Wohlau 1848/49 in der Revolution

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Unser Auraser Heimatfreund Prof. Walter Schmidt veröffentlichte in hohem Alter wieder ein Buch, diesmal über die Revolutionsjahre 1848/49 in unser schlesischen Kreisstadt Wohlau.

Mann muß es gelesen haben.

Walter Schmidt: Wohlau 1848/49. Eine schlesische Kreisstadt in der Revolution. „Schlesischer Kreisbote“, Wohlauer Politischer Verein und Demokratischer Verein von Guhrau [Silesia. Schlesien im europäischen Bezugsfeld. Quellen und Forschungen. Hg. von Wolfgang Weist, Bd. 17], trafo Wissenschaftsverlag Berlin 2017, 184 S.

Wer das Büchlein lesen und kaufen möchte, wende sich bitte an den Verlag, die trafo Verlagsgruppe Dr. Wolfgang Weiss, Finkensteinstraße 8, 12621 Berlin; e-mail: info@trafoberlin.de oder an mich: e-mail: schmidtwberlin@aol.com.
Prof. Dr. Dr. h. c. Walter Schmidt
Paul-Juniusstraße 58
10369 Berlin


Dieses Buch  behandelt die Ereignisse in unserer Kreisstadt Wohlau während des Revolutionsjahrs 1848/49, als das Volk in ganz Deutschland gegen die alten, durch Adel und absolutes Königtum geprägte Herrschaft und für einen einheitlichen bürgerlich-demokratischen deutschen Staat aufgestanden war. Es ist eine lokalgeschichtliche Studie über das Geschehen in einem weitab von den eigentlichen Zentren dieser Revolution liegenden Ort. Es zeigt, dass und wie die einschneidenden Veränderungen, die die Märzrevolution in Berlin in den gesellschaftlichen Strukturen Preußens und vor allem im Denken und Handeln der Menschen hervorriefen, auch das Leben in einer kaum 3000 Einwohner zählenden, zuvor äußerst ruhigen, eigentlich unauffälligen schlesischen Stadt aufwühlten, die Bewohner in diesem kleinen preußischen Verwaltungszentrum und im ganzen Kreis auf ganz eigene Weise gleichsam revolutionierte.


Einfluss auf die neuen ungewöhnlichen Entwicklungen in der Stadt nahmen zunächst spontane Demonstrationen von Bauern und Landarbeitern mehrerer Dörfer des Kreises, so in Schöneiche, Pavelschöne, Nisgawe, Heinzendorf, Mönchmotschelnitz und Altwohlau, mit denen Bitten und Forderungen nach Beseitigung der auf dem Landvolk immer noch lastenden feudalen Abgaben und Verpflichtungen Nachdruck verliehen wurde. Höhepunkt des Widerstands von Landbewohnern im Kreis waren sogenannte „Exzesse“ von Landarbeitern und Ziegeleiarbeitern in der Umgebung von Dyhernfurth, wo der Hof eines Gutspächters gestürmt und das Schloss bedroht wurde. Diese Bewegungen konnten zwar rasch, teils mit militärischer Gewalt, teils durch Versprechungen und die Gewährung von Erleichterungen für die Bauern abgeblockt werden. Doch kam es schon Anfang April erstmals im Wohlauer Kreis zu einer, nicht von den Behörden, sondern von Bürgern und Bauern von unten organisierten großen Volksversammlung in der Nähe von Winzig. Auf der von rund 300 Winziger Bürgern und Bewohnern der umliegenden Dörfer besuchten Zusammenkunft wurden erstmals im Kreis wichtige soziale Forderungen der Landvolks zur Überwindungen der feudalen Ausbeutung zusammengestellt.


Diese Aktivitäten des Landvolks rückten eine Grundfrage der Revolution, die Abschaffung der feudalen Verhältnisse auf dem Lande, in den Vordergrund. Auch die städtischen politischen Freiheitsbestrebungen in Wohlau kamen um diese Fragen nicht herum. Sie entfalteten sich seit den frühen Apriltagen in der Kampagne zu den Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung in Frankfurt und für ein verfassungsgebendes Parlament in Preußen, das in Berlin tagen sollte. Höhepunkt war hier die Volksversammlung von rund 1000 Teilnehmern „aus allen Ständen und Theilen des Kreises“ auf dem Kavallerie-Exerzierplatz bei Wohlau am 27. April 1848, wo mehrere Redner die politischen und sozialen Ziele erörterten, deren Durchsetzung das Volk von den zu wählenden Parlamenten sich erhoffte und verlangte.


Führende Männer in dieser Bewegung für bürgerlichen Fortschritt wurden der Wohlauer Gerichtsrat Eduard Göppert, ein oppositioneller liberaler Mann, der sich schon vor der Revolution in der christkatholischen Dissidentenbewegung einen Namen gemacht hatte, der Riemberger evangelische Pastors Friedrich Wilhelm Müller, der auch bereits im Vormärz sich für die Rechte der Dorfbewohner eingesetzt hatte, und der Dyhrenfurther jüdische Arzt Hermann Wollheim, der unter den einfachen Leuten gut bekannt war. Die ersten relativ freien, allerdings indirekten und nur Männerwahlen im Kreis Wohlau (Frauen erlangten in Deutschland ja erst vor 70 Jahre später, durch die Novemberrevolution von 1918, das Wahlrecht) brachten am 8. Mai 1848 für den Wahlkreis Wohlau Pastor Friedrich Wilhelm Müller und Dr. Hermann Wollheim als Abgeordnete in die zur Ausarbeitung einer preußischen Verfassung konstituierte Versammlung nach Berlin; und den Breslauer demokratischen Gerichtsassessor Max Simon ins Frankfurter Nationalparlament. Unmittelbar nach den Wahlen gründeten diese Männer Mitte Mai 1848 den ersten demokratisch orientierten Verein in Kreis, den Wohlauer Politischen Vereins, der fortschrittlich gesinnte Wohlauer Bürger mit politisch aufgeweckten Dorbewohnern aus dem Kreise vereinte.


Die Berichte der Abgeordneten aus Berlin und Frankfurt in der Wohlauer Lokalzeitung „Schlesischer Kreisbote“ machten seit Ende Mai über mehrere Monate hinweg die Leser in der Stadt und in den umliegenden Dörfern mit den parlamentarischen Auseinandersetzungen bekannt. Sie beeinflussten stark die inhaltsreichen politischen Debatten im Wohlauer Politischen Verein, an dessen Spitze Eduard Göppert stand. Sie weckten und förderten das politische Interesse und das Engagement nicht nur der Wohlauer Intellektuellen, der Lehrer, Geistlichen und Beamten, sondern auch der einfachen Leute in Stadt und Land, der Handwerker und Gesellen wie der Bauern und Landarbeiter. Schon im April war in Leubus ein Urwählerverein entstanden. Unter Leitung von Hermann Wollheim wurde auch in Dyhrenfurth ein Politischer Verein gegründet. Und im August 1848 bildete sich in der benachbarten Kreisstadt Guhrau sogar ein ausgesprochen Demokratischer Verein, der feste Verbindungen zu den demokratischen Zentren in Breslau und Berlin herstellte. Im gleichen Monat formierte sich in Wohlau schließlich ein Kreisrustikalverein, der an das Zentrum der schlesischen Rustikalvereine angeschlossen war. Es entwickelten sich so in Wohlau und Guhrau erstmals die Anfänge eines fruchtbaren politischen Vereinslebens.


So erfolgte in den Sommermonaten 1848 in der Stadt wie auf vielen Dörfern eine bislang nicht gekannte Politisierung. Die Wünsche und Forderungen der in Teilen inzwischen zunehmend selbstbewusst auftretenden Bewohner Wohlaus und der Dörfer rund um die Stadt für eine grundlegende Veränderung der politischen und sozialen Verhältnisse wurden zur Geltung gebracht. Im Buch werden die politischen Diskussionen in den Vereinen um ein demokratisches Preußen und Deutschland vorgestellt. Es waren Auseinandersetzungen über die Rolle von Parlamenten im politischen Leben des Landes, über eine Verfassung, die die politischen Rechte und Freiheiten der Bürger garantieren sollte und an die sich auch der König zu halten hätte, über die Pflichten der Wähler und der gewählten Deputierten, die sich alles in allem nicht wesentlich von den politischen Debatten in den größeren Städten Schlesiens wie Breslau, Liegnitz oder Schweidnitz unterschieden.
Einen tiefen Einschnitt im politischen Leben der Stadt brachte der Staatsstreich des preußischen Königs im November 1848, der zur Auflösung des Berliner Parlaments führte. Im Gefolge der Auseinandersetzungen mit dieser konterrevolutionären Attacke schieden sich die Geister der politisch Aktiven auch in Wohlau. Die Demokraten, die sich für die Vormachtstellung des Parlaments und für einschneidende demokratische Veränderungen einsetzten, trennten sich von den sogenannten Konstitutionellen, denen die weitere uneingeschränkte Herrschaft des Königs am Herzen lag. Zwar gewannen die konservativen Kräfte seit Dezember 1848 wieder die Oberhand, aber die Ergebnisse der ausgeschriebenen Wahlen im Januar und Februar 1849 für die zweite Kammer, den Landtag, in Preußen offenbarten, dass der demokratische Geist auch in den Kreisen Wohlau und Guhrau ungebrochen war. Hermann Wollheim wurde mit großer Mehrheit in den Landtag gewählt.
Erst weitere reaktionäre Maßnahmen der preußischen Regierung im Frühjahr und Sommer 1849, die Einführung des sogenannten Dreiklassenwahlrechts, das eine ernsthafte Einflussnahme der arbeitenden Massen auf das politische Leben unmöglich machte, und die rigorose Beschneidung der Rechte von politischen Organisationen zwangen die Demokraten zum Rückzug. Die politischen Vereine in Wohlau und Guhrau stellten im Herbst 1849 ihre Tätigkeit ein oder lösten sich auf. Nur der Politische Verein in Dyhrenfurth bestand bis 1850 fort. Aber der beeindruckende geschlossene Wohlboykott der Wahlberechtigten in beiden Kreisen bei den notwendig gewordenen erneuten Wahlen von Juli 1849 zur zweiten preußischen Kammer, die der preußische König zuvor, Ende April 1849, wegen ihres Eintretens für die von der Frankfurter Nationalversammlung gerade angenommene Reichsverfassung für einen einheitlichen deutschen Staat wieder aufgelöst hatte, machte immer noch deutlich, dass der Widerstand gegen die Reaktion noch nicht erloschen war.


Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte in dem Revolutionsjahr der von dem Wohlauer Druckereibesitzer Albert Leuckart herausgegebene und redigierte „Schlesische Kreisbote“. Diese Lokalzeitung, die zweimal wöchentlich erschien, ist die - hier erstmals umfassend ausgewertete - Hauptquelle meiner Darstellung, die durch Dokumente aus dem preußischen Staatsarchiv und duch Literatur zum Thema ergänzt wurde. Bereits 1836 gegründet, war der „Kreisbote“, vom Landrat streng zensiert, im Vormärz ein total apolitisches Unterhaltungsblättchen, wurde nach der Märzrevolution aber sehr schnell zum Sprachrohr der politischen Repräsentanten des bürgerlich-liberalen und –demokratischen Fortschritts im Kreis Wohlau. Ohne diese Zeitung ist die erstaunliche Politisierung der Bevölkerung in der Stadt und im Kreis nicht zu verstehen. Auch im Sommer und Herbst 1849, als die preußische Reaktion den demokratischen Widerstand wie überall, so auch im Kreis Wohlau, mit allen Mitteln niederzuhalten suchte, hielt die Zeitung die Fahne der Opposition gegen das preußische Reaktionskabinett hoch. Sie propagierte und verteidigte die beschlossene Reichsverfassung des Nationalparlaments; sie stand zu den für diese Verfassung bewaffnet kämpfenden Revolutionären wie zu den Erhebungen der Ungarn und der Italiener gegen die Herrschaft der Habsburger, und sie prangerte unbeeindruckt die einsetzenden politischen Verfolgungen aufrechter Liberaler und Demokraten an. Noch 1850 war der „Kreisbote“ bei der Regierung als „entschieden oppositionell“ gefürchtet. Danach aber musste der Herausgeber klein beigeben und sich in die erneut sich ausbreitende Friedhofsruhe der Restaurationsperiode einfügen. Das Buch ist so auch eine Geschichte dieser Zeitung, vor allem ihres Wirkens im Revolutionsjahr 1848/49.

Wer das Büchlein lesen und kaufen möchte, wende sich bitte an den Verlag, die trafo Verlagsgruppe Dr. Wolfgang Weiss, Finkensteinstraße 8, 12621 Berlin; e-mail: info@trafoberlin.de oder an mich: e-mail: schmidtwberlin@aol.com.
Prof. Dr. Dr. h. c. Walter Schmidt
Paul-Juniusstraße 58
10369 Berlin


Wohlau 1848/49
Inhaltsverzeichnis


Vorwort                                                                                                                      
Wohlau in der Geschichte                                                                                          
Die Stadt am Vorabend der Revolution
                                                                               
Der „Schlesische Kreisbote“ im Vormärz                                                                  
„Preßfreiheit“ und der Aufbruch des Volkes                                                            
Die Winziger Volksversammlung vom 4. April 1848                                                                             
Die Wahlkampagne für die Parlamente in Frankfurt und Berlin                                                                                                 
Die Maiwahlen                                                                                                           
Di Gründung des Wohlauer Politischen Vereins                                                       
Die ersten Parlamentsberichte aus Berlin und Frankfurt                                                                                  
Scharfe Kontroversen um die Abschaffung der Feudallasten                                                 
Die Vereinslandschaft im Kreis Wohlau                                                                                                                                                     
Der Demokratische Verein in Guhrau                                                                                                                                              
Politische Vereinsdebatten im Sommer und Herbst 1848                                          
Parlamentarische Erfolge fürs Landvolk                                                                    
Widerstand gegen den Staatstreich der Krone im November 1848                                                            
Der Rückschlag. Die Auflösung der preußischen Nationalversammlung
und die oktroyierte Verfassung                                                                                         
Die preußischen Kammerwahlen von Januar/Februar 1849 und
die Trennung der Konstitutionellen von den Demokraten                                                                                                                                              
Preußische Kammerdebatten – Märzerinnerungen – Deutsche Frage                       
Der erste Jahrestag des 18. März in den Vereinen                                                                              
Reichsverfassung und Kaiserwahl                                                                             
Die Reichsverfassungskämpfe                                                                               
Dreiklassenwahlrecht und Wahlboykott                                                                    
Das Ende der politischen Vereine in Wohlau und Guhrau                                        
Gegen die  preußische Unionspolitik                                                                           
Anprangerung der politischen Verfolgungen                                                              
Der „Kreisbote“ im letzten Quartal 1849                                                                       
Wieder Repressionen. Der „Kreisbote“ nach 1849                                                                                                         
Resümee                                                                                                                      
Personen- und Ortsnamensregister                                                                                 
Quellen und Literatur                                                                                                  
Bildnachweis                                                                                                               
Über den Autor                                                                                                           
Bibliografie Walter Schmidt    
                                                                                        

 

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