Rundgang durch Auras

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RUNDGANG

durch

AURAS

a./Oder i. Schlesien

 

 

Schlesien ist unser Heimatland
Mit diesem Büchlein führ' ich Euch zurück an den Oderstrand.
Im Geist wollen wir durch unser Städtchen geh'n
Und viele Erinnerungen werden in Euch wieder aufersteh'n.
Ich spreche von guten und bösen Tagen
Von vielem was wir gemeinsam erlebt dort haben.
Kommt laßt uns unser'n Rübezahl besuchen
Bald essen wir wieder Schlesischen Streuselkuchen.

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Gewidmet von Erich Stolke

 

 


 

Hier ist unsere Heimat, hier sind wir zu Haus,
Und glaubt mir, wir kommen bald wieder nach Haus.
Dort ruh'n uns're Eltern, dort gehören wir hin,
Sonst hätte das Leben ja gar keinen Sinn.
Wir kenn'n jeden Stein, wir kenn'n jeden Strauch.
Na, und uns're Häuschen, die kenn'n wir auch,
Und was fehlt, das bau'n wir sehr schnell wieder hin,
Und sind dann zufrieden und glücklich darin.
Wir baden bald wieder am Oderstrand,
Unser Schicksal liegt ja in Gottes Hand,
Und Gott ist gerecht trotz unsr'er gegenwärtigen Not,
Unsere Kinder essen wieder in Auras ihr Brot.
Und denken voll Ehrfurcht dann an die Lieben,
Die durch die Flucht sind in der Ferne geblieben.

 

*   *   *   *   *

 

 

Rundgang durch Auras

(Auraser Jugenderinnerungen von Erich Stolke)
- 1955 -


Als Oberhaupt unseres Städtchens regierte Herr Bürger-
meister Schmidt.
Soweit bekomme ich meine Erinnerungen mit.
Das vorher kenn' ich nur vom Hörensagen,
Man sprach dann stets von bess'ren Tagen.


Wie sah's denn nun in Auras aus?
Ich kenne heut' noch jedes Haus.


Kam man aus dem Rathaus 'raus,
Ging ein paar Schritte g'radeaus,
War man an Walter, Franzens Haus.
Sein Vater war schon Sattlermeister,


Heut' ist alles Scheibenkleister.
Rechts daneben Gimmel, Fritze,
Da gab's die gute Wurscht mit Grütze.
Früher war's der Fleischer Schneider,
Die Postgasse trennte ihn vom Gastwirt Schneider.


Der war bekannt als Multimillionär,
Doch leider sind auch Hannchens Taschen heute leer.


Das Nebenhaus gehörte Stolke's Erben,
Leider liegt es heut' in Scherben.
Krippahles hatten einen Laden drin,
Da gingen wir als Kinder hin.
Zuletzt gehörte er Frau Becker,
Der Laden wurde immer netter,
Und Brendel, Willi, glauben Sie,
War als Zahnarzt ein Genie.
Darüber wohnte Bürgermeister Engel,
Man sagt zwar, er sei ein Bengel.

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Und auf demselben Flur
Ging man zu Dr. Goldbach hin zur Kur.
Doch seine Köchin'n war'n noch mehr begehrt,
Ich hab' sie mehrmals auch beehrt.
Doktor Schlumper nannten wir sie alle,
Verschied'ne Jungens gingen in die Falle.


Darüber wohnte noch Marofke, Karl,
Sein Schuh, der paßt in jedem Fall.
Daneben war der Kaufmann von der Ecke,
Der handelte mit jedem Drecke.
Der Urbanski, Paul, der war ganz groß,
Bei ihm war immer etwas los.
Agnes und Martha, seine Schwestern,
Die waren nicht von gestern.
Auch Scheibe, Lucie, war ganz groß,
Im Hinterzimmer war am meisten was los.
Paul U. und Heinz Kupke leiteten den Radfahrverein,
Wie sollte das auch anders sein.
Fischer und Stolke waren darin die Asse,
Dafür flogen wir auch manchmal auf die Fresse.
Nun kommt das Urbanskigässel,
Es verband die Auer- mit der Lindenstraße,
Beim U. hielt man sich zu die Nase,
Da stank's nach Heringslauge stets,
Er lebt nicht mehr, sonst haute er mich auf den Dez.


Nun kommt der Gutsche, Panther, dran,
Ja, Franz, der war ein Lebemann,
Hat oft verbot'nes Fleisch beschaut,
Bis Wally kam als seine Braut,
Dann hat er sich ein Nest gebaut.
Sein Vater Bruno war dort schon Friseur,
Na, Kindel, nun komm doch mal her,
Denn Erich der war auch Friseur,
Er holte Emma sich aus Neukirch dann als Frauchen her.
Sechs Kinder schau'n jetzt aus sein'm Fenster raus,
Er wohnt jetzt auch in einem fremden Haus.
Früher wohnte der Fiebig, Schuster, mal im Laden drin,
Doch die Zeiten sind schon lange hin,
Wandel, Fritze wohnte auch mal drin.


Daneben wohnte Vater Jost mit seiner Tochter Minna,
Daneben hatte Nachtwächter Nitschke mal sein Zimmer.

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Später bekam ich als Nachbarn den Roschke, Paul,
Der war als Maurer wie als Bauer nicht faul.
Der brachte das Haus dann richtig in Schuß,
Wir schreiben uns heute als Nachbarn noch öfters ein'n Gruß.
Das besorgt seine Auguste, eine reizende, tapfere Frau,
Das wußt' ich in Auras noch nicht so genau,
Sie hatten den Bubi, den einzigen Sohn,
Als Flieger ließ er sein Leben schon.
Dann wohnte im Haus noch der Winkler, Schneider,
wir nannten ihn Paul,
Im Kartenspielen, da war er nicht faul.
Er hat meiner Dohle auch mal die Flügel beschnitten,
Doch deshalb haben wir uns nicht gestritten.
Frau Briefträger Anders und Weizer wohnten mit drin im Haus,
Früher ging mal eine taubstumme Marie ein und aus.


Geradeüber wohnte mal Kupke, Heinz und der Geppert, Maxe
Wir nannten ihn Peuatz, wir frechen Dachse,
Übrigens wohnte auch dort der Riedel, Maxe.
Zuletzt wohnte ein Klempner im Laden drin,
Doch der Name kommt mir nicht mehr in den Sinn.
Daneben war das Scheibe-Haus,
Auch Weidner, Erdmann, ging darin ein und aus
Eine Hornig-Tochter brachte er mal ins Haus.
Der Monattischler war auch mal drin,
Doch wegen der Vorkommnisse hab' ich mit dem nischt im
Sinn.
Auch wenn unser Freund „machen machen „Bum Bum";
der Benke, Paul
Er war im Witzemachen nicht faul.


Daneben wohnte Herr Apotheker Bartsch, zuvor Mazurkewitz
und Aschkowitz,
Das hört sich bald an wie ein gelungener Witz.
Dreimal täglich, vor Gebrauch gut schütteln,
An diesen Versen, da ließ sich nicht rütteln,
Doch leider ist auch unser lb. Herr Apotheker schon tot,
Doch sein Sohn Walter mit Schwester Käthe sind beide
noch da.
Sie leben mit der Stütze Frl. Stelzer und ihrer Mama
Bei Bayreuth in einem kleinen Ort,
Bei einer meiner Reisen war ich mal dort.


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Nun einmal 'rüber zu Stolke ins Haus,


Dort ging ich als Kind glücklich drin ein und aus,
Doch zum Schluß jagten auch mich die Befreier hinaus,
In Gedanken bin ich jedoch heut' noch im Haus,
Denn Auras, das ist ja mein Jugendhort,
In Gedanken bin ich sehr oft und gern dort.
Dort ruh'n meine Eltern in schlesischer Erde
Und hoffe, daß auch ich einst dort mal begraben werde.
Mein Elternhaus will ich wieder aufbau'n,
Meine Augen sollen wieder Schlesien schau'n.
Nun weiter im Rundgang durch unser Städtchen,
Kinder, hatten wir dort doch schöne Mädchen.
Unser Schloßdamm mit der Seufzerbrücke am Schloßwall-
graben
Mit den danebenliegenden Oderwiesen,
Wo sich die Pärchen dann niederließen.

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Dort träumten wir dann allerhand,
Nur nicht, daß wir nicht mehr baden dürfen am Oderstrand.


In unser'm Häuschen wohnte auch die Frau Paul, früher bekannt
als Selma Knappe.
Ihr Mündchen nannten manche auch Klappe.
Doch laßt, auch sie ist heute noch gut,
Vor allem, sie verliert nie den Mut.
Dann wohnte noch drin, man nannte sie Mutti,
Es ist Frau Fischer,
Und glaubt mir, die Frau, die wird immer frischer.
Die Grete, sie wohnt mit ihrem Hans in Hannover-Döhren,
Und kräftige schmucke Jungens sind jetzt die Auraser Jöhren.
Frau Trautmann wohnte auch noch mit drin,
Nun stiefeln wir zum Heinze-Bäcker hin.


Ja, unser Johann mit seinen krummen Beinen
sah man oft zur Kirche hin eilen
Und eines Sonntags war sie wieder aus,
Die Leute gingen brav nach Haus.
Ich schaute grad zum Fenster 'raus.
Gradüber an der Apothekentür
Stand ein Bengel, vielleicht von 4,
Der langte nach dem Klingelein,
Doch dazu war er zu klein.
Herr Heinze kam im schwarzen Gehrock an,
Er sah die Nöte von dem kleinen Mann,
Er hob ihn hoch, der Kleine drückt den Knopf in aller Ruh
Ich sah dem ganzen Schauspiel zu.
Er setzt ihn wieder auf den Boden
Und glaubt wohl nun, der Kleine wird ihn loben,
Doch sagt er nur, jetzt müssen wir aber renn....
Schon war er weg, der kleine Wicht,
Herr Heinze macht ein dummes Gesicht.
Doch hat er schnell die Situation erfaßt
Und lief über die Straße in schneller Hast.
Die drei Eingangsstufen wollt er gleich auf einmal nehmen
Leider trat er da daneben,
So lang er war, flog er ins Flur hinein,
Ich tat nicht lachen, ich tat schrein.
Doch man verband ihm dann die Wunden,
Am nächsten Tag da kam er an, war ganz zerschunden.
Ja, liebe Leute, glaubt es mir, Höflichkeit ist eine Zier
Doch hier gings besser ohne ihr.

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Ich hoff' Herr Heinze wird nicht böse sein,
Vielleicht tut er heut' vor Vergnügen selber schrei'n.
Er ist bestimmt ein Ehrenmann
Und ein Meister, der was kann.
Die Backwaren waren sehr begehrt
Und jeder hat ihn hoch geehrt.
Nebenbei hatte er die Fischerei,
Öfters war ich selbst dabei,
Manchmal war'n die Netze voll,
Meistens war es nicht so doll.
Sechs Mädchen hat er und zwei Jungen,
Alle waren gut gelungen
Die Jungs und seine Frau sind tot.
Ja, so trägt jeder seine Not.

Nun aber schnell zum Nachbar hin
Da wohnt der Tischlermeister Fischer drin,
Der hatte auch' ne große Kinderschar,
Was ich hier schreibe, das ist wahr.
Die Kinder mußte die Frau ernähren
      durch Plätten und mit Kränze binden
Tat sie sich durchs Leben winden.
Sie war eine gute Frau und Mutter,
      tat für ihre Kinder sorgen.
Doch der Mann, der macht ihr Sorgen,
Tat zu gern ein Schnäpschen trinken,
Oft sah man ihn nach Hause hinken.
Und öfters schrie er auch zum Fenster raus:
Der Polizeispitzbubenlumpäää... kann mich am (zitiere Götz
       v. Berlichingen)
Manchmal hörte man ihn singen.
Meinen tat er unsern Polizisten Kempe.
„Will mal sagen, Kinder Platz da", so war stets sein Reden,
Ich weiß nicht, ob er mag noch leben.
Der Kempe mit dem Holzsäbel, taten wir stets sagen,
Wir lagen ihm auch schwer im Magen.
Und mit im Hause wohnte mal der Müllerbord,
Und auch ein alter Müllerschuster.
Der schlug mit seinem Hammer oft die Katzen auf den Kopf
Und steckte sie dann in den Topf.
Der (Hunde) Grunert wohnte auch mal da,
Ja glaubts nur, es ist alles wahr.

7

Ins nächste Haus geh'n wir jetzt rin,
Die Kudowa, Ida wohnte drin.
Ein Krämerladen hatte sie,
Verkauft' auch Wurscht vom Pferdevieh.
Und mein Vater, hört nur hin,
Schickte als Steppke mich schon zu ihrem Vater hin.
Und sie hatte daran ihren Spaß,
Weil ich beim Einkauf nie das Sprüchelein vergaß:
„Einen starken Priem ganz unten mit Soße!„
Heut' lach ich selbst über die Schose.
Daneben war der Jänsche, Hermann,
      das war ein Bauer mit Format,
Auf den Äckern stets die beste Saat.
Er hat auch mal spät gefreit,
Vom Schmidt aus Hauffen war die Maid.
Kinder kamen dann geschwind,
Der Punner war sein jüngstes Kind.
Doch heute ist er sicher wohl schon Vater
Und Bauer wie sein Vater.
Eine Tochter hat von Otto, Wilhelm einen Sohn.
In Oschersleben, da besucht ich alle schon.
Selbst Anna, dieser alte Schreihals, ist mit da,
Als Magd war sie bei Jänsches viele Jahr,
Und daß sie noch beisammen sind, das find' ich wunderbar.


Daneben wohnte Schuster Schneider,
Schlecht laufen konnt' er leider.
Doch wenn er auf dem Schemel saß, war er der Schnellste.
Die große Kinderschar ihm stets sein Haus erhellte,
Für sie hat er sich abgequält
Wohl jeden Tag von früh bis spät.
Nun ist er über 80 schon,
In Hope wohnt er nun 10 Jahre schon.
Zwei alte Jungfrauen wohnten mit im Haus,
Es waren die Geschwister Pfeifer,
Die eine tat sich oft beklagen,
Weil wir zu ihr taten Hucke sagen.


Doch nun zu Schwevel mal zurück,
Es ist ja nur ein kurzes Stück,
Böttcher war der alte Herr
Violinenunterricht erteilt er gern,
Und in meinen früh'sten Tagen
Sah ich Amand Appelt mit der Schubkarre noch nach Breslau fahren.

8

Er war Töpfer, lang und dünn
Und später wohnte Klempner Scharrer mal im Hause drin,
     danach der Klempnermeister Stehr
Und der Uhrmacher Göhr,
Kinder, war das ein Malheur.
Zuletzt hat Knappe, Wilhelm es mit Metachen bewohnt,
     geb. Janke.
Als Mädchen war sie mal 'ne schlanke
Zuckersüße Maid,
Doch später platzte jedes Kleid.
Doch nun zu Gassow nebenan mal hin,
Da war früher mal die Kath. Schule drin.
Doch die wurde bald zu klein,
Deshalb zog wohl Gassow ein.
Aus ihm wurde man nicht schlau,
Aber nun erst seine Frau,
Das weiß ich heut' noch ganz genau.
Sagte man zu ihr „Schön guten Tag!„
Zur Antwort kam dann stets „Heil Hiiiitler!“.
Beim nächsten Gruß begrüßte man sie mit „Heil Hitler!“.
Als Antwort kam dann „Guten Taaag!“,
So machte sie es jeden Tag.
Und Martin war ihr einziges Kind,
Die Mieter wechselten geschwind.
Das war ein reiner Taubenschlag
Die Parteien, die beschimpften sich den ganzen Tag.


Daneben in dem kleinen Haus
Ging füher mal der Obste, Schneider, ein und aus,
Sie hatten einen Enkelsohn zur Pflege,
Der kam mit uns, auf jedem krummen und auch g'raden Wege.
Wir nannten ihn stets nur Obste-Griebsch,
Der Oma war das gar nicht lieb.
Sie erklärte uns wohl 1000mal, daß der Junge Ehrich hieß,
Für uns blieb er der Obste-Griebsch.
Dann wohnte Mutter Morchner drin,
Die ging jeden Tag zur Gärtnerei stets hin,
Denn Hermanns Vater ist, als er drei Monat alt war,
     schon gestorben.
Der Hermann war mein Busenfreund,
Um den traure ich heut noch, liebe Leut'.
Bei der Flucht aus Auras ist er nun verschollen.
Falls Ihr was wißt von meinem ollen
     lieben guten Busenfreund,

9

Teilt mir's gleich mit, Ihr lieben Leut'.
Das wär für mich die größte Freud'.
Sein Bruder Paul und Schwester Anna war'n schon groß,
      als wir noch Kinder waren,
Doch leider starben sie schon in frühen Jahren.
Zuletzt wohnte Haschke, Albert in dem Haus,
Auf dem Oderbau war er zu Haus,
Seine Frau hatte im Nachbarhaus ein laden drin,
Und somit doppelten Gewinn.
Da wohnte auch Versicherungsagent Herr Röhl.
„Versteh'n s'e recht!“, tat stets er sagen,
Doch man durfts nicht selber sagen.
Dann sagt sofort er gleich: „Versteh'n s'e richtige hier,
ne Police habe ich hier für dir!“.
Ganz früher wohnte da
Herr Weigelt mit der Tochter Frieda,
Er war Besitzer auch vom Haus,
Sein Weinstock räuberten wir öfters aus.
Doch dafür gingen wir dann zu ihm Weiden schälen,
da mußten wir uns tüchtig quälen
Bis wir 12 Rinken ham zusammen bekommen,
Der Kornweih hat sie abgenommen.
Der hatte Hände riesengroß, da quetschte er die Weiden rein,
man hörte oft auch Frauen schrei'n:
mensch mach die Rinken nicht so groß,
Ja, da war manchmal etwas los.
Am liebsten trieben wir uns rum bei Weigelts Kähnen,
Da vergaßen wir das ganze Schälen.


Nun kommen wir zum Pfarrergässel hin.
Und auch entlang am Zaun von Kern
Und den Schloßgärtnerein,
Da krochen wir oft in den Garten hinein.
Sie sehen, wir waren keine Engel,
Wir pflückten leer so manchen stengel.
Doch nun geh'n wir zum Vater Kern,
Dort spielten wir als Kinder gern.
In seiner Gartenlaube haben wir zuerst geraucht,
Das war ein verfluchtes Kraut.
Rosenblätter stopften wir in ausgehöhlte Kastanien rin.
Ein Strohhalm steckte als Mundstück drin.
Das gab dann ein Husten und Augenträ'n.
Doch taten wir uns dessen nicht schäm'n.

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Beim Lungenzug fingen wir an zu schwitzen
Und mußten manchmal schnell in die Sträucher flitzen.
Der Kern, Robert, war natürlich dabei,
Obwohl er so rund war bald wie ein Ei.
Das kam wohl daher, daß er mit 7 Jahren
Er tat bald 2 Jahr den Tornister schon tragen.
Nach der Schule lief eilends er nach Haus,
Dort trank er mit Behagen sein Fläschel aus.
An dem war tatsächlich ein Nuckel dran,
Deshalb ist er heut' so ein stattlicher Mann.
Dann war noch die Liese, die hat dann Kurt Haeder gefreit,
Ja, das war eine sehr schöne Zeit.
Das Bettfedernreinigen besorgte Frau Radon
Ich staun', wie ich noch auf all die Namen komm.
Auch der Kohlenhandel, der ging wohl ganz nett
Und im 'selben Haus stand Mutter Hahn ihr Bett.
Zuletzt war Besitzer der Herr Maticke
Und nun geh'n wir über die Straße zurücke.


Da war die Schneider- oder auch Mittmann-Gasse,
Kinder, daß ich nicht erblasse.
Da hing noch lange eine Petroleumlampe,
Welche früher an der Ecke noch brannte.
Und zwischen dem Gässel und dem Howeteich,
Das war dem Herrn Mittmann sein Bereich.
In dem Haus bin ich geboren,
Und die Mittmann, Meta hat man als Paten erkoren.
Dazu kam noch die Bunke, Meta, die nach vielem her und hin,
Zur Namensgebung gab die Stimm'.
Sie sagt, sie tät den Namen Erich lieben,
Dabei ist es auch geblieben.
Und Hermann, Richard hießen meine Brüder,
Das schrieb man in dem Stammbuch alles nieder.
Den Namen Emma von der Schwester hab ich dann nicht
mehr bekommen,
Wär's noch ein Bruder, hätten sie den sicher auch noch
genommen.
Die Mittmann, Meta hat sich dann Herr Bloda zum Mann
      genommen.
Zwei Jungs und ein Mädel hatten sie,
Und eine Menge Federvieh.
Und einen Garten riesengroß,
Wenn er dann den Hund losjagte, oh, dann war was los.

11

Nun geh'n wir mal an den Howeteich,
Seine Ufer, die war'n weich.
Am schönsten wars im Winter dann,
Da fing die Freude richtig an.
Kascheln, Woppeln, Scholmelaufen.
Auf dem Eise auch mal raufen, nebenbei auch Schlittschuhlaufen.
Kieferritsche fahren, das war meine Spezialität.
Am schönsten fuhr sichs abends spät.
Manchmal war'n wir schon halb angefroren,
Doch den Mut den ham wir nie verloren.
Zuletzt da war der Howeteich bloß noch en klener Groben.
Nun woll'n wir zum Inspektor gehen, der eine der hieß Knittel.
Als ich mal auf 'nem Kirschbaum saß, verhaut er mich mit
      'nem Knüppel.
Als Schoffa war der Vater John,
Wir kannten seinen Klingelton.
„Bim bolle, bim bolle,
Kommt alle zum Stolle“.
So hörte man das Glöcklein klingen,
Das Verschen taten wir dann singen.
Fröhlich, der war lange Futtersmann,
Der Kroh, der spannte Hengste an.
Der Schulz und Iwan war'n auch altes Inventar,
Als Stellmacher war der Gottwald da.
Die Spiritusbude tat der Buchwald leiten,
Wir Jungs taten die Pferde in die Schwemme reiten.
Zuletzt, als alles bankrott ging, war Oberinspektor Ehlert da,
Friedrich von Schuckmann hat nicht lange regiert, das ist
    traurig, aber wahr.
Den Rest hatte dann Baron von Gilgenheim,
Heute wird's wohl ein polnischer Junker sein.
Das Gesindehaus mußt von Urbanski gekauft worden sein,
Der machte daraus ein Katholisches Jugendheim.
Das danebenstehende Gesindehaus gehörte dem Klinner, Maxe,
Denn sein Vater fuhr schon in Auras die Taxe.
Die Postkutsche fuhren sie jahrelang,
Und in der Schmiede fleißig der Hammer klang.
Die Schmiede mit Haus baute ich vor dem Kriege um,
Jetzt steht unser Max bei Nürnberg in einer gepachteten
    Schmiede herum.
Die Flockenfabrik mit Mühle gehörte Herrn Kant,
Auch seine Schwester sei hiermit genannt.

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Das war ein Kaufmann von großem Können,
5 Fabriken tat er sein eigen nennen.
Heut' handelt er in Wolfenbüttel ganz klein,
Doch bald wird halb Wolfenbüttel sein Eigentum sein.
Denn solch einen Kaufmann, den kriegt man nicht klein.

Daneben ging der Weg zum Friedhof und Liebenau und weiter
    nach Sorgau und Zechelwitz.
Und in Obernigk erzählte man folgenden Witz:
„Wer Pilze und Beeren nicht kann finden,
    muß sich ernähren vom Besenbinden.“
Doch nun zu unserem Wachtmeisterhaus,
lange Zeit ging Emil Sprang darin ein und aus.
Den haben wir heut' noch in gutem Gedenken,
Doch leider tat er seinen Schritt zum Riesengebirge hin lenken.
Dann wohnte Wachtmeister Winkler mal drin,
Seine Tochter Else kraulten die Burschen sehr gern am Kinn.
Noch verschiedene Wachtmeister hatten wir da,
Einer der angenehmsten Herr Kolleck war.
Lehrer Kruschel und Krahn wohnten auch im Haus,
Geppert, Gertrud, Frau Scharfenberg genannt,
Kam auch eine Zeitlang da rausgerannt.
Und Gutsche, Franz, hört bloß einmal her,
Erzählte mir von einem Wachtmeister folgende Mär.

Eines Abends, es war finster, ging Herr Sowadt in die Stadt,
Und hat bei Klinner einen Radfahrer ohne Licht geschnappt.
Der blieb auch gleich steh'n,
Doch es war dunkel, man konnte nischt seh'n.
Das weitere erzählte Herr Sowadt bei Franz dann im Laden,
Während er ihm die Haare schnitt und auch noch tat schaben.
Den weißen Kittel legt Franze ihm an,
So das ihn als Wachtmeister niemand erkennen kann.
Weste, Franze, jetzt hab' ich aber etwas erlebt,
Ich glaube , die Erde die hat bald gebebt.
Ich halte dort beim Klinner 'nen Radfahrer an,
Und weil ich den Kerl nicht erkennen kann,
Hol ich meine Taschenlampe und das Notizbuch raus
Und frage den Kerl nun auch aus.
Ich denke, mich schlägt uff enmol a Pferd,
Mein ganzes Gelumpe, das liegt uff der Erd.
Der Kerl springt uffs Rad und sauste davon,
Mensch, denk ich, das haste davon.
Mir ham vor Schreck die Knie geschlottert,

13

Beinahe hätt ich een Vaterunser gestottert.
Ich machte mich bei, suchte das Gelumpe im Dreck.
Uff enmal en neuer Schreck,
Meine Taschenlampe ist in Scherben,
Das Notizbuch konnte ich gerade noch erben.
Der Bleistift, der ist jetzt noch weg,
Der liegt beim Klinner noch im Dreck.
was sagste nu zu so 'nem Schwein,
Soll man da nicht böse sein?
Doch Franz, der konnt nischt sagen,
Vor lauter Lachen konnt der nicht mal schaben,
Zuletzt da lachten beide laut,
Weil der Kerl war abgehaut.

Doch jetzt kommt erst die Poente
Angeschossen wie 'ne lahme Ente
Stellt im Flure jemand sein Fahrrad ein,
Und wer kommt in den Laden rein?
Aus der Raake unser lieber Richard Klein.
Wie'n Jagdhund schnappt er noch nach Luft
Und setzt sich auf 'nen Stuhl gleich druff.
Dem Franz, dem fiel das ord'tlich uff.
Und sagt: „Nun, Richard, was ist denn mit dir eigentlich los;
deine Atemnot ist ja so groß,
Soll ich Dir ein Glas Wasser geben?“
Doch da tut sich Richard schon erheben.
Mensch, Franze, stell dir vor
Grad beim Klinner da vor'm Tor
Kam ich ohne Lichte an,
Hält mich doch der verfluchte Poliziste an.
Dem Franz, dem wär vor Schreck das Messer bald entglitten,
Dem Richard hat Grimassen er geschnitten.
Doch der merkte gar nicht, was er wollte,
Weil er auf den Polizist so grollte,
Und schimpft und wettert immerzu,
Der Wachtmeister hört lächelnd zu.
Nun stell dir vor, der freche Patron
Der holte sein Notizbuch schon
Und gungst mir mit 'ner Lampe ins Gesichte,
Der dacht, er kann von mir en Taler erben,
Die Lampe schlug ich gleich in Scherben,
Das Buch, das flog wohl bis zum Zaun,
Der kam gar nicht aus dem Staun'n.

14

Und ich uffs Rad, weg war ich gleich,
Erscht mal um den Howeteich,
Dann noch die Lindenstraße lang.
Auf der Wohlauer Straße war mir nicht mehr bang.
Das letzte Stück zu dir, das tat ich dann noch laufen,
Nun muß ich mich aber erst verschnaufen.
Treff ich den Kerl dann uff zu Hause zu,
Geh' ich vorbei in aller Seelenruh.
So schimpfte er noch lustig weiter,
Doch nun wird die Sache heiter.
Denn Franz, der mußte, was man kann versteh'n,
Sein'n Kunden wieder lassen geh'n.
Er war geschnitten und rasiert,
Paßt mal auf, was jetzt passiert.
Er nimmt dem Kunden den weißen Kittel ab,
Der Richard hätte bald nicht mehr nach Luft geschnappt,
Der Mund, der blieb ihm offen steh'n,
Die Augen waren gräßlich anzuseh'n.
Stielaugen nennt man sowas wohl,
Dem Richard, dem war gar nicht wohl
Und plötzlich springt er auf und will verschwinden,
Man konnt' ihn grad noch überwinden.
Im Laden ihn noch drin behalten,
Herr Sowadt tat nun seines Amtes walten.
Doch Gott sei Dank, er hat Humor.
Er sagt, Herr Klein, das kommt mir nicht mehr wieder vor.
Da sie alle dreie war'n allene,
Machte man gemeinsam sich dann uff die Beene!
Man ging zum Paule Pontow hin,
Nach Schnaps stand allen drei'n der Sinn.
Versöhnung tat man nun begießen,
Keiner stand mehr sicher auf den Füßen.
Statt einem Taler bezahlte man gemeinsam nun bald zehn
Und unsern Richard sah man nun im Morgenlicht nach
   Hause geh'n.
Ich glaube, er tat auch sogar radeln.
Freund Sowadt hatte keinen Grund, ihn deshalb zu tadeln.
Ja, solche Streiche gabs in Auras viel,
Wir sind auch längst noch nicht am Ziel.
Bloß ich will ehrlich es gesteh'n,
Jetzt tu ich an den Häusern kurz vorübergeh'n.
Sollt' einer oder der andere vergessen sein,

15

Tut mir bitte nicht böse sein.
Hab' ich Euch mit Kose- und Spitznamen genannt,
Kommt mir mit Klagen nicht angerannt.
Wir sind alles Schwestern und Brüder zugleich,
Die Auraser Familie aus Rübezahls Reich.
Nun begleitet mich weiter durchs Städtelein,
Nun müßten wir wohl an der Katholischen Schule sein.
Und das war hauptsächlich Kantor Junk sein Reich,
Eine Anekdote erzähl' ich da gleich.

Sonnabends nachmittags läuteten wir den Sonntag ein,
Es war gerad schöner Sonnenschein.
Auf dem katholischen Kirchturm schauten wir aus
   dem Glockenturmfenster raus,
Und wer ging auf dem Bürgersteige geradeaus?
Herr Kantor Junk mal ohne den großen breitrandigen Hut.
Ja so'n Sonnenschein auf das Haupt, das tut ja auch gut.
Der Schneider, Utsche, auch Rudi genannt
Hat der Übermut übermannt.
Er ruft in lautem und deutlichen Ton:
„Junk, Anton, der Mond scheint schon!“
Doch weiter ohne sich umzuseh'n,
Sah man unseren Herrn Kantor geh'n.
Weil Utsche nun annahm, er hat's nicht gehört,
Rief er's gleich nochmal, das war wohl verkehrt.
Am Montag, noch vor der ersten Pause,
Hörte man's schrei'n im ganzen Hause.
Und Rudis Podeks, es war wirklich zum Schrei'n,
Der glänzte im hellen Sonnenschein
In den allerschönsten Regenbogenfarben.
Ich glaube, davon behielt er etliche Narben.

Herr Junk hat auch eine reichliche Kinderschar,
Wovon man Fred und Leo schon öfters bei unseren Treffen sah.
Auch Alfons Kuschel war als Lehrer mit da,
Hab' ihn in Bielefeld schon mal besucht, das ist doch ganz klar.

Nun kommen wir an den Pflanzegarten.
Dort tun wir uns nicht lange aufhalten.
Das Stinkebrückel war kurz vor Herrn Boese,
Und der war auch manchmal auf uns Turner sehr böse.
Denn es sind selten etliche Wochen vergangen,
Wo wir nicht ihm haben die Tore ausgehangen.
Manchmal fehlten sie eine ganze Zeit,
Denn wir schleppten sie ziemlich weit.

16

Waren dann ins Getreide mit eingewachsen,
Mit mir tat er wegen der Sachen dann tratschen.
Er arbeitete als Tischler des öfteren für mich,
Jedoch sah er in mir den Bösewicht nicht.
Ich konnte mir kaum das Lachen verbeißen,
Ja, solche Witze taten wir reißen.

Daneben im Hause,
   da wohnte Familie Krause.
In der nächsten Siedlung, da wohnte die Dominik Grete mit
   Eltern und Schwester.
An den Blischke, Paul klammerte sie sich immer fester.
Jetzt sind sie auch beide Frau und Mann,
Hier in Berlin trifft man sie an.

Daneben wohnte Ehepaar Schmid,
Das handelte mit Geflügel, soweit komm ich noch mit.
Den Mann hat Hitler „gefressen“,
Der ließ ihn erschießen, weil er hat offen seine Meinung
   gesagt.
Der Mann hatte recht, wir wurden aus der Heimat gejagt.
Daneben wohnte der Kipke, Fritze.
Daneben die Straße führte zum Probste, Fritze.

Der Hermann Busch tat Brunnen bau'n.
Der Ehrich setzte manchen Zaun.
Ein's weiß ich noch, ihr werd' gleich stau'n.

Es war an einem 1. Mai.
Viele waren mit dabei.
Da wollte Hermann eine Rede halten.
Vor dem Rathaus auf dem Podium
Drehten wir uns zu ihm um.
Leise rieselte der Schnee,
Das tat Hermanns Köpfchen weh.
Denn er hatte einstudiert,
Kinder, wie mich das noch rührt
„Und so wie alles wieder grünt und blüht ...“
Und soweit wiederholte er es wohl fünfmal und mehr,
Kein Auge war mehr tränenleer.
Und plötzlich sah'n wir unser'n Hermann gar nicht mehr.
Ins Rathaus war er schnell gelaufen,
Tat sich wohl dort die Haare raufen.
Herr Bürgermeister Schwabe tat 'ne Ansprach' halten,
Doch deshalb bleiben wir die alten.

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Daneben wohnte der Herr Kammer.
Vom ersten Weltkrieg schwer verletzt, das war ein Jammer.
Schöne Windspiele hatte er im Garten steh'n,
Die sah man dann im Wind sich dreh'n.
Nun fällt mir ein, o weh, o graus,
Neben Dominik, Grete stand noch ein Haus.
Da wohnten Leute von der Post.
Den einen nannten wir Turnvater Jahn,
weil er dem Turnverein schaffte freie Bahn.
Als Gründer ist auch Richard Kluska zu erwähnen,
Zuletzt da tat man mich als Vorstand wählen.

So neben Busch, da wohnte Adolf Hentschel,
Die Dr. Lina, die nahm von ihm den Wenzel.
Willi nannte sich der Sohn,
Und zu Glietz komm'n wir jetzt schon.

Daneben floß der lange Graben,
Doch der floß bloß an Regentagen.
Der kleine Schloßdamm mündet hier auf die Chaussee,
Ach, Kinder, was ich da noch seh.
Unter Kirschbäumen lag unser alter Weidenschälplatz da,
Das wissen nur noch die, die heute sind rund vierzig Jahr.

Nun woll'n wir über'n Graben springen,
Ich nehme an, das wird uns noch gelingen.
Nun steh'n wir auf dem Gehöft von Weinhold, Fritze,
   früher, da gehörte es mal einem John.
Und zum letzten Nachbarn komm'n wir schon.
Kron-Weidner wurde er genannt,
Und war in Auras sehr bekannt.
Da fällt mir ein ein Sprüchelein:
„Der Traugott dreht das Leierlein,
Die Selma sammelt die Dreier ein!„
So ungefähr muß das noch sein.

Nun noch zurück zum Langen Graben,
Die von der andern Seite tun wir noch nicht haben.
Der Trautmann, Hermann, ein braver Mann,
Der mauern und auch ofensetzen kann.
Hat sich das Häuschen selbst gebaut,
Mit Frau Trautmann war ich sehr vertraut.
Sie wohnte bis zur Flucht in meinem Haus,
denn der Sohn Arthur trieb sie aus ihrem hinaus.
Durch seinen unseligen Jägersport mußten sie alle fort.

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Dann war noch der Männe, die Liesbeth und Frieda,
Und Erich, ein Enkelssohn, war auch da.
Zuletzt hatte Föninger, Paulchen das Häuschen inne,
Die Weidner, Klara war als seine Frau mit drinne.

Daneben wohnte wohl Paul Koschnik drin,
Und wieder daneben Koschnicke.
Und wieder daneben, fällt mir gerade ein,
Müßte noch Schmidt gewesen sein.
Der hatte von Bergheinsch, glaub' ich, ein Mädel,
Und schon weiter dreht sich das Rädel.

Jetzt müßten wir wohl beim Jerate sein,
Denn der Name Fliegenschnapper fällt mir grad ein.
Ach, du meine Fresse,
Was ich jetzt alles schon vergesse.
Kranz Heinrich wohnte doch neben Henschel oder Busch.
Der hatte einen ganz versoffenen Bruder,
Robert nannte sich das Luder.
Blieb der uns dann im Graben liegen,
Sein Hund, der tat uns stets besiegen.
Wir mußten ihn dann liegen lassen,
Der Köter tat uns ernstlich fassen.
Einen Trinkspruch hatte Robert auch,
Davon machte er sehr oft Gebrauch:
„Schluck, Schatzel, es kommt wieder ein Brummer!“
Sonst war Robert gar kein Dummer.

Nun wieder schnell zur Krone hin,
Da war'n wir wohl schon alle drin.
Ganz früher hat das Gasthaus einem Mühlsteff mal gehört,
Nur unsere jetzt Siebzigjährigen haben darin verkehrt.
Dann brannte mal die Krone aus,
Ich glaube Krusch, Karl erbaute dann das neue Haus.
Verschiedene Gastwirte waren dann da drin,
Die Namen hab' ich jetzt nicht mehr im Sinn,
Zuletzt, da waren Hermanns drin.
Der Erich machte den Kneipje,
Seine Schwester Erna ich noch heute vor mir seh.
Doch sie wollt' nischt von mir wissen,
Ich war ihr zu gerissen.
Ja, das war unser Turnlokal,
Und voll war immer dort der Saal.
Und an der Oder war ein schöner Wald,
Den nannten wir Kanal.

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Dort gingen wir auch Springauf pflücken,
Und Mädchen taten wir ans Herze rdücken.
Bei Gartenfesten tat ich mit Trompete spielen,
Auf dem Sportplatz tat meist Auras siegen.

Und mitten aud dem Acker stand noch von dem Hoffmann,
   Fritz das Häuselein,
Die Beschnitt, Klara führte er einst heim.
Am Liebenauer Weg, da wohnte noch der Stramke
   und Pfarrer Ruhm.
Und nebenan tat sich was tun.
Da waren Wochendhäuschen drauf,
Die Leute kam'n von Breslau raus.
Wie fuhren wir denn nach Breslau rein?
Das fällt mir jetzt gerade ein.
Wer mit der Bahn fuhr, mußt' nach Hennigsdorf.
Auf die Entfernung war'n wir gar nicht stolz.
Am Raaker Damm mußt man vorbei,
Dann war der Erlenbusch gleich an der Reih'.
Dann kam man an die Matzeweiden.
Und am Gebirgsberg mit dem Försterhaus,
   da tat man sich beeilen.
Dann kam man an die Kreisgrenze ran,
Kreis Trebnitz fing dort an.
Dann kam man in die Hennigsdorfer Berge,
Und endlich sah man dann die Lerge.
Den Bahnhof noch ganz ruhig stehn,
Vom Zug die Rücklichter sah man noch untergeh'n.
Der fuhr nach Schebitz hurtig hin,
Bald war in Weidenhof er drin.
In Oswitz war 'ne Station,
Und nun sah man auch Breslau schon.
Pöpelwitz am Oderstrand
War von Breslau schon der Rand.
Und Nikoleitor mittendrin,
Fuhr zum Hauptbahnhof man hin.

Fuhr mit dem Rad man in die Stadt,
Schnitt den Weg man immer ab.
Erst fuhr man durch unsere Kolonie, die Raake,
Die gehörte mit zum Auraser Staate.
Kottwitz war dann bald erreicht.
Und da wurd' man immer weich,
Sollt' das Rad man über Pannwitz lenken

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Oder über den Fußsteg über die Wiesen schwenken?
Da waren eine Menge Gräben, die hatten keine richt'ge Brücke,
Manchmal brach man sich da bald das Genicke.
Bretter waren darüber nur gelegt.

Wehe, wer den Weg einmal verfehlt.
Einmal kann ich mich entsinnen,
Lag ich bald im Graben drinnen.
Ausgerechnet war er bis zum Überlaufen voll,
Natürlich fuhr ich wieder mal wie doll.
Das Rad rutscht ab und fällt in'n Graben,
Tut das bloß nicht weiter sagen.
Wie 'ne Padde lag ich grad noch auf dem Brett,
Heut' erzählt sich das ganz nett.
Ein Bein und Arm, das hing im Wasser drin,
Der Anzug der sah aus, das war ganz schlimm.
Das Rad, das war nicht mehr zu seh'n.
Mit aufgekrempelten Hosen mußt' ich in den Graben geh'n.
Endlich fischte ich die Karre 'raus.
Die andern lachten mich natürlich aus.
Und so bin ich dann ganz noch benommen
So dreckig in Breslau angekommen.
An der Weidebrücke kam'n wir dann wieder auf die Chaussee,
Jeder rief dann gleich Juchhe!
Wir sausten dann durch Weidenhof,
Ein Stück war's dann bis Leipe, Petersdorf.
Bald waren wir dann in Rosenthal,
Das Odertor war unser Fall.
Schippine war von da nicht weit,
Ja, das war 'ne schöne Zeit.

Nun nach Auras schnell zurück,
20 Kilomenter ist das Stück.
Nun steh'n wir wieder an der Ecke
Beim Busch, gleich links hinter Kipke
Hab' ich dem Häusler, Helmut ein Haus gebaut,
Der war mit der Busch, Hilde getraut.
Da wohnte auch Busch, Ehrich mit seiner Frau,
Sie war eine Tochter von Wachs aus Liebenau.

Und jetzt kommt vom Probste, Fritze das Haus,
Mit seiner Amanda ging er da ein und aus.
Fritz war auch mit im Radfahrverein,
Folgender Ausspruch seiner Mutter fällt mir da ein:

21

Das war während der Inflation, und sie klagte: „Fritz, mein Sohn
Hat versoffen sieben Millio'n.“

Daneben wohnte der Maurer Wilhelm Schernke und Erika
Marquardt mit Eltern wohnte ebenfalls da.
Dann kam'n noch ein paar Häuser, ich weiß nicht von wem,
Zuletzt machte sich's Gottschalk, Adolf dort noch sehr bequem.
Ganz hinten baute ich mal für den Schneidermeister Strotzek
   ein Haus,
Seine Frau geht heute noch darin ein und aus.
Sie lebt heute noch bei den Polen genau so wie die Frau
   Schiller und Broß,
Doch ihre Leiden sind sehr groß.

Nun geh'n wir 'rüber zum Liebenauer Weg.
Dort hat sich nämlich Frau Kitschke gequält,
Ihre Kinder als Witwe groß zu zie'hn.
Der Schneider, Alfred, der half ihr dabei,
Galoppschuster nannten wir ihn so nebenbei.
Als Nachbarn hatten sie die alten Schweinochs daneben,
Und nun wollen wir uns zum Stenzel, Fritze begeben.
Er wurde auch Hoppe Stenzel genannt,
Als Maurer und Witzbold war er bekannt.
Seine Frau und der Pfiffi waren stadtbekannt.
Dem Fritze sein Häusel ist abgebrannt.
Aufgehangen mit einer fremden Frau
Fand sie später Fritz Probst dann im Bau.
Frau Stenzel und Morchner, Hermann
   haben den Rucksack gepackt,
und sich ganz leis aus dem Staube gemacht.
Von diesem Zeitpunkt an sind beide spurlos verschwunden,
Nicht mal ihre Leichname hat man gefunden.

Und an der Ecke baute ich für Herrn und Frau Fechner ein Haus,
Sie kamen von Breslau aus zu uns heraus.
Und gehen wir in die Seitenstraße hinein,
Kamen wir in die Seitenstraße hinein.
Kamen wir an der Kudova, Ida ihr Heim.
Der hatte ich dort ein Häuschen gebaut,
Und der Familie Witwer, Karl hatte sie es anvertraut.

Gegenüber wohnte die Anna Kranz im eigenen Haus.
Daneben hab ich für den Klausnitz, August gebaut.
Es war auch sein Eigenheim,
Die Kinderschar ging bald nicht alles rein.

Nun sind wir wieder vorn an der Ecke dran,
Wo man Morchner, Hermanns Häuschen sehen kann.

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1933 hab' ich ihm das mal gebaut,
Die Polen haben's nun versaut.
Der Tilgner, Willi wohnte da mit drin,
Folgendes kommt mir jetzt in den Sinn.
Schrägüber an der Ecke, wo der Weg ging hin
   zum Probste, Fritze,
Machte während des Krieges der Eschner, Martin
   sich noch nütze.
Eben hört ich, er ist an Herzschlag gestorben,
Er hat von mir den Platz erworben.
Denn mir gehörten an dem Liebenauser Weg lang 16 Morgen.
Die hatte ich von der Stadt gekauft,
Leider hab ich sie nicht mehr bebaut.
Auch an der Krone hatte ich 8 Morgen,
Die gingen hinterm Jerate vom Liebenauer Weg
   bis runter zum langen Graben.
Auch das tun jetzt die Polen haben.

Nun schnell wieder an Morchners Haus,
Aus der Siedlung sind wir nun bald raus.
Da steht dicht am Friedhof noch Hamann, Artur sein Haus.
Das hatte Kollege Räpe mal für den Uhrdelmacher Göhr gebaut.
Und nun mal schnell auf den Friedhof geschaut.
Dort haben wir unsere Eltern und Verwandten liegen,
Viel ist vom Friedhof nicht übrig geblieben.
Nichts von Kultura ist mehr zu seh'n,
Kühen sollen dort auf der Weide jetzt geh'n.
Doch unsern Lieben, denen tut das nicht weh,
Im Winter sind die Gräber geschmückt mit Schnee.
Im Sommer wachsen Butterblumen und Disteln drauf,
Bald pflanzen wir wieder Vergißmeinnicht drauf.
Denn in kurzer Zeit sind wir wieder zu Haus.

Nun gehen wir den Weg hinter den Scheunen entlang,
Und wer empfängt uns an der Ecke so rank und so schlank?
Frau Schiemann schaut über den Gartenzaun,
Und ihr werdet gleich stau'n.
Hier in Berlin wohnt sie nur 100 Meter ab von mir,
Denn das Finanzamt ist dem Richard sein Revier.
Auch der Alfred, die Frieda und Grete
Sind hier in Berlin mit an der Tete.
Der Walter mit der Obst, Erna und ihrer Mutter
   in Stuttgart sind,
Der Frau Schiemann fehlt kein Kind.

23

Eine von den wenigen Glücklichen tut sie sein,
Denn manche büßten drei und auch vier Jungens ein.
Sie alle zu seh'n das ist eine Wonne,
Und Mutter ist wieder rund wie'ne Tonne.
Und wer wohnte im Auraser Häuschen mit drin,
Könnt Ihr Euch darauf überhaupt noch entsinn'n?
Der Klabotschke, Fritze, der wohnte doch drin.
Mit Mohkätschel vom Mohnert, Willi ging er über Land,
Als Unikum war Fritze bekannt.
Nach dem Kriege war er noch da.
Und was ich jetzt sage, ist auch wieder wahr.
Seine Frau hatte Geburtstag, und er ging was für sie holen,
Die Militz, die folgte auf leisen Sohlen.
Man nahm ihm das bissel Gelumpe weg,
Man schlug ihn und trat ihn, bis er halb tot lag im Dreck.
Man holte den Armen dann auch noch nach Haus,
Doch bald trug man ihn auf den Friedhof hinaus.
So ähnlich erging es dem Brachmann, Maxe es gab damals
   mehr Schläge als zu essen,
Kinder, das dürfen wir nicht vergessen.
Auch Langner wohnte mit drin im Haus,
Nun geh'n wir auf der Mühlenstraße mal aus.
Und sind an Briefträger Schiller sein'm Haus.
Der war, wenn man ihn sah, fast immer besoffen,
Und stank nach seinem Ziegenbock, ich sage das ganz offen.

Ein Stück hin war von Marofke, Hedwig das Haus,
Zuletzt hieß sie Krisemke, daneben war Schiffbauer
   Franzke zu Haus,
Der hatte Frau Weidner als Frau dann im Haus.
Ihre Kinder waren der Fritz, der Paul, der Ernst und die Klara,
Die wohnten mal früher bei uns im Hause mit drin,
Deshalb kann ich mich darauf noch besinn'n.

Gegenüber da wohnte der Henschel Bauer,
Und nun kommt ein ganz Schlauer.
Schrägüber, da war der Johnzicka zu Haus,
Aus der Wirtschaft machte er sich garnischte draus.
Der tat lieber schachern und Musike machen,
Man erzählte sich dolle Sachen.
Sie taten für den Tanz einen Groschen kassieren,
Der Zicka tat kein Paar aus den Augen verlieren.
Er tat beim Klavierspielen die Paare schon in Gedanken
kassieren,

24

Und folgendes tat ihm öfters passieren:
Plötzlich wußte er nicht, was die anderen wohl spielen,
Und tat verlegen zum Geiger hinschielen,
Der rief dann gleich, Richard, spiele Walzertakt.
Nun hat er es auch dann gleich wieder gemacht.
Laut ertönte sein Bumbata,
Wir merkten, der Zicka, der ist wieder da.
Später wohnte in seinem Haus der Sattler Pieps,
Auf eine Gärtnerei hatte der einen Zips.
Doch die Sache ist seinerzeit schief gegangen,
Der Ziegler, Kalle und Heinsche, Gustav taten dadurch
   eine Wohnung erlangen.
Zuletzt wohnte drin die Familie Koch,
Nun kommen wir an ein ganz kleines Loch.

An das Häusel vom alten Vater Bär,
Die Frida holte als Mann sich der Döring, August her.
Mutter Döring, die war sehr bekannt durch die Döringhöhle,
   die lag bei Sorgau im Walde drin,
Ausflügler von weit und breit zogen nach dort hin.
Einmal Pfingsten, weiß ich noch,
Besuchten meine Eltern auch das Loch.
Plötzlich fing's zu regnen an,
Jeder lief nun, was er laufen kann,
Das letzte Stück zur Höhle hin,
Viele Leute war'n schon drin.
Doch was nützte unser Laufen,
In der Höhle tat man bald ersaufen.
Unter ein Waschschaff steckte mich der Vater,
Kinder, war das ein Theater.
Von oben lief das lehmige Wasser rein.
Frauen fingen an zu schrei'n.
Man zog mich unterm Schaff hervor,
Und der ganze gemischte Chor
Ist ins Freie dann gegangen,
Dort haben wir das Naß dann rein empfangen.
Denn die Blusen und Kleider waren voll Lehm,
So zogen wir beschämt dann hem.
Frau Döring hat man auch dann aus dem Bau getrieben,
Dann hat sie schwarze Kunst betrieben.
Und manchen Kunden tat sie sagen: „Utaleder (Otternleder)
   verdammten gut!“
Alles bracht sie unter einen Hut.

25

Wollt' gar nischt helfen, nicht mal das Besprechen,
Tat sie folgendes Rezeptchen sprechen.
Eh' der Kunde war ganz tot,
Wickelte sie ihn in seinen eigenen Kot.
Der Erfolg, das war Gestank,
So wirkte sie ein Leben lang.
Doch mit ihren Kräuterkuren
Brachte manchen wieder sie auf Touren.

Nebenan man dann beim Teichmann war,
Welcher tätig auf der Schiffbau war.
Und nebenan der Langner, Karl,
Der war ein Schiffer in jedem Fall.
Herr Bochnick wohnte da mit drin,
Nun zieh'n zum Bleul wir gleich mit hin.

Dahinter wohnte Latoni, Richard, der kam als rauer
   Kriegersmann
Aus Russland in dem ersten Kriege hier an.
Er blieb dann hier und wurde ein guter Familienvater.
Manchmal hatte er mit dem alten Kurzmann einen Kater,
Denn der Schnaps, der schmeckte beiden gut.
Nun geh'n wir zu Mutter Mirsbe auf's Gut.

Die Wassermühle hatte sie in Schuß,
Ihre Karpfen aus dem Teich war'n ein Genuß.
Die Wirtschaft hatte sie in Schwung,
Dabei war sie nicht mehr jung.
Der Landeck, Erich hat ihr alles abgenommen,
Hinter das Warum bin ich nicht recht gekommen.

Und nun noch in die Schäferei hinaus,
Früher, da gehörte sie ins Schuckmann-Haus.
Doch als der Herr Baron tat Pleite machen,
verkaufte man die schönen Sachen.
Kalkos, Leo schoß den Vogel ab, er war kräftig und auch jung,
Sorgte stets für Vieh und frischen Dung.
Und so tat er bis zum Schluß sich halten,
Andre tun nun das Gut verwalten.
In Amerika, da ist er nun bei seiner Schwester,
Trotzdem glaubt er immer fester,
Daß er bald wieder kann in Auras sein,
Sein Heimweh, das ist nicht ganz klein.

Nun verlassen wir den Langegraben
Und wollen zu der Walker Chaussee hintraben.

26

An der alten Sandgrube komm'n wir raus,
An der Ecke stand vom Elektro-Nowak gleich das Haus.
Die Nitschke- und Steinbornmühle konnt' als Junge ich
   noch seh'n.
Die Flügel taten sich im Winde dreh'n und auf der Chaussee,
   da konnt' man in die weite Walke gehen.
Von Auras war das eine Kolonie.
Und dahinter, das vergeß ich nie,
Ging der Weg nach Jäkel ab,
Und in Hauffen ging's bergauf und –ab.
Da nannt' ich auch Kiesgruben mein,
Und die war'n bestimmt nicht klein.
Ich tat sie gerade erst erschließen,
Plötzlich fingen die Idioten an zu schießen
Der Lastzug und auch ich waren gleich Solodat,
Heute ham wir den Salat.

Bis nach Riemberg war dann noch ein ganzes Stück.
Doch nach Auras nun zurück.
Bis zum John, Otto war dann noch ein kurzes Stück
Der Bunke, Robert wohnte mit im Haus.
Vom John sag ich noch folgendes aus.
Weil er auf der Schiffswerft mit beschäftigt war,
Machte er seiner Mutter folgendes klar.
Sie konnte nämlich immer die Niethämmer hören,
Deshalb tat er ihr folgendes erklären:
Wenn de hörst „Bumbada, bumdada...“, das bin ich allein,
Und hörste „Ratada, ratada...“, das tut der Teichmann sein.
Und nun schnell zur Stadt hinein.

Beim Nowak kam das erste Haus,
Dahinter schaute Rodewald heraus.
Und nun stehn wir an der Ecke von der Dyhernfurther
   Chaussee,
Welche nun entlang ich geh.
Links das Haus vom Langner, Paul sich dort befand.
Rechts das Sägewerk vom Tietze, Maxe stand.
Dahinter konnte man zum Schneider, Bruno geh'n,
Seine Wirtschaft, die war groß und schön.
Nun geht zum Fröscher, Ernst die Tour,
Wir nannten ihn meist Quaker nur.
Und schrägüber, wunderschön,
Konnt' man zu Billert und zu Geilich gehen'.
Nun tun wir schon den großen Zaun der Schiffswerft seh'n.

27

Herr Wedemann tat der Besitzer sein,
Seine Kähne , die waren fein.
Als gute Schwimmer waren sie bekannt
Im ganzen schönen deutschen Land.

Nun gehen wir auf dem Fußsteg an der Oder lang.
Und da wohnte dicht am Rand
Der Herr Exner, Studienrat,
Kunze, Bruno in der Tat.
Hatte da ein Motorboot,
Half den Schiffern aus der Not.
Verkaufte ihnen fürs tägliche Brot, Brot, Butter, Bier,
   Schmalz, Zigarren, Zigaretten.
Ich möchte d'rum wetten,
So manches tat er auch tauschen,
Doch darüber woll'n wir nicht plauschen.
Dann wohnte noch da vom alten Herrn Schmidt der Max,
Der spielte sehr gern einen Lachs.
Dem habe ich das Häuschen gebaut.
Er und sein Bruder Paul hatten aus der Raake die Braut.
Er war als Soldat mal Matrose
Und trug auch zu Lande die blaue Hose.

Und nun kommen wir ans Magazin.
Der Schmidt, Paul und Kretschmer, die wohnten dort drin.
Das Grundstück gehörte der Familie Weber als Eigentum,
Der Gerhard tut nun auch schon ruh'n.
Er kann nun keine Zementwaren machen,
Sind das nicht alles traurige Sachen?
Doch nun wollen wir weiter machen.

Wir kommen jetzt an das letzte Haus,
Ganz früher ging dort Grünhagel ein und aus.
Dann hatte es wohl Herr Trocher gekauft,
Dollarmillionär hatte man ihn getauft.
Von Posen war er nach Auras gekommen.
Eine Tochter hat sich der Weihrauch genommen.
Oft hörte man den Trocher sagen,
Willst du meine Tochter Erna haben.
Mußt du haben Schiff mit Tute,
Sie hatte auch 'ne süße Schnute.
Jerate, Herrmann wohnte mit da drin.
Seine Schritte lenkte er zum Wald stets hin.
Dort hatte er sein Jagdrevier,
Doch das war verboten, glaubt es mir.

28

Zuletzt, da wohnte noch Herr Kuschel hier.
Zuletzt war Besitzer der Gastwirt Schneider,
Auch diese Aktien ruhen leider.
Der Wald an der Oder wurde Kuhwerder genannt,
Und war in Familie Schneiders Hand.

Und nun gehen wir wieder an die Chaussee.
Und wen treffen wir da, juchhe?
Den Glunde pinten und die Grete.
Auch Kretschmer, Willi hatte mal dort ein Bauunternehmen,
Mir tat er mal fachlichen Unterricht geben.
Er war von Natur ein großes Genie,
Doch Geld hatte er leider nie.
Auch Schiffseigner Kassner wohnte mal dort im Haus.
Nun senden wir unsere Blicke auf die Chaussee hinaus.

Von weitem tat man Fogswald seh'n.
Ein Stück weiter lag rechts dann Tannwald sehr schön.
Und links kam man nach Althof rein,
Dann kamen die Reichwalder Ziegelei'n.
Dort regierte der Dir., Herr Dorff.
Die Ziegelei lag gleich neben dem Dorf.
Die bunten Klinker waren bekannt.
Sie gingen per Schiff ins ganze Land.
Dort habe ich des öfteren gebaut.
Ihr seht, auch in der Umgebung bin ich vertraut.
Dann kommt amn weiter nach Kranz hinein.
Und vielen dürfte es nicht bekannt gewesen sein,
Daß der Herr Kalinski dort einen Schacht hatte mit Lehm.
Warum ich's erwäh'n werdet Ihr gleich verstehn.
Da lagen Feldgleise bis nach Dyhernfurth hin,
Und allen Lehm schaffte man auf den Bahnhof dort hin.
Der wurde verladen und ging bis nach Schweden
Und tat der Gemeinde die Devisen gut heben.
Als Schwiegersöhne hatte er den Heidler Paul, und den
   Weidner Fritze.
Auch Weidner Ernst und Paul machten sich da mit nütze.
Und nun gehen wir noch bis Dyhernfurth rein,
Bis dort tat auch meine Kundschaft sein.
Gleich links war die Mühle von Preuß, Kurt.
Die vergrößerte ich in Dyhernfurth.
Daneben baute ich gleich ein Haus und ging man in die
   Stadt hinein,
Lief man bald in die Kachelfabrik von Schwenke hinein.

29

Neben dem Schlosspark wohnte der Meister des Auto-
   handwerks Herr Fleischer,
Und ich baute voller Eifer
Eine Menge Garagen ihm hin.
Doch futsch ist futsch und hin ist hin.
Links über die Oder kam man nach Gloschkau rein.
Ein Stück weiter waren die Pogeler Ziegeleien.
Per Bahn fuhr man nach Wohlau hinein.
Das war eine alte Piastenstadt,
Nach welcher unser Kreis seinen Namen hat.
Doch nun zurück bis an das Glunde-Haus,
Denn wir sind ja in Auras zu Haus.

Da stand an der Chaussee auch ein Kreuz mit dem Herrn
   Jesu dran,
Wie man sich doch an alles noch so erinnern kann.
Rechts kam das Haus von Bruno Schwanke,
Das war mein erster Neubau, wofür ich heut noch sag
   „Danke“.
Der Bruno und die Wanda tun beide noch leben,
Seh'n wir uns wieder, werde ich einen Schnaps ausgeben.
Brachmann Maxe wohnte mit im Haus,
Seine Tochter Hilde ging gern aus.
Mutter, Tochter und Sohn sind in Frankfurt am Main.
Ich traf sie dort beim Schlesiertreffen, das war fein.
Geradeüber war der Julienhof,
Zuletzt zog Ceschler seine Schweine dort groß.
Der Franz hat die Kalkos Hedel zur Frau,
Wo die jetzt wohnen weiß ich nicht genau.

Daneben wohnte der Schiffer Karl Bross im Haus
Und gleich daneben ging Familie Demmni ein und aus.
Schon sind wir am Mukraschhaus, das war ein Schiffer von
   Format.
Der Sohn ist mit Glunde, Grete noch auf großer Fahrt.
Billert und Tietze hatten wir schon mitgenommen,
Nun sind wir wieder an der Bösang-Ecke angekommen.
Da wohnten verschiedene Leute im Haus,
denn bei der Metha, da hielt man's schlecht aus.

Geradeüber hatte mal der Krusch, Karl gebaut,
Baumeister Bölke hat dann dort zum rechten geschaut.
Bei ihm bin ich in der Lehre gewesen,
Er hat mir auch manchmal die Leviten verlesen.

30

Kinder hatte Herr Bölke vier.
Heinz, Günther und Trautchen, merkte ich mir.
Den Namen vom Kleinen hab ich vergessen,
Oft haben wir im Turnverein zusammengesessen.
Schade, das ich gar nichts von ihnen weiß,
Günther und ich, wir kämpften oft heiß um den ersten Preis.

Daneben hatte Müller, Richard seine Stellmacherei
Und Musik machte er nebenbei.
Gegenüber hatte Herr Reinsberg sein Revier,
Jungs hatte er drei und Pferde wohl vier.
Die Alten und Jungen tun alle noch leben.
Vor kurzem konnte ich einen zum besten geben.
Sie waren mich hier in Berlin besuchen,
Das waren schöne Stunden bei Kaffee und Kuchen.

Daneben ging der Samtbottelmüller aus und ein.
Er hatte auch ein Möselein.
Und die alten Kunzes hatten an der Ecke ihr kleines Haus.
Von hier ging's auf die Fährstraße hinaus.
Daneben hatten Karl Bunke und der Sohn Willi die Wiege
   mal steh'n.
Und Willi führte eine Häusler Tochter hem.
Selbst die Mutter Eckelt soll noch leben,
Ihr Mann, der Paul, tat gerne einen heben
Zum Hamann hatte er's nicht weit,
Dort war sein schönster Zeitvertreib.
Zu jedem tat Mutter Eckelt mein Säckale sagen,
Heute muß sie sich in der Fremde rumplagen.

Der alte Schipke hatte bloß einen Arm noch dran.
Trotzdem war er ein fleißiger Mann.
In dem Hause tat auch mal 'ne Rolle steh'n,
Frauen sehe ich noch mit 'nem Wäschekorb hingeh'n.
Der Simon Erich hat die Schipke, Meta dann gefreit.
Wir beleiben weiter auf der rechten Seit'.

Daneben im Garten hat ein Verwandter von Erich
   gebaut.
Dahinter hat sich der Bauer hinter den Ohren gekraut.
Sprechen konnte der wie ein Buch,
Die Arbeit war für ihn ein Fluch.
Zuvor hatte die Wirtschaft mal ein Gäu,
Der machte darauf Geld wie Heu.
Und nebenan tat Häusler leben,
Sie taten 5-6 Kindern wohl das Leben geben.

31

Der Nissler, Reinhold hatte auch davon ein Mädel,
Die drehten sich von früh bis abends wie ein Rädel.

Im Hause wohnte noch die Witwe Klemm,
Den Witzbold Hermann wird noch mancher kenn'n.
Die alten Simons wohnten nebenan im Haus.
10 Kinder gingen dort bald ein und aus.
Sie waren alle gut und fleißig,
Daß Fritz gut malen konnt, das weiß ich.
Als Musterschüler wurde er geführt,
Bekam auch selten eine mal geschmiert.
Und seine Schuhmacherei war in Breslau stadtbekannt
Wegen orthopädischer Schuhe kam man von weit hergerannt.

Daneben wohnte Fährmann Koschnik dann, dieser alte Kolle,
Das war eine dolle
Rauhe Seemannshaut mit Zickenbart.
Eh der sich dem Ufer naht,
Hatte man bald die Hosen voll.
Ja, die Bedienung, die war doll.
Man konnte nicht mal über die Oder in die Heirat geh'n.
Die Kerle ließen ein dann glattweg steh'n.
Kam man spät erst dann nach Haus,
Schrie man sich die Lunge aus.
Hol über, brüllte man dann wie besessen,
Doch die Herren taten so, als hätten sie's vergessen.
Und nicht viel besser war der Walter Kolle,
Daß ich heut mit dem noch grolle.
Die konnten wegen mir den Tag auch zehnmal in die Kirche
   rennen.
Nächstenliebe konnte man ihr Benehm' bestimmt nicht nennen.

Doch einmal, da war's mir geglückt,
Den Walter machte ich bald verrückt durch folgendes
   Husarenstück.
Schummrig war es auf der Oder schon,
Schwimmen konnte ich als kleiner Junge schon.
Zuletzt da schwamm ich wie ein Toter 'rum.
Machte weder Bein' noch Arme krumm.
Kam angeschwommen wie ein Brett,
Kinder, war die Sache nett.
Schon von den Heinze-Kähnen aus,
Sah ich nach der Fähre aus.
Und wer saß da auf dem Budendeck,
Walter, Karl, der Fährmannsschreck.

32

Ich dacht, den bringste jetzt auf Deck.
Für die Bergung jeder Wasserleiche gab es 20 Mark.
Und dazu ein Armensarg.
Ich legte mich ganz ruhig auf den Rücken
Und dacht, wird er mich nun erblicken.
Als ich an der Fähre nun vom Strome wurd vorbeigetrieben
Hörte ich, wie drüben

 


Auf der Fähre es gleich wurde munter.
Karl kroch rauf aufs Budendach und gleich wieder runter
Der alte Herr, der wurde ordentlich munter.
Ließ die Pfeife auf der Bude liegen,
Hat vor Freude sich die Händ' gerieben.
Lief schnell hin zum kleinen Kahn,
Wo er gleich das Ruder nahm.
Und mit Stößen riesengroß,
Schoß er auf mein'n „Leichnam“ los.

33

Wollte sich doch 20 Mark verdienen,
Er schuftete wie 1000 Bienen.
An der Schiffbau hatte er mich ein,
Ich durft vor Freude nicht mal lachen oder schrei'n.
Denn ich mußte ja die Luft anhalten,
Wasser hat bekanntlich keine Balken.
Endlich war er an mich‚ ran,
Heut’ tut er mir leid, der alte Mann
Als er tat das Rudel nach mir heben,
Sagte ich, „Herr Walter, ich tu ja noch leben.“
Vor Schreck da taten ihm die Hände beben.
Und ganz aus tiefstem Herzensgrund
Sagte er bloß: „Du verfluchter Hund!“
Er schob seinen Kahn dann an das Land,
Ich bin vergnügt an ihm vorbeigerannt.
Ich wünschte ihm vergnügten Feierabend.
Kinder, war das nicht erhabend!
Unsern Fährmann konnt‘ ich schwitzen sehn,
Der tat beim Schuben ordentlich stöh’n.

Nun geh’n wir gleich zu Bretag ‚rauf,
Umgebaut hab ich mal dieses Haus.
Der Wilhelm Bretag war 'ne Seele von en Mann
Und man sah’s ihm gar nicht an.
Daß ers konnte übers Herze bringen,
Die lb. Fischlein fangen in den Schlingen.
Doch das war nun mal sein Brot,
Gerne schlug er sie nicht tot.
Einige Male war ich mit dabei beim Fischen,
Die kleinen ließ er wieder gleich entwischen.
Der Vater war ein braver Mann,
Das merkt man auch den Kindern an.
Der Alfred zog schon in Walhalla ein,
Wird mit dem Vater nun zusammensein.

Daneben da stand im Garten ein Haus,
Taubstumme gingen da ein und aus.
Man sah sie hurtig auf Wiese und Feldern walten
Und taten dabei sich noch unterhalten.

Achtung nun komm’n wir zu Walter heran,
Da kamen auch oft schwärmende Bienen an.
Die haben so manchen Passanten gepiekt,
Deshalb haben wir die Ecke zum Spielen nicht geliebt.

34

Sah man sich an nun den Oderstrom,
Die Pappeln am Fährkretscham wölbten sich über ihn wie
   ein Dom.

Da war man in Gedanken in Brandschütz schon.
Von da lenkt man die Schritte nach Klein-Bresa hin.
Zuvor kam man, glaub ich nach Leonhardwitz noch rin.
Doch nun zurück in uns’re Stadt,
Die noch so manche Überraschung hat.

Da stand rechts gleich die Scheune von Herrn Simon
Und gleich sind wir an einem Birnenboom.
Der stand vor dem Langner Schuster sein Haus,
Zuletzt ging Frau Bross dort ein und aus.
Der Bross Fritz ist sogar bei den Polen geblieben
Manchmal da kommt sogar Post noch von drüben.

Nun geh’n wir erst auf der Fährstraße zurück
Bis zum Trunsche Sempert, da war’s nur ein Stück.
Frau Peise, die wohnte auch dort im Haus.
Der Obste Paul ging auch ein und aus.
Daneben wohnte die Mutter Fiege,
Die holte überall Futter für ihre Ziege.
Als nächster kam der Härtel Maxe.
Der lud seinen Pferdchen immer sehr viel auf die Achse.
Nun geh’n wir mal zum Hamann rein,
Die Tanzvergnügen waren dort immer fein.
Zuletzt da hatte der Neugebauer Alfons dieses Lokal besessen,
So manchmal haben wir bei ihm gesessen.

Schrägüber hatte der Schiffbauer Bleul sein Haus,
Sein Schwiegersohn Richard Müller überreichte dort seinen
   Hochzeitsstrauß.
Daneben stand die Scheune vom alten Hamann,
Jetzt kommen wir an die Grallert-Schmiede schon ran.
Der hämmerte auch von früh bis spät,
Seine Ehe war dicht von Mädchen besät.
Der soll heute noch mit über 80 Jahren
Als Hennecke in der Zone sich plagen.

Gegenüber wohnte der Bürgermeister Schwabe,
Dessen Frau ich bei den Schlesiertreffen schon mehrmals
   getroffen habe.
Der Stiller Franz und noch 5-6 andere wohnten mit drin,
Folgendes kommt mir da noch in den Sinn.

35

Der Schmidt Paul, den müßtet ihr doch noch kennen.
Den muß ich besonders noch nennen.
Der arme Paul, der ist schon etliche Jahr blind,
Sieht nichts mehr von der Welt und auch nicht mehr sein Kind.
Der Berg Heinsch, auch Heinsche Paul genannt,
Kam öfters hinter uns hergerannt.
Weil wir zu ihm taten Heinsche Doktor sagen.
Das konnt er durchaus nicht vertragen.

An der Ecke von der Gärtnergasse,
Kinder, das ich nicht erblasse,
Fing doch unsere Vorstadt an.
Wißt ihr, weshalb ich mich daran erinnern kann.
Wir spielten doch des öftern Krieg.
Die Fährsträucher waren uns sehr lieb.
Die Vorstadt gegen die Innenstadt.
Was meint ihr, was es da für Keile gegeben hat.
Doch das war kein ausgesprochener Parteienhaß,
Das war ein dummer Jungenspaß.
Ja, an der Ecke wohnte der alte Stellmacher Härtel,
Der kümmerte sich bloß noch um sein Gärtel,
Der Dreilich Fritz, der wohnte da drinnen dann
Und ich glaube auch Familie Mann.
Ich glaube, der tat wohl Gustav heißen,
Doch nun wollen wir uns verpfeifen.

Geh’n wir nebenan zum Müller Hermann hin,
Unser Heipferd wohnte doch darin.
Spielte einer mal falsch aus,
Sagt er stets „Du Heipferd aber raus.“
Er hat jahrelang die Post betreut,
Vor kurzem hab ich mich gefreut.
Da konnt die Gold’ne Hochzeit mit der Mutter er begeh’n,
Der Otto Wilhelm und die Probste Jungen Fritz und Willi
   war’n mit da, das fand ich schön.

Daneben wohnte Wilhelm Heinke und der Vater Klotz mit
   seinem Mägdelein.
Die werden heut‘ schon 60 Jahre sein.
Nun kommt Familie Winkler dran,
Auf die ich mich entsinnen kann.
Der Vater, der war wirklich klein,
Doch das Winkler Mütterlein
War ‚ne korpulente Frau.
Die Kinder kenne ich auch genau.

36

Zwei Mädel und zwei Jung’n
Liefen da mit‚ rum.

Und wieder kommt ein Bunke dran,
Auf den Bruno ich mich noch erinnern kann.
Daneben wohnte gar ein König,
Kinder waren da nicht wenig.
Wir nannten sie alle Königgockel,
Der eine lief, als fiel er gleich vom Sockel.
Frau Schumann wohnte in einem kleinen Haus,
Zu der gingen wir manchmal 'raus.
Die hatte einen Graupestamper steh’n,
Die Inflation, die war nicht schön.
Jeder ging bloß requirieren,
Öfter tat es da passieren.
Wir mußten in der Woche dreimal blauen Heinrich essen,
Das Fleisch in 'n Topf zu tun, hat Mutter stets vergessen.
Und früh, da gab’s Kartoffeln mit Salz
Und abends aßen wir welche ohne Schmalz.
Die Körner zum Brot haben wir selber gerieben,
Man sah auch nirgends einen Kanten liegen,
Doch trotzdem sind wir damals in der Heimat geblieben.
Da war der Kaiser alleene bloß abgehau’n,
Doch diesmal, das waren ja ganz große Pflaum’n.

Und hinter Frau Schumann da wohnte Familie Rasch
Geborene Schiffer waren das.
Frau Bösang und Ruth, die wohnten mit da,
Nachdem unser lieber Kantor verstorben war.
Daneben hatte der Marofke Franz sein Heim,
Den ließ sein Vater auch zeitig allein.
Schon als Jüngling stand er der Wirtschaft vor
Und arbeitete sie auch mit Fleiß empor.
Nun gehen wir am Schneidergraben zurück,
Bis zur Wohlauer Straße ist es ja auch nur ein Stück.
Als erstes sehen wir ein kleines Grabenwehr,
Das Wasser kam von der Mirsbemühle her.
Und konnte nach Bedarf durch den Schneidergraben
Oder auch durch den Howeteich den Abfluß haben.
Und kam dann hinter Schubart am Weg zur Schützenwiese
   wieder in den Schneidergraben.
Floda, nannten wir auch dieses Wehr,
Warum es so hieß, das weiß ich nicht mehr.

37

Nun sind wir an der Schneiderbrücke
Und geh'n erst in die Fischergasse ein Stücke.
Links wohnte gleich der Kaufmann Geilich,
In einem schmalen Gässel dahinter der Schiffer Geilich.
Daneben der alte Chausseewärter Kipke,
Zuletzt sein Sohn, der Schmiede-Kipke.
Geradeüber war Friedrich Schärich zu Haus,
Die alten Krippales wohnten im Auszugshaus.
Die Scheune stand genau an dem Wege dran,
Unser Friedrich ist auch ein feiner Mann.
Ganz ehrlich ist er und korrekt,
Nun wohnt er weit und ganz versteckt.
Wir waren schon beide bis in Bonn,
Doch taten wir uns dort bloß sonn'n.
Ins Parlament ließ man uns nicht rein,
Dafür sind wir doch zu klein.

Gegenüber wohnte der alte Herr Kulke mit Frau,
Der Schiffer Nagel Paul hatte die Tochter zur Frau.
Daneben der Marofke Lusche, als Zickenmarofke ganz bekannt
Ich weiß nicht, warum er wurde so genannt.
Doch kann es so gekommen sein,
Er nannt 'ne Zille sein.
Und das war wieder ein Finowmaßkahn,
Der den Spitznamen Zicke bekam.
Der Lusche hat eine Koch-Tochter zur Frau
Und wohnte in der Zone, das weiß ich genau.

Daneben wohnte Hampel Paul,
Dem baut' ich die Scheune und einen Stall
Für die Sau, ein Futtersilo und so allerhand,
Er war als tüchtiger Bauer bekannt.
Er ist leider schon tot, und auch seine Frau,
Seine Kinder hatten mal Locken, das weiß ich genau.
Sie gehen fromm und brav ins Leben hinein,
Warum sollten sie anders als die Eltern sein.
Und vorn am Weg stand ein Rohbauhaus,
Das war von seinen Eltern das Auszugshaus.
Ein ganz alter Mann wohnte jahrelang drin,
Doch der Name kommt mir nicht mehr in den Sinn.
Da ging der Teppich-Koschnick drin ein und aus.
Ich weiß noch, wie Mutter tat jedes Fleckchen sammeln.
Die schnitt sie in Streifen und näht sie zusammen.

38

Das wurden dann ganz große Knäule.
Warf sie mir mal so'n Ding an den Kopf, dann hatt ich 'ne
   Beule.
Denn wozu der unnötige Ruhm,
Ich wollte als Junge auch nischt tun.
Jedenfalls webte Herr Koschnick Stubendecken daraus
Und ich klopfte Muttern die Dinger dann aus.

Auf der anderen Seite gleich nebenan
Sind wir beim Schwanke Josef jetzt dran.
Der war Maurer und Bauer zugleich,
Seine Wirtschaft war sein Himmelreich.
Er war auch der erste Geselle, den ich hatte in meinem Betrieb,
Den Josef, den habe ich besonders lieb.
Und tat er mit mir mal was ernstes besprechen,
Tat er sich sehr oft selbst unterbrechen.
Heute, da spricht er wie ein Buch,
Ich war bei ihm auch schon in Hannover zu Besuch.
Seine Mutter mit seiner Schwester, die leben auch dort,
Hannover ist auch ein schöner Ort.
Er hat schon wieder ein Häuschen gebaut,
Doch die Polizei hat’s so groß nicht erlaubt.
Er lebt mit seiner zweiten Frau zufrieden und glücklich darin,
Doch nach Auras, da steht ihm der Sinn.
Und eins, das muß ich noch sagen,
Das stammt aus ganz frühen Tagen.
Als Jungs taten wir Nettel zu ihm sagen.
Das war gerade vor seiner Tür,
Das passierte dem Fischer Hans und mir.
Wir ärgerten ihn und eh wir uns verseh’n,
Ist ihm folgendes gescheh’n:
Er holte schnell seinen Nettel raus
Und stand nun wutendbrannt vor dem Haus.
Plötzlich sagt er: „Nettel faß“,
Und schon sausten wir barfuß über Steine und Gras
Beim Trunsch durch den Graben in die Fährsträucher hinein,
Mein lieber Josef, das war nicht fein.
Doch nun schnell wieder zur Schneiderbrücke zurück,
Nach dem Scheunenberg richten wir unsern Blick.
Und nun stehen wir vor dem Steigerturm da,
Der war als Übungsturm für die Feuerwehr da.
Dahinter man wohl zehn Scheunen sah.
Und links in der Ecke war der Auraser Storch.

39

Ich glaube, der hat Storchens selbst nicht gehorcht.
Denn der besuchte Storchens fast jedes Jahr.

Sie hatten eine ganz große Kinderschar.
Dann baute ich ihnen ein schönes Haus
Und der Scheunenberg sah nochmal so schön aus.

Neben der Brücke hatte die alte Mutter Heinze den Laden,
Die Fischtröge lagen dort immer im Graben.
Dahinter da war vom Probst noch ein Garten,
Daß die Früchte reif waren, konnten wir kaum erwarten.
Zuletzt hatte Franz Schien seinen Laden da,
Der Heinze Bäcker war sein Schwiegerpapa.

Korbmacher Hoppe wohnte nebenan,
Weshalb man zum Fritz auch Huppe Stenzel sagen kann.
Der trug wie ich den Maurerkittel,
Doch nun sind wir schon am Spittel.
Vergitterte Fenster sah man drin,
Schlechte Menschen sperrte man da rin.
Doch oft sind sie dem Kluge Wilhelm fortgelaufen.
Beim Essengeben rannten sie ihn über’n Haufen.
Schuster war der Wilhelm von Beruf,
Auch seinen Namen als Nachtwächter er sich schuf.
In der Umgegend war er weit bekannt,
Aus verschiedenen Richtungen kam er nämlich angerannt.
Er trank gerne, doch nur beim Steh’n.
Doch wenn er nicht mehr stehen konnt
Und es kam ein fremdes Fahrzeug angerollt,
Hat man den Wilhelm dann verladen.
Und wenn er nüchtern wurde, besah er sich den Schaden.
Gelandet ist er bis in Stroppen,
Natürlich taten wir ihn dann noch foppen.
Am liebsten schlief er bei dem Scharrer auf der Schwelle.
Manchmal war’s dann schon ganz helle,
Den Spieß, den haben wir ihm oft geklaut,
Doch wehe, er sah uns mit einer Braut.
Er verfolgte uns auf Schritt und tritt,
Überall schlich er dann mit.
Die Mädels wurden ganz nervöse dann,
An die Höschen durften wir nicht ran.
Öfter ist’s dann vorgekommen,
Wir sind um unsern Minnedienst gekommen.

Totengräber war der Wilhelm auch,
So war das in Auras Brauch.

40

Ich frage mich heute noch, woher hat erbloß die Zeit
   genommen,
Daß noch so viele Kindlein sind gekommen.
Und noch dazu so geglückt,
Das ist ein wahres Meisterstück.
Klemm Richard wohnte auch im Spittel,
Voller Rotz war’n stets die Ärmel vom Kittel.
Richard war ein großes Genie
Er hatte auch so’n großen Kopf wie’n Pferdevieh.
Früher saß er jahrelang im Rathaus drin.
In die Bücher sah er fast nie rin.
Man konnte eine Urkunde verlangen wie man wollte,
Selten daß er mal zum Schrank hintrollte.
Alle hatte er im Kopfe drin, jedes Datum, jeden Namen,
Darin war er ganz erhaben.
Doch zum Schluß gings durcheinander ihm
Und er mußt ins Spittel zieh’n.
Ging für den Pfarrer dann Kollekte sammeln,
Und tat stets sein Verslein stammeln:
„Kollekte bitte und ein ää,“ damit meinte er ein Ei,
Wehe es war keines dabei.
Zu tausend hatte er sie in der Wohnung dann,
Daß er bald nicht mehr treten kann.
Ganz schlecht konnte er dann nur noch laufen,
Sitzen sah man ihn auf jedem Haufen.
Kinder waren um ihn stets herum,
Denn Richard hörte man dann summ’n:
„Ein Vöglein wollte Hochzeit machen“,
Manchmal auch ganz andere Sachen.
Auch das Geschichtchen, es ist wahr,
Als er noch auf dem Rathaus war.
Kam’n die Reservisten heim
Und besoffen sich wie’n Schwein.
Da das wohl sein Jahrgang war,
Nahm er sich die Sache wahr,
Man goß ihn voll bis obenhin,
Wie’n nasser Sack fiel er dann hin.
Und die frechen Reservisten
Taten die Gelegenheit nützen.
Holten aus dem Schweinestall
Einen großen Kasten ran,
Man schob den Richard dort hinein,
Ja, das war ein Bild zum Schrei’n.

41

Trugen ihn dann vor die Rathaustür,
Der arme Kerl konnt nischt dafür.
Und es wurde heller Tag,
Der Richard, der ist nicht erwacht.
War auf keinen Fall wach zu kriegen,
Blieb in seinem Kasten liegen.
Um 10 Uhr kam der Bürgermeister angelaufen,
Tat sich vor Scham die Haare raufen.
Viele Leute standen r'um,
Die Sache war ihm zu dumm.
Mit vereinten Kräften hat man angefasst,
Ins Gasthaus hat man ihn zurückgeschafft.
Erst am Abend kroch er raus,
Und fand nicht mal allein nach Haus.
Noch Stunden könnt ich solche Sachen schildern,
Noch schöner wär' das Heft mit Bildern.
Der Leichenwagen, der stand neben dem Spittel,
Die Leichträger trugen wie überall schwarze Kittel.
Und ließ man etliche Taler springen,
Tat sogar der Kirchenchor singen.
Bei einem ganzen Armen taten die Glocken ganz schweigen,
Die Reichen begrub man mit Trompeten und Geigen.
Doch trotzdem hatten sie alle einen kalten Popo,
Doch ich glaub, das ist überall wohl so.

An der Ecke, wo's rum geht zum Schützenplatz hin,
Da wohnten die alten Flöterts mal drin.
Die Grete nahm sich Herr Schwabe als Frau,
Er ist leider schon tot, das weiß ich genau.
Noch mit im Hause wohnte ein Dollinger drin,
Nun gehen wir zu Deichsel sein Lagerplatz hin.
Der lag an dem Hohlweg, der auf den Schützenplatz führt,
Wo man auch den Wallgraben mit dem Schneidergraben
   hatte zusammengeführt.

Unser kleines Schützenhaus kann man jetzt seh'n,
Bei Hochwasser tat's unter Wasser steh'n.
Genau so war's mit dem Kugelfang.
Und ich weiß, dass auch manchmal tagelang
Das Schützenfest musste verschoben werden,
Weil's zuviel geregnet hat auf Erden.
Dann lief die Oder lief die Oder von Damm zu Damm
Und wochenlang waren die Wiesen voll Schlamm.

42

In den Vertiefungen haben wir dann nach Fischen gefischt,
Ich organisierte so manches Gericht.
Die Hasen und Kaninchen schwammen dann rum,
Hoch in den Sträuchern saßen sie frierend und krumm.
Manchmal lief das Wasser über die Dämme schon weg.
Die halbe Stadt schleppte voll Sand dann die Säck.
Wäre einmal der Damm gebrochen,
Wäre das Städtchen glattweg ersoffen.
Und selbst bei solch ernsten Sachen
Taten wir Jungen noch Dummheiten machen.
Der alte Kurzmann und Grunert taten sich nah'n,
Sie hatten von Deichsel den Kahn.
Und stopften im Damm die Löcher mit zu,
Wir Jungens, wir guckte natürlich bloß zu.
Auf einmal, da taten sie länger verweilen,
wir taten mit scharfen Augen gleich peilen.
Und wirklich, sie setzten 'ne Flasche an'n Mund,
Dann legten sie dieselbe auf den Damm zwischen Säcke
   auf Grund.
Sie fuhren los, eine neue Ladung holen,
Wir schlichen zur Flasche so ganz verstohlen.
Beim Schubert dann hinten am Tor
Knöpften wir uns die Pulle dann vor.
Es war solch gelber Fusel darin,
Den saufen wir aus, kam uns sofort in den Sinn.
Der eine, das war ein olles Schwein,
Der pinkelte dann in die Flasche hinein.
Er trug sie auch selber zwischen die Säcke,
Wir warteten dann in unser'm Verstecke.
Und bald kam der Kahn mit den Männern wieder an,
Und prompt bei der Flasche hielten sie an.
Der Kurzmann, der setzte als erster an,
Weil der wohl am meisten vertragen kann.
Doch der Schluck war nicht lang,
Uns wurde schon bang.
Er sah sich die Flasche ganz kritisch an,
Doch setzte er dieselbe noch einmal an.
Dann schüttelte er den Kopf und fing an zu spucken,
Doch der andere, der war schon beim Schlucken.
Doch plötzlich spuckt der noch viel mehr,
Die Flasche war tatsächlich bald leer.
Nun fingen sie an zu gestikulieren,
Doch keiner wollte mehr probieren.

43

In hohem Bogen flog die Flasche ins Wasser rein,
Und nun fingen die beiden an zupeil'n.
Doch sie konnten uns nicht entdecken,
Wir taten ja hinter dem Tore stecken.
Doch plötzlich, da stieg der Grunert an Land,
Da nahmen wir gleich die Beine in die Hand.
Beim Schubert fegten wir durchs Haus durch geschwind,
Und standen scheinheilig dann auf dem Ring.
Das, was wir taten, das fand ich nicht recht,
Solch brave Männer behandelt man nicht so schlecht.

Doch nun wieder zum Flötert an die Ecke,
Wo ich gleich die Lindenstraße entdecke.
Da war links zwischen den Scheunen ein großer Platz gewesen,
Der war meist leergefegt wie mit einem Besen.
Doch plötzlich, eh man sich's versah,
Waren eine Menge Wagen da.
Karussells, Schießbuden und Schaukeln,
Auch Menschen, man sagt die können gaukeln.
Auch Zelte mit Pferden und Affen,
Wir liefen gleich hin und taten dann gaffen.
Manchmal machten wir uns auch nützlich und nett,
Dann bekamen wir manchmal ein Freibillett.
Von weit und breit kamen die Leute dann her,
Und unsere Taschen waren dann schnell leer.
Und haben wir die Bekannten und Verwandten das ganze
   Jahr nicht besucht,
Während dieser Zeit haben sie mich bestimmt verflucht.
Da war ich am Tage zwei- bis dreimal bei ihnen,
Denn das fahrende Volk wollte doch auch was verdienen.
Manchmal tat ich der Mutter 'nen Beem auch klau'n,
Ach, die hat mich dann jämmerlich verhau'n.
Beim alten Nitschke, da konnten wir immer das Karussell
   dreh'n.
Ach, Kinder, war das noch schön, heut, da tut sich alles
   alleene dreh'n.
Inzwischen sind wir nun beim Kempe Gustav, das ist nicht
   der Kempe
Mit der Holzsäbelplempe.
Bei dem sah's aus ganz kunterbunt,
Die Wirtschaft, die lief ooch nicht rund.

Gegenüber war der Kadler, Richard zu Haus,
Der baute sich eine Tischlerei dort aus.

44

Von der Hobelmaschine hörte man in der ganzen Stadt
   den Lärm,
Seine Frau tat in der ganzen Gegend rumschwär'm.
Sie war eine weise Frau,
Und Hebamme war sie au!
Sie holte auch mich ans Tageslicht,
Ich hatte rund sieben Pfund Gewicht.
Sie half über 3000 Müttern in ihrer Not
Und verdiente damit ihr Brot.
Magda hatte Paul Wende zum Mann,
Von dem man auch nur sagen kann,
Das war ein Meister von Format,
Viele machten mit seinen Möbeln Staat.

Schiffbauer Gabler wohnte daneben,
Der Richard ertrank, doch die Eltern, die leben.
Und oben wohnte Frau Sonnabend drin,
Und in dem Gäßchen, ein Stückchen bloß hin
Hatte Jerate, August sein Reich,
Sein Spargel war angeblich butterweich.
Doch hatte man ihn auf dem Teller dann,
Vor Fasern man sich da nicht retten kann.
Den guten hat er nach Breslau verschoben,
Mein lieber August, dich kann ich nicht loben.

Und wieder vorn an der Lindenstraße dran
Kommt die Familie Kleinert dran.
gegenüber war von dem Motzeck Schuster das Haus,
Die bauten auch mal einen Laden dort aus.
Doch der ging bald wieder ein,
Nun stellen wir uns beim Stellmacher Tietze ein.
Dem seine Werkstatt war sehr groß,
Doch es war nicht viel drin los.
Der eine Gaul an seinem Wagen
Mußte sich sehr lange plagen.
Schnaufen hörte man den auf hundert Meter schon,
Und der Paul, das war sein Sohn.
Schwärmte nur für Fliegerei,
Schließlich war er auch dabei.

Richard Kluska wohnte gegenüber.
Und ich sage dir, mein Lieber,
Der flüchtete von Oberschlesien 1918 schon,
Ja, der kennt den Rummel schon.

45

Und nun mußte er wieder weg,
Mit dem großen Auraser Treck.
Er war Ehrenmitglied in unserm Turnverein,
Also konnte er ein guter Mensch nur gewesen sein.
Der kleine Walter ist ganz groß,
Ja, der Junge hat was los.
In der Stadt ganz groß bekannt,
Jeder kam mit seine Sorgen zu ihm hingerannt.
War auf dem Rathaus der Standesbeamte,
Weshalb man ihn auch schon gut kannte.
Er war vom Bürgermeister die rechte Hand,
Man hätte viel besser getan, man hätte ihn selber
   dazu ernannt.
Auch war er lange Zeit der Kassenleiter,
Ich glaube, der kommt nochmal viel weiter.
Landrat müßte Walter längst sein,
Doch leider ist sein Portemonaie zu klein.
Sein Licht tut man unter den Scheffel stellen,
Anstatt seine Leistungen anzuerkennen.
Von ihm können viele Doktoren was ler'n,
Doch die hören so etwas nicht gern.
Als Freund und Helfer ist Walter bekannt gewesen,
Doch er hat's nicht gern, macht man deshalb soviel Wesen.
Drum wollen wir über'n Flur zu Hans Tonder hingehn,
Den tat man mit einem Arm nur seh'n.
Den anderen opferte er 14-18 schon dem Vaterland,
Doch er meisterte sein Leben mit einer Hand.
Vorher gehörte das Grundstück einem gewissen Herrn John,
Und nun sind wir am Markegässel schon.

Gegenüber wohnte Robert Weber schon seit Jahren,
Dem ging's gut in allen Tagen.
Hatte seine Wirtschaft schön in Schuß,
Mit den Kindern kein Verdruß.
Ganz früher tat er viel mit Fellen handeln,
Alles konnte er in Geld umwandeln.
Junge Eichensträucher ließ er entrinden,
Immer tat er etwas anderes finden.
Seinen Wohlstand noch zu heben,
Leider tut er nicht mehr leben.

Gegenüber wohnte Walter, Anton im Haus,
Als Tischler ging er jahrelang zur Schiffbau raus.
Dann war er auf dem Oderbau,
Er hatte eine tüchtige Frau.

46

Die Wirtschaft, die tat sie besorgen,
Sie tat sich um die Kinder sorgen.
Und der Franze, junior,
Schwang als Tischler sich empor.
Er ist eine gute Kraft,
In meiner Werkstatt er mit schafft.
Die Deichsel, Lucie, das ist seine Frau.
Und ich weiß es ganz genau,
Sie sind glücklich und zufrieden
Und tun sich beide innig lieben.

Nebenan in Walters Haus
Ging Familie Otto ein und aus.
Krautjäger taten wir sie nennen,
Der Bösel, August war von weitem zu erkennen.
Dreißig Jahre liegt er schon im Bett,
Er ist steif wie'n richtiges Brett.
Er ist als Junge mal vom Kahn ins Eis gefallen,
Dadurch wurd' er steif an seinen Gliedern, allen,
Zuerst tat er noch Bürsten binden,
Doch dann konnt er schon nicht mit der Hand
   zum Munde finden;
Drum holten viele Burschen sich bei ihm die Zigaretten,
Taten Kartenspielen und auch wetten,
Halfen ihm, die Langeweile teilen,
Wollt ein Platz man in seinem Stübchen haben, mußt man
   ich beeilen.
August hatt einen guten Humor,
Den er bis heute noch nicht verlor.
Seine halbblinde Mutter tat ihr großes Kind die ganze Flucht
   auf seinem Fahrstuhl schieben,
Glaubt mir, Mütter könn'n schon ihre Kinder lieben.
Liebten alle Kinder auch so ihre Mütter,
Wär's für viele halb so bitter.
Eins muß ich Euch noch erzählen:
Im Sommer tat die Mutter sich mit ihm bis an die Oder quälen.
Wir schoben den Wagen dann halb ins Wasser rein,
Stellten den August dann auf seine Bein'.
Legten ihn so steif um wie ein Brett,
Schoben ihn dann einfach weg.
Auf dem Rücken blieb er liegen,
Taten ihn kreuz und quer in der Buhne langschieben.
Einmal trieb er auf die Oder hinaus,
Doch in der nächsten Buhne holten wir ihn wieder raus.

47

Er fing natürlich an zu schrei'n
Unbd wollte dann schlecht wieder ins Wasser rein.
Gott gab ihm einen gesunden Humor,
Und nun gehen wir das Jänsche-Gässel empor.
An der Ecke hatte Lisaus, Fritz sein Heim,
Gegenüber tat vom Jänsch der Kuhstall sein.
Da stand meist immer von ihm ein Wagen,
Den tat man mehrmals in Teilen davontragen.
Daneben von der Klinnert, Ida ein Schuppen stand,
Dafür stellte ich später meine Garage an die Wand.
An Fischers Hof grenzte der Monart, Willi ran,
Der hatte eine Bäckerei, wie man sie kaum besser finden kann.
Die Heinze, Hedwig hatte er zur Frau,
Und im Gässel ganz genau
Lief man bei mir auf den Hof hinein und in Heinze,
Bäcker sein.
Nebenan Mong Stiller saß,
Mit dem machten sich viele einen Spaß.
Mit dem Obste, Paul war er mit auf dem Oderbau,
Im Flausenmachen war Paule sehr schlau.
Liefen sie lang am Oderstrand,
Lenkten sich Stillers Blicke nach einer Bank
Oder auch sonst wohin,
Inzwischen griff Paul in die Tasche rin.
Warf eins oder mehrere Geldstücke voraus,
Im Vorbeigehn klaubte er sie dann aus dem Rasen heraus.
Mong Stiller konnte das nicht überwinden,
Daß nur der Obste das Geld tat finden.
Darüber konnte er stets sehr fuchtig sein,
Und steckte seine Nase bald in die Erde rein,
Doch das Geld fand Paule nur allein.
Diesen Scherz trieb man mit ihm lange Zeit,
Manchmal ist er geplatzt vor Neid.
Da der Mong nicht konnte lesen,
Hat der Obste, der alte Besen,
Folgendes sich noch erlaubt:
Stiller hat stets Priem gekaut.
Kam'n sie dann nach Oswitz rein, Ransern oder Odertor,
Und der Priem grad alle wor, las Obst von irgend einem
Schilde vor:
Hier gibt’s den guten Dorns Priemtabak,
Und schon schoß Mong Stiller ab.

48

Stand im Tabakladen drin,
Nur nach Priem stand ihm der Sinn.
Der Kaufmann sagt, bedaure sehr,
Mong Stiller meint, een Priem gib her
Und sie streiten beide schwer,
Der Kaufmann sagt: „Ich habe kein'n.“
Mensch dann nimm doch die Reklame rein,
Und so schleppt er'n vor das Haus,
Und zog ihm bald die Jacke aus.
Hier, nun Könn'n sie's selber lesen,
Draußen lacht der alte Besen.
Sehn'se hier, mein lieber Mann,
An dem Schilde steht es dran,
Hier gibt’s den guten Dorns-Priemtabak;
Den Kaufmann rührte bald der Schlag.
Doch dann merkte Stiller Mong,
Daß ihn Obst verkohlen wollt,
War sehr böse dann auf ihn,
Und holt alleine sich den Priem.

Boschwitz, Paul mit Stillers Klärchen
Wohnten drin als neues Pärchen.
Nowakowski Schuster wohnte früher da,
Ohne Schlägerei kaum ein Tag bei ihnen war.
Hilfe schrie's bei Tag und Nacht.
Folgendes hab ich gemacht:

Ich war vielleicht fünf Jahre alt,
Und sag zu Belke, Hedwig halt!
Hedwig, willste einmal sehen,
Übers Haus schmeiß ich schon diesen Steen.
Ich hole aus und schmeiße los,
Das Malheur war riesengroß.
Statt übers Dach schmeiß ich in die Stube rein,
Zwei Scheiben gleich zum Teufel sein.
Hedwig lacht mich tüchtig aus,
Vater zog die Börse raus.
Zwei neue Scheiben kamen rein,
Das Angeben ließ ich nun sein.

Schulze, Kolle als Friseur,
Mit Annicken hol ich jetzt her.
Sie war Handarbeitslehrerin,
Die Eltern Hache wohnten auch mit drin.

49

Die Schulze, Käthe glauben sie,
War in der Schule ein Genie.

Daneben wohnte mal der alte Vater Sack.
Vom alten Sack das Säckelein,
Dieses Sprüchlein fällt mir ein.
Kiesewetters Schneider wohnte da,
Daneben Arlt zu Hause war.
Zuletzt der Nagel, Paul mit der Wiedemann Ziele,
Nun ist der Föniger im Spiele.
Die Dordel, das war seine Tochter im Haus,
Der Paul und Willi gingen mit ein und aus.
Früher gehörte Wabner das Haus,
Und das Gässel hieß links das Urbanski- und rechts
   das Markegässel.
Schattmann, Rudolf als Zimmermann,
wohnte gleich an der Ecke dran.
Seine kleine Frau hatte 'ne große Kinderschar,
Es waren auch bald die Enkel da.
Gegenüber der Heringsbändiger Wilhelm Marke, der hatte
   den Bretag, Otto als Schwiegersohn,
Nun sind wir ja beim Menke schon.
Die hatten einen Kohlenhandel,
Die Selma, die vollzog den ersten Wandel.
Hatte in Auras wohl den ersten Bubikopf,
Der saß auf ihrem Rumpf wie ein alter Topf.

Schwefel wohnte nebenan,
Das war ein kleiner, krummer Mann.
Gegenüber Peise, Maxe, seine Mutter hieß Marie,
Der Richard war Müller, das vergaß ich nie.
Gegenüber das Jerate-Gässel,
Links davon haben Blischkes drin gesessen.
Frau Bartsch mit Anna, Zobel jetzt genannt,
Wohnten mit Blischkes Wand an Wand.
Gegenüber der Wiener Millionär,
Wo kam diese Sage her?
Der Wandel Schuster tat da mal viel erben,
Nach einem halben Jahr kam er zurück und hatte nich mal
   einen Scherben.
Die Fiaker und die Wiener Mädchen,
Drehten sich im Prater um ihn wie ein Rädchen.
Bald kam mit Schulden statt mit Geld er an,
Er war und blieb ein armer Mann.

50

Links in der Schneidergasse hatte Otto den Pferdestall gebaut.
Und machte ein kleines Wohnhaus draus.
Stiller, Otto, Kitschke, Alfred und andere wohnten darin,
Jetzt gehen wir zum Grabasch, Kolle hin,
Der wohnte im alten Heinze-Häusel drin.
Voriges Jahr war er in Nürnberg goldener Bräutigam,
Seine Tochter kam bis von Amerika an.
Die hatte mal den Kaiser, Richard aus der Raake gefreit.
Es kann auch der Rudolf gewesen sein.
Nun kehren wir zum Kitschke, Franz ein,
Der hatte zuletzt schon bloß noch ein Bein.
Heute ist er als Neubauer ganz groß,
Vierzehn Kinder hat er bloß.

Daneben an der Ecke Schneiderstraße
Sah man vom Janschek man die Nase.
Fräulein Janschek war Schneiderin
Und wohnte zuletzt beim Deichsel drin.
Der Tilgner, Friedrich altbekannt,
Begrub sehr lange Zeit die Auraser im Sand.
Seine Tochter Frieda freite dann den Minak, Paul:
Durch einen Schifferstreik, da lernten sie sich kennen,
Den Paul sah ich noch niemals rennen.
Als Kapitän, da stand er auf der Brücke drauf,
Mit dem Dampfer „Ilse“ fuhr er die Oder runter und
   auch rauf.
Gegenüber stand der Stall vom Gastronomen Baron,
Nebenan vom Kaufmann Jeschke war die Scheune schon.
Gegenüber war des Kienert haus,
Die Monat Agnes, zuletzt Frau Wiedemann, ging ein und aus.
Dort wohnte auch der Obste Nante,
An seinem trägen Lauf man ihn gleich erkannte
Josef Nimietz wohnte auch mit drin,
Das Probste-Gässel zog zur Wohlauer Straße sich dort hin.

Eine Pumpe stand dort auch,
Die Umgegend, die nahm davon Gebrauch.
Daneben wohnte Gerber Schneider drin,
Die anderen kommen mir nicht mehr in den Sinn.
Daneben alle Mann an Bord von Wilhelm Posten,
Ihn schlugen tot Piraten aus dem Osten.

Und nun, das weiß ja jedermann,
Sind wir wieder an Scheunenberg ran.

51

Maler Strietzel Ernst dann an der Wohlauer Straße wohnte
Ein Gang zu ihm sich immer lohnte.
Seine Meta war stets rund,
Finanziell, das waren sie sehr gesund.
Der Helmuth hat die Bösang Ruth nun auch zur Frau,
In Soltau wohnen sie , das weiß ich genau.
Die Ilse war in Auras noch gestorben,
Darüber macht man heute sich noch Sorgen.

Daneben wohnte Bäckermeister Herr Majunke,
Der schoß ein'n Rehbock mit 'ner Pumpe.
Bäcker Brauer hatte dann den Laden,
Als Brandmeister tat er die Spritze fahren.
Kassierer war er jahrelang im Turnverein,
Heinz und Gerda waren die Kinderlein.

Gegenüber an der Ecke
Sah man ein'n mit Angelstöcke.
Das war unser Radon Kohn,
Den Walter kannte jeder schon.
Die Martha hatte Brauer Gottlieb zum Mann:
Den alten Broß werd' ihr wohl kennen,
Hermann und Ehrich tat seine Jungs er nennen.
Der Hermann hatte Dreilich, Gertrud zur Frau,
Der Ehrich die Otto, Frieda im Bau.
Sie hatten einen schönen eisernen Kahn,
Den sich der Befreier dann nahm.
Nebenan war der Laden vom Schäfer drin,
Nun kommen wir zur alten Frau Geppert hin.
Da wohnte früher ein Schnitthändler Kurz,
Der Weg über die Straße zum Auraser Pieps ist ja ganz kurz.

Der war Rendant auf der Auraser Kasse,
Und Frau Schwansee wohnte an der Probste-Gasse.
Die fuhren früher rum mit einem großen Pferdewagen,
Den hat sie voll mit Hausrat geladen.
Der Schebitz, Rudolf welcher Geilich, Gertrud hatte,
Wohnten mit an der Probste-Gasse.
Und wenn Du Dich einmal verlobst,
Dann nimm Dir 'ne Tochter von Probst.
Doch Lore und Elfriede haben heut noch keinen Mann,
Doch die eine kam rasch mit dem Rasch, Willi an.
Töpfer Probst hatte dort auch mal einen Laden,
Der war für uns Schulkinder nur zum Schaden.

52

Dort mußten wir immer die Senten holen,
Eingekerbt haben wir sie dann ganz verstohlen.
Doch dann nahm der Lehrer den Zeigestock,
Und die Tracht Prügel wurde erst richtig grob.
Lisaus, Max hatte ein Dr. Schlumper geschnappt,
Leider liegt der jetzt auch schon im Grab.
Der wohnte bei Probst mit drin,
Und nun schnell noch zum Soyka, Anton hin.
Der hatte 'ne Wirtschaft da gegenüber,
Der Hof war sehr klein dort, mein Lieber.
Drum kaufte er das Grundstück von Baumeister Bölke,
Im altem Haus war der Wurm im Gebälke.
Eine Tochter von Grallert hatte zuletzt das Haus,
Von Liebenau suchte einen Mann sie sich aus.

Der Misam, hieß in Wirklichkeit Schulze, Paul,
Der nahm sich die Hamann, Paula zur Frau.
Sie stammte aus 'ner Fleischerei,
Und beim Paule war sie immer dabei.
Der Ottel zog dann zum Hamann hin,
Doch nach Gellendorf stand ihm der Sinn.
Früher wohnte oben der Schulze, Barbier,
Und eine alte Frau, die konnt' nischt dafür.
Die besprach die Rose und noch so allerhand
Doch deshalb wurde als Hexe sie nicht verbrannt.

Nebenan wohnte Bleul, Schuster und der Pinkale Kolle,
Der Briefträger Ast wohnte auch in dem Stolle.
Gegenüber der Nitschke Müller war,
Der hatte die Windmühle, das ist doch ganz klar.
Oben wohnte mal der Müller mit der Tochter Hanne,
Doch Mehlmalen hat nischt zu tun in dem Falle.
Der Schien wohnte auch mal im Haus,
Die Auerstraße kam auch dort raus.
Daneben war lange Zeit Schebitz' sein Haus
Dann hatte es der Schiffer Bleul,
Sprach man mit seiner Frau, konnte man heul'n.
Die bespuckte einen beim Sprechen, das war wirklich toll,
Ich wüßt' nicht, wo ich die Spucke hernehmen soll.
Man nannte sie kurzweg den Wasserfall,
Und ihr Mundwerk sprudelte überall.

Otto, Wilhelm als Schiffbauer bekannt,
ist viele Jahr' mit meinem Vater zusammen zur Schiffbau
   gerannt.

53

Er war Schiffbauer, mein Vater war Schmied,
Sie waren stets vergnügt und sangen ein Lied.
Sie tranken auch öfters mal ein' übern Durscht,
Beim Hamann aßen sie öfters 'ne Wurscht.
Nach dem Feierabend zog Otto, Wilhelm mit seinen Kühen
   noch auf den Acker raus,
Und nebenan war vom Bild Schnupper das Haus.
Den Vater nachts auf der Chaussee man tat seh'n,
Er wußt nicht, wie er weiter sollt nach Hause geh'n.
Meist hatte er einen anständigen Affen geladen,
Einige Male nahm ich ihn mit in meinem Wagen,
Doch meist wollt perdu er mit dem Rade nach Haus.

Da wies man den Weg ihm dann geradeaus.
Paul war stets nach den Mädchen verrückt,
Und beim Vorstellen sagte er ganz geschickt:
„Gestatten – Student Paul Bild!“
So machte das Luder die Mädel wild.
Und wirklich, er suchte sich eine sehr nette Frau,
In Göttingen ist er beim Film mit, schau, schau!
Er tut in Göttingen nicht studieren,
Er tut die Filme mit einstudieren.
Sein Großvater war als Schumacher Walter im Hause drin,
Nun geh'n zum Fräulein Lehmann wir hin.
Sie hatte ein sehr schönes Haus,
Als Kassiererin zahlte sie viel Gelder aus.
Der Auraser Spar- und Dahrlehensverein
Hatte seine Räume in ihrem Heim.
Dann hatte sie nebenbei für die Schuster alle erforderlichen
   Sachen,
Hinten auf dem Hofe tat man Leder machen.
Gerber Schneider wirkte mit Gehilfen dadrin,
Hinten am Graben schmiß man die Gerblohe hin.
Es roch bei ihr nach Geld und Leder,
Am Hut trug sie 'ne Straußenfeder.

Nebenan, da war der Deichsel, Kolle,
Auch den, den kannten olle.
Schuster war der Vater mal,
Doch das Sitzen wurde ihm zur Qual.
Der Herbert machte aus Beton dann alle Sachen,
Der Waldemar, der tat Denkmäler machen.
Die Sonnabend, Mume wohnte im Haus,
Uhrmacher Göhr ging auch ein und aus.

54

Fräulein Janschek lernte die Mädel nähen,
Heute tut kein Hahn mehr drüber krähen.

Strohsal, Heinrich, gleich nebenan,
Als Fleischer man dort sehen kann.
Er nahm die Kempe, Meta sich zur Frau,
Ihr Vater war schon Fleischer in dem Bau.
Daneben war die Bäckerei vom Kessel mit der netten
   Kaffeestube,
Das Haus war schon 'ne alte Bude.
Die Backwaren, die waren sehr fein
Gerne ging man zu ihm rein.

Nebenan der Ev. Kindergarten mit dem Konfirmandensaal,
Abend hatte der Pastor seine Qual.
Denn der Jungmädchenverein
Gab sich da ein Stelldichein.
Abends beim Nachhausegehn
Taten wir Jungs schon draußen stehn.
Erteilten ihnen in Liebe Unterricht im Freien,
Da mußten wir uns oft beeilen.
Denn die Mädchen vom Jungfrauenverein
Sollten um 11 Uhr zu Hause sein.
Doch manche waren riesig nett,
Sie nahmen uns gleich mit ins Bett.
Sie taten noch weiter „Liebe Deinen Nächsten“ üben,
Mancher Jüngling blieb auf der Strecke liegen.
Wurde vor den Altar dann geschleppt,
Und der Herr Pastor, der war dann sehr nett.
Erteilte dem Pärchen dann seinen Segen,
Und man konnte es auch erleben,
Daß die Hebamme mit zur Hochzeit kam,
Weil der Sprößling sich schon tat nah'n.
Bei manchen tat schon ein Gedicht er auftragen,
Ja, so etwas gab's schon in frühesten Tagen.
Und, Gott sei Dank, daß es das heute noch gibt,
Nichts ist schöner, als wenn man sich liebt.
Verbotene Früchte sind die besten von allen,
Man muß die Feste feiern, wie sie fallen.
Ungeküßt soll man nicht schlafen geh'n,
Das sprachen alle Dichter schon so schön.

Im Haus war auch die Schwesternstation.
Und auch die Schwester von dem Radon.

55

Die Martha hatte den Brauner, Fritze zum Mann,
Nun kommen wir beim Pohlith, Gottlieb an.
Früher war der Seiler Welzer dadrin,
Der Meister Hobel war auch mal drin.
So nannte man den Dreilich, Paul,
Im Saufen war der Paul nicht faul.
Das konnte gehen tagelang,
Vor der Arbeit war ihm bang.
Ich glaube die hat ihm gestunken,
Er saß lieber bei dem Humpen.
Doch es wollt ihm keiner pumpen.
Er machte Studio auf einer Reis',
Meistens lag er dann auf Eis.
Schubert, Lui, wohnte nebenan,
Das war ein sehr sparsamer Mann.
Der Reinhold war am meisten wohl bekannt,
Mit komisch wippenden Schritten kam er angerannt.
Er spielte Horn und ich Trompete,
Er ging nie mit zur Theke.
Zwei Sorten tat er: rauchen und auch saufen,
Taten wir beim Spielen uns verschnaufen.
Das durften nur geschenkte oder geschnurrte sein,
Sonst ließ er sich auf gar nichts ein.
Benke, Benke hatte mal 'ne Werkstatt drin,
Da zog dann Meister Otto Räpe hin.
Ganz früher wohnte Ruschig mal im Haus,
Der ging auch auf die Schiffbau raus.
Und ich werd es nicht vergessen,
Von dem hab ich die ersten Tomaten mal gegessen.
Paradiesäpfel wurden sie genannt,
damit kam Vater einmal angerannt.
Mutter wollt' davon nichts wissen,
Am liebsten hätt' den Dreck sie weggeschmissen.
Wir aßen Salz, Pfeffer und Zwiebel dazu,
Mutter sah von weitem nur zu.
Sie hatte Angst, wir müßten sterben,
Doch das war noch nischt mit erben.
Später haute sie dann selber rein
Und sagt, die Dinger schmecken fein.
Tat sie dann selber auch anbau' n,
Ja, so skeptisch sind die Frau' n.
Drescher, Josef mit der Stiller, Hede,
Und glaube, daß ich da nicht fehle.

56

Noch fünf Familien wohnten beim Reinhold im Hause drin.
Folgendes kommt mir da in den Sinn:

Seit 1203 war Auras schon Stadt,
Die man in den Hunnenkriegen vernichtet hat.
Sie war damals die schlesische Metropole.
Stadtreste fand man bis bei Fogswald noch auf der Plone.

 


Und selbst bei Hennigsdorf auf den Galgenbergen
Fand man Stadtreste und ganz alte Scherben.
Von unserer alten Burg mit dem Wallgraben
Zwei unterirdische Gänge da waren,
Der eine sogar schon unter die Oder durch bis nach
   Brandschütz ging.
Zum Galgenberg führte das andere Ding.
Ein Stück konnte man darin laufen,
Doch der Zahn der Zeit schmiß alles über den Haufen.

57

Die Eingänge wurden dann zugemauert,
Und wir haben als Jungens das sehr bedauert.
Das Gruseln überfiel dann ein'n
Krochen wir mit dem Baron Friedrich in die Gänge hinein.
Den Wldemar vom Förster Witte
Nahmen wir uns immer in die Mitte.
Der hatte einen Hirschfänger, manchmal auch ein Gewehr,
Doch Geister kamen niemals daher.
Manche wollen eine weiße Frau haben geseh' n,
Die sollte nachts im Schlosse umgeh' n.

Und Schubert sein Haus ist ganz früher eine Kaserne gewesen,
Die Reiter von den Raubrittern sind da mal drinnen gewesen.
So konnte man' s in der Chronik noch lesen.
Breslau wurde die Odermetropole dann,
Woran sich ja jeder entsinnen kann.
Doch das älteste Stadtrecht war in Auras zu Haus,
Von unserem Geld baute man auch die Kaiser-Wilhelm-Straße
   in Breslau aus.
Aus dem Stadtsäckel borgte man Breslau mal 50 000 Taler,
Dadurch wurde es bedeutend schmaler.
Wir liefen bis zuletzt auf den Katzenköpfen herum,
Ja, unsere Stadtväter waren damals sehr dumm.
Ja, selbst die Bahne wurde gebaut,
Hat sich der Gutsherr nicht mal getraut
Dafür das Gelände zu geben,
Man legte die Bahn fünf Kilometer daneben.
Der Bahnhof sollte kommen an unsere Schäferei,
Doch damit war' s nach dem Stursinn vorbei.
Den Anschluß haben wir damals verloren,
Regiert wurde Auras von ganz großen Toren.
Und trotzdem war Auras in seinem Dornröschenschlaf schön,
Ich wünschte, wir könnten wieder hingeh'n.

Nun gehen wir zum kleinen Feuerwehrhaus,
Die Spritzen holten wir öfters da raus.
Alle vier Wochen taten wir üben.
Mit der Hand taten die Spritze wir schieben.
Brannte es mal über Land,
Kamen Bauern mit Pferden gleich angerannt.
In allen Stadtteilen blies man ins Feuerwehrhorn,
War blinder Alarm, hatten den Bauch wir voll Zorn.
Öfters war das Feuer, eh' wir kamen, schon aus.
Dann zogen wir betrübt nach Haus.

58

Haben den Brand dann in der Kneipe begossen.
Doch mit der Motorspritze kamen wir dann angeschossen.
Dann machte die Feuerwehr riesigen Spaß,
Die Zuschauer spritzten wir öfters mal naß.
Heinze und Brauer taten lange Brandmeister sein,
Sie waren natürlich auch im Schützen- und Kriegerverein.
Einen Quark-König gab es jedes Jahr,
Nun sind wir der Schloßbrücke schon ganz nah.

Im Park lag dann das schöne Schloß,
Als Raubritterburg war es ganz groß.
Ringsum vom Wallgraben eingeschlossen,
Die Lützows haben sich oft dort besoffen.
Baron Friedrich v. Schuckmann war unser Edelmann,
Wegen Frauenstreit fing sein Ruin mal an.
Doch konnte der alte Baron gut sparen,
Und kam raus an den schlechten Tagen.
Er fuhr nach Berlin zum Reichstag oft hin,
Bei Kaiser Wilhelm war er im Parlament mit drin.
Der war sparsam, und hatte nicht mal ein Kutschepferd,
Der Sohn Friedrich machte es dann ganz verkehrt.
Der hatte Autos und Reitpferde dazu,
Und es ging bergab dann im Nu.
Den schönen Wald, den ließ er einschlagen,
Bis man vom Staat aus dann nein tat sagen.
Und aus war' s schon mit schönen Tagen.
Die Schulden, die wurden riesengroß,
Das Kinderzimmer blieb ihm bloß.
Das fuhr man auf dem Milchwagen zum Bahnhof mit hin,
Ja, futsch ist futsch, und hin ist hin.
Das Gut, das wurde aufgeteilt,
Darüber spottete man meilenweit.
Den Rest vom Gute und das Schloß allein
Kamen in den Besitz des Herrn von Gilgenheimb.
Seine Schwiegereltern hatten das, glaub ich, erworben,
Auch da gingen, glaub ich, nur aus und ein die Sorgen.
Frau Baronin tat Lampenschirme bau'n,
Herr Baron tat sich nach Kundschaft umschau'n.
Er handelte mit Höhensonnen und ähnlichen Dingen,
Mühsam mußten sie sich durchs Leben ringen.
Die eine Tochter heiratete den Grafen von Sauermar,
Heute ist keiner von ihnen mehr da.
Auch sie mußten aus dem schönen Schloß raus geh'n,
Ich weiß nicht, wie es den Kindern mag geh'n.

59

Der Herr Baron ging bei einem Fliegerangriff auf der Flucht
   zugrunde,
So geht das Schicksal seine Runde.

Im Försterhaus wohnte ganz früher der Förster Witte,
Dann kam Fritz Krall in unsere Mitte.
Der hat den Wald dann kahl geschoren,
Er hatte es faustdick hinter den Ohren.
Hat seinen Brotherrn schlecht beraten,
Dafür wird er einmal in der Hölle braten.
Den Rest tat Czernik dann verwalten,
Tat seinem Chef die Stange halten.
War fleißig auch von früh bis spät,
Doch seine Hilfe kam zu spät.
Der Brauner war jahrelang als Kutscher dort,
Zum Schluß mußte er dann auch noch fort.
Reimanns waren auch beim Gilgenheimb,
Die Vera führte der Stiller Sohn heim.

Nun gehen wir noch durch die Schloßgärtnerei,
Dort war nicht viel los, das ganz nebenbei.
Der Gärtner Jander war lange Zeit da,
Dann wechselten sie bald jedes Jahr.
Nun gehen wir hinten beim Jarausch und um den Schulen-
   hof rum
Und treiben uns als letztes auf dem Ringe mal herum.

In die Ev. Schule schulte man mich ein,
Der Lehrer Winkelmann tat mein erster Lehrer sein.
Und schon am dritten Schultag, das fing gleich gut an,
Verprügelte mich tüchtig der Winkelmann.
Um 10 Uhr sollten wir in der Schule sein,
Doch der Morchner, Hermann und ich, wir waren allein
Noch zuvor auf den Schloßdamm gelaufen,
In den Koppeln stand Rindvieh in Haufen.
Junge Kälbchen wie wir waren auch mit dabei,
Wir gaben ihnen Gräser und auch wohl Salbei.
Die hatten ganz rauhe Zungen, die Schecken,
Wir ließen uns gerne von ihnen belecken.
Auf einmal auf dem Schloßdamm ein lautes Geschrei,
Mutter Morchner, die stürzte ganz geschwind herbei.
Die Gärtnerfrauen taten schon Mittag machen.
Nun war's ja bald elf, was kann man da machen?

60

Wir liefen schnellstens nun nach Haus,
Mit beiden Büchertaschen stand meine Mutter schon vor
   dem Haus.
Wir schnallten uns das Ding schnell um,
Beim Rennen machte die Schiefertafel stets bum bum.
Der nasse Schwamm, der hüpfte ins Gesichte rein,
Außer Puste kamen wir in die Klasse rein.
Lehrer guckte uns mit seinem Kneifer an,
Wo kommst du her, du kleiner Mann?
Treuherzig taten wir's erzählen dann,
Vom Schloßdamm kommen wir grad an.
Doch wir durften nicht gleich in die Banke geh'n,
Mußten erst mal vor der Klasse steh'n.
Und er tat uns dann belehren,
Unsern Lehrer sollen wir ehren.
Pünktlich stets zur Schule sein,
Und nun griff er in den Schrank hinein.
Den größten Zeigestock, den holt er raus
Und sagt: „Den Hosenboden klopf ich Euch jetzt aus!“
Wir mußten uns beide über die Banke legen,
Den Zeigestock tut er erheben.
Er machte da natürlich Spaß,
Doch leider sagte er nicht das.
Nach seinen Bewegungen glaubte ich, er schlägt uns tot.
Was macht man da in solcher Not?
Natürlich mit den Beinen strampeln,
Dabei tat ich ihm ins Gesicht reintrampeln.
Der Kneifer ging in tausend Scherben,
Eine Schramme tat er auch noch erben.
Der Schrecken war auf beiden Seiten groß,
Nun ging der erste Tanz gleich los.
Vorbei war die Gemütlichkeit.
Auf alles war ich vorbereit't.
Der Hermann durfte in die Banke rein,
Mch hörte man entsetzlich schrei'n.
Ich konnte auf der Bank kaum sitzen,
Ich dacht' im Po sind lauter Ritzen.
Der brannte mir ganz jämmerlich,
Die Strafe war auch fürchterlich.
Dann hatten wir noch den Lehrer Gotthard Schenk und das
   Fräulein Wolf und Wicke,
Fräulein Wolf, das wurde auf einmal dicke.
Fräulein Wicke tat mich auch das eine Mal quälen,

61

Warum, das tu ich schnell erzählen.
Auf der Landkarte tat ich Neapolis zeigen,
Leider tat ich mich stets beeilen,
Das „po“ als Silbe zu etonen,
Sie dacht', ich will sie wohl verkohlen.
Und sie erklärt, beton das „a“,
Doch stets war mit dem „po“ ich da.
Ne Stunde hat sie auf mir rumgehau'n,
Ich konn't das einfach nicht verdau'n.
Doch dann wurd sie müde schon,
Setz dich hin, du Rabensohn.

Viele Streich führte ich aus,
Einmal kam ich mit gebrochenem Arm nach Haus.
Dann rückten wir wegen unseres Alters auf zur Spitze,
In der ersten Klasse machte Kantor Bösang sich nütze.
Das war unser Bester, der Bösang, Maxe,
Wir liebten ihn und er auch uns frechen Dachse.
Von ihm, da wurde ich auch dann entlassen,
Und neu besetzt wurden wieder die Klassen.
Dann war Lehrer Hoffmann und andere auch noch da,
Als Letzter war Herr Geister noch da.
Der mußte die Schule den Befreiern überlassen,
Wie mögen sie aussehen, uns're Klassen.

Nebenan wohnte der Jarausch im Haus,
Die Postkutsche fuhr er jahrein und jahraus.
Einmal hat er die Liese, ein altes Pferd,
Einem Bauern nach Brandschütz verkauft oder verehrt.
Das konnt' in der Postkutsche nicht mehr laufen,
Drum sollte es auf dem Acker es sich jetzt verschnaufen.
Doch diese Pläne schmiß Liese über den Haufen,
Dreimal ist sie dem Bauer entlaufen.
Sie schwamm durch die Oder in jedem Fall
Und stand auf ihrem Platze im Stall.
Das rührte den alten Jarausch gar sehr,
Seine Liese gab er um keinen Preis dann mehr her.
Wir holten dann Gras noch und Stroh mit ihr,
Die Liese, das war ein braves Tier.

Der Otto Paul wohnte im Haus,
Nebenan ging Kendzia ein und aus.
Zuletzt schmiß Richard Fache den Laden,
Der ist dann mit Omnibussen gefahren.

62

Ehrich Roßmann und der Strecker Maxe spielten Chauffeur,
Ganz selten hatten die bloß mal Malheur..
Der Kendzia Ehrich hat seine Hoffmann Inge,
In ihrem neuen Betrieb war ich auch schon drinne.

Kähnlein hatte im Haus einen Laden,
Den Mitrach Schuster wollen wir erwäh'n, das kann nicht
   schaden.
Der war mal ganz früher drin,
Nun gehen wir zur ev. Kirche hin.

Das war ein Rohbau, sehr schön von innen und außen,
Doch Strolche machten daraus einen Trümmerhaufen.
Sie brannten sie an ohne Ursach' und Grund,
Der's gemacht hat, war ein verkommener Hund.

Daneben war das Pastorhaus,
Pastor Halm ging als letzter drin ein und aus.
Er wurde auch schon abberufen,
Seine Frau wandelt in seinen Stufen.
Sie betreut weiter seine letzte Gemeinde,
In Dresden, da ruhen seine Gebeine.
Die Kinder sind im Westen untergekommen,
Und haben per Anhalter an jedem Schlesiertreffen teil-
   genommen.
Sie tun jetzt sehr mühsam auch studieren,
Vielleicht tut einer der Jungs wieder die Auraser Gemeinde
   mal führen.
Schräg über stand die katholische Kirche da,
Die stand wohl bald an zweihundert Jahr'.
Mit ihrem Zwiebelturm wat sie sehr schön,
Da konnt man Breslau und das Riesengebirge seh' n.
Die Glocken hatten einen wunderbaren Ton,
Und die Polen halten dadrin wieder Kirche schon.
Trotzdem sie auch arg am Schluß geschliffen ist worden
Von diesen sengenden, brennenden Horden.

Neben dem Pastorhaus
Ging der Wandel Schuster ein und aus.
Wolf, Robert wohnte wohl nebenan beim Matz,
Und noch mancher, den ich schon wieder vergaß.
Daneben war das Hedwigsstift untergebracht,
Da hab ich die ersten Schuljahre verbracht.
Der Stiller Otto war mit drin
Und kann mich darauf noch besinn' n.

63

Hatten wir Pause und gingen in den Hof,
Brachten wir den nicht von der Hausschwelle los.
Dort liefen Ameisen in Legionen,
Die griff er mit seinen Händchen und aß sie verstohlen,
Da half kein Schimpfen und Fell versohlen,
Sobald er konnte, hat er wieder welche gestohlen.

Damals wohnte drin ein alte Frau Bahr,
Ihren Enkelsohn Franz man später in Peiskerwitz sah.
Die Schwestern hat man auch mit erschlagen,
Mit hochgebundenen Röcken im Hof sie dann lagen.

Nebenan, Sattler Wiedemann
Paßte den Pferden Geschirre an.
Auch Bienen waren stets in seinem Garten,
Und alle zwei Jahre tat er ein Kindlein erwarten.
Der Bernhard hatte drin eine Kunsttischlerei,
Die Pfarrpumpe und das Gässel waren gleich nebenbei.
Das Pfarrhaus war schön und auch sehr groß,
Patuschek, Kolle nannte die Gemeinde ihren Pfarrer bloß.
   Der letzte war Herr Pfarrer Scholl.
Auch er wurde von Kulturbringern erschlagen,
Es hingen heraus die Därme und Magen.
Im ganzen waren es in Auras wohl fünfzig oder noch mehr,
Von den Zurückgebliebenen lebt keiner heute mehr.
Das Pfarrgässel haben wir jetzt erreicht.
An der Ecke wohnte der Tischler Schmidt sogleich.
Der machte den Glöckner schon jahrelang,
Und sind an der Breslauer Straße angelangt.

Zum Schluß, da geh'n wir noch mal über'n Ring, und am
   Kirchplatz bleiben wir steh'n,
Da tat man die einzige Litfaßsäule schon seh'n.
Sie stand am Rathaus und tat die Pinkelbude verdecken,
Mit dem Ding, da konnte sich Auras verstecken.
Für Frauen war überhaupt nischt da,
Ja, das war traurig, aber wahr.
Geradeüber beim Walter Franz
Fing den Rundgang nach rechts rum ich an.
Doch links, da wohnte ja auch noch ein Mann.
Der Pontow Paul als Gastronom,
Seine Frau nannten wir Ahnenfrau schon.
Sie ahnten beide schon, was wird kommen,
Als die Nazis das Ruder hatten an sich genommen.

64

Doch das es soweit kommt, daß er muß in der Fremde
   mit Knöpfen hausieren geh'n,
Das kann der Paul noch heute nicht versteh'n.
Ich tat mal Ostern die beiden besuchen,
Sie wohnten bei einem Großbauern, und hatten die Feiertage
   nicht ein Stück Kuchen.
Wie viele wurden sie von den Ansässigen verachtet,
Und nur als Eindringlinge betrachtet.
Man sollte doch mehr Nächstenliebe üben,
Wir wären lieber in Schlesien geblieben
Und verzichten gern auf das Mitleid vieler Hagestolze,
Die sind geschnitzt aus falschem Holze.
Denn Dummheit und Stolz
Wachsen auf einem Holz.
Doch unser Gott, er mög es geben,
Das sie unser Schicksal nicht brauchen erleben.

Ich habe mir die Zeit genommen,
Bin fast zu allen Aurasern schon hingekommen,
Ich stand vor vielen fremden Türen
Und konnt auch Nächstenliebe spüren.
Deutsche Männer, deutsche Frauen
Halfen manchen Flüchtlingen ein Heim aufbauen.
Sie verstanden unser Leid
Und waren zur Hilfe stets bereit.
Ihr Schwestern und Brüder, ich danke Euch schön
Für Eure Hilfe, für Euer Versteh'n.
Doch nun laßt uns kurz nach Hause geh'n

Vor Paul Pontow hatte das Gasthaus zur Stadt Hamburg
   dem Gastwirt Baron gehört,
Doch die ganze Ringseite ist zerstört.
Daneben stand das Kaufhaus Jeschke mal,
Dem Schnabel, dem gehörte es ja auch einmal.
Zuletzt war Haschke, Albert drin,
Als letztes gehen wir in das Gasthaus zur Sonne hin.
Werner hieß ganz früher der Gastronom,
Der zog vor vierzig Jahren nach Gellendorf schon.
Dann war ein sogenannter Zwölfender drin,
Doch der hatte nischt mit Arbeit im Sinn.
Den mußte bald wieder der Staat ernaähren
Und drillte bald wieder Rekruten für die Felder der Ehren.
Dann war der versoffene Kremser, Heinrich mal drin,

65

Wenn der besoffen war, schenkten die Gäste sich selber
   Schnaps in.
Der Weihnhold, Fritz hatte nicht lange den Laden,
Der tat sich bald wieder in der Landwirtschaft plagen.
Und endlich kam ein Gastwirt von großem Format,
Das war August Schubert doch in der Tat.

 

 

Im Gasthof zur Sonne tat die Sonne wieder scheinen,
Hoffentlich tut man Deutschland bald wieder vereinen.
Ich sag es ganz offen, Ihr werd't zum Teil staun'n,
Ich hoffe Auras bald wieder aufzubau'n.
Und zwar nach dem Ausspruch von dem Klumpfuß,
   dem frechen,
Welcher zum Schluß noch großschnäuzig tat sprechen.

66

 

Wir bauen Deutschland wieder auf viel schöner als je zuvor,    Der Teufel hat ihn geholt, diesen Tor.
Er hat uns ein schlechtes Erbe hinterlassen,
Und es ist ein Jammer, daß sich die Völker heute noch hassen.
Könnten wir doch bald eine Sprache sprechen,
Dann würden die Völker sich nicht grausam rächen.
Wir säßen gemütlich im Gasthaus zur Sonne
Und tränken gemeinsam dann aus der Tonne
Den eingefangenen Sonnenschein
Der saftigen Reben, den goldenen Wein.
Wie schön könnte doch das Leben sein.

Nun heben wir voll Andacht gen Himmel unseren Blick,             Ihr Menschen auf der ganzen Welt, führt endlich eine             vernünftige Politik.         
Wir wollen in unsere Heimat zurück.                            Es gibt für alle Menschen genug zu essen,                       Ihr dürft nur die Nächstenliebe nicht vergessen.
Als Führer keine Tyrannen sein,
Dann geht Ihr ehrenvoll in die Geschichte ein.

Nun habe ich Euch durch Auras geführt,                        Ihr habt mal gelacht und wart tief gerührt.                   Und ich bitt Euch, tut eins nicht vergessen,                 Sorgt immer dafür, daß sich alle Menschen können in ihrer        Heimat treffen.

Ob schwarz, ob weiß, ob braun,
Jeder soll seine Heimat schau'n.
An den Gräbern seiner Eltern knie'n,
Ich grüß Euch alle aus Berlin.

 

Euer

Erich Stolke

 

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Original - Druck: Wilhelm Möller K.-G., Berlin-Waldmannslust


Quelle: Alfred Zahlten, http://auras-uraz.npage.de/neue-bilder/rundgang-durch-auras.html
Die Bild-Kopieen werden nach der Übersetzung des Textes wieder gelöscht.

Anmerkung: Dieses Skript wurde in eine digitale Form überführt um es einem an dieser Thematik interessierten Leserkreis zugänglich zu machen. Es ist ausschließlich für eine rein private Nutzung gedacht!
Layout, Wortwahl und Gestaltung entspricht weitestgehend dem Original von Erich Stolke.
Hinzugefügt wurden S. 70 und S. 71. Bildmaterial wurde, wo möglich, digital überarbeitet.
Norbert Busch 2014

 

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