Reise 2000 - W. Bunke

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Zweite Reise nach Schlesien vom 20.08. bis 27.08.2000

nach Auras und den umliegenden Orten im  Kr. Wohlau, Niederschlesien.
Wie in meinem ersten Bericht 1999 angekündigt, eine Weiterführung.

Am Sonntag, den 20.08.2000,

um 06:00 Uhr ging die Reise ab Bad Vilbel los.
Beim Einsteigen ins Auto regnete es leicht, da in der Nacht ein Gewitter in unserer
Gegend herrschte.
Wie auch im Vorjahr war Willi Krause aus JäkeI der Chauffeur.

In diesem Jahr ging die Reise über die A4 Richtung Würzburg, wo wir vorher auf die
Bundesstraße 26 in Richtung Lohr - Schweinfurt abbogen. Danach wieder auf die
Autobahn Hof, Plauen, Chemnitz. Im Vogtland machten wir die erste größere Rast.
Die Rastplätze waren alle recht voll, und wir hatten Probleme, einen Parkplatz zu
bekommen, da in verschiedenen neuen Bundesländern an diesem Wochenende die
Schulferien endeten.
Gegen 13:00 Uhr erreichten wir die Grenzstation Görlitz. Die Abfertigung ging zügig
und reibungslos, wir brauchten nicht mal die Pässe vorzuzeigen. Sicher sahen wir
wohl vertrauenswürdig aus.
Auf schlesischem Boden wieder eine größere Rast und Tanken. In diesem Jahr
kostete der Diesel umgerechnet 1,30 DM (mehr als 1999, da zah1ten wir 0,90 DM).
Es ging weiter nach Bunzlau zur Autobahn Richtung Breslau. In Liegnitz fuhren wir
ab, über Liegnitz in Richtung Parchwitz, kurz vor Prachwitz rechts ab in Richtung
Neumarkt bis zum Abzweig Leubus. Dort über die Oderbrücke, links vor uns das
Kloster Leubus, ein Schiff auf der Oder war nicht zu sehen.
In Groß-Pogel hielten wir an und wollten Familie Hoffmann-Gimmel besuchen, die zu
diesem Zeitpunkt bei ihrer Cousine Frau Edith Bocian zu Besuch war. Als wir den
Weg zum Haus der Cousine einbogen, kam uns ein deutsches Auto entgegen, die
Freude war in diesem Moment groß, wir trafen uns mitten auf der Straße, die
Familien Hoffmann Marianne und Jochen sowie Familie Hubert Gimmel und Cousine
Edith. Nach freudiger Begrüßung mussten wir bald unsere Fahrt nach Obernigk
fortsetzen, es ging über Dyhernfurth, Kranz, an Tannwald und Reichwald vorbei nach
Auras. In der Ferne sahen wir schon bald die Umrisse der Häuser von Auras, links
und rechts der Straße nur Brachland, was zum Teil schon versteppt ist.
An der Dyhernfurtherstraße hielten wir an und sprachen mit einer deutschen
Familie die im Haus von ehem. Springbron wohnt, daneben das Haus von
Studienrat Exner.
In langsamer Fahrt durch Auras in Richtung Hennigsdorf, welches heute
Pegow heißt, bis zum Abzweig nach Liebenau. Hier bogen wir nach Liebenau ein, das
Trafohäuschen an der Ecke steht nicht mehr. Bis Liebenau hatten wir dann freie
Sicht, die Felder waren auch kaum bestellt, ein größeres Feld war abgeerntet, es
muss Getreide angebaut gewesen sein.
In Liebenau kamen wir bei der ehem. Fleischerei und Gastwirtschaft Lerche herein,
linke Seite noch vor dem Graben und Feuerwehrhäuschen steht heute ein Kiosk, der
auch am Sonntag geöffnet hatte. Über die Brücke die Gastwirtschaft Lobemeier,
dort wird vermutlich wieder ausgeschenkt, man sah es an den Reklameschildern. Wir
fuhren rechts ab, eine asphaltierte Straße nach Sorgau und Zechelwitz, und nach
Obernigk. Das Wetter war bis dahin soweit sehr schön.
In Obernigk angekommen, wartete schon Familie Bielska auf unser Erscheinen und
war voll darauf vorbereitet. So haben wir im Garten gleich Platz genommen, es gab
Gegrilltes und einige Sorten Salate.
Wie auch im Vorjahr waren wir bald in den Betten verschwunden, denn es
erwarteten uns wieder anstrengende Tage.

Montag, 21.08.2000 

ging es nach Riemberg zum Warteberg, der heute so etwas
wie ein Alters- und Pflegeheim ist, dann nach Jäkel in den Heimatort von Willi
Krause. Hier machten wir einen kurzen Besuch bei Familie Remian, dem
deutschsprechenden Bauer, seine Mutter stammt aus Haasenau. 

Dienstag, 22.08.2000, 

dieses Mal mit dem eigenen Auto nach Auras, welches wir
sicher bei der deutschen Familie an der Dyhernfurtherstraße abstellten und zu Fuß
Auras durchwanderten. Wir gingen Richtung Bösang-Ecke, unterwegs besichtigten
wir die Häuser Schiffswerft Wedemann, das Wohnhaus und ehem. Bürogebäude,
dann die Häuser Mukrasch, Fröscher und die Landwirtschaft von Bruno Schneider
(ein ehem. Original von Auras). Seine Scheune steht nicht mehr, an dieser Stelle
wurde ein neues Wohnhaus errichtet. Die Doppelhäuser Billert, welche etwas
heruntergekommen aussehen, nebenan Schiffbauer Geilich, das Haus wurde 1999
umgebaut und angehoben, was soweit abgeschlossen erschien.
Beim Haus Sägewerker Max Titze konnten weiter keine Veränderungen festgestellt
werden, bis auf ein Fenster an der Straßenfront. Beim Hans Langner wurde gerade
vor dem Haus eine Veranda angebaut. Bis zur Bösang-Ecke wurden auf dieser
Straßenseite zwei neue Häuser errichtet und stehen etwas weiter von der Straße
zurück. Danach gingen wir links in die Wohlauer Straße an der ehem. Sandgrube
vorbei bis zur Trafostation Novak und bogen rechts in den Weg ein Richtung
Liebenau und ehem. Schäferei von Leo Calkosz. Ich ging noch einmal schnell zum
Haus Schiffbauer Otto John und habe diesen neuen Bewohnern die Bilder
abgegeben, welche wir im Jahr 1999 bei ihnen machten. Die jungen Leute waren
nicht zu Hause, nur die Oma, Frau Pieske, mit dem kleinen Kläffer (Hund).

Nebenan bei John auf dem Schipke-Simon Acker, wo 1999 eine Baugrube
ausgehoben war, stand ein neues Haus. Der Besitzer zeigte sich und war recht stolz.
Jetzt weiter den eingeschlagenen Weg bis zum  Graben, standen an der linken Seite
zwei Häuser, beim ersten ist nur der Keller fertig und die Umfassungswände. Im
Erdgeschoss auf der Kellerdecke stand das Unkraut 0,50 m hoch, die noch übrigen
Steine, die seitlich lagerten, waren nicht abgedeckt, auch nicht die Wände, es sah
alles so aus, als ob etwas Unvorhergesehenes passiert sei. Gegenüber stand auch ein
Neubau, noch unverputzt, aber bewohnt. Das ehem. Wochenendhaus von Herrn
Kapping aus Breslau stand nicht mehr, da steht heute ein größeres gemauertes Haus.
Im Krieg wohnte in diesem Wochenendhaus eine Familie Beisert. Sie kam aus
Lemberg, als Flüchtlinge nach Auras.
Sie waren Volksdeutsche in Polen. Herr Beisert arbeitete in der Schloßmühle bei der
Firma Kant. An den Gräben hat sich Einiges verändert, es gab keine Schleusen mehr
und Stauwehre, da der ehemalige Mühlteich zugewachsen ist und als Vorfluter keine
Bedeutung mehr hat.
An den Gräben wurde im Moment gearbeitet, die Bachläufe waren sehr ordentlich,
überstehende Bäume und Äste wurden gerade abgesägt. Für den Vogelschutz war es
aber nicht der richtige Zeitpunkt.
Wir liefen dann Richtung Friedhof zu den Häusern Klausnitz, Kaduwa Ida, Morchner
und Klausnit. Dieses Haus wurde gerade verschönert, weil im September 2000 eine
Hochzeit sein soll. Alfons Klausnitz, ein Sohn des früheren Besitzers, und dessen
Lebensgefährtin waren zu dieser Hochzeit eingeladen. Inzwischen ist die Hochzeit
gewesen, der Bräutigam wohnt im Haus vom Schiffbauer Otto John, gefeiert wurde
im neuen Feuerwehrgerätehaus, welches neben der neuen Schule gegenüber Haus
John steht.
Das Häuschen von Frau Anna Kranz war nicht mehr zu erkennen, es ist total
umgebaut. Gegenüber bei Morchner wohnte Herbert Grabasch mit seiner Familie.
Dieses Haus wurde im Moment renoviert. Am Liebenauer Weg angekommen, gingen
wir bis Liebenau, dazwischen noch die Häuser Fritz Stenzel und Oma Kitschke,
dieses war verändert.
Bis Liebenau ist heute eine geschotterte Straße, und über den Graben ist eine neue
Brücke aus Beton gebaut. Man kann auch mit dem Auto nach Liebenau fahren, die
Straße führt auf der rechten Bachseite nach Liebenau, kurz vor Liebenau führt
wieder eine Holzbrücke über den Graben und kommt auf die schon bestandene
Straße. Wie auch hier sind die Felder kaum angebaut, vor Liebenau drehten wir um
und gingen zurück nach Auras, an der Betonbrücke angekommen, gingen wir schräg
über einen getrampelten Pfad zum Kunzendorfer Weg. Das erste Haus links vom
Schiffseigner Adolf Gottschalk, es ist bewohnt, aber in sehr schlechtem Zustand.
Bis zum Weg, der quer zum Friedhof führt, sind auch einige Häuser neu gebaut, auch
eine etwas größere Tischlerei.
Dann gingen wir durch den Friedhof, an den noch bestehenden deutschen Gräbern
vom kath. Pfarrer Martin Scholl und Ordensschwester Maria vorbei, wo wir die
Namen an den Denksteinen mit etwas Kreide nachgezogen haben, um bessere Bilder
machen zu können.
An dem  Gruftgebäude ist eine Trauerhalle davor gebaut, diese war noch im Rohbau.
Weiter dann hinter dem ehem. Dominium vorbei bis zur Mühlstraße, an der Ecke das
Haus von Schiemann, daneben Haus Schiller. Das Haus vom Bauer
Grzembke-Baumhauer ist zusammengefallen. Haus Bauer Fronske ist neu gebaut,
Haus Henschel, was ein Klinkerhaus ist, steht kaum verändert. Der Sohn Rudi,
Jahrgang1928, soll jung gestorben sein im Fichtelgebirge, dieses möchte ich noch
mit einbinden. Wir drehten um und zurück zur Lindenstraße und weiter Richtung
Scheunenberg, aber vorher noch durchs  Jerate-Gässchen, an der Ecke zur
Lindenstraße das Haus vom Schiffbauer Robert Gabler. An diesem ist die Hälfte
eingestürzt zum Haus Tischlermeister Wende hin, aber das Haus Gabler ist
trotz dem noch bewohnt. Als wir vorbei gingen, kam ein Kind mit einem Roller aus
dem Grundstück raus. Das Haus vom Jerate August-Neumann machte einen
jämmerlichen Eindruck, danach erreichten wir die Auerstaße und liefen in Richtung
Poststraße, wo wir die Gaststätte, welche in der Tischlerwerkstatt Wende
eingerichtet ist, aufsuchten. Die Gaststätte war inzwischen von1999 bis 2000 neu
renoviert und eingerichtet worden. Die Bedienung war wie im Vorjahr sehr
freundlich und sauber gekleidet. Danach über den Scheunenberg, wo zu früheren
Zeiten Karussell, Schiffschaukel und Schießbuden bei besonderen Anlässen
aufgebaut waren. Der Scheunenberg war als solcher nicht mehr zu erkennen, einige
Scheunen stehen noch, sind aber anderer Nutzung zugeführt.
An der Freifläche war ein Kleingarten angelegt. Das Gemüse stand recht gut.
Tomaten waren sehr reichlich, schon überreif, der Garten machte den Eindruck, als
ob der Kleingärtner nicht zu Hause war.
Jetzt kommen wir zum Wohnhaus vom Schiffbauer Otto Storch, dieses einst so
schöne Haus machte einen katastrophalen Eindruck, wenn Frau Storch heute das
Haus in diesem Zustand sehen würde, hätte sie einen Nervenzusammenbruch
bekommen. Bei ihr durfte seinerzeit ein Mieter nicht mal laut husten. Vom Haus
Storch wieder zur Wohlauerstraße, wo der Feuerwehrturm stand, der aus Holz war.
Auch dieser war nicht mehr da. Auf der Schneiderbrücke, dem früheren
Jugendtreffpunkt, machten wir ein Bild (meinem Vater war diese Brücke ein Dorn im
Auge - er konnte nicht sehen, wie hier nutzlos herumgestanden wurde).
Von da ab rechts in die Gärtnergasse durch bis in die Mühlstraße bis zur
Wassermühle und wieder zurück in die Gärtnergasse, in die Straße meiner  Jugend.
An allen Häusern blieben wir stehen und waren in Gedanken 60 Jahre zurück bei
unseren Landsleuten, die da wohnten.

Jetzt überquerten wir die Wohlauerstraße in die Fischergasse. Links das Haus von
Adolf Geilich, der auch alles in Auras war -  Bauer, Kohlenhändler, Ladengeschäft
auch mit Backwaren, welche sein Sohn Herbert machte - und er war auch der
letzte Bürgermeister von Auras, bevor die Russen kamen ist er gestorben. Sein
Haus war zum Teil sehr schön mit reichlicher Holzverzierung.
1999 stand von diesem Haus noch ein Teil da, 2000 war alles zusammengebrochen.

Wir schlängelten uns durch die Fischergasse weiter bis zur Fährstraße, an den
Häusern Adolf Kipke im Hintergrund das Haus vom Schiffseigner Geilich, auf der
rechten Seite Bauer Schärich, links Bauer Hampel, den letzten Ortsbauernführer,
dazwischen noch die Häuser der Schiffseigner Nagel und Marofke, dann kamen die
zwei roten Klinkerhäuser. Das Hochwasser 1997 stand 2 Meter in den Häusern.
Wem diese Häuser gehören weiß ich nicht mehr so genau. Gegenüber das Haus vom
Maurer und Landwirt Josef Schwanke, dieses Haus macht einen sehr gepflegten
Eindruck, viele Blumen im Vorgarten, danach weiter am Oderdamm. Der ehemalige
gute Weg wurde immer schlechter bis zum Haus von Oma Broß, dieses Haus ist
zusammengefallen, es hat dem Oderhochwasser nicht Stand gehalten.
Weiter durch die Fährstraße Richtung Wohlauerstraße. Wo die Scheune von Oma
Broß stand, wurde gerade ein neues Wohnhaus errichtet. Es wurden reichlich alte
Ziegelsteine vermauert, man konnte es deutlich sehen. Wie schon im Vorjahr
berichtet, sind die Häuser in gutem Zustand, bei meinem 0nkel Wilhelm Bunke
wurde das Wohnhaus verlängert und ist inzwischen fertig. Leute haben wir auf dem
Hof oder am Haus nicht bemerkt, auch1999 nicht. Wieder in die Wohlauerstraße
zurück zur Dythernfurtherstraße zum Auto, welches wir bei Familie Sdzuy abgestellt
hatten, und der erste Tag dieser Reise war in Auras beendet. Wir fuhren nach
Obernigk in unser Quartier, über Liebenau, Sorgau und  Zechelwitz.

Am Mittwoch, den 23.08.2000,

ging es mit dem Auto nach Kunzendorf,
Hennigsdorf und Auras. Die Straße war wieder befahrbar, nach der Bahnschranke
in Richtung Auras sind einige neue Häuser gebaut worden. Die zwei Berge, wo man
mit dem Fahrrad absteigen musste, sind entschärft.
Zwischen dem Ort Raake und Hennigsdorfer-Försterhaus, wo früher Kulturweiden
angebaut wurden, steht heute ein wild gewachsener Wald mit dicken Bäumen. Es
ging weiter durch Raake bis zum Oderdamm und wieder zurück nach Auras bis zum
Friedhof, da vorbei nach Liebenau, die neue Straße ist befestigt ab der Kreuzung
Liebenauer Straße in Richtung Sorgau, Obernigk. Jetzt beginnt ein Horrortrip,
Willi bog an der Schule ein Richtung Jäkel in den Wald, er wollte den Waldweg bis
Jäkel und Walke fahren am Unkenbrunnen vorbei, bis zu diesem Weg sind wir durch
Dick und Dünn gefahren, ein gewagtes Unternehmen, aber auf dem Weg Jäkel Walke
mussten wir diese Idee, nach Walke zu fahren, aufgeben. Dieser Weg wäre vielleicht
mit einem Kettenfahrzeug zu befahren gewesen, an der Waldwegekreuzung Jäkel,
Riemberg, Auras stand noch der Wegweiserstein aus deutscher Zeit.
Jetzt wollte uns Willi seinen Schulweg von Jäkel nach Riemberg zeigen, der schräg
durch den Wald führte. Da kamen wir mit dem PKW auch nicht durch und mussten
auf halbem Wege umdrehen, dieses Waldstück sah nicht gerade sehr gepflegt aus.
In Jäkel werden im Moment einige Häuser gebaut, die BauabfäIle, ob Steine oder
Plastik, werde alle im Wald abgeladen, sogar Autobatterien lagen herum. Das Wort
Umweltschutz hat dort noch keinen Einzug gehalten.
Danach fuhren wir die Hauptstraße über Riemberg am ehem. Ort Hauffen vorbei, wo
kein Haus mehr zu sehen ist. In Walke hielten wir an und parkten unser Auto
zwischen den Häuser Schuch und Göpart ab, das Grundstück vom Bauer Schuch ist
sehr gepflegt von vorn bis hinten. Willi und ich liefen am Grundstück längs bis zum
Birkenweg, die Felder liegen wie fast überall brach  und sind mit Schafgarbe
überwuchert. Als Wlli und ich ans Auto zurück kamen, kam gerade vermutlich der
neue Besitzer von dem gepflegten Grundstück mit einem gelben Fiat, er grüßte sehr
freundlich zu uns, da wir gerade am Abfahren waren, hielten wir nicht mehr an, was
ich heute als einen Fehler betrachte. Das Haus vom Bauer Max Fundner war
postgelb angestrichen, an dem Dachsims waren Figuren angebracht, man konnte fast
annehmen, wir befinden uns in Italien. Von Walke aus im Schritttempo nach Auras,
an der neuen Schule und Haus Otto John vorbei zum ehem. Bäcker Brauer.
Im Jahre 1999 kauften wir uns Kuchen, aber in diesem Jahr war dieser ausverkauft,
so mussten wir uns mit Plätzchen aus eigener Herstellung zufrieden geben.
Um die Brotzeit einzulegen, fuhren wir mit dem Auto Richtung Schützenplatz, dem
Weg zum Schloßdamm, wo die Gerberei Lehmann seinen Lohehaufen hatte und die
großen Pappeln standen. Wir stellten das Auto am Damm ab. Da wo wir früher als
Kinder im Winter Schlitten fuhren, stand eine Sitzbank mit Blick zur Oder über den
ehem. Schießstand.
Auf der Oder am rechten Ufer an der Familienbuhne, wo die große dicke Eiche
stand, ich erinnere mich, in diese Eiche schlug der Blitz ein, und die Eiche war total
von der Rinde befreit, es muss ein Naturwunder gewesen sein. Die Leute strömten
damals an die Oder, um sich dies anzusehen. Wir hatten von Gewitter immer Angst
als Kinder.
An dieser Stelle arbeitete ein Eimerkettenflußbagger, das Material, was er raus
baggerte, wurde sortiert, in eine längsseitig liegende Motorschute verladen, man
hätte rüber laufen können, aber das Gestrüpp war sehr hoch, es gab einen
Trampelpfad zum Bagger, aber wir hatten nicht die richtige Kleidung an, um durch
ein so hohes Gestrüpp zu laufen.
An der Sitzbank kam ein polnischer Bauer mit einem Pferd und Wagen aus Richtung
Schloß vorbei, er hielt bei uns an und grüßte uns freundlich und wollte sicher ein
Gespräch mit uns machen. Aber außer lächeln und ein paar Handzeichen war nicht
mehr drin. Ich möchte noch bemerken, Gespann, Wagen und Kutscher machten einen
sehr gepflegten Eindruck auf uns. So langsam ging auch dieser Tag dem Ende zu,
und wir mussten wieder ins Quartier nach Obernigk in Richtung Hennigsdof, wieder
über Liebenau.

Am Donnerstag,  den 24.08.2000,

ging es mit der Eisenbahn nach Breslau. Die
Tochter Monika von unseren Quartierleuten begleitete uns, da wir uns Einiges
ansehen wollten und mit der Straßenbahn fahren, was für uns Fremde in der alten
Heimat nicht so einfach ist, jede Fahrt muss einzeln gelöst werden. Ein
Touristenticket kennt man dort nicht, bei jeder Fahrt wurde auch kontrolliert.
Wir besichtigten die Jahrhunderthalle. Zur Halle selbst, warum diese gebaut wurde,
möchte ich nicht berichten, denn jeder Schlesier kennt die Geschichte.
Vor ca. 60 Jahren war ich zum letzten Mal in dieser Halle gewesen, heute sah ich
das Bauwerk mit anderen Augen, da ich vom Bau inzwischen Erfahrungen sammeln
konnte. Vor der Halle stand heute ein riesiger Stahlmast, die Beschreibung konnte
ich nicht lesen, nach dem wir in der Halle die Erklärungen in Deutsch gelesen hatten,
die so lautete: dieses Bauwerk wurde zur Erinnerung an die Rückkehr Schlesiens an
Polen und Beendigung der deutschen Vorherrschaft an das Jahr 1948 gebaut.
Von da fuhren wir mit der Straßenbahn zum Königsplatz und wollten zur Berliner
Straße, wo meine Frau mit ihren Eltern wohnte. Wir stiegen am Königsplatz aus,
dieser ist für Fußgänger untertunnelt, in der Ebene sind kleine Geschäfte.

Wir liefen am Stadtgraben bis zum Freiburger Bahnhof. Da waren Fenster und
Türen mit Brettern vernagelt, es sollten da keine Züge mehr ankommen oder
abfahren. An der ehem. Berlinerstraße angekommen, war diese nicht mehr wieder zu
erkennen. Zwischen dem Elferplatz und Strigauerplatz ist aus der Berlinerstraße
eine breite Autostraße geworden. Von den alten Häusern standen noch zwei, das
Haus, wo meine Frau wohnte, steht nicht mehr. Auf der ehem. gegenüberliegenden
Straßenseite im Haus Nr.147 wohnte die aus Auras stammende Familie Bruno
Tilgner. In Auras wohnte sie in der Auerstraße EckePoststraße. Von dieser Familie
lebt keiner mehr.
Wir gingen zurück in Richtung Wachtplatz, dieser war kaum verändert, an der
Westseite, wo das Kaufhaus EHP(Kaufhalle) ist alles weg, nur auf der Ostseite des
Platzes stehen noch ältere Häuser.
Ich kann mich an den Wachtplatz noch gut erinnern, in der Mitte des Platzes wurde
uns vor dem Krieg eine Fliegerbombe gezeigt, sie stand auf einem Sockel, wir Kinder
bewunderten dieses Ding, keiner ahnte, jemals Bekanntschaft mit so einem Ding zu
machen. Wir liefen weiter in Richtung Königsplatz, Reuschestraße, bis zum Rathaus,
gegenüber dem Schweidnitzer-Keller machten wir eine Kaffee-Pause, danach weiter
zur Schweidnitzer Straße Richtung Hauptbahnhof, da stiegen wir wieder in den Zug
mit einer Diesellok in Richtung Rawitsch.
Die Fahrt ging wieder an uns bekannten Stationen vorbei über die lange Oderbrücke
von Breslau-Pöpelwitz nach Osswitz. Als wir die Oder überquerten, war kein Schiff
in Fahrt zu sehen, nur im Osswitzer-Liegehafen, dieser lag voller Schiffe, getrennt
nach Schubleichter, Schuber und Motorschiffe. Als die Landschaft links und rechts
des Zuges bis Obernigk an uns vorbeizog, kamen doch einige Erinnerungen zurück.
In Hennigsdorf der Güterbahnhof war leer, dort haben wir für die Schiffswerft in
Auras schwere Eisenplatten und riesige Bohlen für Holzschiffsböden (Planken) von
Hand auf Pferdefuhrwerke umgeladen.
In Obernigk angekommen legten wir uns bald nach dem Abendessen ins Bett, da
unsere Füße sehr weh taten vom Breslauer Pflaster.

Am Freitag,  den 25.08.2000,

wollten wir Frau Boclan in Groß Pogel besuchen.
Diese Frau ist eine Cousine von Hoffmann Jochen. Die Fahrt von Obernigk nach
Groß-Pogel ging über Leipe, Groß-Sürchen und Tannwald und zurück über
Dyhernfurth nach Groß-PogeI. Unsere Gastgeberin erwartete uns schon, wir erlebten
bei ihr drei wunderschöne Stunden mit Familie Jochen Hoffmann zusammen, die wir
nicht vergessen werden. Die Unterhaltung war sehr anregend und laut, aber dann
mussten wir Abschied nehmen und die Rückfahrt ins Quartier antreten, über
Dyhernfurth, Auras, Liebenau, Sorgau und Obernigk. Unser Abendessen bestellte
Ilse Krause in weiser Voraussicht eine Stunde später wie üblich.


Sonnabend  den 26.08. 2000
Am Vormittag kauften wir unseren Reiseproviant und Getränk in einem neu
errichteten Supermarkt im Stadtzentrum Obernigk ein.
Am Nachmittag noch einmal nach Jäkel, und wir verabschiedeten uns von Familie
Peter Remian und liefen noch einmal kurz durch Wald und Flur, wunderschöne Tage
in unserer lieben alten Heimat waren zu Ende.

Sonntag den 27.08.2000 Rückreisetag
Frühstück, eine Stunde früher als sonst. Die Fahrt ging wieder über Riemberg,
Seifersdorf, Dyhernfurth und noch einmal in Groß-Pogel bei Frau Boclan vorbei,
denn Willi hatte seine Jacke bei unserem Besuch da vergessen, was ja doch nicht so
schlecht war, so konnten wir uns alle einschl. Familie Jochen Hoffmann noch einmal
sehen.
Von da über Leubus nach Liegnitz auf die Gehirnerschütterungsautobahn nach
Görlitz, wo wir vorher diese Autobahn gern verlassen haben.
Anm: Die Autobahn ist inzwischen neu gebaut worden.
An der Grenze dauerte es etwas länger, so ca. zwei Stunden, dann weiter Richtung
Dresden, Chemitz, danach bogen wir ab auf die Autobahn Reichenbach, Plauen und
wieder auf der gleichen Straße wie bei der Hinfahrt mit einigen größeren Pausen.
Gegen 19 Uhr hat uns unser Landsmann Willi Krause sicher und wohlbehalten vor
unserer Wohnung in Bad Vilbel abgeliefert.

Auch in diesem Jahr möchte ich mich am Ende meines Berichtes bei meinem
Heimatfreund Willi Krause sehr herzlich bedanken. Besonderen Dank auch seiner
Frau, Ilse Krause, die sich wieder um meine kranke Frau während der Reise und
unseres Zusammenseins liebevoll kümmerte, sei es die Hilfe beim Rucksack
tragen oder Händchen halten in der Großstadt Breslau, denn wir wollten ja alle
gesund und sicher wieder in unserer neuen Heimat ankommen.


Mit heimatlichem Gruß
Euer Landsmann Werner Bunke

Bad Vilbel im April 2001

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