Heimatbrief Nr. 4

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Die Heimatbriefe sind von Richard Hoppe im Eigenverlag geschrieben worden um den Vertriebenen, die oft noch an unbekannten Orten eine Bleibe gefunden hatten, die Erinnerung an die Heimat wach zuhalten und ihnen damit auch ein gemeinsame Adresse für die Suche nach getrennten Familien zu geben.

 

Vorwort

Zum 4. Mal kann ich die Heimatfreunde von Auras mit einem Sonderheft erfreuen. Das erste Heft enthielt einen Reisebericht in die alte Heimat aus dem Jahre 1965. Im zweiten Heft konnte ich das Einwohnerverzeichnis von Auras aus dem Jahr 1940 bringen. Das 5. Heft brachte Geschichtstabellen, einen Neudruck aus dem Auraser Stadtblatt vom 16.4.1914 und eine "Kleine Chronik" von Franz Josef von Gilgenheimb.

Unser jetziges Heft enthält vor allem Arbeiten von Friedrich Freiherrn von Schuckmann, dem wir für seine Beiträge herzlich danken. Auch die meisten Bilder stammen von ihm. Außerdem haben Störmer, Probst, Schneider, Stolke und Maul uns durch ihre Bildgaben erfreut. Sämtliche Bilder können durch uns auch einzeln bezogen werden. Auch für die Geldspenden danken wir sehr. Um weitere Spenden zur Deckung der sehr erheblichen Druckkosten wird herzlich gebeten.

 

Die Stadt Auras hat immer ihre Bedeutung durch die Burg Auras gehabt. Wenn im Mittelalter von einem Weichbild Auras die Rede ist, so ist auch hier im Gegensatz zu anderen Weichbildern nicht die Stadt, sondern die Burg Auras gemeint. Zweimal ist Auras in der Kirchengeschichte Schlesiens besonders bekannt geworden. Das erste Mal in den Jahren nach 1440 in dem Streit zwischen dem Bischof von Breslau, der zum Papst von Rom hielt, und dem Domherrn Gramis, der hinter dem Papst von Avignon stand. Vielleicht kann in einem weiteren Heft auf diesen Streit eingegangen werden, der uns die kirchliche Zerrüttung vor der Reformation zeigt und über den wir uns im Codex Diplomaticus Silesiae XV durch die Acta Nicolai Gramis, die fast 200 Seiten umfassen, noch heute orientieren können. Das zweite Mal wird Auras bersonders bekannt nach dem 30-jährigen Krieg, als im Winter 1652/53 über 650 Kirchen in Schlesien den Evangelischen weggenommen wurden. In Stabelwitz und Auras wurde Militär -200 Soldaten- eingesetzt. Das waren die ersten Kirchen, die die Evangelischen hergeben mußten, obwohl in Auras die Kirche von den Evangelischen selbst erbaut worden war. Darüber ist vor allem im vorliegenden Heft aus einer Chronik des Schlosses Auras berichtet. Der Bericht der Einziehungskommission ist dem Buch von Berg entnommen.

Zum Schluß kommt eine Predigergeschichte von Auras und ein Brandbrief aus dem Jahre 1713.


Das geschichtliche Denken liegt heute im argen. Das vorliegende Heft will ein Zeugnis dafür sein, welche Bedeutung Auras in der Geschichte Schlesiens einmal gehabt hat. Möchte solche Erkenntnis mit dazu beitragen, daß wir nicht vergessen, was uns selbst die Heimat einmal war, die uns entrissen wurde!

Wiesbaden, im März 1977.
Thorwaldsen Anlage 9                                         Richard Hoppe

 

 

Das Wappen von Auras

Das älteste ziemlich große Siegel, der Stadt-Abdruck vom Jahre 1433, zeigt im gegitterten Felde einen Stier, Die Umschrift heißt:

„Sigillum civitatis Auraciensis.“

Neuere Siegel unterscheiden sich von den älteren Vorbildern dadurch, daß der Stier auf Erdreich steht. Nach Ausweis einer älteren Bürgerfahne sind die Farben des Wappens weiß (Stier) im grünen Feld.

Im Neudruck sei wiedergegeben, was im Wappenbuch der Schlesischen Städte von Hugo Saurma, Freiherrn v.u.z.d, Jeltsch, illustriert von L. Clericus, herausgegeben Berlin 1870 über das Wappen von Auras steht.

Auras, Stadt. In Grün ein stehender, silbener Stier.

   Dasselbe Bild hat ein Siegel aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh., welches Saurma nach einem defekten Exemplare abbildet und dessen Umschrift er als: sigillum civitatis aurasciensis (44 mm) ergänzt. Der mir vorliegende Abguß eines gleichalten, gleichgroßen, aber auch unscharfen Siegels läßt die Gitterung des Feldes der Saurmaschen Zeichnung nicht erkennen, und läßt auch vermuten, daß die Umschrift mehr mit der des folgenden Stückes übereinstimme. Das um 1500 geschnittene:  "sigillum civitati owrasensis" (44 mm), dessen Stempel noch erhalten zu sein scheint, hat den Stier im Glatten Felde. So auch ein 1619 gebrauchtes: SIGILLVM  CIVITATIS...SIS (24 mm) und ein um 1650 gefertigtes: SIGILLVM CIVITATIS OWRASENSIS (20 mm), welch letzteres jedoch, wie von nun alle neueren Siegel, den Stier auf Rasenboden stehend zeigt. Während derselbe sonst immer frei im Siegelfeld steht, hat ihn das:  "SIGILLVM CIVITATIS AURASIENSIS" (25 mm) aus der Mitte des 18. Jahrh. in einem verschnörkelten Schilde. - Ein 1514 gebrauchtes: SSaABINORVM IN OWRAS (Größe ?) hat nach Saurma den Ochsen im mit Blätterranken damaszierten Felde.  Seltsam ist die Umschrift eines 1708 gebrauchten, den Stier im glatten Felde zeigenden Schöffensiegels: "SIEGEL DER HERN SC...PEN  ZV AVRES"  (25 mm).  Dem alten Stadtnamen Uras entsprechend, zeigen diese Siegel alle den Ur, den Bos primigenius, d. i. einem Ochsen in den Formen des (von ihm auch abstammenden) Haustieres. Die moderneren Siegel aber bilden fälschlich ein anderes Tier, nämlich den zottigen Auerochsen, den Wisent (Bos europaeus) ab.

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Zur Geschichte der Burg Auras

Wann und von wem die Burg Auras erbaut wurde, ist nicht bekannt. Da aber hier schon in der Eisenzeit (1000 -500 v.Chr.) eine größere keltische Siedlung bestand (s. zur Geschichte der Stadt Auras), und die Kelten erfahrene Burgenbauer waren, besteht die Möglichkeit, daß sie hier eine Fluchtburg für die Bevölkerung errichteten. Der Platz hierfür war denkbar günstig: Am Südrand der Siedlung auf der vorspringenden Zunge einer Bodenwelle, die rundum im Westen, Süden und Osten vom sumpfigen Vorland der Oder umgeben war. Geschützt von einem Wallgraben, der vom Trebnitzer Wasser gespeist wurde und mit einer Quelle ausgestattet, die wahrscheinlich auch einen Ausfluß in einen Teich vor dem südlichen Wall hatte. Dieser Teich führte den bezeichnenden Namen; Kalte Lache!

Auf den Resten dieser ersten Burg könnte dann diejenige errichtet worden sein, die erst 1945 zerstört wurde.

Von wem?   Bis November 1946 stand sie noch!  Anm. Alfred Zahlten.

Nicht von den Russen wurde sie zerstört, diese hatten zwar noch alles Mobilar verladen, doch danach waren die Polen zuständig, sie entfernten auch die ev. Kirche und anderes was als Baumaterial wiederverwendet werden konnte.

Es wird u.a. behauptet, daß sie vom Templerorden erbaut worden sei. Ich weiß nicht, ob und in welcher Weise die Templer im Osten tätig waren, weil ihr Auftrag hauptsächlich dem Schutz des Heiligen Landes und der Kreuzfahrer galt. Auffallend ist aber, daß die beiden unteren Geschosse der ältesten Burg sehr schöne Kreuzrippengewölbe aufwiesen, die auf klösterlich-religiöse Motive der Erbauer hinweisen könnten.

Jedenfalls galt die Burg als eine der ältesten Kastellaneien Schlesiens. So konnte Boleslaw I. Chrobry von Polen, (992-l025) der auch Ostpommern, Böhmen und Mähren unterwarf und in Schlesien die ersten Kastellaneien als Schutzburgen und Verwaltungssitze an wichtigen Punkten gründete, auch der Erbauer dieser Burg gewesen sein. Urkundlich wird allerdings erst 1250 ein Kastellan genannt.

Die Burg war ein viergeschossiger Bau, in der Form eines Dreiecks, dessen Westseite parallel mit der Stromrichtung verlief, während die Spitze wie ein Schiffsbug gegen die Richtung des Stromes gestellt war. Die Mauern waren im ältesten Teil in allen vier Stockwerken 2 Meter dick und aus Feld,- und Eisensteinen erbaut. Das Dach war ebenfalls dreieckig. Jedes Stockwerk der alten Burg besaß nur drei große Räume, deren Decken in den beiden unteren Geschossen als sehr schöne Kreuzrippengewölbe gestaltet waren, die auf eine überdurchschnittliche Bedeutung hinweisen.(Hallenform)

1466 belehnt König Podiebrad von Böhmen seinen Heerführer Christoph von Skopp mit Auras und dieser baute die Nordfront des Schlosses an. Ich muß also einen Irrtum, der in der Broschüre von Herrn Pfarrer Hoppe enthalten ist, richtig stellen: Die alte Kastellanei ist niemals zerstört oder niedergerissen worden, sondern wurde 1466 nur ausgebaut.
Es ist mir nicht recht verständlich, wie auch Herr von Gilgenheimb, der doch das Schloß immerhin 20 Jahre lang bewohnte, in seine Kurzchronik diesem Irrtum erliegen konnte. Denn: Die Stockwerke des Anbaus lagen jeweils auf halber Höhe zwischen denjenigen der alten Burg. Die Mauern waren wesentlich schwächer und die Außenseite der Nordfront mit dem Turm zeigte einen ganz anderen Baustil.

Vor den Südost,-und Nordseiten der Burg waren Gebäude so angeordnet, daß sie je einen Hof und damit nach außen eine geschlossene Wehranlage bildeten. Ein Teil des nördlichen Vorhofes war nach der Stadt hin durch eine Mauer abgegrenzt, durch die, über zwei Wallgräben hinweg, der Torweg in die Stadt führte und nach etwa 100 Metern den Ring erreichte. Wesentlicher Schutz war der die ganze Anlage umfließende und durch das Trebnitzer Wasser gespeiste Wallgraben, zur Stadt hin doppelt und außen rundum mit einem Wall versehen, der heute noch besteht und immer auch als Hochwasserschutz gebaut war. Nach einem in meinem Besitz befindlichen Grundriß von 1531 war zusätzlich die Innenböschung des Wallgrabens ebenfalls von einem Wall gekrönt.

Im untersten Geschoß der alten Burg und zwar in dem an die Nordfront anschließenden großen Raum der Südostseite lag der Eingang zu einem unterirdischen Gang, der aber im vorigen Jahrhundert wegen Baufälligkeit zugeschüttet worden ist. Wohin dieser Gang führte, ob nur zur Stadt oder zu einem der äußeren Befestigungsanlagen, weiß ich leider nicht. Diese äußeren Wehranlagen umgaben die Burg nach Norden und Osten von Stromufer zu Stromufer in einem Halbkreis und in jeweils einer Entfernung von 1,5-2 Kilometer vom Schloß. Die erste Anlage befand sich nordwestlich von Auras kurz hinter der Biegung der Oder nach Westen im Kuhwerder. Der von Herrn von Gilgenheimb erwähnte Burgsberg ist wohl damit identisch. Ein zweiter Burgsberg an dieser Stelle ist mir nicht bekannt.

Vielleicht stand aber hier die in einer mittelalterlichen Urkunde erwähnte Kapelle St. Crucis. Denn in meiner Kindheit wurde erzählt, daß Schiffer hier am Oderufer eine wohl durch Erdabrutsch freigelegte eiserne Kiste und darin ein großes goldenes (oder vergoldetes?) Kreuz gefunden und entwendet hätten.

Die zweite Wehranlage befand sich im Dorf Liebenau, etwa 1,5 Km. nordöstlich von Auras, eine kleine Wasserburg, von der aber nur der doppelte Wallgraben erhalten war. Am Südausgang des Dorfes aber stand noch vor dem letzten Krieg eine sehr alte, aus Feld,- und Eisensteinen erbaute Kapelle.

An ihrer Ostseite waren zwei Grabplatten mit den eingemeißelten Figuren eines Ehepaares in Rüstung bezw. mittelalterlicher Tracht in die Außenmauer eingelassen.
Die dritte Wehranlege stand hart südlich der jetzigen Landstraße nach Hennigsdorf am Rande eines Sumpfgeländes (zu meiner Zeit Korbweidenkultur), das an einen alten Oderarm bei Raake grenzte. Alle drei Wehranlagen waren längst Zerstört und nur noch durch flache Erderhebungen kenntlich.
Wahrscheinlich waren es -bis auf Liebenau- Wehrtürme, die mehr der Beobachtung und Warnung in Kriegszeiten dienten.

Daß es möglicherweise noch eine vierte Wehranlage gab, ist eine nicht beweisbare Vermutung.

Von der Straße von Auras nach Riemberg zweigt vor Hauffen am Hang des Katzengebirges ein Feldweg nach Westen ab, der zu einer Anhöhe mit Namen Warteberg führt, von der man einen weiten Blick nach Süden über das ganze Odertal hatte. Hier stand vor dem ersten Weltkrieg ein villenartiges Gebäude, in dem ein Heim für Waisenkinder untergebracht war. Der Name -Warteberg- könnte darauf hindeuten, daß auch hier, an bevorzugter Beobachtungsstelle, ein Wehrturm stand. Dann wäre im frühen Mittelalter Auras von einem Kranz von Wehranlagen umgeben gewesen:

 

1.) an dem Verbindungsweg zwischen Auras-Dyhernfurth-Leubus- Maltsch bezw. Leubus-Parchwitz-Liegnitz auf dem hohen rechten Oderufer.

2. ) an der Straße zwischen Auras und Riemberg, zum Verbindungsweg zwischen Lüben (große Handelsstraße) -Steinau-Wohlau-Trebnitz (große Handelsstraße).

3.) an einem Landweg durch Liebenau nach Obernigk und Trebnitz.

4.) an der Straße Auras-Herinigsdorf, die dort auf die alte Straße Breslau-0bernigk mit Abzweigungen nach Trebnitz und Trachenberg stößt. Den verhältnismäßig großen Zwischenraum zwischen den Punkten 2 und 3 verschloß das bewaldete Katzengebirge ohne Verkehrswege.

Alle vier genannten Straßen aber bündelten sich in Auras mit der Furt über die Oder. Und auch die Straßen vom Ring aus führten nach Norden und Osten, die Wohlauer Straße mit einer Abzweigung zur Furt.

 

Wäre Auras nur ein Markt ohne besondere Bedeutung gewesen, hätte es dieses Aufwandes an Befestigungen nicht bedurft. Es liegt also nahe, daß hier ein Knotenpunkt von Handels,-und Einwanderungswegen im frühen Mittelalter geschützt werden sollte, und daß deshalb hier eine Kastellanei auch als Verwaltungssitz gegründet wurde. Auch als Schutz gegen Einfälle in das fruchtbare Gebiet links der Oder.

Fragen, die nach Lage der Dinge wohl für immer ungeklärt bleiben werden.  Die Broschüre von Herrn Pfarrer Hoppe über Auras ist noch in einigen Punkten zu ergänzen oder richtig zu stellen.

1344 ist Hancko (nicht Hancke) Burggraf von Auras.

1348 verteidigt Konrad von Borsnitz (nicht Brosnitz) Auras gegen die Polen.

1428-1443 ist Opicz von Czirne Burggraf von Auras. Sein Bruder Hayn sitzt nicht mit auf Auras, sondern ist Herr auf Bolkenhain.

1431 nimmt Opicz dem Bischof Konrad das feste Schloß Kanth weg, wodurch langjährige Fehden und Streitigkeiten entstanden.

1441 in der Streitsache um den Domherrn Gramis schreibt Opicz am 17. Dezember dem Breslauer Rat, er solle es ihn nicht verdenken, wenn er jetzt der Kirche Güter schädige. Darauf brandschatzt er, unterstützt von seinem Freunde Asenheimer, dreißig Dörfer, die der Kirche gehören. Asenheimer, (nicht Asenbein) aus einem bayerischen Rittergeschlecht und Burggraf auf Cholemiden in Mähren, war zunächst Feldhauptmann der Königin Elisabeth von Böhmen, später Feldhauptmann der Stadt Breslau und wurde wegen seiner zahllosen Gewalttaten schließlich auf dem Neumarkt in Breslau hingerichtet. Er war jahrelang Sauf,- und Raufkumpan der Brüder Czirne.

1452 wird Opicz, damals schon nicht mehr Burggraf von Auras, in einer Fehde bei Liegnitz erschlagen.

1466 übergibt König Georg (Podiebrad) von Böhmen Auras dem tapferen Ritter Christoph (nicht Christian) von Skopp, der die Nordfront des Schlosses anbaute.

1492 nach dem Tode des Herzogs Konrad von Öls, veräußert die Krone Böhmen Schloß und Stadt an Christoph von Jörger zu Tollet und Köppach in Oberösterreich, welcher Luthers Glauben annahm.

1502 erhält Hans von Lidlau (nicht Ledlaw) Auras pfandweise von der Krone Böhmen. Er stirbt 1524.

1529 reicht seine Witwe Margarethe ihre Rechte und Gerechtigkeiten an Auras den Brüdern Hans und Andreas von Köckeritz-Friedland. Hans von Köckeritz wird noch 1549 als Besitzer erwähnt.

1555 ist wiederum ein Abraham Frhr von Jörger? Besitzer, der aber ohne Erben starb. Am 8. Februar

1555 brannte die Stadt bis auf das Schloß und 12 Häuser nieder. Auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. Nur der 6 Schritt davon entfernte Glockenturm blieb unversehrt. Herr von Jörger baute aus eigenen Mitteln die Kirche und die eingeäscherten Bürgerhäuser wieder auf und setzte einen Jeremias Moller als evang. Prediger ein.

1571 wurde Andreas von Köckeritz, Bruder des Hans in das Burglehen eingewiesen.

1604 wird Siegfried von Kollonitsch als Besitzer genannt,

1615-1617 Friedrich Wilhelm von Rotwitz.

1629 verkaufen die Vormünder des Erben Melchior Konrad von Rotwitz dem Leuthold von Saurma auf Jeltsch, Gnichwitz und  Sterzendorf das Burglehen nebst Hennigsdorf und Kunzendorf für 47000,- Taler, sowie 150 Gulden zur Verehrung für die Witwe.

1643 vertrieben die Schweden das kaiserliche Regiment Graf Brueay aus Auras und verfolgten sie bis Peiskerteitz.

1649 nach Leuthold Saurmas Tode fiel Auras an seinen unmündigen Sohn. Die Witwe pachtete den Besitz.

1667 starb Leuthold. Sein älterer Bruder auf Gnichwitz und Glambach beerbte ihn und verkaufte Auras

1672 an Kaspar Frhr. von Schallenfeld, der es

1690 an Balthasar Friedrich Frhr. von Logau veräußerte.

1695 war Georg Ernst von Miltenberg Besitzer, von dem es

1699 Herzog Christoph Ulrich von Württebeg (nicht Öls) kaufte.

Im Übrigen decken sich meine Unterlagen mit der Broschüre.

 

Abschließend sei noch folgendes bemerkt:

Auf den vorhandenen Bildern, die alle aus der Zeit nach 1800 stammen, wirkt das Schloß wie ein dreigeschossiger, nicht aber wie ein viergeschossiger Bau, der er tatsächlich ist. Schon Herr von Koschützky hat nach 1800, als alle Nebengebäude und Wehranlagen abgerissen wurden, offenbar größere Mengen Erde für Gartenanlagen aufschütten lassen. Diese Aufschüttungen sind später immer wieder erhöht worden um das Schloß besser vor große Hochwasser zu schützen, die nach der Eindeichung der Oder, aber vor Anlage der großen Polder immer wieder die Deiche überfluteten. Auch mein Vater hat noch solche Aufschüttungen, 1903 und 1911, vornehmen lassen. Dadurch wurde das Niveau um das Schloß allmählich um etwa zwei Meter erhöht und das ursprüngliche Erdgeschoß zum Souterrain. Auch der Zufahrtsweg von der Stadt zum Schloß stieg dadurch entsprechend an. Die Auffahrt zur Terrasse und dem Eingang an der Südostseite war sogar noch zusätzlich angeschüttet worden.

 

Bemerkung:

Auch Professor Menzel-Mainz und Professor Grundmann-Hamburg, der letzte Konservator und Denkmalpfleger Schlesiens, halten es als durchaus möglich, daß die Burg Auras vom Templer-0rden erbaut worden ist. Die Templer hatten um 1100 Grundbesitz in Schlesien. Dadurch würden die schönen Kreuzrippen-Gewölbe der beiden unteren Stockwerke der Burg eine Erklärung finden.

 

Schloss Auras, Grundriss von 1531

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zur Geschichte der Stadt Auras

Schon in der Jungsteinzeit haben Menschen im Gebiet von Auras gelebt. In der Sammlung meines Vaters befand sich eine schön polierte Streitaxt aus Grünschiefer, die etwa 1 km nordwestlich von Auras im Kuhwerder auf dem hohen Oderufer gefunden wurde. Da Grünschiefer nur am Zobten gebrochen wurde, muß sie durch Wanderungen oder primitiven Tauschhandel in das Auraser Gebiet gekommen sein.

In der Hallstattzeit (Eisenzeit von 1000 -500 v.Chr.) hat nachweislich schon eine größere keltische Siedlung bestanden.

Beim Bau der Chaussee wurde am Stadtrand ein umfangreicher Urnenfriedhof aufgedeckt. Ich habe solche kerbschnittverzierten Urnen und bronzene Gewandnadeln (Grabbeigaben) in der Sammlung meines Vaters gesehen. Die Besiedelung in einer größeren, geschlossenen Ortsgemeinschaft wurde an dieser Stelle durch mehrere Umstände begünstigt.

Geographisch: Das breite Stromtal der Oder mit verzweigten Wasserarmen, wild,-und fischreich. Das hochwassergeschützte hohe rechte Oderufer, dort, wo der Strom unterhalb Breslaus erstmalig eine schärfere Biegung nach Westen macht und eine seichte Furt einen guten Übergang bietet. Ein geestartiges, für den Ackerbau geeignetes Hinterland bis zum Rand des bewaldeten Katzengebirges, durchflossen von mehreren Bachläufen, die sich vor Auras mit dem sogenannten Trebnitzer Wasser vereinigten. Der Ort selbst im Norden, Osten und Süden von diesem Wasserlauf umflossen, der Westen vom Hochufer und dem Strom geschützt.

 

Gewerblich:

Die Kelten der Eisenzeit nützten nachweislich die vorhandenen Lager an Raseneisenerz bereits zur Eisengewinnung.

Am Langen Graben, der zwischen Auras und dem Dorf Liebenau als tief eingeschnittener Bachlauf vom Trebnitzer Wasser nach Süden abzweigt, lagen in meiner Jugend noch mehrere flache, runde Schlackensteine von etwa einem Meter Durchmesser als Rückstände dieser frühesten Eisenverhüttung.  Im frühen Mittelalter, während und nach der Besiedlung Schlesiens durch Deutsche, muß Auras in Gewerbe und Handel eine gewisse Blütezeit erlebt haben.

Kastellaneien wurden in Schlesien stets an wichtigen Punkten errichtet, zum Schutz und als Sitz von Verwaltung und Gerichtsbarkeit für ein bestimmtes Gebiet, auch hier, wie anderswo, in enger Verbundenheit mit einem Ort von entsprechender Bedeutung.

Im Jahre 1203 erhält das neu gegründete Kloster Trebnitz als Schenkung auch eine Abgabe der Auraser Schenken, die nur aus dem guten Ertrage mehrerer Schenken von Wert sein konnte. Dies und die Verleihung des Stadtrechtes schon 1273 spricht für ein lebendiges Leben in der damaligen Zeit.

Bevorzugte Gewerbe müssen die Tuchmacherei und die Lederverarbeitung gewesen sein. Die Bachläufe mit reinem, vom Katzengebirge kommendem Wasser eigneten sich besonders für das Walken der Tuche. Eine kleine Häusergruppe zwischen Auras und Hauffen an der Straße nach Wohlau hieß bis zum letzten Kriege Weite Walke, und die Walkerei befand sich wohl an der Stelle der späteren Sägemühle. Die Lederverarbeitung wurde durch das reichliche Vorhandensein von Eichen,- und Weidenlohe begünstigt, besonders die Herstellung von Juchtenleder, dass mit Weidenlohe gegerbt und mit Birkenteer wasserdicht gemacht wurde. Vor der Einweihung des evangelischen Bethauses 1742 wurde der Gottesdienst in der Juchtenfabrik abgehalten. Eine kleine Lohgerberei bestand noch vor dem ersten Weltkrieg in Auras.

Ein blühendes Gewerbeleben wäre aber ohne entsprechende Handelsmöglichkeiten, also auch Handelswege im frühen Mittelalter nicht möglich gewesen. Und daß Auras schon um 1200 durch eine Kastellanei geschützt wurde spricht dafür, daß damals hier ein wichtiger Handelsweg über die Oder führte, oder vielleicht richtiger gesagt, noch führte, der aber nach dem Mongoleneinfall durch die ständig wachsende Bedeutung Breslaus als Handels,- und Verkehrszentrum allmählich seinen Wert verlor. Leider habe ich an keiner Stelle, auch nicht in der Geschichte Schlesiens der geschichtlichen Kommission für Schlesien einen Hinweis gefunden. Ich bin daher nur auf Vermutungen angewiesen:

Der Schutz der Stadt und ihres Hinterlandes hätte allein die wehrtechnische Anlage der Burg und ihre weit vorgeschobenen Außenwerke (s. zur Geschichte der Burg) nicht gerechtfertigt.

1760 vor der Schlacht bei Liegnitz geht der russische General Tschernytschew mit 20000 Mann bei Auras über die Oder.

1945 überschreiten Teile der russischen 4. ukrainischen Front wiederum an dieser Stelle die Oder, um sich von Norden her an der Einschließung Breslaus zu beteiligen. Könnte dies nicht auf ein uraltes slawisches Wissen um diesen Oderübergang hinweisen?

Vermutungen, die wohl nie mehr geklärt werden können. Im übrigen decken sich meine Unterlagen mit denjenigen, die von Herrn Pfarrer Hoppe, Wiesbaden in seiner Broschüre über die Stadt Auras (Auszug aus dem Auraser Stadtblatt v.16.1.1914) veröffentlicht wurden.

 

Ergänzt werden kann folgendes:

Auras hatte 1669 (Folge des dreißigjährigen Krieges) nur 343 Einwohner, 506 im Jahre 1785, davon 365 evangelisch und 141 katholisch. Bis 1795 war die Einwohnerzahl auf 625 gestiegen, darunter 51 Juden. Außerdem stand in der Stadt eine Eskadron Husaren. Nach den statistisch-topographischen Nachrichten von 1787-89 gab es in Auras 88 Häuser und 24 Wüstungen.

Dies war eine Folge verheerender Brände, die 1711 die ganze Stadt zerstörten (auch das Rathaus mit seinem Archiv) und

1748 wiederum zwei Seiten des Ringes, die Wohlauer Strasse und das Malzhaus vernichteten.

Die Wiedereinführung des kath. Gottesdienstes in Auras 1653 aus, Schlesische Sammlung, Samuel Hoffmann 1754.

Bis kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Gottesdienst in der Kirche zu Auras in evang. Weise abgehalten. In dieser Zeit amtierten folgende Geistliche in der Stadt:

Pastor Moller von Bibra in Franken (1555-1579),

Matthias Paschke von Liegnitz (1579-1604),

Johann Auersbach von Strehlen (1604-1619),

Esajas Gottwaldt von Friedeberg a. Queis (1619-1638),

Balthasar Rohrmann von Grünhartau im Fürstentum Brieg (1638-46),

Im Jahre 1653 wurde wieder der kath. Gottesdienst eingeführt. Damals gehörten zur Auraser Kirche drei Geistliche:

Kaspar Klatwig (seit 1646 Pfarrer und Pastor),

George Chrysander oder Goldmann (Diakonus) und

Tobias Lorentius (Pfarrer in Hennigsdorf, dass mit Auras verbunden war).

Die drei Geistlichen wurden von dem kaiserlichen Oberamtskollegium aufgefordert, am 26. Mai in Neumarkt zu erscheinen. Dies wurde aber durch die Patronin der Kirche, Frau von Saurma, geb. von Gellhorn, die damals das Schloß Auras in Mietung hatte, wegen des bevorstehenden Pfingstfestes rückgängig gemacht.

Am 9. Juni aber verbot ihnen das Oberamtskollegium, dass übrigens anfänglich nichts mit der Gegenreformation zu tun haben wollte, das Predigen, das Kommunizieren (Abendmahlsfeiern) und das Abhalten von Begräbnissen. Nur die Nottaufe im Hause blieb erlaubt.

In dieser Zeit erwuchs den Auraser Protestanten in der Patronin eine mutige Verteidigerin des evang. Glaubens.

Frau von Saurma wollte am 1. Sonntag nach Trinitatis auf ihrer Burg predigen lassen. Da kam aber früh ein Bote mit der Meldung, daß die evang. Geistlichen am Johannistage ein Dankfest feiern sollten, aus Anlaß der Erwählung Ferdinands IV. zum römischen König. Nun meinte Frau von Saurma, dass, was am Johannistag erlaubt sei, sei auch schon vorher gestattet, und verwies den Gottesdienst wieder vom Schloß in die Kirche. Am Johannistag fand zweimal Gottesdienst statt. Früh wurde das "Te Deum laudamus" (Herr Gott, dich loben wir) unter dem Geläut der Glocken aufgeführt. Nach der Mittagspredigt wurde musiziert.

Bis nach Jcobi wurde nun wieder öffentlicher Gottesdienst gehalten.

Da brachte am 2. August ein Bote einen Oberamtsbefehl des Inhaltes, daß "auf kaiserlichen Befehl der Bischof von Breslau seine Sorgfalt in Beobachtung dieser Sache bewerkstelligen wollte."

Daraufhin richtete Frau von Saurma am 8. August ein Memorial an das königl. Oberamtskollegium. Dasselbe enthielt folgende denkwürdigen Worte: (in heutiges Deutsch übersetzt)

"Was haben denn meine unmündigen Söhne verbrochen, daß ein Hochlöbl. Königl. Oberamt ihnen durch Ihre Hochfürstliche Durchlauchtigkeit des Bischofs zu Neiße ihnen ihre Seelsorger in ihrer Abwesenheit wegnehmen wollen? Die unterdes verlassenen Waisen in der Fremde werden vermeinen, ein Hochlöbliches königliches Oberamt werde als oberste Herren Vormünde bei so kummerhaften Zustand ihres Vaterlandes sich dieses Ortes, der vor anderen mit großer Freiheit begnadet ist, in bester Weise annehmen und die gewaltsame Einführung fremder Priester durch einen bischöflichen Kommissar gnädigst abwenden, zumal die abgebrannte hiesige Kirche von dem seligen hochberühmten Freiherrn von Jörger vor hundert Jahren wieder erbaut und also das hiesige Kirchlehn durch den Kirchbau eines evangelischen Herrn ihren Ursprung hat.“

Noch mehrere Bittschriften sandte Frau von Saurma an das königliche Oberamt; aber sie waren alle ohne Erfolg. Am 15. September traf ein neuer Oberamtsbefehl ein. Dieser Kündete an, daß am 24. September drei hochfürstliche Kommissare kommen, den unkatholischen Gottesdienst abstellen und einen röm.-kath. Priester einführen wollten, und zwar sollten folgende Herren kommen: der bischöfliche Kommissarius

Sebastian von Rostock, Doktor der heiligen Schrift und der Philosophie, Protonotarius apostolicus, Archidiakonus des hohen Domstifts St. Johann und zur Zeit Officialis beim heil. Kreuz und zur Neiße Kanonikus, desgleichen Matthias Johann Steffetius,

Doktor der heil. Schrift und beider Rechte, Protonotarius apostolicus und Domherr der beiden hohen Gestifter zu Breslau, sowie Johann von Jaromiersky, Erbsaß auf Krausche und Inhaber des Gutes Schmellwitz, rks. Obristlieutnant.

An dem genannten Tage erschien indes diese Kommission nicht, und bis zum 4. Dezember blieben die Protestanten unbehelligt. An diesem Tage aber traf ein sehr scharfes Schreiben mit der Unterschrift der oben genannten Herren ein. Darin wurde mit Militär gedroht, falls die Einwohner sich der Wegnahme der Kirche widersetzen sollten. Die Vollziehung des darin enthaltenen Befehls sollte am 8. Dezember stattfinden.

An diesem Tage um 9 Uhr kamen Steffetius, Leander und von Jaromiersky in die Stadt, stiegen im Gasthofe ab, gingen dann aufs Schloß und übergaben der Frau von Saurma den ks. Befehl und lasen ihr denselben vor. Sie willigte aber nicht in die Übergabe der Kirche und stellte der Gemeinde diese Angelegenheit vor.

Die Gemeindevertretung traf zu einer Beratung zusammen und formulierte ihre Willensmeinung schriftlich. Als die Kommission um 1 Uhr in den Wagen stieg, um die Stadt wieder zu verlassen, wurde ihr das Schriftstück Überreicht. Schon am nächsten Tag kam ein Kurier in die Stadt mit folgendem Schreiben:

"Wir werden berichtet, daß das Jus patronatus (Patronatsrecht) nicht der Aurischen Herrschaft, sondern unmittelbar dem Herrn Dechant bei dem heiligen Kreuz in Breslau zustehe."

Frau von Saurma hat zwar dagegen Beschwerde eingesandt, die aber nicht angenommen wurde.
Am 19. Dezember wurde nun die Stabelwitzer Kirche den
Evangelischen mit Gewalt weggenommen. Dabei wurden mehrere Bauern von den Soldaten getötet.

Am nächsten Tage, den 20. Dez. kamen die oben genannten Kommissare mit mehr als 200 Soldaten nach Auras.
Frau von Saurma und die Kirchenväter wurden hart angefahren. Dem Bürgermeister wurde befohlen, die Leute in die am Sonntag, den 22. stattfindende Frühmesse des Herrn Stephetius zu bestellen.

Die Männer gehorchten meist aus Furcht vor den Soldaten, aber von den Frauen erschienen nur wenige. Die Soldaten bedrängten nun die Bürger sehr. Deswegen baten diese um Zurückziehung des Militärs. Darauf erhielten sie die Antwort:
Wenn Frau von Saurma und auch Bürgermeister, Rath und Gemeinde daselbst dem dort installierten kath. Pfarrer weder für sich, noch
durch die ihrigen etwas in den Weg legen, wenn sie denselben ehren, respektieren, ihn den Gottesdienst ungehindert fortsetzen lassen, wenn sie zu demselben alle Ornamente und Kirchensachen richtig liefern, usw, usw., dann sollten die Soldaten abgerufen werden.
Nach Ausstellung dieses Reverses wurden auch die Soldaten
abgerufen. Der römisch-katholische Geistliche blieb im Pfarrhaus, Die Protestanten besuchten aber fortan die Kirchen in Obernigk und hauptsächlich Wilxen und später (nach 1707) auch in Riemberg.

Neunundachtzig Jahre wurde nun kein evangelischer Gottesdienst in Auras abgehalten. Als aber Friedrich der Große Schlesien eroberte, da hielten die Evangelischen den Zeitpunkt für gekommen, wieder ein Gotteshaus zu errichten. Sie verfaßten eine Bittschrift und stellten darin dem Könige vor, daß die Evangelischen gern eine Kirche haben möchten. Eine Abordnung der Gemeinde, bestehend aus den Bürgermeister Poppo, dem Meister Johann Paghinder und dem Meister Bild, sollte dem König die Bittschrift überreichen. Sie traf den König in Ohlau und erhielt den Bescheid, daß die Gemeinde sich ein Bethaus bauen dürfe und dem Konsistorium einen Prediger vorschlagen sollte. Gottfried Hönike-Heidewilxen wurde als Prediger berufen und am 7. Juni 1742 bestätigt.
Am 1. Juli 1742 fand der erste Gottesdienst statt und am
folgenden Tage die erste Feier des heiligen Abendmahls.

Der obige Bericht, der nur leicht verändert wurde, stammt aus einer alten Chronik der Familie von Schuckmann, die uns in dankenswerter Weise von Friedrich Freiherrn von Schuckmann zur Verfügung gestellt wurde.
Auch der Bericht der kaiserlichen Kommissarien über die Wegnahme der Kirche von Auras, ist erhalten geblieben. Auch er sei im folgenden wiedergegeben. Sprachliche Änderungen, die das Verständnis erleichtern, wurden auch hier, wie schon bisher, vorgenommen.

 

Relation (Bericht) der kaiserlichen Kommissarien:

Herrn Matthiae Stephetii, Domherrns, und Herrn Johannes Jaromiersky, Obristlieutnants, in Verrichtung der Reformation auf beiden kgl. Burglehn Auriß und Groß-Peterwitz.

Nachdem wir mit dero k.u.k Majestät hochgeehrten Herrn Oberamtsräten täglich Rat und Hilfe gefaßt, zogen wir am 19. Dez. wiederum von Breslau aus und weil die beorderten Völker (Soldaten) noch nicht alle beisammen waren, die anderen wartenden aber nicht mehr zu zehren hatten, so verordneten wir ihnen für 2 Dukaten Brot und Bier, und bis die anderen noch zusammen kämen, reisten wir nach Kapsdorf.

Von dort schickten wir einen Boten nach Stabelwitz, zu erforschen, wie es dort liefe, und als wir am folgenden Tage erfuhren, daß sich dort die starrhalsigen Bauern doch gewehrt hatten, da nahmen wir die uns beorderten 200 Soldaten und zogen nach Auriß, kamen noch bei Abend am 20. Dez. an, und da wir alles ganz still fanden, auch niemand uns entgegenkommen wollte, meinten wir, sie würden sich wehren.

Daher nahm Herr Lieutnant Commandant seine Völker (Soldaten) in gute Ordnung, ließ ihnen Kraut und Loth (wohl Munition) austeilen und ging an das Burglehn nahe heran. Jetzt erst erkannten wir deutlich, daß sie teils wegen des vorigen Unglücks der Stabelwitzer, wie zu vermuten ist, teils wegen unserer starken Soldaten-Abteilung sich ganz willig ergeben. Bürgermeister und Rath kamen uns beim Tor entgegen und baten: wir sollten doch keine Gewalt üben lassen, sie wollten der k.u.k.M. gnädigstem Befehl gehorsam nachkommen. Und als wir ihnen die vorige Hartnäckigkeit ihrer Widerspenstigkeit verwiesen hatten, aber dennoch gute Order der Soldaten ohne einzige Gewalttätigkeit versprochen hatten, zogen wir gleich ins Schloß.
Dort übergaben wir der Frau Sauerma den Befehl von dem

hochlöblichen k.u.k. Oberamte. Sie würdigte sich kaum, denselben anzunehmen, sagte: sie könne nicht lesen, und sagte: wie sie es verschuldet hätte um Ihrer k.u.k. Majestät, daß sie mit Völkern (Soldaten) belagert würde? Wir gaben ihr den weggelegten Brief wiederum in die Hände und antworteten: sie solle den Brief einen anderen lesen lassen und die Ursache für die soldatische Belastung ihrer bewiesenen Starrhalsigkeit zuschreiben, zumal wir ihr klar prophezeit hätten, daß die k.u.k Majestät wissen würde, ihre gnädigste Kommission in die Lage zu versetzen, die Befehle auszuführen. Auch sei ihr keine treuherzige Warnung zurückgehalten worden. Als uns danach auch ihr eigener Amtmann in geheimen bezeugte, daß niemand an dieser Belastung schuldig wäre als eben die Frau und ihre Bürger selbst, daß wir es ihnen genugsam freundlich und eifrig vorgehalten hätten, er auch ihnen treuherzig den Rat gegeben hätte, daß sie den Befehl der kaiserlichen Majestät gutwillig annehmen sollten, sie aber unserer treuherzigen, freundlichen und ernsten Erinnerung nicht hätten folgen wollen, auch einen Rat nicht annehmen wollten, so wäre es ganz ihre Schuld allein. Als wir uns gesetzt hatten, forderten wir die Prediger und Schulmeister vor uns. Aber sie waren nicht mehr vorhanden. Nachher forderten wir die Kirchenväter, forderten Pfarr,- und Kirchenschlüssel von ihnen und, nachdem sie um etliche Sachen zur Kirche und Pfarre gehörig examiniert worden waren, legten sie das Fehlen des notwendigen geistlichen Unterhaltes auf die Prädikanten (Prediger), daß sie alles weggenommen hätten.

Der eine wollte uns überreden, er wüste nicht, wann der Prädikant weggezogen sei. Darauf gaben wir ihm einen harten Verweis wegen seiner Lügen und bewegten ihn zum Bekenntnis der Wahrheit, daß er sagte: er wäre gestern erst weggezogen. Wir konnten zwar eine ziemliche Aufzeichnung alles Kirchenornats (Kirchenschmuckes), auch der Wiedemut und des Pfarreinkommens herausbringen, aber kein angemessenes Dezem oder anderen bleibenden Unterhalt des Pfarrers erfragen, außer ein wenig Korn im Stroh. Darauf protestierten wir, daß sie auf den Abzug des Prädikanten hatten achten sollen, daß sie den gebührenden Unterhalt dem jetzigen kath. Priester zu lassen haben, daß sie schuldig sind, vom Dezem ihm noch etwas von ihrem Eigentum zu erstatten und daß sie das wenigstens mit einem guten Neujahrsopfer tun sollten. An diesem Tage schickten wir auch nach Groß-Peterwitz, um unsere Ankunft dort anzumelden.

Also handelten wir ordentlich nach unserer Instruktion, bis daß wir morgens früh am Sonntage die Kirche erstens reconciliirten (rekatholisierten) und den kath. Priester einführten. Weil dies auch der 4. Sonntag des Advents war, hielten unsere 3 Priester das Amt der heil. Messe und der Geistliche aus den kaiserlichen Kommissarien hielt eine Bußpredigt mit Ermahnung zum Gehorsam gegenüber der göttlichen, kaiserlichen und bischöflichen Juris- diktion (Rechtsprechung). Es war Volk genug, die zuhörten, nicht allein von Soldaten, sondern auch von Bürgern, Manns,- und Weibs,- Personen. Die Orgel, Musica und Glockenklang ließen wir aufs beste erschallen und verrichteten den völligen heiligen Gottesdienst mit bestem Eifer.

Derweilen hatten wir auch die Scholzen und Geschworenen der beiliegenden und zugehörigen Dörfer ins Städtlein kommen lassen. Ihnen zeigten wir an, daß wir bald nach dem Essen zu ihnen kommen würden, auch nach dem gnädigsten Befehl der k.u.k. Majestät. Als wir dann bei der Frau auf dem Schloß gegessen hatten, setzten wir uns auf den Wagen und rekatholisierten auf Kunzendorf die Kirche, führten den kath. Priester ein und machten abermals eine Ermahnung. Desgleichen reisten wir nach Hennigsdorf, taten dort auch also, und als der bischöfliche Herr Kommissarius von uns die Kirchenschlüssel empfangen hatte, rekatholisierte er die Kirchen, führte den kath. Priester ein und wir richteten abermals eine Ermahnung an das Volk. Überall begehrten wir auch die richtige Aufzeichnung des Kirchenvorrats und des Einkommens der Pfarrei. Wir verboten streng, daß niemand die lutherischen Prediger bei sich aufnehmen oder zu sich kommen lassen solle.

Am frühen Abend zogen wir wiederum nach dem Schlosse Auriß. Daselbst ließen wir eine richtige Aufzeichnung der Kirchensachen und des zur Pfarrei gehörigen Eigentums aufsetzen, ermahnten auch die Frau und die Ratsbeamten, daß sie nicht gestatten sollten, einigen Despekt und Verachtung dem kath. Pfarrer zu tun, sonst würde die Strafe nicht allein von dem Übeltäter, sondern auch von der achtlosen Obrigkeit gefordert werden. Dann baten auch die Bürger uns um eine Intercession beim hochlöblichen Oberamt, die Soldaten wieder wegzunehmen.

Wir verfertigten sie in aller Frühe montags, den 23. Dez. und ließen nach verrichtetem Gottesdienst unsere Pferde und Wagen über die Oder führen, fuhren auch selbst über und nach Groß-Peterwitz, Als wir gegen Abend hier ankamen, fanden wir auch die Frau Falkenhainin in ziemlicher Widerspenstigkeit. Sie fing an zu disputieren: Ihre k.u.k. Majestät hätten nur etliche Fürstentümer zu reformieren, aber nicht die Burglehen, und sperrte sich ziemlich gegen unser Erwarten mit Weigerung unserer Kommission. Wir antworteten kurz: Es sei schon längst ausdisputiert, was I.k.u.k. M. zu reformieren habe, und wo jemand zweifeln wollte, so wollten wir ihn bald aus dem instrumento pacis (Friedens-Instr.) überzeugen. Es wäre das höchste Unrecht zu vermuten, als fordere ihre Majestät von jemanden etwas ungnädig ab, was sie ihm nicht mit Recht hätte abzufordern, und sie sollte wissen, daß die Soldaten nicht weit seien. Morgen ist auch gut kommen. Darauf ergab sich die Frau und wir forderten Kirchenschlüssel und alles, was unsere Kommission zu fordern hatte........

Wir bitten das k.u.k. Oberamt freundlich und dienstwillig, sie wollen unsere getreue und fleißige Mühewaltung mit Gnaden ansehen und zu gebührlicher Erquickung die kaiserlichen Liefergelder, sowie auch die 2 notwendig ausgegebenen Dukaten erstatten lassen, uns aber ferner der Gunst und großgünstigsten Gnade der höchstgedachten k.u.k. Majestät befohlen sein lassen.

Gegeben Breslau, Dom, den 25. Dez. 1653.

Matthias Stephetius Johann von Jaromiersky Domprediger zu Breslau Obristlieutenant

 

Bemerkung: Mit Reformation bezeichnete die Kirche damals auch die gewaltsame Rückführung und Wegnahme der evang. Kirchen zur kath. Kirche.

Obiger Bericht ist entnommen dem Buch: Berg J.: Die Geschichte der schwersten Prüfungszeit der evang. Kirche Schlesiens und der Oberlausitz, das ist die Zeit von Einführung der Reformation bis zur Besitznahme Schlesiens durch König Friedrich den Großen. Nach Quellen und Urkunden. Jauer 1857

Auch auf mein Heft: "Eine Kirche kämpft um ihren Glauben",

vor allem auf Seite 30, sei hingewiesen.


 

PREDIGERGESCHICHTE VON AURAS

Kirche 1218 zuerst bezeugt. Reformation vielleicht schon 1525.

Patron Frhr. v. Jorgen stand mit Luther im Briefwechsel. 1555 Kirche abgebrannt und

neue Kirche . Filiale Liebenau.

 

a) Pfarrer.

1555-1579 Jeremias Müller (Moller),

geb. 1515 Bibra (Franken), gestorben 1579.

1579-1604 Matthias Paschke,

geb. Liegnitz, ord. Wahrscheinlich 7.7.1579, gestorben 1604.

1604-1619 Johann Auersbach,

geb. Strehlen, ord. 20.7.1601 Liegnitz. 1601 Auras, Diakonus, gestorben 1619.

1619-1638 Esaias Gottwald,

geb. 1581 Friedberg (Queis), ord. 10.11.1612 Liegnitz. 1612 Auras,

Diakonus. 1638 Nippern, gestorben 1644.

1638-1646 M. Balthasar Rohrmann,

geb. 3.8.1608 Grünhartau, ord. 3.12.1638 Breslau. 1646 Kaschau (Ungarn).

1650 Wohlau, Senior, gestorben 18.6.1653.

1646-1653 Kaspar Clodwig,

geb. Münsterberg, 1632 Hünern-Geydau, 1642 Schwed. Feldprediger,

1653 exul. 1654 Obernigk, gestorben 1664.

 

b) Diakonen.

1577-1585 Andreas Böhm,

geb. Breslau, ord. 8.5.1577 Wittenberg.

1585 ff. Johann Kruger,

geb. Guben, ord. 1585 Liegnitz.

1600 Paul Tanzmann.

Geb. Februar 1563 Ohlau, 1589 Schwengfeld, 1601 Nippern, Subst.

1602 Guhren, gestorben 12.1.1622.

1601-1604 Johann Auersberg,

wird Pfarrer.

1612-1619 Esaias Gottwald,

wird Pfarrer.

1619-1625 Friedrich Hedwiger,

geb. Prachwitz, Vielleicht bis 1650 in Auras.

1651-1633 Georg Goldmann (Chrysander),

geb. Iglau, 1640 Kobylin, 1653 exul. 1654 Köben exul.

 

c) Auras, jetzt Parochie.

1742 Konzession zum Bau des Bethauses. Kottwitz und Hennigsdorf. Die früher eigene Kirchen hatten, jetzt Auras.

1742-1780 M. Gottfried Hönike, geb. 4.8.1697 Breslau, ord. 3.11.1726, 1726 Heidewilxen,

1776 50 Jäh. Amtsjubiläum. Gedächtnismünze dazu geprägt, gest. 22.7.1780. 1780-1790 Christian Heinrich, geb. 6..6.1735 Grabig (Glogau), 1773 Auras Rektor, ord. 17.12.1779 Breslau, gest. 18.2.1790.

1790-1805 Friedrich Wilhelm Zimmermann, geb. 1764 Breslau, ord. 7.3.1788 Breslau, General-Substitut, resigniert 1805 und geht auf sein Gut nach Peruschen, das er von 1802-1808 besaß.

Karl Christian Heinrich Marbach, geb. 1771 Jauer, ord. 10.10.1794 Breslau zum Rektor und Pastor adjunctus. 1005-1809 Wilhelm Matthäi, geb. 29.9.1775 Liegnitz, ord. 5.9.1805 Breslau, 1809 Liegnitz, Diakonus, Frauenkirche, 1816 Oberdiakonus, Peter-Paul, 1836 Pastor, Frauenkirche, gest. 4.3.1851.

1809-1840 Karl Friedrich Philipp, geb. 24.11.1769 Leuthen, ord. 29.11.1799 Breslau zum Rekror und 2. Pastor,

   Auras, gest. 23.2.1840.

- Joh. Christoph Friedrich, geb. zu Halle, ord. 13.10.1809 Breslau zum Rektor und Prediger.

- Christian Gottl. Oelsner, Rektor und Prediger, legt 1817 das Amt nieder.

1840-1857 Oswald Feierabend, geb. 14.10.1809 Toschwitz, ord. 1840, 1857 Stoppen, gest. 1.3.1872.

1857-1906 Heinrich Bischoff, geb. 23.6.1823 Görlitz, ord. 9.9.1857, 1894 neue Kirche em 1906

Stiftet die Missionsstation Bischofskreuz in Südafrike, gest. 6.3.1914 Auras.

1906-1908 August Urbain, geb. 17.11.1870 Klein-Ziethen (Angermunde), otd. 18.10.1906, geht nach Berlin.

1909-1917 Walter Groß, geb. 22.5.1882 Bartnig, odr. 10.12.1909, 1911 Pfarrhaus,

1917 Himmelspforte (Templin)

1917-1927 Paul Stoermer, geb. 8.7.1888 Lübeck, ord. 23.8.1914 Berlin, 1914 Wildau (Brandenburg),

Geht als Privatmann nach Dobberan, 1930 Fürsten Ellguth.

1928 Johannes Halm, geb. 23.7.1893 Riemberg, ord. 23.11.1923, 1923 Dittersbach.

 

Hennigsdorf.

Die 1353 erwähnte Kirche ist eingegangen.

 

1614-1628 Vinzenz Stephani (Krone), geb. 1590 Münsterberg, U. Wittenberg, 1628 exul. 1632 Kolskau,

1635 geflohen, 1636 Görchen, 1639 Rawitsch, gest. 4.10.1655.

1628-1634 Vakanz.

1634.1653 Tobias Laurentii, geb. zu Freiburg, Rektor Auras, ord. 13.2.1631 Breslau, 1653 Vertrieben,

Hennigsdorf seit 1742 zu Auras.

 

Kottwitz.

Pfarrkirche 1203 bezeugt, Reformation wahrscheinlich um 1310.

1585 ff Matthäus Haugwitz, ord. 1585 Frankfurt.

Bis -1616 Johannes Alliäus, geb. 1541 Landeshut, ord. 1572 Liegnitz, gest. 2.8.1616.

1616-1641 Tobias Clemens, geb. 1584 Oels, ord. 1610 Oels, 1610 Festenberg, 1616 Mahers, in demselben Jahre Kottwitz, gest. 1641.

1641-1648 Matthias Gramschütz,

1638 Heinzendorf, von wo aus er Kottwitz versah.

1648-1652 Anton Stier, geb. zu Winzig, ord. 10.11.1648 Breslau, gest. 25.10.1652.

1652-1653 Gottfried Gerhard, geb. 1630 Breslau, ord. 1.11.1652 Breslau, 1653 vertrieben 6 Jahre exul.

1660 Rausche, gest. 14.10.1689 Kottwitz, seit 1742 zu Auras.

 

Liebenau

Hatte nur kurze Zeit einen eigenen evangelischen Pfarrer. Gehörte zu Auras.

1650-1653 Melchior Walther, geb. 22.5.1619 Hirschberg, ord. 2.3.1650 Oels, 1656 Rawitsch Diakonus,

1671 Pastor em 1682, gest. 27.8.1683.

 

 

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Ein Brandbrief des Rathes der Stadt Auras.

Januarius 1713.

 

Ein Hochfürstl. Durchl. Und ein Hochlöbliches Kayser- und Königliches Ober-Ambts-Collegium führen in gnädigst und gnädiger Reminiscnz was maßen Unserer armen Commune und Bürgerschaft durch den erlittenen Brand zugezogene große Miserie und äußersten Notstand, sowohl bey Derenselbten,alß auch bey Einem Hochlöbl, Conventu publico unterthänigst-gehorsambst und göchst beweglich vorzustellen, wir ohn umbgänglichen neceßirt worden, mit angehängter tief-demüthigster Bitte In solch Unserem höchst bedrängtem Notstande mit Unß in so weit ein Christliches Mitleid zu tragen, und wormit die durch den erlittenen Brandt damnificirte arme Leuthe, wieder auf zubauen, capable werden möchten, mit einem gnädigst beliebigem Subsildo Ihnen zu Handen zu gehen. Ob nun zwar wohl von den Hoch und löblichen Herren Fürsten und Ständen auf solch unsere wehmüthigste preces (welches mit unsterblichem Dank wir billich zu deveneriren haben) Zwey Tausend Floren bewilligt und resolvirt worden; So haben sich diese bis dato derley gnädigst und gnädig bewilligten Subsidii wenig zu erfreuen gehabt, weil Ihnen damnificatis, hiervon kein baarer Creuzer, die nöthige Bau-Materialien und andere erforderliche Nothwendigkeiten procuriren zu können, abgefolgt, sondern von diesem bewilligten Subsidio schon bereits 800 Fl. Auf Steuern abgerechnet worden, und wann ferner die noch übrigen 1200 Fl. Auf solache Weise employret worden, und die gnädige Herschaft mit darvon weiter participiren sollte, so würde von denen noch ungebaut darnieder liegenden etl. Siebenzig Brandt Stellen (weilen der abgebrannten Häuser 115 zusammen gewesen sind, und nur allererst etwan deren 40 augebaut worden) die wenigsten fähig seyn, des Wiederaufbauens Sich zu unterfangen; damit aber diese umbso vielmehr zum Wiederaufbauen angefrischet werden möchten; Also bewendet an Ew. Hochfürstl. Durchl. Und Ein Hochlöbl. Kayser- und Königliches Ober-Ambts-Collegium unser in unterthänigstem Gehorsamb höchst inständigst und ganß angelegentliches Bitten: Sie geruhen die hohe Gnade vor solche auf den äußersten Grad des Unvermögens befindliche arme abgebrannte Leuthe zu haben, und dahin gnädigst und gnädig hülfreich zu erscheinen, womit von dem noch übrigen Subsidio der gedachten Zwey Tausend Floren ein gewisses Quantum Ihnen baar zum angeziehlten wieder aufbau außgezahlt, wie auch enbey, Ihnen in ihrer so großen Armuth wieder aufzuhelfen, einige Frey-Jahre concediret werden möchten. Und nachdem auch leider! In dem Brand der gemeinen Stadt Privilegia und hierüber ausgefertigt geweste Documente, und briefliche Urkunden, durch die alles verzehrende Feuer-Flamme consumiret worden; und verlohren gegangen; Alß haben Ew. Hochfürstl. Durchl. Und ein Hochlöblichs Kayser- und Königl. Ober-Ambts-Collegium wir zugleich in Fußfallender Demuth quam instantissime bitten sollen: Sie geruhen dasjenige was etwan von solchen des Stadtleins Auraß Privilegien und Freyheiten bey der löbl. Königl. Ober-Ambts-Registratur verwahrlich zu befinden, in hohen Gnaden Unß communiciren zu lassen, wie auch, weilen wir in der Vermutung seynd, daß bey dem Archiv Einer Hochlöbl. Königl. Böhmischen Hoff-Canßelley, wegen underer allergnädigst verliehenen Freyheiten die beste Nachricht zu befinden seyn werden, Unß alldahin mit dehro Intervention Hochvermögend zu begleiten, damit wir alldor, so viel nöthig, ui Unseren Behuf erlangen möchten; Wir dann zu unserem unbeschreiblichen Tortogereicht, daß unsere gnädige Herrschaft, in summum Praejudicum oppidi Sich die dem Städlein zustehende Nutzungen zu eigen will: allermaßen Sie nicht nur das Üfer-Geld einzucassiren pretendiret, da Es doch auffm Stadt-Guth lieget, auch solches bauständig zu erhalten, und wenn Es zerfahren wird, und eingehet, solches die gmeine Stadt reparieren lassen muß, und die gnädige Herrschaft Sich hiervon völlig ausschließet; dahero es heißet: Quisentit onuse tiam Comodum sentire debet; sondern auch den Sal0-Schank undBrandwein-Urbar,welches beydes dann die Stadtvon Uhr alten Zeuten her, gehabt, diesselben mitziehet und disputierlich machen will: Gerentgege den eingeführten Juden, welche alß BlutEgel, alles an sich ziehen, mithindas gtoße Elend und Armut der Gemeine augenscheinlich und ganz meisterlich vergrößern, verstattet, das die Bürgerliche Nahrung, und mit waß Sie nur immer wollen, Handel und Wandel treiben mögen. Wieder welche und andere dergleichen mehrere natürlich vornehmende schädliche Entziehung der dem Städlein competirende Nutzungen, zu Ew. Hochfürstl. Durchl. Und Einem Hochlöblichen Kayser- und Königl. Ober-Anbts-Collegio wir nsern Höchstnothdringlichen Recurs nehmen, und Unß dero Hiermit unterthänigst anflehenden hohen Königl. Ober- Ambtl. Protection ganz zuversichtlich getrösten, alß die wir hingegen in schuldigster incumbenz mit tiefstem Respect zu erstreben verlangen.

Euer Hochfürdtl. Durchl. Und Eines Hochlbl. En Kayser- und König. En Oberamts-Collegii unterthänigst gehorsamster Rath der Stadt Auraß

Nachschrift; Bei diesem Menorial haben sich alle persönlich unterschrieben.

Mittgeteilt von Kordeßky


 

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