Reise 1999 - W. Bunke

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Reise nach Schlesien, Juli 1999 von Werner Bunke.

 

Nach über 55 Jahren zu Besuch in der alten Heimat Auras a.d.Oder, Kr. Wohlau, Niederschlesien.
Die genannten Bilder/Fotos finden sich in der Rubrik ->Neue Bilder ->Bilder. (Noch in Arbeit.)

 

 

Am Sonntag, 18.Juli 1999 um 6.30 Uhr

ging die Reise los, bei sehr schönem Wetter und hochsommerlichen Temperaturen. Mein Heimatfreund Willi Krause aus Jäkel war der Chauffeur und steuerte seine Frau Ilse und uns sicher bis nach Obernigk, ins Quartier zu Familie Bielska UL.Sikorskiego 8, 55-035 Oborniki/SL., wo wir gegen 17.00 Uhr ankamen. Der Fahrtverlauf ging reibungslos mit einigen Pausen auf der Autobahn Richtung Görlitz, um 14.00 Uhr erreichten wir schlesischen Boden. Die Kontrollen an der Grenze ging sehr schnell, an der ersten Tankstelle tankten wir Diesel, der etwas billiger war als bei uns, am Parkplatz machten wir eine größere Pause. Danach setzten wir die Fahrt auf schlesischem Boden fort, über Bunzlau, Lüben, Steinau, wir erreichten unsere Oder und fuhren über die Oderbrücke, die ich noch gut in Erinnerung hatte, ein Schiff war nicht zu sehen, danach erreichten wir unsere Kreisstadt Wohlau, wir kamen am Stadion vorbei, wo eines jeden Jahres die Jugendwettkämpfe stattfanden.
Dann weiter Richtung Obernigk, dazwischen die Orte Wahren, Tiergarten, Patendorf, Riemberg. Willi bog rechts ab nach Auras, am Hinweisschild stand Uraz, der Ort Haufe war nicht mehr zu identifizieren, es erinnerte nichts mehr an diesen Ort, jetzt kommt der Vorort Weite Walke, da erkannte ich noch alle Häuser, am Ortseingang stand das Transformatorenhäuschen, die frühere Gastwirtschaft von Fam. Göphardt Fritz, kam mir sehr verändert vor, das Haus von Bauer Schiegel stand in vollem Glanz wie früher, auch das Haus von Bauer Ecke, in früheren Zeiten war dieses eine Messerschmiede, am Ortsausgang Richtung Auras stand die Feldscheune vom Bauer Max Fundner, da steht heute ein schönes Wohnhaus. Auf der linken Straßenseite bis zum Haus vom Schiffsbauer John hatten meine Großeltern ihre Äcker, danach mein Onkel Wilhelm Bunke, als Kind mußte ich auf diesen Äckern arbeiten und hatte dabei einen Unfall. Mit der Sense schnitt ich mir eine tiefe Wunde in den Mittelfinger, wodurch das Nagelbett für immer verletzt wurde und ich habe bis zum heutigen Tage ein Problem. Jetzt erreichten wir das Haus John, da kamen meine Kindheitserinnerungen, aber wir fuhren in langsamen Tempo durch Auras über Liebenau und Sorgau nach Obernigk zum Quartier. Die Quartierleute erwarteten uns schon, dieses Quartier buchte Willi Krause über einen Mittelsmann aus Dreieich-Sprendlingen. Das Quartier ist sehr sauber und hat rundherum einen gepflegten Garten, was nicht Blühte war mit Farbe gestrichen.
Nun erholten wir uns erst mal von der anstrengenden Fahrt, besonders der Chauffeur Willi hatte diese Erholung sehr nötig und mußte deine Beine hochlegen. Sein Auto ist mit einer Klimaanlage ausgerüstet, dadurch haben wir die Hitze vom Himmel im Auto gut überstanden. Gegen 19.00 Uhr servierte uns Frau Bielska ein warmes Abendessen, es schmeckte vorzüglich, dazu gab es ein kühles Bier, danach waren wir alle bald in den Betten verschwunden, da uns für die kommenden 5 Tage große Anstrengungen bevorstanden.

 

 

Am Montag, den 19. Juli 1999

ging es mit dem Auto nach Jäckel, in den Geburtsort von Willi Krause, auch nach Riemberg wo seine Schule war fuhren wir. Sein Vater baute für die Familie in Jäckel ein kleines Häuschen, auch die dafür benötigten Steine fertigte er selbst. In aller Ruhe gingen wir von Haus zu Haus, durch Äcker und Waldrand, ein Storchennest in Richtung Liebenau gab es auch zu bewundern.
Wir besuchten auch in Jäckel einen Bauern, der deutsch sprechen konnte, seine Mutter ist eine Deutsche und stammt aus Hasenau und wohnt im Moment in Hennigsdorf bei einem anderen Sohn, sie ist 80 Jahre aber geistig und körperlich sehr rege, ihr Sohn in Jäckel und seine Familie sowie Schwiegermutter sind alle sehr freundliche Leute. Der Pole hat das Haus von Paul Abraham, er arbeitete bei uns in Auras auf der Schiffswerft als Nietenvorhalter, der polnische Bauer baute sich ein größeres Wohnhaus sowie Stallung und Scheune dazu.


Bild (1) Ortsplan Jäckel-Jary von 2006.

So brachten wir den ersten Tag etwas locker rum, am Abend nach einem reichhaltigem Abendessen kam es mit Familie der Pension zu einem gemütlichen Beisammensein, ihre Tochter, eine Studentin spricht ein gutes deutsch und dolmetschte unsere Gespräche, der Chef des Hauses, wie sollte es auch anders sein, stellte gleich eine Flasche Wodka auf den Tisch, für die Damen gab es Wodka-Likör.

 

 

Am Dienstag, den 20. Jull 1999

ging es nach dem Frühstück in meinen Heimatort Auras, Willi Krause lernte in Auras Kaufmann, beim Paul Urbanski. Die Tochter von der Pension brachte uns mit ihrem Auto nach Auras, bei der Mühle und Kartoffelflockenfabrik Kurt Kant setzte sie uns ab, da stand eine kleine Bank, dort schnallten wir unsere Wanderrucksäcke auf den Rücken, den Blick geradeaus ging es zur ehem. kath. Schule,

Bild (2) kath. Schule.

die nicht mehr steht, da hat sich jetzt ein elektrisch betriebenes Sägewerk angesiedelt, vom Klinner Schmied die Scheune lag auch noch im Blickfeld, ich meine, unverändert nach über 50 Jahren.
Danach ging es zum Friedhof, der Haupteingang war noch zu erkennen, der Weg zur Leichenhalle war noch getrampelt, sicher von ehem. Bewohnern die als Besucher nach Auras kommen, dann kam der erste Kreuzweg den Blick nach rechts ist alles von Gestrüpp und wilden Sträuchern überwuchert, hinein laufen, um alte Gräber zu besuchen, kann man nicht, da dieser Teil von den Polen als Toilette benutzt wird, nach links, linke Seite war früher der Kinderfriedhof, meine Schwester Ilse wurde da 1930 beerdigt, heute liegen an dieser Stelle ein polnisches Ehepaar, von da aus gesehen in Richtung ehem. Pumpe und Leichenhaus, soll mein Bruder Erwin und Cousine Trautel Bunke im Januar und Februar 1946 beerdigt worden sein.
Diese Gräber sind auch alle überwuchert und nicht mehr als Gräber zu erkennen.Man staunt über die vielen neuen Gräber in den 50 Jahren. Habe mir von Polen sagen lassen, daß die Toten alle aus der Umgebung nach Auras zum Beisetzen gebracht werden, daher diese vielen Gräber, denn Auras soll ja doch nur ca. 500 Einwohner haben, wo früher 2000 wohnten. Am Grabe des kath. Pfarrer Scholl und Ordensschwester Maria,

Bild (3) Gräber, kath. Pfarrer Martin Scholl und Ordensschwester Maria.

die im Januar 1945 von den Russen in der Kirche ermordet wurden, konnten wir eine kleine Grabpflege vornehmen. Die Frauen zupften Unkraut, die Gräber waren mit Astern bepflanzt, die wir an diesem heißen Tag mit etwas Wasser versorgten. Habe mir bei einem polnischen Friedhofsbesucher einen Eimer geborgt, Pumpe gibt es keine mehr sondern einen Ziehbrunnen, da ich noch nie Wasser aus einem Ziehbrunnen geschöpft habe, zog mir der polnische Friedhofsbesucher das Wasser nach oben.
Dann ging es zurück an die Kant-Mühle, am ehem. Dominium vorbei in die Mühlstraße. Haus Schiemann machte einen sauberen Eindruck, dann schwenkten wir in die Lindenstraße ein, die zwei Walter Häuser träumten so vor sich hin, gegenüber beim Weber Bauer war eine sehr schöne neue Haustür eingebaut, sicher hatte das Hochwasser die alte Tür kaputt gemacht, Haus Stellmacher Tietze und nebenan, wo Motzek Schuhmacher wohnte bis zum Bauer Kempe der an den Scheunenberg angrenzte, sind die Häuser soweit in Ordnung, zu meiner Kindheit war beim Bauer Kempe immer ein Storchennest, was ich vermißte. An der anderen Seite der Straße die Häuser Tonder und Kleinert waren auch gepflegt, aber das Haus vom Schiffsbauer Robert Gabler ist vermutlich nicht mehr bewohnt und ist am zerfallen. In diesem Haus wohnte meine Urgroßmutter Bunke bis 1932, mein Vater lebte, bis er heiratete, mit seiner Großmutter in diesem Haus zusammen, da er Vollwaise war und hatten daher eine besondere Beziehung zur Familie Gabler. Das Nachbarhaus vom Tischlermeister Wende ist auf Hochglanz poliert, im Anbau, wo die Hobelmaschine stand, ist eine Kneipe und es steht eine Theke darin. In der ehem. Werkstatt, zwei Stufen höher, ist ein Gastraum mit Billard-Tisch. Da an diesem Tag über 30 Grad im Schatten waren, kehrten wir am späten Nachmittag dort ein.
Es ging durch die Poststraße zur Auergasse, bis auf wenige Häuser sind fast alle die noch stehen in einwandfreiem Zustand, dann durch das Schneidergässel zur Breslauer Straße, wo vom Haus Schiffbauer Blodau in Richtung Innenstadt bis zum Gasthaus zur Sonne nur mit Ausnahme das Haus wo die Kreissparkasse war steht noch das Kassengebäude stand leer. Zum Ring, das Rathaus ist kein Rathaus mehr. Auras wird von Obernigk verwaltet,

Bild (4) Ring, alte Schule rechts, Rathaus links.

Steht alles leer, das ev. Pfarrhaus macht von der Westseite einen schlechten Eindruck, womöglich regnet es stark rein. In dem ehem. kath. Hedwig-Stift da ist die Post jetzt untergebracht, bei den Häusern am Ring kann man sehr deutlich die Spuren vom Hochwasser 1997 erkennen.

Bild (5) ehemaliges Schloß von Auras

Bemerkung:
In neuester Zeit hat sich ein poln.Einwohner dieser Ruine angenommen und versucht den Verfall aufzuhalten.

Das Schloß zerfällt immer mehr, auf dem einen Turmpfeiler hat sich ein Storchenpaar sein Nest gebaut, nach meiner Ansicht müssen viele Besucher die Burgruine besichtigen, was man an dem getrampelten Pfad sehen kann. Die Wirtschaftsgebäude wo der Förster und Reimanns wohnten, stehen nicht mehr. In der Wohlauerstraße auf der linken Seite in Richtung Riemberg vom Bauer Schubert bis zum Fleischereibedarf Paul Scholz stehen noch die Häuser, danach eine Häuserlücke, die Häuser Gaebel früher Soika, Mutter Göphart, Kaufmann Bruno Schäfer, das Haus von Broß steht noch, über den Weg der zum Schützenplatz führte im Vorgarten von Flötert, neben der Steinmetz Deichsel seiner Werkstatt, hat sich ein Discoschuppen niedergelassen, nebenan im Vorgarten mit Sonnenschirm eine kleine Kneipe, da machten wir unsere Mittagspause. Zu Essen gibt es da nichts, da kann man schlank werden, wir hatten noch eine paar Kekse dabei. Der Spittel machte einen sehr gepflegten Eindruck. Am Spittel war früher eine Wagenremise angebaut, wo der kommunale Leichenwagen untergebracht war, diese Remise steht nicht mehr, hätte gern gewußt, was mit diesem schönen Wagen geworden ist, konnten auch keinen fragen, da wir nicht polnisch können. Danach das Haus vom Korbmachermeister Hoppe und Kaufmann Franz Schien, was so 1935 gebaut wurde, ist von den Polen ums doppelte vergrößert worden, aber es ist kein Ladengeschäft mehr, Bei der Geschäftseröffnung bei Franz Schien verteilte er an uns Kinder Landkarten von Deutschland von der Fa. Heinrich Franck & Söhne, Ludwigsburg, Berlin-Halle, diese Karte besitze ich noch, sie wurde von meinen Eltern auf der Flucht gebraucht, der Zustand der Karte ist inzwischen sehr schlecht, wenn ich diese Karte in die Hand nehme, denke ich an Fam. Franz Schien.
Die Wohlauerstraße rechte Seite vom Ring aus gesehen Richtung Riemberg steht das Haus von Fam. Bild und die Häuser bis zur Lindenstraße Eckhaus Malermeister Stritzel, diese Häuser machen soweit einen zufriedenstellenden Eindruck. Am Scheunenberg vorbei, der nicht mehr als solcher zu erkennen ist, der Feuerwehrturm (Steigerturm) steht nicht mehr. Jetzt ging es rechts in die Gärtnergasse,

Bild (6) Gärtnerweg

wo wir wohnten, das Haus Geilich, früher Härtel, steht nicht mehr, ein Neubau ist an dieser Stelle angefangen, das Erdgeschoß steht und ist auch bewohnt, die Decke war mit Folie überzogen.
Fachwerkhaus Heintke steht nicht mehr, am Grundstück hinten quer zwischen Heintke und Müller steht ein Neubau, das Haus von Hermann Müller steht noch, sieht aber sehr schlecht aus, an der Giebelseite zur Straße wurde ein Fenster zugemauert, der Betonsockel vom Zaun ist renoviert und sieht gut aus. Dann kam das Haus von Heintke Gustav, wo wir wohnten, was mein Vater auf Rentenbasis erworben hatte, mit den neuen Bewohnern haben wir gesprochen, die ältere Polin kannte noch meine Eltern und meinen Bruder, der im Februar 1946 gestorben ist. Wir hatten an dem Haus Glück, eine Enkeltochter der Polin war gerade zu Besuch und sprach etwas deutsch, so konnten wir einiges erfahren, das Haus mit Hinterhaus ist in Ordnung, das quer stehende Gebäude, eine ehem. Scheune ist bei den Polen abgebrannt und wieder aufgebaut, über die Brandursachen wollten sie nicht sprechen. Das Wohnhaus steht von der Straße aus etwas höher, so stand das Hochwasser 1997 1m hoch in der Wohnung, es war sicher immer noch nicht trocken, die Fenster standen sehr weit auf.
Nächstes Haus, Nachbar Hermann Winkler, das Haus geht so, aber der Garten macht einen jämmerlichen Eindruck, jetzt kommt von meinem Onkel Bruno Bunke die Landwirtschaft, das Auszüglerhaus wurde gerade renoviert und mit Styropor eingewickelt. Vom Wohnhaus Stallung und Scheune war nicht viel zu sehen, der Hof war mit Wein zugewachsen. Vom Hans Hennig war das Dach abgebrochen, quer hinten wo die Scheune und Stallungen waren, steht ein Neubau.
Das Haus König machte einen soliden Eindruck, das Haus vom Schiffseigner Rasch, was im Jugendstil gebaut wurde, macht einen jämmerlichen Eindruck, jetzt kommt die Brücke vom Schneidergraben,

Bild (7) Brücke vom Schneidergraben

wo das Wehr war, dieses gibt es nicht mehr, das Wasser fließt so ab, trotz lang anhaltender Trockenheit war noch Wasser im Graben, der Graben machte auch sonst einen sauberen Eindruck.
Ecke Gärtnergasse Mühlstraße steht die Landwirtschaft Marofke, irgendetwas war da verändert, kann es aber nicht sagen was. Von der Gärtnergasse geradeaus war das Haus früher Jahn, danach Sattler und der letzte Eigentümer Robert Koch und Frau Hedwig, geb. Schwanke, da steht überhaupt nichts mehr. Der Nachbar zur linken das Häuschen Boer steht nicht mehr.
Das Haus Schiffbauer Richard Teichmann steht noch und geht so wie man sieht. Das Haus vom Schiffseigner Karl Langner, es ist ein schönes Klinker-Haus und es geht so, nur der Zaun, der immer sehr schön war, ist nicht mehr so. Zwischen Langner und Landwirt Bleul war der Zobelweg, da steht das Haus van Familie Lutonin, konnte da leider kein Bild machen, es standen so viele Jugendliche vor dem Haus.

Bild (8) Die Miersbe Mühle, auch Wassermühle genannt.

das Gebäude sieht schlecht aus und es war auch sehr ruhig rundherum. Jetzt gehen wir wieder zurück über die Gärtnergasse zur Wohlauerstraße.

Bild (9) Eckhaus Gärtnerweg-Wohlauerstr.

Die Häuser auf der Wohlauerstraße bis zur Fährstraße. Das Haus Heinsch war bewohnt und rundherum aufgeräumt, aber das Haus hätte mal einen neuen Verputz nötig, am Haus war gleich ein kleiner Kuhstall, dieser ist heute Garage, der Heinsch hatte den Beinamen Berg Heinsch, weil sein Haus auf einer leichten Anhöhe stand, es wunderte mich, das Haus ist heute Straßengleich. Haus Schwabe steht nicht mehr und das Gasthaus und die Fleischerei Neugebauer auch nicht mehr, auf der gegenüberliegenden Seite das Haus vom Schmiedemeister Grallert war in gutem Zustand, die Schmiedewerkstatt ist heute Garage, neben dem Grundstück stand die Scheune von Neugebauer, an dieser Stelle steht heute ein schönes Haus, nebenan steht das Haus vom Schiffbauerpolier Oskar Bleul, dieses war schon immer ein schönes Haus, was es heute auch noch ist. Jetzt bogen wir in die Fährstraße ein,

Bild (10) Fährstraße Aufsicht.

das Eckhaus von den alten Kunze Leuten steht nicht mehr, an dieser Stelle wurde längs der Fährstraße ein neues errichtet, dann kam das Haus von Wilhelm Bunke, in dem früheren alten Haus verlebte mein Vater seine Kindheit, dieses Haus machte einen sauberen Eindruck, zum Grundstück Reinsberg hin, Richtung Osten wurde gerade das Haus um ca. 5 m, verlängert.
Gesehen haben wir keinen am Grundstück, hätte mich gern mit den neuen Leuten unterhalten. Die weiteren Häuser bis an die Oder sahen auch nicht so schlecht aus, beim Fährmann Koschnik wurde auch gerade ein Vorbau angesetzt, Haus Fahrmann, Walter steht nicht mehr. Linke Seite von der Wohlauerstraße Richtung Oder, Haus Härtel ist Jetzt schon von der Wohlauerstraße aus zu sehen, da das Haus Neugebauer und der Tanzsaal nicht mehr steht, das Haus von Richard Fiege und vom Bauer Trunsch stehen noch, dann kam die Scheune von Simon, die steht nicht mehr, zu unserer Zeit war da ein kleiner Postbriefkasten angebracht, auf diesem stand Leerung nur Mittwoch um 15.00 Uhr, so schnell war damals die Post. Das Haus Broß auf der Fischergasse 7 war von der Fährstraße aus zu sehen, aber es ist wohl am Zerfallen.

Bild (11) Fährstraße Richtung Wohlauerstr.

Wo die Fährstraße zur Fährrampe führte, die es nicht mehr gibt, zeichnete sich an der Oder so eine kleine Badeidylle ab, da badeten ein paar Jugendliche. Nun weiter von der ehem. Fähre auf dem Oderdamm in Richtung Magazin, wenn man den Damm angeht, steht heute ein schönes Haus mit Blick über die Oder,

Bild (12) Neues Haus am Oderdamm

Haus von Wilhelm Bretag steht nicht mehr, auf dem Zwischenweg Oderdamm Dyhernfurther Chaussee stehen 2-3 neue Häuser, an diesem Weg war die Auffahrt zur geplanten Oderbrücke vorgesehen, die Vermessungsarbeiten waren abgeschlossen, die Pfähle waren schon geschlagen. Am Oderdamm, kurz vor der Werft, machten wir im Schatten von wild gewachsenen Sträuchern eine Sitzpause mit dem Blick über die Oder und bis zum Kuhwerder, dieser ehem. Treidelpfad wird auch von den jetzigen Bewohnern gern benutzt.
Eine gut gekleidete freundliche Frau kam vorbei, sie und auch wir versuchten ins Gespräch zu kommen, aber es scheiterte an der Verständigung, ich bekam nur soviel heraus, daß sie in Auras geboren ist und im ehem. Magazin wohnt. Wo die ehemalige Helling der Schiffswerft war, machte ich ein Bild übers Werftgelände, das Wohnhaus vom Werftbesitzer Max Wedemann steht noch, auch der Lagerschuppen, wo das Feinholz für die Werft lagerte. Die Schiffsschmiede mit anschl. Kesselhaus steht nicht mehr, auch das Maschinenhaus, wo der Kompressor stand. Wo der Schiffsbauer-Schuppen oder Halle stand, mit den großen Eisenbearbeitungsmaschinen, Walzen, Stanzen und Bohrmaschinen, davon ist nichts mehr zu sehen.

Bild (13) Werftgelände 2006

Das Bürogebäude steht noch, an diesem wurde gerade gearbeitet, vermutlich wurde das Dach neu gemacht. Von der Dyhernfurtherstraße durch die Werft geht ein öffent1icher Weg bis zur Oder, unten am Strand war ein wilder Grillplatz zu sehen. In dem Buhnenfeld der Werft lag ein polnisches Boot, konnte die Beschriftung nicht lesen.
Weiter ging es am Oderdamm, Richtung Magazin, da kam das Haus von Springbrunn, daneben steht ein neues Haus, jetzt kommt das Haus vom Studienrat Exner, ein Klinkerbau, dieses sah bis auf den Garten soweit ganz gut aus, bis auf die Leibungen der Hauseingangstür, da hat man was verändert und dabei das Sichtmauerwerk total verschmiert, danach kam der kleine Weg zur Dyhernfurtherstraße, bei Haus Springade, da empfing uns ein räudiger Hund, er kläffe ununterbrochen. Daneben stand früher ein kleines Wochenendhaus von Herrn Kabot aus Breslau, er war schwer kriegsbeschädigt und fuhr einen Hannomag (Kommisbrot) Auto, er angelte in der Oder von einem kleinen Angelboot aus, die Regenwürmer zum Angeln besorgte ich ihm, er gab mir pro Stück 2 Pfennige, nachgezählt hatte er nie, er gab mir gleich das Geld und ich freute mich. Jetzt kommt das Haus von meines Vaters freund Bruno Kunze, er betrieb ein Geschäft auf der Oder von einem Proviantboot aus und versorgte die vorbeifahrende Schiffahrt mit Proviant und Dingen des täglichen Lebens, an Land schenkte er auch manchmal Getränke aus und bekam da schon mal Ärger, denn seine Konzession war nur für das Boot bestimmt, aber es war eben für die Schiffer auch an Land ein beliebter Treffpunkt, es gab für die Schifffahrtstreibenden bei ihm immer wichtige Informationen, so eine Art kleine Schifferbörse. Sein Haus befindet sich auch heute in gutem Zustand, das kleine Türchen zum Oderufer gibt es noch, am Giebel wurde ein Fenster zugemauert, dieses war für Kunze das wichtigste Fenster, von da aus beobachtete er die vorbeifahrende Schifffahrt. Zwischen Haus Kunze und dem Magazin stand das Häuschen vom Strombauvorarbeiter Max Schmidt, dieses steht nicht mehr, dafür steht ein lang gestreckter weißer Luxusbungalow mit gepflegtem englischem Rasen und im Garten ist ein etwas größerer Swimmingpool installiere, am Oderufer befindet sich ein Bootssteige, das Boot war sicher gerade unterwegs, ein Schäferhund lief innen am Zaun längs, er war gut erzogen, er bellte uns nicht an.

Bild (14) Magazin am Oderdamm

Das alte Haus Magazin war frisch renoviert, beim Hochwasser 1997 soll nur noch das Dach aus den Fluten geschaut haben, es müssen immer noch viele Leute in diesem Haus wohnen, denn man sah ein reges ein- und raus gehen. Nebenan in Richtung Dyhernfurtheralle steht das Haus von Gerhard Weber, es war sehr grau, an der Ecke steht das Haus vom Richard Hahn,

Bild (15) Eckhaus von Richard Hahn

dieses machte einen guten Eindruck, auch der Gemüsegarten. Wir sind an der Dyhernfurtherstraße angekommen und sind in Richtung Wohlauerstraße gelaufen, rückblickend stand früher das Haus Glunde, in ganz früheren Zeiten soll es ein Zollhaus gewesen sein, es steht nicht mehr.

Bild (16) Hier stand das Glunde Haus.
Bild (17)
Heute Brachland, vordem ertragreiche Felder.

Rechte Seite nach Hahn kam der Zahnarzt Volkmer, es war früher ein sehr schönes Haus mit Garten, heute nicht mehr, danach Haus Scheer, dieses ist durch ein neues ersetzt, jetzt sind wir beim Haus „Heimat“ Wanda und Bruno Schwanke, dieses Haus sieht schlecht aus, der Garten noch schlechter, das Unkraut ungelogen mannshoch, nur der Weg zur Haustür war getrampelt. Zu Haus Schwanke hatte ich eine besondere Beziehung, als Kind war ich immer ziemlich neugierig, sobald eine Baustelle eröffnet wurde, war ich da zum zuschauen, überall jagte man mich weg, bei Schwanke seinem Haus, was der Mauermeister Erich Stolke baute war es nicht so, man rief mich auf die Baustelle und man zeigte mir, wie gemauert wird, der Ziegelstein mußte mit der Linken Hand umfasst werden, in der rechten die Maurerkelle, es war für mich sehr beeindruckend, obwohl meine Hände noch viel zu klein waren, den Ziegelstein zu umfassen. Mit Stotke Erich und Familie Schwanke war ich bis zum Tode von Erich Stolke und Bruno Schwanke befreundet und wir besuchten uns gegenseitig. Frau Wanda Schwanke lebt im Moment in einem Alten- und Pegelheim in der Lüneburger Heide, im November 1999 wurde sie 98 Jahre, sie ist leider nicht mehr ansprechbar, sobald wir in der Nähe sind, besuchen wir sie.

Das nächste Haus vom Schiffseigner Sonnabend August, dieses Haus und Garten sieht besonders schön aus. Jetzt kommt die Umfassungsmauer der Schiffwerft, im Volksmund Haase Mauer, der frühere Werftbesitzer, der die Mauer stellen ließ, hieß Haase. Die Klinkermauerpfeiler waren mit Steinkugeln verziert, diese sind alle restlos abgeschlagen, ein Stück Mauer fehlt vom Haupteingang aus in Richtung der Häuser Geilich und Billert.

Bild (18) Einfahrt zur ehem. Schiffswerft.

Am Haus vom Schiffsbauer Geilich wurde gerade das hintere Dach angehoben. Haus vom Schiffsbauer Billert machte keinen zufriedenstellenden Eindruck.

Bild (19) Doppelhaus von Billert und Geilich.

Haus Paul Langner das nächste Haus auch nicht.
Linke Seite in Richtung Wohlauerstraße der Julienhof von Franz Ceschla ist kein Landwirtschaftlicher Betrieb mehr, direkt in der Hofeinfahrt ist ein Gebäude angebaut, die Einfahrt ist daher stark eingeengt und es könnte kein Fahrzeug mehr einfahren. Jetzt das Haus von den Schiffseignern und Oma Broß machte so äußerlich keinen schlechten Eindruck, ebenso das Nachbarhaus von Albert Demny, in der Baulücke bis zu den Schiffseignern Mukrasch

Bild (20) Haus der Schiffseigner Mukrasch.

ist ein etwas größerer Neubau errichtet, der Pole machte gerade den Außenputz und es waren im Moment mehr als 30 Grad im Schatten, ob der Putz wohl halten wird.
Haus Fröscha

Bild (21) Haus der Familie Fröscha)

und vom Sägewerksbesitzer Max Titze

Bild (22) Max Titze und Bruno Schneider.

dazwischen etwas zurück die Landwirtschaft von Bruno Schneider,

Bild (23) Bauernhof Bruno Schneider.

diese Häuser gehen so wenn man bedenkt, daß 50 Jahre nichts daran gemacht wurde. An das Dampfsägewerk mit dem großen umzäunten Grundstück erinnert heute nichts mehr. Was mir besonders an der Dyhernfurther Chaussee aufgefallen ist, der schöne Fußweg zwischen zwei Lindenbaumreihen ist total zugewachsen und wird nicht mehr benutzt.
Wir kommen an die berühmte Bösang-Ecke,

Bild (24) Bösang-Ecke.

dieses Haus vom Hauptlehrer Bösang war schon immer und bis heute ein schönes Haus. Wir liefen wieder in Richtung Innenstadt. Die Landwirtschaft von Reinsberg, da stehen beide Scheunen nicht mehr, wo der Garten zu Bösang hin war, stand ein Rohbau mit erhöhtem Erdgeschoß, scheinbar ist das Hochwasser immer noch in schlechter Erinnerung.
Jetzt das kleine Häuschen vom Schiffsbauer Hermann Müller, als Spitzname Samtbottel, damit man die Müllers unterscheiden kann, daher überall ein Spitzname, dieser Müller soll mit Vor1iebe Samtmanchester getragen haben, das Häuschen war frisch verputzt, auch der Zaun, wie früher in Ordnung.
Die Stellmacherwerkstatt von Richard Müller, sein Name über dem Eingang zur Werkstatt war noch schwach zu erkennen.

Bild (25) Werkstatt von Richard Müller.

Jetzt hatten wir eine Pause nötig und gingen wie schon angekündigt in die Lindenstraße zum Gasthaus, beim ehemals Tischlermeister Wende. Wir Männer tranken ein Bier und die Damen je eine Limonade, die Dame hinter der Theke war sehr freundlich, auch machte altes einen sauberen Eindruck.
Der erste Tag in Auras nach über 55 Jahren in der Stadt meiner Kindheit an der Oder ging zu Ende und wir gingen zum dem Treffpunkt, wo uns die Tochter der Wirtsleute abholen sollte, an der Bösang-Ecke.
Da es wie schon gesagt sehr heiß an diesem Tage war, stellten wir uns in den Schatten vom Haus Bösang, eine junge Bewohnerin des Hauses bemerkte es, sie rief uns, wir möchten doch im schattigen Vorgarten Platz nehmen, sie brachte uns gleich eine Flasche Mineralwasser und Eiswürfel dazu, wir freuten uns natürlich sehr über diese Freundlichkeit, daran läßt sich deutlich erkennen, daß sich die zwischenmenschlichen Beziehungen verbessert haben und werde dieses bestimmt nicht vergessen.

Wir freuen uns heute schon auf den nächsten Besuch in Auras.

 

 

Am Mittwoch, den 21. Juli 1999

Ging es in unsere Landeshauptstadt Breslau per Eisenbahn. Als der Zug, der inzwischen auch elektrisch betrieben wird in Obernigk ankam, war dieser sehr stark besetzt, die Gänge standen voller Fahrgäste, nach einiger Zeit bekamen wir einen Platz in verschiedenen Abteilen, eine junge Frau bemühte sich für uns, aus dem Fenster zu schauen war leider nicht möglich. In Gedanken registrierte ich die einzelnen Stationen bis Breslau, als wir uns Breslau-Osswitz näherten, konnte ich dies am Geruch spüren, es duftete so wie früher nach den Rieselfeldern.
Bald kam Breslau Hauptbahnhof, der Zug endete auch hier, es kam mir alles wie gestern vor, nur die Beschriftungen ließen erkennen, daß hier andere Menschen wohnen. Vor dem Bahnhof wurde kräftig gebaut und wir mußten über Stock und Steine laufen, bald erreichten wir die Gartenstraße und die Schweidnitzerstraße , dann bis zum Rathaus,

Bild (26) Schweidnitzer Keller. (fehlt noch)

dieses war im Moment ein gerüstet; am Ring angekommen bewunderten wir die restaurieren Hausfassaden. Am Ring Nr.4 kehrten wir ein und erfrischten uns, wir hatten kaum den Platz eingenommen, da kamen auch schon Bettler und zeigten uns ein beschriftetes Blatt, danach gleich Zigeuner, einige Gäste fühlten sich belästigt und wir auch und gingen bald in Richtung Elisabethen-Kirche zur Oderstraße, an dem kleinsten und ältesten Haus von Breslau vorbei, konnte mich noch gut an dieses Häuschen erinnern. Die Inschriften an der Außenfassade der Kirche waren alle in polnischer Sprache, als wir die Oderstraße durch gingen, auf der rechten Seite war früher eine Schifferkneipe, ich meine Berger hieß der Gastwirt, mein Vater machte da auch Station, da wurde nicht nur getrunken man traf sich dort und fachsimpelte, auch legale oder vielleicht auch illegale Geschäfte wurden da gemacht, man sagte auch Schifferbörse zu diesem Lokal. Bald erreichten wir die Oder und gingen diese stromaufwärts bis zur Kleinmarkthalle, dort kauften wir uns etwas Obst und gingen ans Oderufer zurück und setzten uns auf eine Bank. Ein Personenschiffer schrie Rundfahrten aus, wir konnten aus Zeitmangel nicht mitfahren, was wir ja gern gemacht hätten. Nun machten wir uns langsam auf den Rückweg Richtung Hauptbahnhof, bevor wir die Ohlauerstraße überquerten standen wir vor einer riesigen Baugrube, es stand auch dran, was gebaut wird , leider konnten wir es nicht lesen auch nicht ahnen. Es ging weiter die Taschenstraße bis zur Liebichsöhe,

Bild (27) Alte Postkarte Liebichsöhe.

da kehrten wir ein, wir Männer ein Bier, was einfach war aber die Frauen eine Limo und Eis, dieses verstand die Bedienung am Kiosk nicht, sie wollte uns eine 2 Liter Flasche verkaufen, bis sich eine junge Frau mit ihrem Freund hilfsbereit einmischte, die haben verstanden was wir wollten, dann ging alles ruckzuck. Bald erreichten wir den Hauptbahnhof, weil wir noch Zeit hatten setzten wir uns in einen Kaffeegarten vor dem Hauptbahnhof und tranken Kaffee mit Kuchen, Kaffee ist in Polen teuer für die dort lebenden Menschen.
Gegen 17.00 Uhr stiegen wie wieder in den Zug nach Obernigk, der noch bis Rawitsch weiter fuhr, es war ein Triebwagenzug, nicht so voll besetzt, da bekam ich einen Fensterplatz und kam auf meine Kosten, war natürlich sehr gespannt auf die Oder. Nach 2 Stationen erreichten wir die Posener Eisenbahnbrücke, die ja sehr lang ist. Am Brückenkopf in Pöpelwitz unterhalb in Richtung Hafen der Schlesischen Dampfer-Companie, da stand früher eine Schiffskneipe, davon war nichts mehr zu sehen. Weiter unterhalb waren früher die Kohlenkippen, wo die großen Oderdampfer die Breslau-Stettin gefahren sind ihre Kohlen fassten, heute erinnert nichts mehr daran. Schaute auch gleich wieder stromaufwärts in Richtung Stadthafen und in den unteren Vorkanal der Schleuse Rosenthal, ein Schiff war nicht zu sehen.
In Höhe der Stadthafeneinfahrt kam ein geladener Schubverband zu Tal. Bald erreichten wir den Liegehafen Breslau-Osswitz, früher auch Winter- und Schutzhafen, dieser Hafen lag voller Schiffe, getrennt nach Gütermotorschiffe, Tankmotorschiffe, Motorschuber und Schuleichter. Als wir Weidenhof passieerten, glaubte ich in Leipe-Petersdorf das Haus von Richard Klein erkannt zu haben, Klein stammte von Auras-Rake, da er in Breslau beim Oderbau arbeitete baute er in der Nähe seines Arbeitsplatzes, er war ein Schulkamerad meines Vaters. Wenn wir mit dem Fahrrad Breslau-Auras unterwegs waren hielten wir da schon mal an, die zwei Töchter Klein Eva und Gisela gingen die ersten Jahre auch in Auras zur Schule, die Tochter Gisela soll schon als junges Mädchen verstorben sein. Jetzt kam die uns allen bekannte Bahnstation, die Station Auras-Hennigsdorf stand nur noch der jetzige Name für Hennigsdorf dran. Die Bahnstation hat für Auras keine Bedeutung mehr, die Straße von Auras nach Hennigsdorf ist ab dem Abzweig Liebenau Richtung Hennigsdorf gesperrt.
In Obernigk wurden wir von den Wirtsleuten am Bahnhof abgeholt.

 

 

Am Donnerstag, den 22.7.1999

Wieder ein anstrengender Tag. Wir fuhren mit dem PKW von Willi Krause zum Geburtsort meiner Frau Erika nach Preußenfeld, Kreis Militsch. Die Fahrt ging über Prausnitz, Trachenberg, Militsch, Gonckowitz und Preußenfeld. Das Elternhaus von Erika ist in einem guten Zustand, mit den neuen Besitzern konnten wir nicht sprechen, mit einer anderen Familie kamen wir ins Gespräch, die Verständigung klappte nicht. Die Rückfahrt von Preußenfeld nach Obernigk ging über Schleichwege nach Militsch zwischen den Seen durch, einige Gleise von der Kleinbahn Gonckowitz, Militsch konnte man noch liegen sehen. Diesen Schleichweg fuhr früher meine Frau mit dem Fahrrad nach Militsch. Danach erreichten wir Trebnitz, wo wir die Wallfahrtskirche besichtigten, bald erreichten wir wieder Obernikg, dort kehrten wir in einem Eiskaffee ein, wo die Tochter von den Wirtsleuten als Ferienjob servierte.

Am Freitag, den 23.07.1999

noch einmal nach Auras mit dem PKW, Willi fuhr über Hennigsdorf nach Hasenau, Kottwitz bis Raake. Dort fuhren wir durchs Dorf bis zum Dominium, da steht nicht mehr viel, fast alles kaputt und der Rest zerfällt, eine Kuh haben wir gerade mal gesehen, wo früher hunderte waren. An der Hauptstraße Kottwitz Auras hielten wir bei früher Sobek an. wir machten Bilder vom Haus, die neue Besitzerin bemerkte dieses und kam zu uns auf die Straße, sie zeigte uns ihre Bilder vom Hochwasser, das Wasser stand bis 20 cm Unterkante der Fenster im Erdgeschoß, sie merkte, daß unser Auto das Kennzeichen xyz hat und fragte uns gleich, ob wir von dort kommen, denn da wohnen heute die Familie Sobek, sie ließ Familie Sobek durch uns grüßen, wir sollten ins Haus rein kommen, aber wir hatten noch viel vor und wenig Zeit.
Jetzt fahren wir Richtung Auras an der Gastwirtschaft zur Krone vorbei, zwischen Raake und der Gastwirtschaft plagte sich früher der Maurer Hoffmann Fritz und baute sein Häuschen selbst, ich glaube er ist noch nicht richtig damit fertig geworden, aber zu sehen von diesem Häuschen war nichts mehr. Die Gastwirtschaft zur Krone sieht richtig krank aus und es erinnert nichts mehr an dieses Lokal. An der rechten Seite Richtung Innenstadt bis zum Graben stehen die kleinen Siedlungshäuschen von den Familien Jerate, Koschnike, Schmidt, (Spitzname Schnarcher) und Föniger, die richtige Reihenfolge weiß ich nicht mehr, die Häuser bis auf Föniger sehen schlecht aus, Haus Föniger wurde gerade vergrößert, linke Seite bis zum Graben Haus Weidner sieht auch nicht gut aus, Haus Weinhotd sah etwas besser aus, weiter rechte Seite Haus (Eier) Schmidt, Brunnenbauer Gerhard Busch, dann das Haus vom Schwerkriegsbeschädigten Kammer, obwohl er keine Beine mehr hatte bastelte er mit Vorliebe holländische Windmühlen, in seinem Vorgarten drehte sich früher alles, aber er war kein Hauch mehr davon zu sehen.
Jetzt kommt der Kunzendorferweg an der Ecke steht das Haus vom Tischlermeister Fritz Kipke, von diesem Haus machte ich ein Foto und schicke es seiner Tochter, das Haus macht keinen schlechten Eindruck. Die weiteren Häuser Kranz, Henschel Alois, Dominik und Tischlermeister Böse, danach das berühmte Stinkebrückel, wo es nicht mehr riecht so wie früher, damals liefen die Abwässer von der Kartoffelflockenfabrik in Richtung Oder, wer sich an den Geruch von verfaulten Kartoffeln erinnern kann, weiß wie es gestunken haben muß, die Flockenfabrik gibt es nicht mehr.

Am Ring hielten wir nach einmal an und setzten uns auf diese wackelige Bank, die da steht, wo früher das Telefonhäuschen stand.

Bild (28) Rathaus mit Telefonhäuschen.
Bild (29) Ehemaliges Rathaus jetzt.

Wir versetzten uns mit den Gedanken über 55 Jahre zurück, wo früher die Häuser die Gaststätten und Geschäfte standen. Wo der Gimmel Fleischer seinen Laden hatte steht ein wilder Apfelbaum, an dem auch Früchte hingen. Weiter Richtung Riemberg Wohlauerstraße an der Sandgrube vorbei, die auch noch existiert, rechts das Haus Rodewald, daneben Haus Novak mit dem Transformatorenhaus, ein Haus weiter kam das Haus vom Schiffsbauer Otto John, in diesem Haus verlebte ich einen Teil meiner Kindheit.

Familie John war eine sehr kinderfreundliche Familie. Mit den neuen Bewohnern kamen wir auch ins Gespräch, sie waren auch sehr freundlich und stellten uns die Familie vor. Zwischen John und Novak auf dem Schipke Acker später (Erich Simon) ist eine Baugrube ausgehoben gewesen.
Gegenüber vom Haus Otto John ist eine neue Schule mit EU-Mitteln gebaut worden, die Kinder von Auras, Riemberg und Liebenau sollen in dieser Schule unterrichtet werden, ein Pole zeigte uns von innen die Schulräume und auch nebenan das neue Feuerwehrgerätehaus.

Bild (30) Neue Schule von Auras
Bild (31) Neue Feuerwehr

Für Auras wäre ich im Moment mit meinem Bericht am Ende. Alles konnten wir leider nicht besichtigen, einige Außenbezirke stehen auf dem Programm, sollten wir noch einmal nach Auras kommen.
Jetzt ging es weiter über die Dyhernfurtherchaussee.

Bild (32) Dyhernfurtherchaussee in Richtung Stadt 2006

nach Reichwald und Althof zwischen Auras und Reichwald. Auf dem ehemaligen Feldweg machten wir eine Pause und haben den Kuchen gegessen, welchen wir in der früheren Bäckerei Brauer gekauft hatten.
In Dyhemfurth hielten wir an der Oderfähre

Bild (33) Die Oderfähre in Dyhemfurth

an und sahen ein Gütermotorschiff zu Berg fahren. Die Zufahrt zur Fähre und die Fährrampe machten einen jämmerlichen Eindruck auf uns, mit dem Auto wollte ich da nicht zur Fähre auffahren. Der Fährbetrieb war alles bloß nicht fortschrittlich, aus dem stauen Wasser und ins staue Wasser wurde mit Hand am Querdraht gezogen, man fühlte sich 100 Jahre zurückversetzt.

 

Am Sonnabend, den 24.07.1999

spazierten wir am Vormittag in Obernigk herum, die ehem. Konservenfabrik ist eine Schokoladenfabrik, da eben kein Gemüse in Liebenau und Sorgau angebaut wird, die ehem. Gemüsefelder, die auch damals eine Berieselungsanlage hatten, liegen alle brach, auch in Auras, fast alles rundherum Brachland. Am Nachmittag noch einmal Jäkel und besuchten dabei zu Abschied Familie R., am Abend ging es bald ins Bett, da wir am Sonntag ausgeruht die Heimreise antreten wollten.

 

Am Sonntag, den 25.07.1999

ging es wieder in unsere neue Heimat Bad Vilbel. Die Fahrt ging über Riemberg, Dyhernfuth, Leubus, Grünberg, Görlitz und da auf die Autobahn, um 19.00 Uhr lieferte uns Willi Krause an unserer Haustür wieder ab.
Nun bin ich am Ende meines Berichtes und möchte mich an dieser Stelle bei unseren Freunden Ilse und Willi Krause sehr herzlich bedanken, ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, mit meiner kranken Frau diese Reise zu machen. Sollte mir es noch einmal gelingen nach Auras zu kommen, werde ich von dem noch nicht erfaßten Teil der Außenbezirke weiter berichten.

Werner Bunke
im März 2000

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