Halm, 30.3.1942; Schmidt (2012), S. 181.

116 Schreiben des Sicherheitspolizei-Instrukteurs an Konsistorium, 30.5.1942. Schmidt (2012), S. 182. (Hervorhebung von mir. W. Sch.)

117 Gemeindekirchenrat Auras über Konsistorium an Regierungspräsident Breslau, 12.4.1942. EZA, 7/14270.

118 OKR an Reichssicherheitshauptamt, Berlin, 8.6.1942. Ebenda.

119 Geheimes Staatspolizeiamt Berlin an OKR, 18.8.1942. Schmidt (2012), S. 184.

120 Der Sicherheitspolizei-Instrukteurs beruft sich in seinem ´Schreiben vom 30.5.1942 auf Erich Trunsch, einen Bauern, wohnhaft in Auras, Föhrstraße 16: „Am 16.11.1942 hat H. den Ratsherrn Trunsch zur Gemeinderatssitzung beordert und hat bei der Beratung über die Kündigung des NSV-Kindergartens gemäß Erlaß des Führers folgendes geäußert.“ Ebenda, S. 182. Trunsch gehörte nicht zu den Unterzeichnern der Eingabe des Gemeindekirchenrats für Pastor Halm.

121 Schreiben des Sicherheitspolizei-Instrukteurs, 30.5.1942. Ebenda, S. 182f.

122 Die Stellungnahme von Johannes Halm dazu lautete: „Der Ratsherr Trunsch erschien als Patronatsvertreter. In der Sitzung wurde von einem der Mitglieder des Gemeindekirchenrats die Frage aufgeworfen, warum von Seiten der Kirchenleitung gegen die Euthanasie nichts unternommen worden sei. Anlass hierzu gab ein Fall aus dem Orte Auras, da einige Zeit vorher in Auras die Urne mit den Ascheresten eines Geisteskranken eingetroffen war. Ich erklärte, dass doch von Seiten der Kirche schon etwas unternommen worden sei und las aus dem Schreiben des Landesbischofs Dr. Wurm aus Stuttgart an den Herrn Reichsminister des Innern einige Stellen vor. Dies scheint irrtümlich als meine eigenen Auslassung aufgefasst worden zu sein.“ Ebenda, S. 183f..

123 Protokoll des Berichts des vor das Konsistorium geladenen Pastors Halm, Breslau, 2.7.1942. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 232-234.

124 Bericht des Konsistoriums an OKR, 18.7.1942. Schmidt (2012), S. 184.

125 WAP-Wrocław, SKE, II/6985, Bl. 238-256.

126 Bericht des Gemeindekirchenrats Auras an Konsistorium, 1.10.1943. Ebenda, Bl. 238.

127 Schlesischer Provinzialverein Innere Mission an Konsistorium, 13.1.1944. Ebenda, Bl. 260.

128 Uk-Karte Johannes Halm. WAP-Wrocław, SKE, V/1378, Bl. 266.

129 Bezirkskommando Wohlau, 24.1.1944. Ebenda, Bl. 267.

130 Hierzu: Bericht des Generalsuperintendenten und Oberkonsistorialrats über die feierliche Einweihung der Kirche an Konsistorium, Breslau 30.11.1894. WAP Wrocław, SKE, II/6984, Bl. 337-343.

131 Mitteilung des Gemeindekirchenrats an Konsistorium, Auras, 21.11.1944. WAP-Wrocław, SKE, II/6985, Bl. 261.

132 Ebenda, Bl. 262f., 264.

133 Ebenda, Bl. 265.

134 Zum Folgenden siehe Hoppe (1953), S. 7; ferner Halm/Eckardt (2008).

135 Ebenda

136 Hoppe (1953), S. 7.

137 Hierzu siehe: http://wikipedia.oeg/wiki/Klein_Rodensleben.

138 Ebenda.

139 Superintendentur Wanzleben an Konsistorium Magdeburg, 12.2.1948. Archiv KP Sachsen, Rep. A Spec. G Nr. 8966, Bl. 192.

140 Ebenda.

141 Protokollabschrift der Sitzung des Gemeindekirchenrats Klein-Rodensleben, 10.2.1948. Ebenda.

142 Ebenda.

143 Berufungsurkunde für den Pfarrer Johannes Halm, Magdeburg 7.7.1948. Ebenda.

144 Superintendent Wanzleben an Konsistorium Magdeburg, 30.9.1948. Ebenda.

145 Zum Folgenden siehe: Protokollbuch des Gemeindekirchenrats Klein-Rodensleben, 13.7.1949, S. 37 ff. Für Kopien aus dem Archiv der Kirchgemeinde Klein-Rodensleben vom 9.4.2013 danke ich Frau Annette Rein.

146 Ebenda, S. 64f.

147 Sitzungsprotokoll des Gemeindekirchenrats, 31.5.1953. Ebenda.

148 Propst Zuckschwerdt an Älteste der Gemeinde Rodensleben, Magdeburg, 27.8.1954; ders: An die Kirchgemeinde Klein-Rodensleben, Magdeburg, 27.8.1954. Ebenda.

149 Dr. Hodefleiß an Käthe Halm, 9.11.1953. Archiv KP Sachsen, Rep. A Spec. P H. 794.

150 Oberkonsistorialrat Dr. Sternsdorff an Konsistorium Magdeburg, 2.11.1953. Ebenda.

151 Ebenda.

 

 

 

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